American Express bietet aktuell für Inhaber einer Platinum Card und Centurion Card die Möglichkeit, Kartenumsätze und die Kartengebühr zu einem reduzierten Kurs mit Punkten zu begleichen – doch lohnt sich das auch und was kann man alternativ mit den Punkten anfangen?

Vor wenigen Tagen hat American Express bekannt gegeben, aus Kulanz nicht nur drei Monatsgebühren in Form von Punkten an Kunden auszuschütten, sondern auch doppelte Punkte sowie einen halbierten Preis für die Einlösung von Punkten für Zahlungen sowie die Kartengebühr bekannt gegeben – zumindest für die American Express Platinum Card. Die unangenehme Folge: Seitdem gibt es nur noch die Hälfte der Kulanzpunkte, weil die Einlösung seit vergangenen Monat günstiger ist. Genau diese reduzierte Einlösung ist allerdings einen Blick wert, denn der Kurs ist durch den Rabatt gar nicht schlecht – dennoch können Membership Rewards Punkte auch anderweitig genutzt werden.

Wie viel ist ein Punkt bei der reduzierten Einlösung wert?

Regulär liegt der Wert für die Zahlung der Kartengebühr bei 250 Punkten je Euro, bei anderen Zahlungen bei 200 Punkten pro Euro. Im Rahmen der Aktion können Inhaber der Platinum Card sowie der Centurion Card bis einschließlich 20. Juli 2020 beide Varianten für nur 125 Punkte je Euro Umsatz nutzen. Das bedeutet konkret: Ein Membership Rewards Punkte hat im Rahmen dieser Kalkulation einen Wert von genau 0,8 Cent. Das heißt konkret, dass zum Beispiel 100.000 Membership Rewards Punkte, einen Wert von 800 Euro haben. Der letzte große Bonus der Platinum Card (75.000 Punkte) hätte demnach einen Wert von 600 Euro, womit die Kreditkarte in Kombination mit den Kulanzpunkten sogar “mehr als kostenlos” wäre.

Reisetopia Amex Platinum2 1920x1080

Das klingt im ersten Moment in der Tat sehr attraktiv, denn die Punkte sind bei der direkten Einlösung für “echtes Geld” auf einmal überraschend wertvoll. Genau das ist bei Meilen & Punkten sonst nur sehr selten der Fall, weswegen die Aktion positiv auffällt. Gerade wenn man den Wert mit der Einlösung für Sachprämien vergleicht, bei denen man meist nur zwischen 0,2 und 0,5 Cent pro Punkt erhält, ist die aktuelle Möglichkeit zur indirekten Auszahlung äußerst attraktiv. In Hinblick auf die Wertkalkulation ist das Angebot also zumindest einen Blick wert, was immerhin überraschend ist, da dies für vergleichbare Angebote nur sehr selten gilt.

Wie viel Wert kann man aus Punkten sonst herausholen?

Bei reisetopia beschäftigen wir uns aber natürlich allen voran deshalb mit American Express Kreditkarten, weil wir die Einlösung der Punkte für Reisen so attraktiv finden. Das Membership Rewards Programm hat mehrere Partner, zu denen man die Punkte im Verhältnis 5:4 (die meisten Programme) oder 3:2 (Delta SkyMiles) transferieren kann. Zudem gibt es über den indirekten Umweg Payback die Möglichkeit, die Punkte im Verhältnis 2:1 zu Miles & More transferieren. Das heißt konkret, dass man beim Transfer im Vergleich zur aktuellen Einlösung die folgenden Werte “bezahlt”:

  • Umwandlung zu Hilton Honors: 1 Punkt = 0,8 Cent
  • Umwandlung zu SAS EuroBonus: 1 Punkt = 0,96 Cent
  • Umwandlung zu Etihad Guest: 1 Punkt = 0,96 Cent
  • Umwandlung zu Singapore Airlines: 1 Punkt = 0,96 Cent
  • Umwandlung zu Marriott Bonvoy: 1 Punkt = 1,2 Cent
  • Umwandlung zu Delta SkyMiles: 1 Punkt = 1,2 Cent
  • Umwandlung zu Miles & More: 1 Punkt = 1,6 Cent

Dies sind nur einige Beispiele für eine Umwandlung. Allerdings illustrieren sie gut, wie viel Euch die Meilen beziehungsweise Punkte bei den verschiedenen Programmen wert sein müssen, damit sich ein Transfer statt der Einlösung der Punkte für Zahlungen oder die Kartengebühr lohnt.

