Der noch relativ neue Hauptstadtflughafen konnte im vergangenen Jahr ein Passagieraufkommen von fast 10 Millionen Menschen verzeichnen. Dies sind 900.000 mehr als im Vorjahr, für 2022 gibt es jedoch Ziele mit einer gänzlich anderen Größenordnung.

Im Jahr 2020 verzeichnete der BER ein Passagieraufkommen von knapp 9,9 Millionen Menschen. Dieses Jahr werden laut der Betreibergesellschaft des BER die Hälfte der Zahlen von 2019, also des Passagieraufkommens ohne gehäufte Reisebeschränkungen, erwartet. Ob der Flughafen Berlin-Brandenburg den Spagat zwischen gähnender Leere wie noch Anfang 2021 und Chaos, schafft, bleibt abzuwarten. Erst im Herbst dieses Jahres sorgte eine Passagierflut für so einige verpasste Flüge, aufgrund derer selbst eine ehrenamtliche Eingreiftruppe zur Unterstützung bei der Abfertigung eingeschaltet werden musste. Fakt ist, dass durch die Überprüfung der Dokumente, die dieser Tage für Reisen notwendig sind, der Check-in-Prozess weiterhin erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird als noch vor zwei Jahren, wie unter anderem aero.de berichtet.

Erster Stresstest im zweiten Halbjahr 2021

Nachdem in den ersten sechs Monaten des Jahres noch vergleichsweise wenige Passagiere von und über den Flughafen in Schönefeld aus an ihr Ziel gelangten, waren es im zweiten Halbjahr 2021 deutlich mehr. Die Flughafengesellschaft FBB rechnet mit dem „schwachen“ Halbjahr ab, berichtet aber ab Juli von einer erfreulichen Entwicklung, da in den Folgemonaten die Zahl nicht wieder unter eine Million Passagiere fiel. Der stärkste Monat war der Oktober, in dem der BER jedoch auch seinem ersten Stresstest unterzogen wurde.

Chaos BER 2 1024x571
Die Nerven lagen blank – lange Schlangen am BER im Herbst dieses Jahres

Offensichtlich nicht für diese Entwicklung vorbereitet, zeichnen sich desaströse Bilder ab. Schier endlos lange Schlangen beim Check-in, der Sicherheitskontrolle und der Einreise führen zu viel Frust bei den Reisenden. Zusätzliche Dokumente wie Corona-Tests sowie Impfpässe mussten am Check-in-Schalter kontrolliert werden und der Personalmangel am Flughafen sorgte ebenfalls für die Verzögerungen der Prozesse. Die Lufthansa wies ihre Passagiere zeitweise dazu an, bereits vier Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, während einige andere Gäste über Wartezeiten von bis zu fünf Stunden berichteten. Um zu vermeiden, dass sich ein solches Szenario wiederholt, wurde im Dezember vergangenen Jahres auch die zweite Start- und Landebahn in Betrieb genommen. Für dieses Frühjahr wurde außerdem die Inbetriebnahme des Terminals T2 angedacht.

Dieses Jahr sieben Millionen Fluggäste mehr erwartet

Vor der Corona-Krise und deren Schließungen sind von den beiden Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel rund 36 Millionen Menschen gereist. Obwohl sich die Anzahl der angebotenen Strecken bereits fast auf Vorkrisenniveau befindet, nachdem sich die Reiseziele im Zuge des aktuellen Winterflugplans gegenüber 2020 nahezu verdoppelt haben, muss an anderer Stelle noch stark aufgeholt werden.

Wir sind auf dem Weg zurück in eine Normalität. (…) Die Erwartung ist, dass der BER das Verkehrsvolumen von 36 Millionen Passagieren, das 2019 die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zusammen hatten, 2025 wieder erreicht.

Ex-Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Interview mit der TAZ

Der Flughafenbetreiber rechnet damit, dass man erst in vier Jahren die Anzahl von Passagieren, die vor Corona von Berlin aus abflogen oder einen Transit einlegten, erreichen werde. 2025 soll der Flughafen auch nicht mehr auf öffentliche Gelder angewiesen sein und könne sowohl die Schuldentilgung als auch den Betrieb mit den eigenen Einnahmen stemmen, wie der ehemalige Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup berichtet. Für 2022 sind jedoch auch ambitionierte Vorhaben geplant. Die FBB GmbH erwartet über den Verlauf des gesamten Jahres einen Anstieg der Passagierzahlen um sieben auf 17 Millionen.

Fazit zur Bilanz und den Prognosen des BER

Am Hauptstadtflughafen gab es laut Aussage der Vorsitzenden der Geschäftsführung Aletta von Massenbach “noch keinen Tag der Normalität (…), wie wir sie aus Zeiten vor der Pandemie kennen” und dennoch habe er “gezeigt, dass der BER über eine funktionierende Infrastruktur verfügt.” Ob diese Infrastruktur wirklich so gut funktioniert, dürften sich wahrscheinlich zumindest diejenigen fragen, die im Herbst ihre Flüge verpasst haben und denen nun Entschädigung für das organisatorische Chaos zusteht. Diese Szenen spielten bei dem jetzigen jährlichen Passagieraufkommen von zehn Millionen Menschen ab, welches sich jedoch dieses Jahr noch ein Mal kräftig erhöhen soll. Inwiefern die angekündigten strategischen Anpassungen in Reaktion auf den durchwachsenen Herbstferienbeginn am Flughafen den steigenden Andrang stemmen kann, bleibt abzuwarten.

Autor

Seitdem Sandro mit nur einem Jahr seinen ersten Langstreckenflug antrat und danach 6 Jahre lang im Ausland aufwuchs, war er von Reisen begeistert. Heute ist er immer auf der Suche nach der nächsten Möglichkeit, in einen Zug oder ein Flugzeug zu steigen, neue Orte und Personen kennenzulernen und seinen Horizont zu erweitern.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Ich kenne niemanden, der BER mag

    Schilder sind chaotisch….
    Beim Aussteigen läuft man schnell an der Kontrolle vorbei.
    Wer auf die Toilette will landet schnell im Fahrstuhl.
    An einer Stelle findet man den Weg zum Gate fast nicht.
    Nur 6 Fahrscheinautomaten für Bahn.
    Wer zur Bahn will stellt sich schnell am Fahrstuhl an. Ohne den Weg zur Treppe zu finden.

    Überhaupt hat man das Gefühl, dass es der erste Airport weltweit gewesen sei.

    Einfach ein dämliches Airport….

Alle Kommentare anzeigen (1)