Viele Fluggesellschaften haben inzwischen eine Klasse zwischen der Economy und der Business Class im Programm. So auch die Lufthansa, die das aktuelle Produkt 2014 auf den Markt gebracht hat. Auf meinem Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro hatte ich die Möglichkeit, die Lufthansa Premium Economy Class einmal genauer zu testen. Mit einer Boeing 747-8 ging es für mich auf den knapp 12-stündigen Flug über Nacht nach Südamerika.

Lufthansa Premium Economy Class – die Buchung

Lufthansa hatte passend zu meiner Planung ein Angebot herausgebracht, welches es mir ermöglichte die Flüge für rund 1.000 Euro pro Person, von Frankfurt aus zu buchen. Frankfurt ist mittlerweile der einzige Abflughafen der Lufthansa, von dem Direktflüge nach Rio de Janeiro angeboten werden. Insgesamt brauchte ich aber sechs Tickets, mit Abflug von unterschiedlichen deutschen Städten. Glücklicherweise bietet die Lufthansa häufig die Zubringerflüge kostenfrei an. Somit konnte ich auch ab Leipzig und München die Tickets zum gleichen Preis erwerben.

Im Gegensatz zur Buchung eines Economy Class Fluges, konnte ich mir den Sitz direkt bei der Buchung ohne Aufpreis reservieren. Zum Vergleich: Ein Sitz mit mehr Beinfreiheit in der Economy Class kostet auf diesem Flug 100 Euro Aufpreis pro Strecke (kostenfreie Sitzplatzreservierung vor dem Check-in in der Economy Class nur für Personen mit Senator-Status bei Miles & More).

Ein weiterer Vorteil der Premium Economy ist die Freigepäckmenge von zwei Mal 23 Kilogramm (für Star Alliance Gold Mitglieder sogar drei Mal 23 Kilogramm). Den Lounge-Zugang kann man gegen einen Endpreis von 25 Euro pro Person hinzubuchen. Aufpassen: Das ist nur möglich wenn an dem Airport eine von Lufthansa geführte Business Class Lounge verfügbar ist (dies ist also beispielsweise mit Abflug in Frankfurt möglich, mit Abflug in Rio de Janeiro aber nicht). Da ich einen United Airlines Status habe, brauchte ich dies aber nicht.

Lufthansa Premium Economy Class – das Boarding / der Sitz

Die Boeing 747-8 der Lufthansa hat noch eine 4-Klassenbestuhlung. Die Premium Economy befindet sich auf dem Hauptdeck, hinter der First, Business– und wenigen Reihen Economy Class. In einer 2-4-2 Anordnung stehen insgesamt 32 Sitze zur Verfügung. Obwohl die erste Reihe (Reihe 22) für zusätzlichen Komfort eine Beinauflage bietet, sollte man hier vorsichtig sein. Direkt daneben befindet sich die Toilette und die Personen warten gerne in dem Bereich vor dem Sitz. Ruhe ist also relativ.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Sitz (3)

Für Gäste der Lufthansa Premium Economy gibt es ein extra Priority Boarding nach den Gästen der Business Class, und vor der Economy Class. Auf Grund meines Star Alliance Gold Status, konnte ich bereits mit den Gästen der Business Class in den Flieger und die leere Kabine genießen (super zum Fotos machen).

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Sitz (4)

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Sitz (2)

Bei Ankunft an meinem Sitz 24A fand ich eine Decke, ein Kopfkissen, eine 0,5l Flasche Wasser und ein kleines Amenity Kit von Picard vor. Letzteres beinhaltete eine Zahnbürste, eine Schlafmaske, Socken, Ohrstöpsel und ein Erfrischungstuch.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Amenity Kit (1)

Den Sitz empfand ich als sehr angenehm, er war sehr gut gepolstert und deutlich breiter als die Sitze der Economy Class. Der Sitzabstand war so groß, dass man ohne Probleme die Beine übereinander schlagen konnte.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Sitz (7)

Viele Leute lesen über die Lufthansa Premium Economy und denken vielleicht, dass diese den Aufpreis nicht wert ist. Aber der Komfort ist deutlich höher! Es sind manchmal die kleinen Dinge, die eine große Wirkung haben:

  • 17 Zentimeter mehr Beinfreiheit (Economy 79 cm)
  • Rückenlehne lässt sich weiter nach hinten neigen, Neigungswinkel = 130° (Economy 113°)
  • Rund 3 Zentimeter breiterer Sitz als in der Economy (klingt wenig, ist aber viel)
  • Doppelte Mittelarmlehne = rund 10cm mehr Platz (nicht zwischen den Sitzen F und E)
  • Breitere und besser gepolsterte Kopfstütze
  • Cocktailtisch zum Abstellen von Getränken
  • Fußstütze (in der ersten Reihe eine Beinauflage)
  • Ausklappbarer Tisch aus der Armlehne
  • Universelle Steckdose und USB-Anschluss pro Sitz

Alleine der 17° höhere Neigungswinkel ist enorm. Da es ein Nachtflug war, hatte ich im vornherein schon Bedenken ob ich schlafen kann. Beim Verstellen der Rückenlehne ist mir erfreulicherweise aufgefallen, dass auch die Sitzfläche nach vorne geht und sich ein wenig neigt.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Sitzvergleich

Das hatte ich nicht erwartet und war positiv überrascht. Ich konnte so bis kurz vor dem Frühstück recht gut schlafen, auch wenn ich zwischendurch immer wieder wach geworden bin.

Lufthansa Premium Economy Class – Catering & Service

Nach dem Boarding gab es einen Welcome Drink. Dieser war nicht-alkoholisch (Saft) und wurde im Plastikbecher serviert. Immerhin aber lecker! Ob das Premium (Economy) ist, ist eine andere Frage. Nach dem Start gab es dann Getränke, auch alkoholische im Glas. Warum zuerst Plastik, dann Glas? Das erschließt sich mir bis heute nicht. Der Service war aber insgesamt sehr aufmerksam und hat immer wieder gefragt, ob wir nachgeschenkt haben möchten.

Etwas mehr als eine Stunde nach dem Start gab es dann ein Abendessen.

Dazu gab es eine Menükarte, hier konnte man aber lediglich das Hauptgericht selbst wählen. Im Grunde war es das Essen aus der Economy Class. Serviert wurde es aber auf Porzellangeschirr und mit richtigem Besteck. Dadurch hat es zwar hochwertiger gewirkt, aber nicht wirklich besser geschmeckt.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Essen (2)

Die Nudeln waren, wie fast immer zu weich, der Salat kein richtiger Salat, und die Crème brülée eher ein weicher Pudding. Ich hatte aber generell gar nicht viel Hunger, da ich ausreichend Zeit vor dem Abflug in der Lounge verbracht habe. Das Frühstück musste ich leider ausfallen lassen, da ich mich nicht so wohl gefühlt habe.

Lufthansa Premium Economy Class – das Entertainment

Auf den 11 bzw. 12 Zoll großen Bildschirmen (variiert je nach Flugzeugtyp) gibt es eine wirklich große Auswahl, um sich die 12 Stunden Flug so gut wie möglich zu vertreiben. Aktuelle Filme und Klassiker in guter Auflösung und Spiele sind ausreichend vorhanden.

Lufthansa Premium Economy Class Boeing 747 Entertainment

Der Bildschirm lässt sich über die herausnehmbare Fernbedienung in der Armlehne oder per Touchscreen bedienen. Alles ist sehr einfach und intuitiv. Ich persönlich halte das Lufthansa Entertainment für eines der besten in der Branche. Es ist immer up-to-date und in zahlreichen Sprachen vorhanden. Leider wurden dazu nur minderwertige Kopfhörer aus Plastik ausgehändigt, die bereits nach kurzem Tragen Schmerzen an den Ohren verursachen. Meine Empfehlung: Kauft Euch Noise-Cancelling Kopfhörer die Bose i20.

In der Lufthansa Premium Economy Class gibt es zudem auch Offline-Medien. Das Lufthansa Boardmagazin ist in der Tasche am Vordersitz zu finden. Es lohnt sich hier durchaus einen Blick hinein zu werfen, um zum Beispiel sein nächstes Reiseziel zu finden.

Lufthansa Premium Economy Class – die Meilengutschrift

Die Premium Economy Basic ist die günstigste Variante in der Klasse. Durchgeführt werden die Flüge dann in der Buchungsklasse N, mit der Ihr bei Miles & More aktuell noch 100 Prozent der Entfernungsmeilen gutgeschrieben bekommt (ab März 2018 wird Miles and More umsatzbasiert). Auch bei United Airlines, Turkish Airlines oder Aegean Airlines bekommt Ihr 100 Prozent.