Bei Hilton Honors beispielsweise wird schnell klar, dass sich die Umwandlung aktuell eher selten lohnt, denn die Punkte haben einen realistischen Wert zwischen 0,5 und 1,5 Cent pro Punkt, gleichzeitig kann man die Punkte aber regelmäßig mit Bonus für einen Preis von 0,5 Cent kaufen. Es wäre also günstiger, sich das Geld indirekt über die Kartenabrechnung auszahlen zu lassen und dann direkt bei Hilton Punkte zu kaufen. Entsprechend wird hier klar: Der Transfer ist aktuell im Verhältnis definitiv die schlechtere Option. Bei den Meilenprogrammen ist die Sache dagegen bei Weitem nicht so einfach, denn hier kommt es sehr stark auf die jeweilige Einlösung an.

Wann ist der Transfer von Punkten die bessere Wahl?

Unserer Meinung nach lässt sich aus einem Membership Rewards Punkt im allerbesten Fall ein Wert von bis zu 5 Cent pro Punkt herausholen, realistischer sind bei guten Einlösungen allerdings realistische Werte von 2 bis 3 Cent pro Punkt. Grundsätzlich versuchen wir einen Punkt selten für einen Wert von weniger, als 1 Cent pro Punkt einzulösen, woran Ihr bereits sehen könnt: Dieser Wert liegt grundsätzlich höher als der aktuelle “Auszahlungspreis” von 0,8 Cent pro Punkt.

Um zu illustrieren, wann der Transfer von Punkten die bessere Option ist, lohnt sich ein Blick auf die besten Einlösungen von Membership Rewards Punkten. Hierzu findet Ihr bei uns vier Guides, die sich nach der Zahl an zur Verfügung stehenden Punkten richtet:

Zwei Beispiele, wovon eines eine der beste Einlösungen von Membership Rewards Punkten ist und das andere eine der praktischsten, wollen wir hier kurz vorstellen. Die erste Einlösung ist die Nutzung von Membership Rewards Punkten zur Buchung der Qatar Airways QSuite auf der Strecke von München nach Doha. Pro Richtung bezahlt Ihr über Cathay Pacific Asia Miles einen Betrag von 30.000 Meilen (36.000 Membership Rewards Punkte), wobei die Verfügbarkeit meist sehr gut ist. Zudem fällt bei einem Hin- und Rückflug noch ein Zuschlag von etwa 400 Euro für Steuern und Gebühren an. Heißt konkret: Ein Hin- und Rückflug liegt bei 72.000 Membership Rewards Punkten plus 400 Euro. Wie das genau funktioniert, zeigen wir Euch in unserem ausführlichen Guide!

Qatar Airways Qsuite Cahmapgner

Wer den Flug dagegen bezahlt bucht, der muss mit Kosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro rechnen. Der indirekte Wert eines Membership Rewards Punktes liegt entsprechend zwischen 2 und sogar über 3 Cent pro Punkt – ein signifikanter besserer Gegenwert als die Auszahlung in Höhe von 0,8 Cent pro Punkt.

Nicht ganz so extrem, aber dafür im Prinzip für fast jeden problemlos nutzbar, sind die Meilenschnäppchen der Lufthansa. Hier fällt für Flüge in die USA ein Meilenpreis von 55.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug an. Die Zuzahlung beträgt zwischen 500 und 600 Euro. Das Gute daran: Ihr könnt zwischen mehreren Zielen wählen und könnt problemlos Direktflüge oder Verbindungen mit einem Zubringer innerhalb von Deutschland wählen. Wer mit einem ähnlichen Vorlauf einen Direktflug mit Lufthansa bucht, zahlt beispielsweise nach San Francisco meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Günstiger sind häufig Umsteigeverbindungen mit anderen Airlines, die es zwischen 1.500 und 2.000 Euro gibt.

