Für meinen Flug auf die wunderschöne griechische Insel Skiathos, fiel meine Wahl auf Condor. Der deutsche Ferienflieger bietet ab Frankfurt Direktflüge nach Skiathos an; die Alternative wäre zum Beispiel Aegean Airlines über Athen gewesen. Dabei war es auf dem Rückflug nicht mal ein richtiger Direktflug, aber darauf komme ich noch zu sprechen. Auch darauf, warum es bei Condor noch viel Verbesserungspotential in der Business Class auf der Kurz- und Mittelstrecke gibt. Allerdings gab es auch Überraschendes.

Doch warum entschied ich mich überhaupt für die Business Class der Urlaubs-Airline? Zum einen kam ich bereits in den Genuss der Premium Class auf einem Flug von Frankfurt nach Heraklion auf Kreta im Jahr 2019, die mich als Premium Economy auf Flügen dieser Länge sehr überzeugen konnte und die Condor nun jedoch durch die Business Class ersetzt hat. Deshalb wollte ich den Vergleich, da die Vorteile der „neuen“ Business Class – so viel sei jetzt schon verraten – die der ehemaligen Premium Class nicht wirklich überwiegen können. Doch nicht nur der Vergleich ließ mich die Business Class Condors buchen, sondern auch der Fakt, dass ich alleine reiste und dabei – aber auch generell – gern etwas „Abstand“ zu meinen Mitreisenden begrüße. Ob sich das alles am Ende gelohnt hat, erfahrt Ihr in diesem Review.

Condor Business Class Mittelstrecke – die Buchung

Den Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Skiathos buchte ich direkt bei Condor und musste dafür gut 325 Euro auf den Tisch legen. Da ich ohnehin Aufgabegepäck brauchte, den – wie bereits erwähnt – gewissen Abstand, sowie einen Vergleich ziehen wollte, entschied ich mich für das nicht gerade günstige Ticket. Dabei sind eine Sitzplatzreservierung, erhöhtes Freigepäck, Lounge- und Fast Lane-Zugang, Priority-Gepäck und -behandlung natürlich inklusive, sowie der typische geblockte Mittelsitz, wie wir ihn bereits von zahlreichen europäischen Airlines kennen. Allerdings sind die normalen Economy Class-Sitze, die auch hier in der Business Class zu finden sind, durch einen wichtigen Aspekt nochmal etwas unbequemer, als bei der Konkurrenz. Und mit Konkurrenz meine ich in diesem Fall durchaus Lufthansa & Co., schließlich findet sich etwa bei TUIfly gar keine Business Class an Bord.

Während der Buchung konnte man dann auch direkt das gewünschte Menü für beide Flüge auswählen, beziehungsweise scheint es sogar gar nicht mehr möglich zu sein, dieses erst an Bord auszuwählen. Für mich erstmal kein Problem, wenn man den Umweltaspekt bedenkt. Allerdings fiel mir sofort auf, dass es sich bei den Menüs nahezu eins zu eins um dieselben handelte, die es auch schon in der Premium Class im Angebot gab (wo übrigens auch eine Wahl erst an Bord möglich war). Immerhin hatte ich ein Menü in sehr guter Erinnerung und entschied mich somit wieder für selbiges, dazu aber weiter unten mehr.

Condor Airbus A320

Bei der Buchung wurde der Hin-, als auch der Rückflug als Direktflug angegeben. Allerdings wurden beide Flüge schließlich etwa zwei Wochen vor Abflug auf komplett andere Uhrzeiten umgeplant und der Rückflug fand nun mit einem Zwischenstopp auf Rhodos statt. Auf dem kurzen Flug zwischen Skiathos und Rhodos wurden auch einige der Mittelsitze in der Business Class mit Passagieren besetzt, was wohl daran lag, dass das Flugzeug aus Frankfurt kam und einige der Passagiere noch nach Rhodos weiterreisten. Dennoch beschwerten sich einige der Fluggäste und das ja auch nicht zu Unrecht.