Zubringerflüge werden in der Buchungsklasse Y durchgeführt, was bei Miles & More innerdeutsch 1.000 Meilen und innereuropäisch 1.250 Meilen zusätzlich bedeutet. Bei anderen Vielfliegerprogrammen bekommt Ihr bis zu 150 Prozent der Meilen gutgeschrieben. Bitte achtet darauf, dass sich die Meilenvergabe mit Buchung ab 12. März 2018 verändert.

Fazit zur Lufthansa Premium Economy Class

Wer nur die Economy Class kennt, der wird von der Premium Economy begeistert sein. Wer auch die Business Class kennt, wird mit Sicherheit die ein oder andere Annehmlichkeit vermissen. Dennoch muss ich sagen, dass die Premium Economy Class für einen geringen Aufpreis (achtet auf Angebote) deutlich mehr Komfort bietet und einen Langstreckenflug deutlich angenehmer macht. Die Sitze sind super gepolstert, das Entertainment passt! Lediglich am Essen gibt es meiner Ansicht nach noch viel Potential nach oben. Ich würde die Lufthansa Peco wieder buchen, und habe das auch bereits gemacht. Im März geht es für mich in der Lufthansa Premium Economy Class im A380 nach Singapur.

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Autor

Nach seinem ersten Business Class Flug hat Mathias das Reise- und Flugfieber gepackt. Insgesamt fliegt er rund 70.000 Meilen jährlich in den verschíedensten Klassen. Auf reisetopia berichtet er über seine weltweiten Erlebnisse!

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  • Nie wieder Lufthansa.

    das habe ich mir nach meinen Erlebnisen im Jahr 2007 geschworen und bis jetzt durchgehalten.

    Musste im November 2007 dringend nach Bangkok (von Wien aus), – mein Schwiegervater ist in Thailand verstorben gewesen – die Fluglinie mit der ich normal immer flog hatte sogar die Business überbucht, also kein Platz für mich.

    Hat dann bereits bei der Buchung begonnen. Lufthansa meinte, ich fliege am frühen Nachmittag nach Frankfurt, um dort ca 8 Stunden auf den Anschlußflug zu warten, da man die Abendflüge für die Geschäftsreidenden frei halten wollte. Erst nach mehr als eindringlichen Gesprächen, haben die dann begriffen, dass ich gar nicht fliege, wenn ich keinen vernünftigen Flug zwischen Wien und Frankfurt erhalte.

    Zumal der Preis doch um einiges über den von mir bisher bezahlten Preisen lag (mit EVA-Air Wien BKK damals ca. 800 Euro – der Flug mit Lufthansa Wien-Frankfurt-Bangkok und mit der AUA Bangkok-Wien) Kostenpunkt 500 Euro mehr.

    Als ich dann endlich in Frankfurt ankam, konnte mir am flughafen niemand erklären, wo ich den weiter fliegen würde. Nach sehr langen suchen, enldich das Gate gefunden. Aus diesem wurden wir dann 3 Mal wieder raus gejagt, weil sich das Bodenpersonal mit dem Zählen der Passagiere irrte – hoffte daraufhin inständig, dass das fliegende Personal ihren Job besser verrichtet.

    Endlich dann das Boarding, ich hatte beim Bestellen einen Fensterplatz gebucht, bekommen habe ich eine Gangplatz in der Mitte, für mich ein absolutes Nogo. Ich hasse diese Sitze. Dazu kam auch noch, dass ich während des gesammten Fluges von Frankfurt nach Bangkok die Lehne des Vordermannes auf meinen Knien verspürte, obwohl der diese gar nicht zurück geklappt hatte. So eng war die Bestuhlung.

    Dann begann ich die Fähigkeiten der Flugbegleiterinnen im negativen kennen zu lernen. Einmal abgesehen davon, dass das Entertainment aus einen großen Röhrenmonitor im Mittelgang bestand, fand ich auch keinen Kopfhörer auf meinen Platz vor. Ich machte eine Flugbegleiterin darauf aufmerksam – ihr Statement darauf, da muß aber einer sein. worauf ich, schon etwas gesättigt ihr erklärte, wenn einer da wäre, würde ich sie nicht danach fragen. sie brauchte eine klappe halbe Stunde um mir dann endlich einen Kopfhörer zu bringe. Als ich ihm einsteckte, funktionierte der nicht. Also Flugbegleiterin gerufen und ihr erklärt, das der nicht funktioniert. daraufhin ihre Stellungnahme, der muß aber funktionieren. meine Erwiderung, wenn der funktionieren würde, würde ich nichts sagen. nach einer weiteren knappen halben Stunde endlich funktionierende Kopfhörer bekommen.

