Die Deutsche Bahn sieht sich durch die kurzfristige Einführung des 9-Euro-Tickets in erheblichen Schwierigkeiten.

Es steht fest: das 9-Euro-Ticket kommt schon in diesem Sommer. Durch die Kurzfristigkeit der Unternehmung befürchten allerdings viele, dass die aktuellen Kapazitäten der Deutschen Bahn nicht ausreichen, so das rnd. Was für die kommenden Monate befürchtet wird und womit Abhilfe geschafft werden könnte, zeigen wir Euch im Folgenden.

Keine Kapazitäten für 9-Euro-Ticket?

Laut dem obersten Betriebsrat der Deutschen Bahn, Jens Schwarz, befürchtet man eine Wiederholung des Szenarios von 1995, als man für 15 D-Mark am Wochenende durch ganz Deutschland reisen konnte. Damals konnte man von Glück sprechen, wenn man im Gang auf dem Zugboden einen Sitzplatz fand. Er fürchtet, dass das Projekt zur Entlastung der Bürger die Bahn an ihre Grenzen bringen könnte. Wenn Menschen sich dann an Bahnsteigen drängen, die Züge nicht richtig abfahren und es zu Rangeleien an Bahnhöfen kommt, würde der Schuss nach hinten losgehen. Der große Feldversuch, die Menschen dazu zu bewegen, mehr Bahn statt Auto zu fahren, würde scheitern.

Deutsche Bahn Regionalbahn
Die Deutschen Bahn ist nicht für den erwarteten Ansturm gewappnet.

Man würde zwar alles tun, das Projekt, welches selbst vom ADAC als super Sache betitelt wird, zu einem zu einem Erfolg zu machen, doch es mangele an allem. Züge, Gleise und Personal sei knapp – eventuell zu knapp für den Ansturm, der in weniger als einem Monat prognostiziert wird. Pfingsten wird als Generalprobe betitelt, dann nur wenige Tage später geht es bereits richtig los.

Verspätungen sind vorprogrammiert

Während sich der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands positiv bezüglich der Strecken, die zu beliebten touristischen Zielen führen, äußert, seien vor allem auf Strecken, die in die Berge oder ans Meer führen, die Verspätungen den Bahn-Arbeitnehmerverbänden zufolge vorprogrammiert.

Db Deutsche Bahn Sitzplatz Zug
Leere Sitzplätze werden in den kommenden Monaten womöglich eine Seltenheit.

Das Angebot ist besonders attraktiv für Tagestouristen und eine gute Möglichkeit, die eigene Umgebung umweltfreundlich mit Bus und Regionalbahn zu erkunden {…}. Wir gehen davon aus, dass vor allem zahlreiche Tagesreisende ihr Auto stehenlassen und umsteigen.

Norbert Kunz – Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands

Der Betriebsratschef der DB Sicherheit erklärt allerdings, dass man auch bezüglich der potenziellen Konflikte Maßnahmen treffen sollte. Ihm zufolge könnte es zu einem erhöhten Sicherheitsrisiko werden, wenn ein erhöhtes Aufkommen bei Reisenden auf Probleme bei Ressourcen trifft. Auch von seiner Seite aus sei die Forderung nach mehr Personal also äußerst wichtig. Dafür heißt es vom Bundesverband Schienennahverkehr, dass die Aufgabenträger derzeit gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen Aktionspläne vorbereiten, die personelle Verstärkungen und zusätzliche Fahrzeugkapazitäten im geplanten Geltungszeitraum des 9-Euro-Tickets ermöglichen sollen.

Fazit zu den Befürchtungen der Deutschen Bahn bezüglich der nächsten Monate

Während die Entwürfe für das 9-Euro-Ticket finalisiert und auf den Weg gebracht werden und der erste Monat, in dem das Ticket gelten soll, allmählich näher rückt, steigen auch die Sorgen um die Durchführung des Vorhabens merklich an. Immer mehr Stimmen rechnen mit erheblichen Einschränkungen des Zugverkehrs und damit, dass das Experiment womöglich das Gegenteil dessen, was es eigentlich bewirken sollte, als Konsequenz nach sich ziehen könnte. Solange sich tatsächlich nichts Konkretes an der Kapazität der Deutschen Bahn ändert, könnte der kommende Sommer ein nervenaufreibender Kraftakt für alle Beteiligten werden, der für die Realisierbarkeit oder das Scheitern eines bezahlbaren ÖPNVs für die Zukunft wegweisend ist.

Autor

Sandro ist Content Editor und seit Januar 2022 bei reisetopia tätig. Seitdem er mit nur einem Jahr seinen ersten Langstreckenflug antrat und danach 6 Jahre lang im Ausland aufwuchs, war er von Reisen begeistert. Heute versorgt er Euch vor allem am Wochenende mit interessanten Inhalten.

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  • Warten wir es ab. Als vor langer Zeit das Schöne-Wochenende-Ticket eingeführt wurde, gab es auch proppevolle Züge. Das war aber innerhalb eines Monats vorbei.
    Bei den Berufspendlern wird sich möglicherweise nicht so viel ändern. Wer da heute ein privates Fahrzeug nutzt, wählt diese Option, weil mit öffentlichen verkehrsmitteln die Fahrzeiten ewig lang würden. Daran ändert sich durch einen geringeren Preis reinweg gar nichts. Für den einen oder anderen mag die Kosten-Nutzen-Optimierung gerade einen Grenzfall darstellen, woraus dann der Wechsel zum ÖPNV resultieren könnte.

    Aber lassen wir uns überraschen. In meinen Augen ist das Ganze ein sehr interessantes Experiment.

    • Das Schöne We Ticket war ja auch ein dauerhaftes Angebot das in Form der Ländertickets und QdL bis heute existiert, da war der Run wahrscheinlich deshalb nicht mehr so groß nach einem Monat.

  • Vielleicht wird´s gar nicht s schlimm, da in den 3 Monaten ja Sommerferienzeit ist. Auf den Straßen merkt man schon sehr die Ferienzeit, deutlich weniger Berufsverkehr.
    Und Pünktlichkeit war ja noch nie ein Schlagwort, welches man mit der DB verbindet.
    Lassen wir uns mal überraschen.

  • Das wird der Obergau! Die Gefahr besteht, daß wirkliche Berufspendler, für die das Ticket eigentlich gedacht war, durch Tagestouristen, nicht mehr in die Züge einsteigen können, weil schon übervoll. Das Wort Pünktlichkeit, können wir noch weiter in die Tonne treten, als es jetzt schon ist!

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