Selten sind sich politische Gegner wirklich einig, insbesondere wenn es um Steuern geht. Bei einem kürzlichen TV-Duell war dies jedoch überraschend anders, was zudem auch für die Luftfahrt von großer Relevanz sein könnte.

Die Spitzenkandidaten, die jeweils für die Sozialdemokraten und die Konservativen zur EU-Wahl antreten, stimmten beim Thema Kerosinsteuer deutlich überein. Wenngleich beide Politiker über den Zeitpunkt der Einführung einer solchen Steuer aus verschiedenen Gründen uneins sind.

EU-weite Kerosinsteuer geplant

Eine Zuschauerin des TV-Duells zwischen den beiden Spitzenkandidaten, Frans Timmermanns für die Sozialdemokraten und Manfred Weber für die konservative Europäische Volkspartei, merkte an, dass der Luftverkehr ungerecht bevorzugt werde. Weber, Europapolitiker der CSU, sprach sich daraufhin für eine Besteuerung des Kerosins aus, damit auch Alternativen, wie die Bahn, gestärkt werden könnten. Aktuell sei man aber durch internationale Verträge in Änderungen noch zu sehr eingeschränkt.

London Heathrow Airport Flugzeuge

Webers Widersacher, der Niederländer Timmermanns wiederum, wolle eine Kerosinsteuer “unbedingt und schnell” durchsetzen und – wenn nicht anders möglich – diese der internationalen Verträge zum Trotz dann  erstmal nur europaweit einführen. Durch internationale Vereinbarungen der UN-Luftfahrtbehörebende ICAO ist Kerosin fast auf der gesamten Erde von Steuern befreit. Erst kürzlich ließ die EU jedoch eine Bürgerpetition zu, die sich für die Einführung einer Kerosinsteuer einsetzt.

Deutsche Luftverkehrsbranche gegen eine Steuer

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL setzt sich gegen jedwede Form einer Kerosinsteuer ein. Das begründet der BDL mit einer vor zehn Jahren getroffenen Vereinbarung, die es vorsah, den Luftverkehr nicht weiter zu besteuern und diesen stattdessen in den Emissionshandel innerhalb der EU mit einzubeziehen. Seit dem Jahr 2012 wachse auch deswegen der europäische Luftverkehr nur noch CO2-neutral. Des weiteren sieht der BDL mehr Bedarf in regenerativ erzeugten Kraftstoffen, die zu marktfähigen Preisen und flächendeckend angeboten werden müssten, um den klimaneutralen Flugverkehr weiter zu fördern.

TAP 330neo Exterieur Airbus Bild

Umweltverbände und Klima-Aktivisten sehen dennoch eine sofortige Kerosinsteuer – die unmittelbar wirke im Gegensatz zum Emissionshandel –, als beste Möglichkeit, um die Alternativen zum Fliegen, wie die Schiene und die Straße, konkurrenzfähiger machen zu können. Des weiteren würde die Steuer die Entwicklung spritsparender und alternativer Motoren in der Luftfahrtindustrie fördern. Jedoch sagen Experten, dass die an sich schon hohen Kerosinpreise Anreiz genug seien, um immer treibstoffsparender zu fliegen. Eine Kerosinsteuer würde dahingehend voraussichtlich nur eine geringe Wirkung zeigen.

Fazit zur Einführung einer Kerosinsteuer

Ob die Einführung einer Kerosinsteuer sinnvoll ist und den gewünschten Effekt bringt oder nicht, darüber sollten unabhängige Experten urteilen. Die Alternativen zum Fliegen dagegen zu stärken und wettbewerbsfähiger zu machen, klingt allerdings äußerst sinnvoll in Anbetracht der aktuellen Lage. Spritsparendere und gänzlich neue, klimaneutrale Antriebe sollten in der Luftfahrtindustrie so oder so immer mehr gefördert werden. Wichtig ist es, weiter gemeinsam nach Lösungen und Wegen zu suchen.

Lust auf mehr reisetopia Artikel? Dann folgt uns:

Autor

Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Nun ja, wenn diese Steuer nur auf Strecken erhoben würde, die eine gewisse Entfernung unterschreiten ( z.B 1500 km) und die Steuern dazu genutzt werden, die Straßen-/ und Schienenalternativen zu verbessern, dann könnte ich den Sinn noch ein bisschen nachvollziehen.
    Aber wenn die Politik dann noch anfangen sollte, die Langstrecken oder Kontinentalverbindungen zu besteuern, dann würde ich persönlich nur die pure Geldmacherei darin erkennen – denn die Alternative Bahnverbindung nach Amerika, Afrika oder Australien (beispielhaft) möchte ich sehr gern mal sehen 😉

    Aber seien wir mal ehrlich…..wir wissen doch alle, worauf das hinauslaufen wird, oder?! ;(

    • Eine Steuer nur auf kurzen Strecken wäre doch nicht zweckmäßig. Dann würde es ja noch verlockender, mal eben nach Thailand als nach Italien in den Urlaub zu fliegen und dem Klima eindeutig mehr zu schaden. Gerade auf kurzen Strecken sollten die Flugpreise auch von Ryanair allerdings nie unter den Preisen einer Bahnfahrt liegen und die Kerosinsteuer innerhalb Europas deswegen schon einen deutlichen Betrag (min. 50-100 €) ausmachen. Allerdings sollten auch Langstreckenflüge teurer werden. Geschäftsreisende können sich diese sowieso leisten und als Tourist sollte man sich fragen, ob man nicht lieber mal näher an der Heimat Urlaub macht. Deutschland und insbesondere Europa in seiner Vielfalt sind wirklich unglaublich sehenswert, da muss man nicht unbedingt um die halbe Welt fliegen, und wenn, dann halt für eine längere Auszeit, wie z.B. ein Gap Year nach dem Abi, aber nicht für einen zweiwöchigen Urlaub. Ich hoffe die EU ändert endlich mal was!