Ich hatte Glück und blieb für mich allein, zumindest bis Rhodos. Hier mussten wir allesamt aussteigen, nachdem die Rhodos-Urlauber das Flugzeug verlassen hatten. Dann verbrachten wir mit den Rhodos-Rückkehrern in der vollen Abflughalle eine gewisse Zeit, bis das Boarding – für uns erneut – begann. Dabei wurde den Gästen, die bereits seit Skiathos an Bord waren, komplett neue Sitzplätze zugeteilt. Somit saß ich weiter vorne, immerhin immer noch am Fenster, aber eben nicht auf dem ursprünglich reservierten Platz. Das offenbart für mich erneut ein gewisses, vorherrschenden Chaos bei Condor, besonders mit Blick auf das Business Class-Produkt der Kurz- und Mittelstrecke.

Condor Business Class Mittelstrecke – der Sitz

Wie bereits erwähnt, finden sich auch bei Condors Business Class auf der Kurz- und Mittelstrecke lediglich Economy Class-Sitze, mit einem geblockten Mittelsitz in einer 3-3-, beziehungsweise in einer theoretischen 2-2-Konfiguration. Grundsätzlich finde ich, dass die Sitze beim Ferienflieger vom Sitzkomfort recht gut sind. Sicherlich auch bedingt durch die rundere Sitzschalenform.

Condor Airbus A320 Business Class Sitz

Allerdings findet sich hier auch direkt der erste größere Kritikpunkt: Bei Condor gibt es in der Business Class in den Schmalrumpfflugzeugen keine größere Beinfreiheit, sondern lediglich die selbe wie auch in der Economy Class, die mit nur 74 Zentimetern bekanntermaßen sehr eng ausfällt.

Condor Airbus A320 Business Class Sitz 2

Bei meiner Körpergröße von gut 1,95 Meter, fällt das natürlich nochmal mehr ins Gewicht. Es war zwar auszuhalten, dennoch erwartet man bei einem Produkt mit dieser Bezeichnung wenigstens hierbei einen größeren Komfortunterschied zur Economy Class. Die Sitze haben eine branchenübliche Breite von gut 43 Zentimetern. Weiter gibt es zudem auch keinen Vorhang oder eine sonstige Abgrenzung zwischen den Klassen. Lediglich an den Kopfstützen lässt sich beim geblockten Mittelsitz erkennen, dass es sich um die Business Class handeln muss.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 8

Der Sitz lässt sich bei der geringen Beinfreiheit – in diesem Falle dann auch besonders unnötig – noch etwas in der Position nach hinten verstellen. Der Tisch wiederrum bietet dagegen keinerlei Verstellmöglichkeiten und ist so wie er ist – fest.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 9

Gefühlt schon ein Relikt der Vergangenheit, sind die Audio-/Radiobuchsen, in die die eigenen Kopfhörer reingesteckt werden können und die zum Hören mehrerer Audiochannels, sowie des Inflight-Entertainments dienen.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 6

Ja, bei Condor gibt es tatsächlich noch ein Inflight-Entertainment. Allerdings natürlich nicht in Form eines persönlichen IFEs, sondern – auch hier kommt gewissermaßen ein wenig Nostalgie auf – über Overhead-Screens.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 7

Hier laufen zumeist Sitcoms und Cartoons, sowie Reiseberichte über verschiedene Destinationen des Condor-Netzwerks. Eigentlich ganz nett. Am Sitz warteten dabei unter anderem auch zwei Zeitschriften, in diesem Fall eine „myself“ (noch nie gehört) und eine „Men‘s Health“.

Condor Airbus A320 Business Class Sitz 3

Die vorderen Toiletten waren übrigens nicht nur nicht für die Business Class-Gäste freigegeben, sondern lediglich für die Crew reserviert, mit der Begründung der aktuellen Situation. Das gibt es wohl auch bei anderen Airlines, habe ich so aber noch nicht erlebt. So mussten sich alle Passagiere des gut gefüllten Airbus A320 die hinteren zwei Toiletten teilen. Dabei wurde zuvor darum gebeten, lange Warteschlangen vor diesen möglichst zu vermeiden, was natürlich absolut nicht möglich war und man sich auch vorher hätte denken können.

