Ab dem ersten Quartal 2026 dürfte der erste Airbus A380 der Lufthansa mit einer neuen Business Class starten. Je nach Perspektive könnte dieser sogar besser sein als die neue Allegris Business Class.

Die Einführung eines neuen Business Class Produktes war in der Geschichte der Luftfahrt wohl nie so kompliziert wie bei der Lufthansa. Anstatt in allen Maschinen mit demselben Produkt zu starten, wird es bei der Lufthansa statt Einheitlichkeit – einst ein Markenzeichen der Airline – mindestens bis in die 2030er-Jahre verschiedene Produkte geben. Qualitativ dürften die Unterschiede sich allerdings in Grenzen halten, denn der Sitz von der Stange, der nun auch im Airbus A380 Einzug erhält, könnte von dem einen oder anderen Passagier sogar als besser wahrgenommen werden als die neu eingeführten Allegris-Sitze.

Ein Sitz von der Stange statt dem neuen Allegris Produkt?

Dass die Lufthansa für den Airbus A380 auf andere Sitze setzen würde als für die neu bestellten Maschinen sowie auch Airbus A350, die sich schon in der Flotte befinden, ist bereits länger klar. Hintergrund dessen dürfte sein, dass die Lufthansa für die Maschinen auf dem absteigenden Ast keine gesonderte Zertifizierung mehr für die Allegris-Sitze anstreben möchte. Zu kompliziert, zu langwieriger war und ist sie schon bei anderen Flugzeugtypen, wie sich etwa bei den mehr als einem Dutzend Dreamliner zeigt, die immer noch mit neuen Sitzen in den USA herumstehen.

Verbesserte Business Class Lufthansa Airbus A350
Den “neuen” Sitz gibt es schon im Lufthansa Look

Stattdessen gibt es im Airbus A380 Sitze von der Stange, die man schon von der einen oder anderen Airline kennt – sogar von der Lufthansa. Durch die Übernahme von zwei Airbus A350, die zuvor für Philippine Airways unterwegs sind, gibt es den Thompson XL Sitz bereits in der Flotte der Lufthansa. Ob er in diesen Maschinen auch verbleibt oder mittelfristig durch das Allegris-Produkt ersetzt wird, bleibt insoweit auch abzuwarten.

Der Sitz von Thompson Aero hat sich dabei durchaus bewährt, im Airbus A380 sind sie zudem schon zertifiziert. Das liegt daran, dass die australische Airline Qantas die Sitze in ihren “Superjumbos” verbaut hat, ansonsten findet man die Sitze unter anderem noch in der Business Class von SAS sowie im Airbus A350 von Delta – dort allerdings in einer modifizierten Version mit Tür, die als Delta One Suite vermarktet wird.

Ein neuer und schon bei der Einführung veralteter Sitz?

Dass die Lufthansa mit ihren “neuen” Business Class Produkten spät dran ist, kann man nicht gerade als Neuigkeit titulieren. Entsprechend überrascht nicht, dass Lufthansa nun einen Sitz einführt, den es bei anderen Airlines schon seit einem guten Jahrzehnt gibt. Besonders ironisch mutet an, dass die australische Qantas just im Jahr der Einführung bei der Lufthansa ebendiesen Sitz durch eine neue Variante ersetzt.

Qantas Business Class Sitz
Bei Qantas ist statt des Thompson Aero XL bereits ein neuer Sitz geplant

Das soll allerdings die Qualität des Thompson Aero XL Sitzes nicht schmälern, den ich etwa auf meinem Qantas Business Class Flug von London nach Perth ausgesprochen ausführlich und auf meinem SAS Flug von Newark nach Kopenhagen etwas kürzer testen konnte. Die Standardvariante überzeugt dabei insbesondere bei den Sitzen am Fenster durch eine hohe Privatsphäre, ausreichend Ablagefläche und eine recht gute Liegefläche sowie einen überdurchschnittlichen Entertainment-Bildschirm.

Besonders ist allerdings etwas anderes an den Thompson Aero XL Sitzen, denn die neueste Variante des Sitzes ist noch einmal deutlich besser als das Produkt, das man aktuell bei SAS oder Qantas findet. Konkret bietet die neueste Generation nämlich eine komplett verschließbare Tür, einen deutlich größeren und besseren Entertainment-Bildschirm und überarbeitete Ablagemöglichkeiten sowie weitere technische Verbesserungen.

SAS Business Class Kabine 2
Bei Lufthansa erwartet einen wohl keine Variante mit Tür

Aktuell ist gleichwohl nicht bekannt, ob die Lufthansa auf diese neue Variante setzen wird oder die “Standardsitze” ohne Türe einbauen wird. Sollte die Lufthansa tatsächlich die neue Variante durch die Bank einführen, wäre dies fraglos eine Überraschung.

