Angesichts der bevorstehenden Einführung einer Ökosteuer und der Schließung von immer mehr Grenzen fürchtet der CEO von Air France-KLM um die Zukunft des Konzerns. Seiner Ansicht nach sind erhebliche Kostensenkungen zu erwarten, da die erhaltenen Staatshilfen nicht ausreichen werden.

In einem Interview mit der französischen Tageszeitung l’Opinion bemerkte Benjamin Smith, der CEO der Fluggesellschaft Air France-KLM, dass “der Flugverkehr zurückging, sobald die Sommerferien beendet waren”, und warnte, dass daher “viel mehr” getan werden müsse, um die laufenden Kosten zu senken. Seiner Meinung nach werden die staatlichen Beihilfen, die der Konzern erhält, nur für die nächsten zwölf Monate ausreichen.

Erhebliches Liquiditätsdefizit in Folgen der Pandemie

Da die Einreisebeschränkungen immer strenger werden und immer mehr Länder – wie Belgien, Deutschland und Polen – Frankreich als Risikogebiet einstufen, wird die Situation von Air France in den kommenden Monaten immer beunruhigender werden. Heute führt Air France im Vergleich zum letzten Jahr gerade einmal 40 Prozent ihres Flugbetriebs durch. Infolgedessen hat die Fluggesellschaft bereits eine Reihe von Sparmaßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel Massenentlassungen, den Abschied einiger Piloten, die Einstellung von Inlandsrouten und der Stilllegung ihrer A380-Flotte, um die finanziellen Ausgaben zu reduzieren.

Air France

Benjamin Smith erklärte jedoch vor kurzem, dass Air France-KLM bei einer weiterhin stagnierenden Nachfrage wie aktuell, die Kosten viel drastischer senken müsse, um größere Einsparungen erzielen zu können.

Die Regel der Air France-KLM Group ist es nur rentable Flüge durchzuführen (was in der Regel hauptsächlich Frachtflüge sind). Aber der Flugverkehr ging direkt zurück, sobald die Ferien zu Ende waren, und wir sehen jetzt ein Tief in den Buchungszahlen. Das Segment der Geschäftsreisen belebt sich nur sehr, sehr, sehr langsam, ein Trend, der auch überall sonst und bei allen großen Fluggesellschaften zu beobachten ist, sagte er in seinem Interview mit der Opinion.

Benjamin Smith, CEO von Air France-KLM

Wenn sich der Trend fortsetzt, werden die von Frankreich und den Niederlanden angebotenen staatlichen Zuschüsse die Gruppe nur für die nächsten zwölf Monate über Wasser halten. Daher verhandelt die Geschäftsführung mit ihren Anteilseignern, um die finanziellen Mittel über diesen Zeitraum hinaus zu retten.

Die kritisierte Ökosteuer

Vor kurzem hat die französische Regierung ihren Wunsch geäußert, einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Umweltsteuer für Fluggesellschaften, die von Frankreich aus fliegen, einzuführen. Diese Steuer würde unter anderem darauf abzielen, Emissionen zu reduzieren und Flüge weniger attraktiv zu machen. Zu diesem Thema bleibt Benjamin Smith gnadenlos: “Es wäre unverantwortlich und katastrophal für unsere Fluggesellschaft.” Seiner Meinung nach würde die Einführung dieser Steuer inmitten einer Pandemie das Ende der Air France-KLM bedeuten, die bereits durch die geringe Nachfrage geschwächt ist.

Diese Ökosteuer würde sofort Zehntausende von Arbeitsplätzen kosten. […] Unser bester Weg, die CO₂-Emissionen zu reduzieren, ist die Erneuerung unserer Flotte. Ein neues Flugzeug bedeutet sofort 25 Prozent weniger Treibhausgase. Eine solche Steuer würde uns daran hindern, 20 Flugzeuge pro Jahr oder 10 Prozent der Air France-Flotte zu kaufen, kündigte er an.

Benjamin Smith, CEO von Air France-KLM

Für die nächsten fünf Jahre plant Air France lediglich die Anschaffung effizienterer Flugzeuge, um die Umweltauswirkungen des Konzerns zu reduzieren. Diese Steuer würde den Cashflow des Konzerns belasten und die Investitionsprojekte von Air France komplett zunichtemachen.

Lösungsansätze zur Wiederbelebung des Flugverkehrs

Anstatt neue Einreise-Beschränkungen nach Europa zu erlassen, glaubt Benjamin Smith, dass es verschiedene Lösungen geben könnte, die der Luftfahrtbranche in Frankreich nicht so sehr schaden würden. Seiner Ansicht nach könnte eine dieser Möglichkeiten sein, Passagiere zu verpflichten, sich vor dem Boarding einem PCR-Test zu unterziehen, eine Maßnahme, die europäische Fluggesellschaften nicht behindern würde.

Wir befürworten es zum Beispiel sehr, alle Reisenden an ihrem Abreiseort testen zu lassen. Wir arbeiten mit dem Internationalen Luftverkehrsverband (IATA) und den Fluggesellschaften für Europa (A4E) zusammen, um für die Verbreitung dieser Verfahrensweise einzutreten, zumindest in den größeren Ländern, sagte er.

Benjamin Smith, CEO von Air France-KLM

Seiner Meinung nach gibt es einen Bedarf an “koordinierten Gesundheitsmaßnahmen” in der EU. Gegenwärtig ändern sich ständig die Gesundheitsvorschriften von einem Land zum anderen, sodass es für Reisende schwierig wird, Reisen zu planen, weil sie Angst davor haben, im Ausland festzusitzen.

Fazit zur aktuellen Lage von Air France-KLM

Die Situation von der Air France-KLM Group ist, wie die vieler anderer großer Fluggesellschaften, ziemlich prekär. Niemand weiß, wie die nächsten Monate aussehen werden, sodass es für die großen Luftfahrtkonzerne immer schwieriger wird, auf finanzieller Ebene zu planen. Leider scheinen drastische und unerwartete Kostensenkungen derzeit die einzige Lösung zu sein, um die Fluggesellschaften in diesen schwierigen Zeiten überleben zu lassen.

Lust auf mehr reisetopia Artikel? Dann folgt uns:

Autorin

Seitdem Karolin als Schülerin an einem Austauschprogramm in Frankreich teilgenommen hat, wächst täglich ihre Begeisterung für das Reisen und Entdecken neuer Länder und ihre Leidenschaft für die französische Sprache.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Sofortige Aufhebung aller Maßnahmen ist die einzige Lösung, das raffen so langsam viele, aber die meisten glauben immer noch daran, dass man mit Masken den Tourismussektor retten kann. Nein, wenn die Politik so weiter macht, dann läuft in einem Jahr nichts mehr, das verstehen leider die Coronas Zeugen nicht.

Alle Kommentare anzeigen (1)