In Anbetracht der globalen Klimakrise stellen sich auch die Flugzeughersteller ihren Herausforderungen. Boeing hat nun versprochen, dass alle neuen Boeing-Maschinen bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig mit Biokraftstoffen betrieben werden können.

Als wäre eine Krise nicht genug, haben sich die Flugzeugbauer und Fluggesellschaften auch einer großen Verantwortung im Rahmen der Klimakrise zu stellen. Zwar ist die Thematik im letzten Jahr etwas in den Hintergrund gerückt, an Aktualität hat sie jedoch bei Weitem nicht eingebüßt. Boeing forscht schon lange an Möglichkeiten, wie Biokraftstoffe – also Sustainable Aviation Fuels (SAF) – das herkömmliche Kerosin vollständig ersetzen können, doch sind es auch Kostengründe, die schnelle Fortschritte verlangsamen. Aktuell beschränken sich die Maßnahmen, wenn überhaupt auf eine Beimischung von SAF zum normalen Kerosin, doch auch hier geht es nur langsam voran. So hat die Initiative Clean Skies for Tomorrow, der auch Boeing angehört, bereits von der EU eine SAF-Beimischungspflicht gefordert, damit alle Beteiligten fortan an einem Strang ziehen. Nun wagt der amerikanische Flugzeugbauer noch einen weiteren Schritt und verkündet, dass ab dem Jahr 2030 alle ausgelieferten Flugzeuge vollständig mit SAF fliegen können, wie unter anderem Reuters berichtet.

“Herausforderung unseres Lebens”

Um einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise zu leisten, hat sich die Aviatik-Branche das Ziel gesetzt, die Kohlenstoffemissionen bis 2050 zu halbieren. Aktuell ist der kommerzielle Flugverkehr für etwa 2 Prozent der globalen Kohlenstoffemissionen und etwa 12 Prozent der Verkehrsemissionen verantwortlich – das soll sich in Zukunft ändern. Laut dem Manager von Boeings Nachhaltigkeitsstrategie Sean Newsum, wird dies “eine enorme Herausforderung” wenn nicht sogar die “Herausforderung unseres Lebens”. Viele Entwicklungen wurden bereits angestoßen, so werden die neuen Maschinen etwa durch ihr geringeres Gewicht immer Treibstoff-effizienter. Auch im Bereich der Biokraftstoffe hat sich schon einiges getan. Biokraftstoffe stammen aus nicht-fossilen, nachwachsenden Rohstoffen und werden in komplexen chemischen Umwandlungsprozessen in hochtechnologischen Anlagen zu “Bio-Kerosin”. Die nicht-fossilien Rohstoffe können dabei ganz unterschiedlichen Ursprungs sein. Eingesetzt werden zum Beispiel Öle und Fette oder stärke- und zuckerhaltige Rohstoffe wie Pflanzenöle, Mais, Getreide, organische Abfälle oder auch Reste aus der Land- und Forstwirtschaft, aber auch Wasser, CO2 und Strom aus erneuerbaren Energiequellen können zum Einsatz kommen.

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Laut Boeing besteht im Rahmen aktuell geltender Regularien bereits die Möglichkeit, SAF zu 50 Prozent dem normalen Kerosin beizumischen. Dieser Anteil soll sich erhöhen, wofür Boeing nun weiter daran forschen will, welche Änderungen vorgenommen werden müssen, um einen sicheren Flug mit alternativen Kraftstoffen zu ermöglichen.

Viel Zeit bleibt dem Flugzeugbauer dabei nicht, denn das selbstgesteckte Ziel ist, diesen Prozess bereits bis 2030 abgeschlossen zu haben. Doch warum setzt sich Boeing so ein kurzfristiges Ziel? Die Antwort darauf ist einfach. Flugzeuge haben in der Regel eine lange Nutzungsdauer, was bedeutet, das in 2030 ausgelieferte Flugzeuge mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Jahr 2050 – also in dem Jahr, in dem die Emissionen bereits halbiert sein sollen – noch in Betrieb sein werden. Daher ist es notwendig so schnell wie möglich mit der Weiterentwicklung zu starten.

Schwierige Rahmenbedingungen durch diverse Probleme

Dass dies eine Herausforderung sein wird, dürfte den meisten klar sein. Denn Boeings Ausgangslage ist aktuell so angespannt wie lange nicht. Nicht nur die Folgen und der Nachfrageeinbruch durch die Corona-Pandemie machen dem weltgrößten Flugzeughersteller zu schaffen, auch das 20-monatige Grounding des Verkaufsschlagers 737 MAX hat tiefe Einschnitte im Unternehmen hinterlassen.

Boeing 737 Max Boeing Presse

Was Boeing helfen könnte, sind Erfahrungen, die bereits in Vorkrisenzeiten gesammelt werden konnten. Im Jahr 2018 hat der Flugzeugbauer nämlich den weltweit ersten kommerziellen Flug mit 100 Prozent Biokraftstoff in einem FedEx Corp 777-Frachtflugzeug durchgeführt. Auf diese Erfolge kann hoffentlich aufgebaut werden. Ein Schritt, den Boeing dabei gehen muss, ist sich mit den Organisationen auszutauschen, die für die Festlegung von Kraftstoffspezifikationen verantwortlich sind, um den Grenzwert für die Beimischung aufzuheben. Danach müssten dann die Luftfahrtbehörden weltweit davon überzeugt werden, die mit 100 Prozent SAF fliegenden Flugzeuge als sicher zu zertifizieren.

Fazit zu Boeings Zielen zum Einsatz von Biokraftstoffen

Es grenzt in den aktuellen Zeiten fast an eine Seltenheit, positive Nachrichten vom amerikanischen Flugzeugbauer zu lesen. Zu oft rankten sich in der letzten Zeit die Meldungen um das Unglücksmodell 737 MAX sowie Probleme bei anderen Modellen und rückten das Unternehmen in ein schlechtes Licht. Der jetzige Vorstoß ist anderer Natur und Boeing stellt sich der Herausforderung, die Klimakrise durch eigenes Zutun zu bekämpfen. Die Ziele sind dabei ambitioniert, doch ist es auch hier wichtig, keine Zeit zu verlieren. Es bleibt spannend, inwiefern Boeing das Gesagte in die Tat umsetzt, doch könnte diese Vorreiterposition dazu beitragen, dass auch andere Spieler der Branche mitziehen.

Autorin

Wenn Anna unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Selten ist sie mehr als ein paar Tage am selben Ort. Der nächste Kurztrip oder eine Fernreise stehen immer schon in ihrem Kalender. Nach ihrem Tourismus-Studium konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und teilt auf reisetopia.ch ihre Erfahrungen, Tipps und News aus der Reisewelt mit euch.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Ich lese leider nichts über die Nachhaltigkeit der mutmaßlich einzusetzenden Biokraftstoffe (etwa auch die Tank – Teller Herausforderung) – für die deutschen Umwelt- und Entwicklungsverbände kommen deshalb im Verkehr nur Synfuels als Option in Frage.
    Und auch kein Wort um die Erwärmungswirkung der Flugverkehrsemissionen jenseits des CO2 – dieses macht ja beim Strahlungsantrieb weniger als die Hälfte aus, der Hauptbeitrag zur Erwärmung bleibt auch bei Synfuels oder Biotreibstoffen.

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