Besser als die neu eingebuate Allegris Business Class?

Dass die Lufthansa bezüglich der Variante des Thompson XL Sitzes vor einer schwierigen Entscheidung steht, liegt allen voran an den Defiziten beim eigenen und häufig selbst gelobten Allegris Business Class Produkt. Dieses bietet nämlich nur in den Suiten Türen und nicht wie die (neue) Business Class anderer Airlines. Auch der Entertainment-Bildschirm der regulären Allegris-Sitze ist kleiner als der in der neuen Thompson Aero XL Variante.

Lufthansa Allegris Business Class Sitz 2
Die regulären Sitze in der Allegris Business Class haben keine Türen

Entsprechend würde die Lufthansa bei einem Einbau der neuen Thompson Sitze mit Tür im Airbus A380 ein besseres Produkt schaffen als in den eigenen Maschinen mit Allegris, was aus Passagiersicht sicherlich toll wäre – aus Sicht der Airline und ihrem Marketing für den neuen Sitz gleichwohl allerdings ziemlich peinlich. Insbesondere, weil man sich mit einem Sitz von der Stange die ewigen Dramen rund um die Zertifizierung des eigens gemeinsam mit verschiedenen Herstellern entwickelten Sitzes.

Gleichzeitig wäre es kurios, wenn man bewusst ein “älteres” und schwächeres Produkt einbauen würde, obwohl das bessere bereits eingeführt wurde. Denkbar wäre deshalb auch eine Allegris-ähnliche Kombination mit Suiten in der jeweils ersten Reihe einer Kabine und “normalen” Sitzen, eventuell mit den anderen Verbesserungen des Thompson Aero XL Sitzes, aber ohne Türen.

Lufthansa Allegris Business Class Suite Mitte 2
Suiten am Anfang einer Kabine würden zum Allegris-Konzept passen

Dann könnte man bei der Lufthansa auch die geplante Upsell-Strategie bei den Sitzen fortführen. Zwei verschiedene Suite-Tpyen und Sitze mit mehr Privatsphäre am Fenster könnte man so gegen Aufpreis verkaufen. Gleichzeitig spricht gegen eine Einführung der Thompson Aero XL Variante mit Tür, dass diese vermutlich bisher nicht für den Airbus A380 zertifiziert ist – anders als die “alte” Variante. Da Qantas selbst in Zukunft auf einen Sitz vom Konkurrenten Safran setzt, kann Lufthansa hier auch nicht auf Schützenhilfe aus Australien hoffen.

Gute Neuigkeiten für gemeinsam Reisende?

Auch in der Standardvariante müsste man die Maschinen mit Thompson Aero XL Sitzen übrigens keineswegs meiden, denn auch die Sitze ohne Tür sind je nach Perspektive auf einem ähnlichen Niveau wie das neue Allegris-Produkt der Lufthansa. Besonders die Sitze, die sich direkt am Fenster mit der Konsole hin zum Gang befinden, fallen durch eine hohe Privatsphäre und einen guten Komfort auf.

Nun gibt es sicherlich unterschiedliche Perspektiven, welchen Sitz man persönlich präferiert. Klar ist allerdings mit der geplanten Einführung des Thompson Aero XL, dass es bei der Lufthansa in Zukunft zumindest einige Maschinen gibt, bei denen es gemeinsam Reisende etwas einfacher haben. Das neue Allegris Business Class Produkt bietet für diejenigen, die nicht alleine unterwegs sind, im Grunde nur die Suiten in der jeweils ersten Reihe einer Kabine.

SAS Business Class Kabine 3
Für Paare sind die Thompson Aero XL Sitze etwas angenehmer

Beim Thompson Aero XL Sitz sind dagegen alle Sitzpaare in der Mitte gleich. Zwar handelt es sich nicht um sogenannte Honeymoon-Sitze – die beiden Passagiere sitzen vielmehr ein kleines Stück voneinander entfernt. Doch dennoch dürfte das Produkt von Paaren positiver aufgenommen werden als Allegris, denn immerhin kann man sich recht gut unterhalten und sich zumindest mit ein wenig Anstrengung auch sehen.

Egal, welchen Thompson Aero XL Sitz die Lufthansa also am Ende in ihren Maschinen einbaut, manche Passagiere werden die Maschinen mit den Sitzen von der Stange in Zukunft wohl dem Allegris-Produkt vorziehen. Eine gewisse Ironie lässt sich dabei sicherlich verbergen, wenngleich fairerweise die Freude über ein in wenigen Jahren konstant verbessertes Business Class Produkt bei der Lufthansa sicherlich überwiegt.

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Autor

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