Seit mehr als einem Jahr sind die Lufthansa und auch Swiss mit dem neuen Business und First Class Produkt unterwegs. Doch sind die Flüge auch teurer als die Verbindungen mit dem alten Produkt?

Dass die Lufthansa Group mit der Einführung eines neuen Produktes nicht nur den Passagierkomfort, sondern natürlich auch die Erträge im Blick hat, dürfte niemanden überraschen. Gerade beim Lufthansa Allegris First Class sowie Swiss Senses Produkt war entsprechend mit deutlichen Preiserhöhungen zu rechnen. Doch anders als in der Anfangszeit scheint es auch in der First Class keinen Allegris-Aufschlag zu geben!

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Dämpfender Effekt auf Preise durch Allegris-Freigabe

Die Lufthansa ist mittlerweile schon fast zwei Jahre mit dem vollständigen Allegris-Produkt unterwegs, bei der Swiss ist es ein gutes Jahr. Einen echten Durchbruch bei der Produktverfügbarkeit gab es aber erst jetzt, denn ab Mitte April hat erstmals ein relevanter Teil der Lufthansa-Flotte die neuen Sitze.

Die Freigabe scheint dabei direkt einen dämpfenden Effekt auf die Preise zu haben, wie beispielsweise die Lufthansa-Verbindung von Frankfurt nach Hongkong zeigt, wo an vielen Daten der Allegris-Flug nach Freigabe der Sitze sogar günstiger ist als die Verbindung der Swiss mit “alten” Sitzen:

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Ein Allegris-Abschlag statt Aufschlag zeigt sich zwar nicht auf allen Strecken, aber die verrückten Preise für Lufthansa Allegris Flüge, auf denen nur die Suiten buchbar waren, sind weg. Das zeigt sich beispielsweise auch auf der Verbindung nach New York, wo der Allegris-Flug ab Frankfurt tatsächlich teurer ist als andere Verbindungen. Hintergrund dürfte aber eher die Relevanz der Verbindung sein, ist die günstigste Option eben auch ein Allegris-Flug, nur eben über München:

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Klar scheint auf jeden Fall, dass die Freigabe der Sitze ab 15. April 2026 dafür sorgt, dass die Preise für Allegris-Tickets ab diesem Zeitpunkt deutlich moderater sind als noch vor wenigen Wochen. Passagiere können nun schlicht deutlich mehr Plätze mit dem neuen Bordprodukt buchen und haben generell wieder Zugriff auf mehr Business Class Tickets auf vielen Verbindungen.

Aufschlag für Allegris scheint mittlerweile komplett verschwunden

Doch auch über diesen Sondereffekt hinaus, kann von einem Allegris-Aufschlag keine Rede mehr sein. Auf fast allen von uns getesteten Strecken zeigt sich dabei dasselbe Bild: Flüge mit Allegris über München sind insbesondere bei Umsteigeverbindungen entweder genauso teuer oder sogar günstiger als andere Verbindungen via Frankfurt oder Zürich:

Grafik 2

Bei Direktflügen ist die Allegris-Verbindung ab München oder Frankfurt in der Regel etwas teurer als Umsteigeverbindungen. Das dürfte allerdings weniger mit dem Bordprodukt zu tun haben als mit dem Fakt, dass für Direktflüge meist ein Aufschlag anfällt:

Grafik 3

Eine Rolle spielen hier fraglos auch die diversen Joint Ventures der Lufthansa Group, die individuell höhere Preise auf einzelnen Verbindungen manchmal erschwert. Gleichzeitig allerdings sieht man durchaus Preisunterschiede zwischen Frankfurt und München, die zeigen, dass es unabhängig vom Produkt immer eine gewisse Flexibilität gibt.

Selbst die Allegris First Class kostet nicht mehr zusätzlich

Plakative Aussagen sind bei einem so komplexen System wie der Preisgestaltung von Flugtickets immer schwierig. Doch es zeigt sich mittlerweile immer stärker, dass selbst Allegris First Class Tickets nicht teurer sind als reguläre First Class Tickets, zumindest wenn noch kaum Sitze in der Kabine gebucht sind, wie die Verbindung nach Chicago hervorragend zeigt:

Grafik 4

Kurzfristig wird es sogar noch kurioser, denn obwohl auf der Verbindung via Frankfurt noch zwei Plätze verfügbar sind und über München und Zürich jeweils nur ein Platz, ist die Verbindung mit der Allegris First Class die günstigste:

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Nun gibt es sicherlich auch andere Beispiele, konnten wir bei unseren Recherchen auch einzelne Verbindungen finden, auf denen die Allegris First Class teurer ist als die anderen Optionen. Dies scheint allerdings nicht am Produkt zu liegen, sondern daran, dass die günstigen Buchungsklassen durch die geringere Zahl an Sitzplätzen früher geschlossen werden.