Condor Business Class Mittelstrecke – das Catering

Witzigerweise wurde den Business Class-Gästen auf dem Hinflug vor dem Start je eine Flasche Wasser gereicht, wobei die Flugbegleiterin nicht müde wurde zu erwähnen, dass dies eine absolute (jedoch unbegründete) Ausnahme sei und wir als Passagiere diese Form der Annehmlichkeit in keinem Fall nun immer erwarten sollten. Okay, verstanden.

Condor Airbus A320 Business Class Catering 6

Wie bereits erwähnt, wählte man sich bereits während der Buchung das Wunschgericht aus dem „Taste the World“-Menü der Condor aus, dass auch den Economy Class-Gästen zum Kauf zur Verfügung steht und bis zu 12 Euro kosten kann.

Condor Airbus A320 Business Class Catering 2

Und – ebenfalls wie bereits erwähnt – handelte es sich dabei um die fast exakt gleichen Menüs, die Condor auch schon den Gästen der ehemaligen Premium Class servierte. Hier scheinen ein und zwei Menüs dazugekommen und entfernt, sowie ein paar Namen geändert worden zu sein.

Condor Airbus A320 Business Class Catering 4

Ich wählte das gleiche Gericht, dass ich bereits bei meinem Flug in der Premium Class 2019 gegessen hatte: Deftiger Rinderbraten, serviert mit Kartoffelgratin und Ratatouillegemüse.

Condor Airbus A320 Business Class Catering

Damals schmeckte mir das Gericht überraschend gut. Und auch dieses Mal war es sehr lecker und geschmacklich für eine Business Class auch echt in Ordnung. Das Fleisch war saftig und recht zart, das Kartoffelgratin schmeckte ebenfalls gut und „natürlich“, zudem wurde das Gericht sehr heiß serviert.

Condor Airbus A320 Business Class Catering 5

Aber die Präsentation… Naja. Tatsächlich hat Condor an der Präsentation der Gerichte, sowie der Getränke, im Vergleich zur ehemaligen Premium Class, gar nichts geändert: Der Becher, der Teller, das Besteck – alles Plastik.

Condor Airbus A320 Business Class Catering 3

Auch hier sei wieder erwähnt, dass mir die Präsentation bei der Premium Class – und dieser eben entsprechend – durchaus noch zusagte.

Condor Business Class Mittelstrecke – die Annehmlichkeiten

Trotz der kurzen Flugdauer von knapp zweieinhalb Stunden (den Rückflug mit dem Zwischenstopp in Rhodos ausgenommen), gab es sowohl auf dem Hin-, als auch den Rückflug gewisse Annehmlichkeiten. Während es auf dem Rückflug im Grunde sogar ein „richtiges“ Amenity Kit gab, lagen auf dem Hinflug von Frankfurt nach Skiathos eine Decke – trotz der sommerlichen Temperaturen – und ein Nackenkissen zum Aufblasen, sowie Zeitschriften auf dem Mittelsitz bereit.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten

Verwundert hat mich dabei jedoch vor allem das Amenity Kit auf dem Rückflug, das unter anderem aus einem Kaffee-Becher (mit Thomas Cook-Aufdruck versehen), Socken, Zahnpasta und Zahnbürste bestand.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 5

Mir ist bis heute nicht ganz klar, wer sich auf einem zweieinhalbstündigen Flug die „Mühe“ macht, Socken anzuziehen oder sich gar zwischendrin die Zähne zu putzen.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 4

Mit dem Kaffeebecher kann ich dagegen schon mehr anfangen – über den Flug hinaus versteht sich. Natürlich ist ein Amenity Kit immer noch besser als kein Amenity Kit und das auf einer solch kurzen Strecke.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 3

Denken wir beispielsweise an die Lufthansa Business Class auf der Kurz- und Mittelstrecke, wo es eben kein Amenity Kit oder ähnliches gibt.