    Unmittelbar nach dem Start dann die Essensausgabe – das was ich gerne gehabt hätte, war natrülich nicht mehr verfügbar und das was ich dann bekam, eigentlich undefinierbar. wenn ich nicht gelesen hätte, was ich esse, am Geschmack hätte ich es nicht erkannt.

    Einige Zeit später, wollte ich was trinken. ich bin es gewohnt, auf so langen Strecken jede Stunde zumindest einen Becher Wasser zu trinken, ich bin also sehr pflegeleicht, was die Getränke betrifft, Wasser, Saft, mir egal, hauptsache Flüssigkeit. Nur es kam niemand. also läuten nach der Flugbegleiterin, dass ich gerne was trinken würde. Auf meine Frage dann, ob man mir nicht eine kleine Flasche Wasser geben könnte, bekam ich zur Antwort, nein, das bekommen nur die Business oder First Class Passagiere. worauf ich ihr erklärte, gut, dann muss ich halt jede Stunde läuten. Wenn Blicke töten könnten, ich würde hier nichts mehr schreiben können – irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich nicht als zahlender Kunde angesehen wurde, sondern eher als Störfaktor, der die Unterhaltungen mit den Kollegen unterbricht.

    Der Rückflug mit der AUA war dann zwar etwas besser, aber auch nicht das gelbe vom Ei, somit verzichte ich gerne auf die Dienste von Lufthansa, AUA und Co und fliege nach Bangkok nachdem ich auch EVA-Air “entsorgt” hatte nur mehr mit Emirates. Super Service, alles Top.

    • Dieser lange Kommentar hat fast literarischen Unterhaltungswert, ist aber wie jeder Kommentar notwendigerweise subjektiv. Ich z.B. habe von Hunderten Flügen das schlechteste Reiseerlebnis bei Emirates gemacht, das Beste allerdings auch nicht bei LH sondern Swiss und Air NZ.

  • Ist es ein Zufall, daß im Beitrag eine LH Werbung erscheint?

    Ich bin nach Jahren frustriert vor einigen Monaten zu oneworld gewechselt; seit ich dort Goldstatus habe, weiß ich, wie peinlich – ubd völlig überteuert – das Angebot der LH ist (und ich meine nicht NUR die Business in der 40jährigen 747, in der während des Flugs die Lampenbirnen runterfielen, aus Altersschwäche). Bucht mal Q Suite bei Qatar; DAS ist eine Bus.

    Star Alliance Gold habe ich übrigens via Status Match von Turkish gezogen für 16.000 Meilen. Lufthansa erwartet da 100.000 – und jedes Jahr schaffen die es, noch weniger Meilen zu vergüten.

    Danke, brauche ICH nicht.

    • Hallo Chris, unsere Werbung wird via Google AdSense bereitgestellt. Das heißt, dassdie Werbung (ähnlich wie auf fast allen anderen Webseiten) für jeden Nutzer unterschiedlich angezeigt wird. Vermutlich nimmt Google dich als “potenziellen Kunden für Fluggesellschaften” war, weswegen du diese Werbung bekommst. Scheinbar allerdings in diesem Fall nicht so passend 😉

      Zum Rest des Kommentars: Es gibt zweifelsfrei bessere Produkte als das der Lufthansa, gerade auf der Langstrecke in der Business Class. Allerdings kann sich die LH die hohen Preise für Direkflüge eben erlauben, weil die meisten Verbraucher auch weiterhin lieber direkte Flüge buchen anstatt Umsteigeverbindungen zu wählen. Wer das, wie du, dennoch tut, kann aber natürlich teilweise enorm profitieren, von besseren Preisen und besseren Produkten 🙂

      • Hallo,
        habt Ihr auch schon die Premium Eco von LH Cityline getestet? Fliege im November FRA-Cancun mit A340-300.
        Gibt es einen Unterschied von der normalen Premium Eco der LH zur Prem Eco der Cityline?

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