Die Weltklimakonferenz in Glasgow neigt sich dem Ende zu und während die Bevölkerung auf umsetzbare Maßnahmen hofft, machte Deutschland gestern negative Schlagzeilen. Am Abend wendete sich das Blatt allerdings wieder.
Die Treibhausemissionen müssen gesenkt werden – dem sind sich alle Staaten auf der Weltklimakonferenz einig. Doch bei der Umsetzung hapert es noch. Im Kampf gegen den Klimawandel kämpfen längst nicht mehr nur Aktivisten, auch immer mehr Fluggesellschaften ziehen mit und setzen sich ambitionierte Ziele, sind doch die Flugzeuge mit ihrem Kerosin bislang alles andere als klimafreundlich. Während Elektroautos immer mehr in Fahrt kommen, gibt es auch für Flugzeuge bereits eine nachhaltige Treibstoffalternative, die aber nicht nur sehr kostspielig ist, sondern auch noch Entwicklungspotenzial hat. Nun haben sich 14 Staaten auf der globalen Konferenz zu einer klimafreundlichen Luftfahrtallianz zusammengeschlossen, zu der Deutschland zunächst nicht zählte, etwas später jedoch nachgerückt ist, wie fvw berichtet.
Um Klimaziel zu erreichen, müssten Flüge weltweit halbiert werden
Immer mehr Staaten und Regierungen setzen sich für mehr Klimaschutz ein. Daher schaute die Welt zuletzt auch gespannt nach Glasgow, wo derzeit noch die Weltklimakonferenz stattfindet. Neben dem großen Ziel, die Erderwärmung wieder auf 1,5 Grad zu reduzieren, geht es hier auch um konkrete Maßnahmen, die CO₂-Emissionen zu reduzieren. Dafür haben sich nun mehr als 20 Länder zusammengetan, um das Ende des Verbrennungsmotors einzuläuten. Ab 2040 sollen nur noch emissionsfreie Neuwagen und Transporter verkauft werden. Deutschland schloss sich dieser Initiative nicht an. Auch wenn hierzulande bereits diskutiert wird, ab 2035 nur noch Null-Emissionsneufahrzeuge zuzulassen, gibt es bei Fragen zu den sogenannten e-Fuels noch Unstimmigkeiten.

Der nächste Dämpfer für alle, die sich mehr in Sachen Klimaschutz erhofft hatten, folgte prompt. Auch bei der neu geschlossenen Allianz für mehr Klimaschutz in der Luftverkehrsbranche ist Deutschland zunächst nicht dabei gewesen. Einen Grund nannte die Bundesregierung bislang nicht, doch das war auch nicht nötig, denn nur wenig später verkündete das Bundesministerium, dass Deutschland sich der Allianz doch anschließen werde. Laut der Deutschen Presse-Agentur will man sich zunächst aber noch auf EU-Ebene über gewisse Punkte abstimmen. Deutschlands Beitritt würde dann aber “innerhalb der üblichen Fristen” nachgeholt werden.
Deutschland begrüßt die Initiative und Erklärung zur International Aviation Climate Ambition Coalition.
Deutsches Bundesverkehrsministerium
Unter den weiteren 14 Staaten sind unter anderem die USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Türkei. Dabei bekannte sich die Allianz zum schrittweise Herunterfahren der klimaschädlichen Emissionen bis zum Netto-Null-Ziel 2050. Auch die Weiterentwicklung und der Einsatz klimafreundlicherer Kraftstoffe ist ein Thema des geschlossenen Pakts. Dennoch erwartet die Allianz in den kommenden 30 Jahren einen massiven Anstieg des Passagieraufkommens, nach einem harten Einbruch infolge der Coronakrise. Dem soll nun klimafreundlich gegenüber getreten werden.
Falschmeldungen von Klimaaktivisten
Kritik kommt dabei von Greenpeace. Die Aktivisten-Gruppe hält viele Aussagen aus dem geschlossenen Pakt für und das Klimaziel von 1,5 Grad damit für unerreichbar:
Diese Ankündigung ist voller Betrug wie Kompensationszahlungen und exzessive Hoffnungen auf sogenannte nachhaltige Kraftstoffe und zukünftige Flugzeug-Designs.
Klara Maria Schenk, Sprecherin von Greenpeace
Schon das EU-Klimapaket „Fit for 55“ sorgte bei deutschen Airlines, wie dem Flaggcarrier Lufthansa für Panik. Die Airline rechnet dadurch bis 2035 mit milliardenschweren Belastungen. In ihrem Politik-Brief sprach sich die Lufthansa somit auch komplett gegen eine Kerosinsteuer aus, die Teil des „Fit for 55“-Pakets sein soll und befürchtet einen Wettbewerbsvorteil für die Konkurrenz außerhalb Europas. Doch nicht nur die Lufthansa, sondern nahezu die gesamte europäische Luftfahrtbranche kritisiert die Pläne der EU scharf. Denn so fürchtet die Branche, dass die Konkurrenz außerhalb Europas die Fluggäste aufgrund des fehlenden Kostendrucks über ihre Hubs, wie etwa den Nahen Osten, umleiten könnte.

Schlagzeilen machten bei der Verkündigung der neuen Allianz auch andere Klimaaktivisten mit gezielt gestreuten Falschmeldungen. So wurden unter dem Namen International Aviation Climate Ambition Coalition eine Webseite erstellt und gezielt Mitteilungen an Journalisten verschickt, in denen es heißt, die Allianz bestehend aus 14 Staaten habe sich dazu entschlossen, die Emissionen des Luftverkehrs bis 2030 zu halbieren. Damit wollten die Aktivisten vor allem die Aufmerksamkeit auf das 1,5-Grad-Ziel lenken, das mit dieser harten Maßnahme so vielleicht erreicht werden könnte.
Fazit zur neuen Klima-Allianz & Deutschlands Rolle
Deutschlands Industrie und Hauptwirtschaftszweig ist bekanntermaßen die Automobilindustrie. Auch wenn immer mehr Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, fehlt eine flächendeckende Infrastruktur. An Alternativen für LKW’s und Transportern mangelt es auch und so schloss sich Deutschland nicht dem Pakt zum Ende des Verbrennungsmotors an. Auch bei der neu gegründeten Luftverkehrs-Allianz für mehr Klimaschutz sah es zunächst danach aus. Inzwischen hat das Bundesverkehrsministerium jedoch bestätigt, dass man der Allianz doch beitreten wolle. Doch schon die harte Kritik vonseiten der Lufthansa zum „Fit for 55“ Klimapaket der EU machte deutlich, dass Deutschland hier noch ein langer Weg bevorsteht, um seine Klimaziele zu erreichen und aktiv an denen der Welt mitzuwirken.