Lufthansa Business Class Sitz 5

Das heißt konkret, dass 110.000 Membership Rewards Punkte und knapp 600 Euro im Verhältnis zu einer Preisspanne zwischen 1.500 und 3.500 Euro stehen. Daran seht Ihr bereits: Auch hier ist die Einlösung der Meilen in jedem Fall etwas attraktiver, selbst wenn Ihr sonst eine Umsteigeverbindung buchen würdet. Bei einem vergleichbaren Direktflug steigt der Wert eines Membership Rewards Punktes auf zwei Cent, teilweise sogar noch mehr. An dieser sehr einfachen und flexiblen Einlösung seht Ihr, dass Ihr aus einem Membership Rewards Punkt fast immer mindestens einen Cent pro Punkt herausholen könnt.

Das zeigt relativ deutlich: Die Einlösung von Punkten für den Transfer zu Vielfliegerprogrammen ist meist die bessere Wahl, weil Ihr bei einer geschickten Einlösung mindestens einen Cent pro Punkt erhaltet, bei guten Einlösungen sogar mindestens zwei Cent pro Punkt und in besonderen Fällen sogar noch deutlich mehr. Die hohe Flexibilität durch die vielen Partner ist ein weiteres Argument. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Verfügbarkeit im Vergleich zu bezahlten Flügen geringer ist.

Wann ist die Auszahlung von Punkten die bessere Wahl?

Gleichzeitig ist die Sache allerdings nicht so klar, wie sie hier im ersten Moment erscheinen mag. Die Auszahlung von Punkten kann sich durchaus auch lohnen. Das gilt besonders dann, wenn Ihr gerade keine größere Reise geplant habt und nicht wisst, wann Ihr die Punkte überhaupt für Flüge einlösen könnt. Dann ist der Kurs von 0,8 Cent pro Punkt gut genug, um die Punkte nicht “zu horten”. Gerade wenn es darum geht, die Punkte sonst nur lange ohne klares Ziel liegenzulassen, kann die Auszahlung definitiv ein gangbarer Weg sein.

Dasselbe gilt dann, wenn Ihr selten oder gar nicht auf der Langstrecke unterwegs seid, denn mit wenigen Ausnahmen lassen sich die Punkte nach einem Transfer nur für längere Flüge wirklich zu attraktiven Raten einlösen. Bei Kurzstrecken bekommt man nur in seltenen Fällen mehr als 0,8 Cent pro Punkt als Gegenwert, sodass die Auszahlung schon wegen der größeren Flexibilität der bessere Weg sein könnte.

Amex Platinum Metal Welcome Open

Auch dann, wenn Ihr aktuell mit einem finanziellen Engpass zurechtkommen müsst, ist eine Auszahlung empfehlenswert. Membership Rewards Punkte zu horten, während man Dispositionszinsen bezahlen muss, ist bei einem Auszahlungswert von 0,8 Cent pro Punkt definitiv keine gute Idee.

Zuletzt ist die Auszahlung der Punkte auch dann sinnvoll, wenn Ihr nur wenige Punkte auf dem Konto habt und auf absehbare Zeit keine weiteren Punkte sammelt – etwa, weil Ihr die Karte bald kündigen wollt oder schlichtweg keine relevanten Umsätze in den nächsten Monaten erzielt. Da mit geringeren Punktewerten selten attraktive Einlösungen mit einem Gegenwert von 0,8 Cent pro Punkt und mehr möglich sind, kann eine Auszahlung hier definitiv eine sinnvolle Option sein. Dasselbe gilt gewissermaßen dann, wenn Ihr so viele Punkte habt, dass Ihr gar nicht so recht wisst, wie Ihr diese auch in den kommenden Jahren benutzen könnt.