Condor Airbus A320 Business Class Annehmlichkeiten 2

Mein Kollege Alex wies mich jedoch darauf hin, dass Condor diese Amenity Kits, die auch Moritz auf seinem Langstreckenflug in der Condor Business Class in eben dieser Form erhielt, schlicht „loswerden“ wollen könnte, da beispielsweise eben auf dem Kaffeebecher noch prominent Thomas Cook drauf steht.

Condor Business Class Mittelstrecke – Fazit

Im Prinzip widerspricht ja schon der Begriff Business Class einem Ferienflieger, denn Geschäftsreisende wird es bei Condor – wenn überhaupt – nur sehr wenige geben. Dennoch: Wer sich Business Class auf die Fahne schreibt, sollte auch wenigstens auf einem gewissen „Niveau“ abliefern. Mir war natürlich schon vorher bewusst, was mich ungefähr erwarten würde und die Unterschiede zur ehemaligen Premium Class der Kurz- und Mittelstrecke – bis auf den Lounge-Zugang etwa – nicht sehr groß ausfallen würden. Auf der anderen Seite gibt es auch bei Condor immer wieder attraktive Angebote, die Business Class zu sehr guten Preisen buchen zu können und dann kann sich das durchaus mal lohnen. Aber am Ende trauere ich doch ein wenig der Premium Class hinterher – das Produkt ergab auf solchen Routen einfach viel mehr Sinn, als eine weitere, typisch intraeuropäische Business Class.

Autor

Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

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  • Mir ist es fast genauso widerfahren
    HH Preveza HH
    Der Rückflug:
    Kein Prüfen des verlangten Schnelltests, der in Preveza immerhin 30€ kostete
    kein Businessclassservice beim Einchecken.
    Falsche Sitzplatzreservierung eines Ehepaares.
    Keine Priority Gepäckausgabe.
    Ich mußte im Gegenteil 30 Minuten warten.

  • Max mag wohl Geviertstriche zur Trennung und das ist an sich auch völlig ok. Nur über 20 Stück sind mit Verlaub unglaublich viele, die den Lesefluss dann doch gut stören.

  • Und welche Premium-“Lounge” kann man in FRA bzw. Skiathos nutzen?! Und noch eine spannende Frage, kam das Gepaeck tatsaechlich als erstes aufs Band?!

      • Wird ja spannend was aus der LH-Lounge wird, wenn die Co-Operation mit DLH beendet wird. Immerhin gibt es schone keine M&M Meilen mehr… ;-(((
        An Airports wo es keine Lounge gibt, sollte es wenigstens ein Verzehr-Gutschein für die BusinessClass-Passagiere geben… Der Service und die Dienstleistungen sollten eindeutig einheitlicher werden!

      • Da bin ich ganz bei dir!
        Vielleicht kann die Lounge-Partnerschaft aber auch darüber hinaus bestehen bleiben – zumindest ist es zu hoffen.
        Im schlimmsten Fall gibt es nur noch die „Luxx Lounge“ in FRA, zu der man jetzt bereits auch schon Zugang als Condor Business-Passagier hat, aber diese ist bekanntermaßen kaum den Besuch wert…

  • Im Vergleich zur alten Premium Economy ergeben sich doch einige Vorteile. Zum Einen ist das maximale Freigepäck von ehemals 25kg auf 30kg angehoben worden, zum Anderen können 2 Handgepäckstücke mit gesammt 16kg mitgeführt werden, anstatt eines mit 10kg. Das Hauptargument für uns die Buisiness Class anstelle der neuen Economy Best Class nach Hurghada zu buchen war aber der Umstand, dass in Buisiness das Tauchgepäck bis 30kg inkludiert ist, welches man bei der Economy Best Class mit 109,98€ pro Strecke extra bezahlen muss. Somit ist der Flug in der Buisiness mit Sportgepäck sogar günstiger und Essen, Getränke und freier Mittelplatz sind quasi als Sahnehäubchen auch noch dabei.

    • Hallo Openwater,
      das mit dem Gepäck stimmt natürlich und ist ein für viele nicht unwesentlicher Vorteil.
      Ich denke es kommt – wie so oft – auf die Bedürfnisse des Einzelnen an, sodass ein Produkt natürlich auch immer entsprechend betrachtet wird. 🙂

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