      • Ist echt ein schlechter Witz. Erst selbst der ungebildeten Unterschicht sinnlose 2-Tages-Wochenend-Sauftrips für wenige €uronen mehrmals pro Jahr schmackhaft machen (EU-Infrastruktur-Subventionen und EU-Regional-Förderung sei Dank, genauso wie EU-Regelungen die das ausbeuterische Geschäftsmodell von Billigfliegern EU-weit erst ermöglichen) und dann einen auf Klimaretter machen.

        Die sollten lieber mal bei sich selbst anfangen und den mehrmals im Jahr stattfindenden sinnlosen Umzug zwischen Brüssel und Straßburg mit dutzenden Akten-gefüllten LKW abschaffen. Monsieur Macron läuft doch in der ersten Reihe der Umweltschützer mit und schreit nach tieferer europäischer Integration. Dann ist er doch bestimmt bereit den französischen Nationalstolz runterzuschlucken und den EU-Standort Straßburg zugunsten des Klimas und Europas aufzugeben.

      • Guten Morgen 🙂
        Ich hab mich vielleicht etwas missverständlich ausgedrückt?!
        Es würde ja nicht darum gehen die Langstreckenflüge billiger zu machen. Die blieben genau so teuer wie jetzt. Damit würden sich die, die sich die Flüge jetzt nicht leisten können, sich diese auch zukünftig nicht leisten können 😉
        Es würden, glaub ich, nicht mehr Langstreckenflüge stattfinden, sondern genau so viel wie jetzt auch schon.

        Wenn ich überhaupt Verständnis für diese Idee der Besteuerung aufbringen könnte, dann wirklich nur, wenn Flüge z.B innerhalb Deutschlands (Berlin- Düsseldorf, Leipzig – Köln usw) besteuert würden, denn da würde es bestimmt Alternativen geben, die man bei angepasster Zeitplanung problemlos nutzen könnte!?

        Und versteht mich nicht falsch, ich finde die Idee der Besteuerung nicht gut, ich versuche nur Verständnis aufzubringen und zu erkunden, wo solche grundsätzliche Idee Sinn machen würde und wo nicht.

        Aber die Politik wird bestimmt eine grundsätzliche Steuer pro Liter / pro Kilometer erheben und damit die Langstrecken, wo das Flugzeug jetzt schon das effektivste und umweltschonendste Beförderungsmittel ist, übermäßig besteuern und sich die Einnahmen für Diätenerhöhungen zunutze machen 😉 :/

      • @Maximo Die EFRE-Förderungen sind ausdrücklich für eine nachhaltige regionale Entwicklung und die Reduktion von CO2 in der Wirtschaft vorgesehen. Natürlich gibt es einige zweifelhafte geförderte Projekte, allerdings kann man nicht pauschal die EU dafür verurteilen, strukturschwache Regionen zu fördern. Die Liberalisierung des Luftverkehrs hat erstmal viele Vorteile für die Passagiere (Wähler) gebracht, die klimabezogenen Nachteile hat man damals (noch) nicht erkannt. Das war natürlich ein Fehler der EU, allerdings insgesamt trotzdem der richtige Schritt. Das heißt aber doch nicht, dass man das jetzt nicht korrigieren darf! Wenn man gar nichts ändern würde, würde es ja nicht besser.

        Auch den Doppelsitz der EU halte ich für einen Fehler, allerdings sind die CO2-Emissionen der Umzüge (ca. 19 Tsd. Tonnen jährlich) nichts im Vergleich zu den 163 Mio. Tonnen, die alle Abflüge aus der EU und der EFTA verursacht haben (https://ec.europa.eu/transport/sites/transport/files/2019-aviation-environmental-report.pdf) und diese Zahl soll ständig weiter ansteigen, daher ist es an der Zeit einzugreifen. Die Sache mit dem EU-Sitz zu ändern ist allerdings nicht so einfach. Was soll man mit den Gebäuden in Straßburg denn machen?

        @Chris Die Langstreckenflüge müssten auch teurer gemacht werden, genau wie die Kurzstreckenflüge. Es kann ja nicht sein, dass ein Flug von Frankfurt nach New York günstiger als einer nach Rom ist?! Die Besteuerung bzw. Verteuerung könnte auch den immer weiter ansteigenden Trend zu Langstreckenflügen aufhalten. Naja, das Flugzeug ist wohl eher das einzige Verkehrsmittel für so lange Strecken, besonders umweltschonend ist es nicht.

        Allerdings stelle ich mir viel mehr die grundsätzliche Frage, wofür sie überhaupt nötig sind. Ich war noch nie außerhalb von Europa und vermisse auch nichts. In der heutigen Zeit von Internet und Skype ist man weltweit vernetzt wie noch nie, warum sollte man da noch um die halbe Welt fliegen?

Alle Kommentare anzeigen (1)