Selbst der Swiss scheint es dabei nicht zu gelingen, einen Aufpreis für ihr Prestigeprodukt zu nehmen. So zeigt sich etwa auf der Verbindung nach Boston an einem Beispieldatum, dass die Verbindung über Zürich und München gleich viel in der First Class kostet, obwohl bei der Swiss nur noch ein Platz in der Kabine buchbar ist, während es über München gleich sieben sind:

Grafik 6

Ob Allegris oder Senses: Von einem Aufpreis für die neuen Bordprodukte, der über Buchungsklassen und Verfügbarkeiten hinausgeht, kann man weder in der Business Class noch in der First Class sprechen. Gerade in der höchsten Reiseklasse mag das mit Blick auf die gesteigerte Exklusivität fraglos eine Überraschung sein!

Allgemein höhere Preise durch weniger Sitze denkbar

Einen Allegris- oder Senses-Aufschlag gibt es nach aktuellen Daten also nicht. Aber steigen die Preise möglicherweise trotzdem langfristig? Durch eine insgesamt geringere Zahl an Business Class Sitzen könnte das der Fall sein. In München sieht man diesen Effekt allerdings bislang nicht, obwohl hier die neuen Airbus A350-900 (38 Business Class Sitze) teilweise Maschinen vom Typ Airbus A340-600 (44 Business Class Sitze) ersetzen.

Lufthansa Allegris Business Class Layout 2
Weniger Sitze in den Allegris-Maschinen könnten die Preise nach oben treiben

In den nächsten Monaten dürfte sich dieser Effekt vergrößern, denn einzig ausgewählte Airbus A350 mit 30 Sitzen in der Business Class und Airbus A340-300 mit derselben Anzahl an Sitzen haben weniger Plätze als die neuen Allegris-Maschinen. Alle anderen Jets, die potenziell durch Maschinen mit Allegris ersetzt werden, haben eine größere Kapazität. Das gilt in Frankfurt, wo die Boeing 787-9 mit gerade einmal 27 Sitzplätzen abhebt, noch stärker als in München.

Lufthansa Boeing 787 9
Die neuen Boeing 787 weisen besonders wenige Business Class Sitze auf

Die Umstellungen in der Flotte in den nächsten Jahren sollten allerdings generell einen Trend zeigen, denn im Schnitt werden sowohl die Airbus A350, die ab München abheben, als auch die Boeing 787-9 sowie später dann auch Boeing 777X, die in Frankfurt starten, weniger Business Class Sitze haben als ihre Vorgänger. Sei es durch eine Umrüstung bestehender Maschinen oder durch die Ausflottung älterer mit besonders hoher Kapazität, etwa der Boeing 747.

Neue First Class zeigt Grenzen der Preissetzungsmacht

Dass eine Verknappung gleichzeitig nicht immer bedeutet, dass ein Unternehmen eine stark wachsende Preissetzungsmacht hat, zeigt sich bei der Allegris First Class sowie der Senses First Class. Waren hier anfangs fast nie günstige Buchungsklassen buchbar, scheint das Produkt mittlerweile im normalen Preisgefüge und damit auch im Preiskampf angekommen zu sein.

Obwohl die Zahl der First Class Plätze in den neuen Maschinen nur noch halb so groß ist, sind die Preise in etwa auf dem Niveau dessen angekommen, was man auch vor der Einführung gesehen hat. Preise auf dem Niveau von Air France, wo die First Class oft das drei- oder gar vierfache der Business Class kostet, sind für Allegris und Senses zumindest in der Breite scheinbar unerreichbar.

Lufthansa Allegris First Class Suit Sitz
Selbst Allegris First Class Flüge sind mittlerweile nicht mehr teurer

Gewisse Preiserhöhungen durch das knappere Angebot an Allegris und Senses First Class und Business Class Plätzen dürfte es in den kommenden Jahren trotzdem geben. Allzu schlimm wird sie vermutlich aber nicht, auch weil der Wettbewerb – gerade in der Business Class – groß ist. Viele Konkurrenten entwickeln ihre Sitze zudem Stück für Stück weiter und bieten auch jetzt teilweise schon mehr. Ein Allegris-Aufpreis lässt sich so schlicht nicht rechtfertigen, wie die Preisentwicklung aktuell hervorragend zeigt.