Was sollte man für die Entscheidung noch bedenken?

Die Reisewelt verändert sich aktuell so stark wie nie zuvor in diesem Jahrtausend, sodass nicht wirklich absehbar ist, wie sich die Flugpreise, der Wert von Membership Rewards Punkten und die Einlösung von Meilen in den kommenden Monaten verändert. Es erscheint durchaus möglich, dass es interessante Boni für den Transfer von Punkten zu Vielfliegerprogrammen geben wird, welche die hier aufgestellte Wertkalkulation noch einmal komplett verändern können. Auch spezielle Angebote für die Einlösung seitens der Vielfliegerprogramme können dafür sorgen, dass die Meilen im Verhältnis wertvoller werden.

Auch die Entwicklung der normalen Flugpreise kann hier ein relevantes Thema sein. Sollten Flugtickets nach der Krise für einen gewissen Zeitraum deutlich günstiger sein, ist die Einlösung von Meilen ein schlechterer Deal als zuvor, wenn es nicht zugleich auch sinnvolle Möglichkeiten zur Einlösung gibt. Sollten die Flugpreise aber wegen dem geringeren Angebot und einer stärkeren Konsolidierung in den folgenden Jahren deutlich steigen, könnten Meilen im Verhältnis an Wert gewinnen. Eine solche Entwicklung hat sich etwa wenige Jahre nach der Finanzkrise in den USA eingestellt. Hierbei zeigt sich oft, dass auch die Vielfliegerprogramme sich relativ ähnlich entwickeln wie die regulären Flugpreise – also attraktiver oder weniger attraktiv werden, aber eben nur zeitversetzt.

Dadurch können sich dann sehr attraktive Deals ergeben, die man durch die Flexibilität von Membership Rewards Punkten nutzen kann. Ob es sich allerdings lohnt, genau darauf zu spekulieren, sollte allerdings jeder für sich entscheiden.

Fazit zur reduzierten Auszahlung von Membership Rewards Punkten

Am Anfang habe ich als “Meilennerd” fest damit gerechnet, dass Auszahlungen der Membership Rewards Punkte selbst mit dem reduzierten Kurs kein guter Deal sind. Doch wenn man sich die Sache genauer anschaut, kann es durchaus Situationen geben, in denen eine Auszahlung zu einem Kurs von 0,8 Cent pro Punkt eine gute Wahl sind. Zwar würde ich persönlich weiterhin dazu raten, die Punkte für den Transfer zu Vielfliegerprogrammen zu nutzen, es gibt aber auch gute Gründe, sich für eine Auszahlung zu entscheiden. Ein sicherer Wert von 0,8 Cent pro Punkt ist zumindest solide, wenngleich man aus den Punkten anderswo noch deutlich mehr herausholen kann.

Lust auf mehr reisetopia Artikel? Dann folgt uns:

Autor

Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels in aller Welt. Auf der Suche nach neuen Erlebnissen hat Moritz schon dutzende Airlines getestet und mehr als 100 Städte erkundet. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen Erlebnissen & Tipps teilhaben!

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Danke für die Zusammenfassung, was noch als Vergleich hilfreich ist, wenn ihr Iberia mit berücksichtigt. Im Vergleich zu Lufthansa oder bsp. British Airways berechnet Iberia keinen Kerosinaufschlag! Zudem wird zwischen Haupt- und Nebenreisezeit unterscheiden, wo man schonmal Business-Class Flüge für ein gutes Meilen-/Kostenverhältnis bekommt. Bin auch schon mit allen Dreien (BA, IB, LH) Business geflogen und vom Produkt finde ich Iberia mit am besten.

    • Hallo Stef, das ist absolut richtig. Der Einfachheit halber, haben wir in diesem Fall nur ein paar Beispiele rausgegriffen. Dass mit Amex Punkten bei einem geschickten Transfer (z.B. zu Iberia) noch höhere Werte möglich sind, steht außer Frage!

Alle Kommentare anzeigen (1)