Ein Trostpflaster bleibt für die Lufthansa: Das neue Sitzkonzept ist für die Wahl der wirklich attraktiven Sitzplätze mit einem nicht zu vernachlässigenden Aufschlag verbunden. Heißt konkret: Vielleicht kann das Ticket selbst nicht teurer verkauft werden als bislang, dafür sind allerdings auch die Zusatzeinnahmen höher.

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Autor

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  • Auf der Kurzstrecke wo man quasi ein Monopol hat, verlangt man ja schon seine Mondpreise. Auf der Langstrecke hingegen konkurriert man mir so vielen Airlines die ein weitaus besseres Hard-Produkt bieten. Wenn jemand zb Berlin – Tokyo fliegt und ohnehin einmal umsteigen muss, waere man doch bloed extra mehr zu zahlen um dann in der Allegris zu sitzen (Classic seat) wenn man zb auch in der Qsuite sitzen koennte, wo jeder Sitz in der Kabine hervorragend ist.
    An irgendeinem Punkt kann die Lufthansa hohe Preise eben nicht mehr rechtfertigen.

  • leider in der first die preise etwas mehr als verdoppelt … bedeutet weniger paxe weil nur noch 3 Einzelsitze ( ja einer ist Doppelsitz ) und deutlich teurer .denke wird schwer …

  • Naja, der Preis in der Liste ist nur der Standard. Dazu kommen noch die hohen Zuzahlungen für den passenden Sitz. Diese Kosten verschleiern die angeblich günstigen Preise.

  • Ich lach mich tot – die LH als preislich bescheiden hinzustellen, erfordert aber gewaltige Scheuklappen! Die Preise gelten doch nur für die schlechtesten Sitze – wenn man schon für normale Fensterplätze saftige Aufschläge bezahlen muss, geschweige denn, für etwas mehr Platz, rentiert sich das sicher. Außerdem werden ja jetzt die Meilenbucher extrem gemolken, die Hansa kassiert mit ihren Fantasiezuschlägen, die sich nicht mehr durch Meilen abfedern lassen, besonders auf den USA-Strecken (und natürlich auch bei Allegris-Sitzen) unverschämt ab. Da hilft es auch nicht, dass ab und zu ein paar Meilen weniger verlangt werden – Augenauswischerei! Gieriger als Lufthansa gehts doch schon lange nicht mehr!

    • Sehe ich genauso.
      Das Schlimme ist, dass das Prinzip Upselling und Downgrading (Statuskunden und Meilensammler) funktionieren kann, wenn sich genug finden, die Lufthansapreise plus Extragebühren zahlen. Und auch der NPS dürfte besser werden, weil viele Unzufriedene nicht mehr mit der LH fliegen.
      In einigen Jahren werden es die Zahlen zeigen.

  • 4k oneway von Berlin nach Tokio? Na solange Leute freiwillig so viel für ein antiquiertes Produkt ausgeben brauch sich LH mit einer Verbesserung des Produkts nun wirklich nicht zu beeilen.

  • Ja, tut sie.
    So meine Beobachtung in mindestens drei Fällen in der Business Class.
    Genau so, wie meistens Tickets auf A380 günstiger sind.

    Lufthansa probiert halt höhere Preise aus, um gezielte Nachfrage erlösseitig zu optimieren. Finde ich nicht schlimm.
    Andersherum müsste sie für Business Class in 333, 343 oder 744 deutlich beim Preis abschlagen, so wenig konkurrenzfähig wie das Produkt mittlerweile ist.

  • Die Lufthansa Allegris kommt zu spät. Sie Ist zu selten vorzufinden und dann gibt es nur die ganz nachteiligen Sitze ohne Aufschlag….ich werde weiterhin mit der Konkurrenz meine Business Class Intercont buchen. Die 10 Jahre ohne Lufthansa Interkontinental werden 20 Jahre oder mehr….bis diese “Manager” Mullahs gehen. Irgendwie habe ich übrigens den Eindruck, dass die lieben US Amerikaner direkt selbst Ihre Europaziele anfliegen. Da muss bei Lufthansa vieles sich ändern.

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