Morgen ist es nun soweit und Lufthansa Miles and More wird umsatzbasiert. Das heißt konkret: Ihr sammelt ab dem 12.03.2018 Meilen nicht mehr nach der Buchungsklasse, sondern nach Eurem Umsatz. Diese Änderung ist gravierend und für die meisten Passagiere negativ.

Wir haben uns die genauen Auswirkungen der Veränderungen in einer ausführlichen Studie angeschaut, die zu einem katastrophalen Ergebnis kommt: Die Meilengutschrift bricht um bis zu 87 Prozent ein. 

Bis dato erfolgte die Gutschrift immer entsprechend der geflogenen Meilen. Vor einigen Jahren hatten die großen US-Fluggesellschaften Ihre Vielfliegerprogramme bereits auf dieses System umgestellt, vor einem Monat folgte dann Flying Blue von Air France KLM. Auch bei Miles and More verändert sich die Vergabe von Meilen nun gravierend. Die Änderungen gelten für Buchungen ab dem 12. März 2018. Je nachdem was Ihr für einen Flug Ihr im Blick habt, solltet Ihr also Überlegen noch heute zu buchen um noch von der alten Meilenvergabe zu profitieren.

Miles and More wird umsatzbasiert – die neue Meilenvergabe

Die Berechnung der Meilengutschrift wird in Zukunft eigentlich einfacher als bisher, zumindest in der Theorie. Ihr erhaltet bei Buchung ab dem 12. März 2018 die folgende Meilengutschrift in allen Reise- und Buchungsklassen:

  • 4 Prämienmeilen je Euro Umsatz als Miles & More Teilnehmer bei allen Airlines
  • 6 Prämienmeilen je Euro Umsatz als Frequent Traveller, Senator und HON Circle Member (bei Flügen mit Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines sowie United Airlines, Air Canada, LOT Polish Airlines, Croatia Airlines, Adria Airlines oder Air Dolomiti)
  • 5 Prämienmeilen je Euro Umsatz als Frequent Traveller, Senator und HON Circle Member (bei Flügen mit Brussels Airlines, Eurowings und allen anderen Airlines)

Die umsatzbasierte Gutschrift erfolgt dabei allerdings nicht auf den gesamten Preis, den Ihr für ein Ticket bezahlt. Vielmehr handelt es sich um den Flugpreis (= Gesamtpreis) abzüglich aller Steuern und Gebühren, die nicht von der Airline erhoben werden. Erhobene Zuschläge der Fluggesellschaften, also beispielsweise der übliche Treibstoffzuschlag bei der Lufthansa, werden zur Grundlage der Berechnung allerdings herangezogen. Die Formel zur Berechnung der Basis für die Meilengutschrift lautet also:

Ticketpreis + von der Miles & More Partner-Airline erhobene Zuschläge

Wird ein Flugpreis in einer Fremdwährung erhoben, wird dieser tagesaktuell umgerechnet. Danach erfolgt die Gutschrift erneut nach demselben Muster. Zudem gilt die Vergabe vorerst ausschließlich für die Berechnung von Prämienmeilen. Bislang wurde eine Anpassung der Berechnung der Statusmeilen noch nicht bekannt gegeben. Diese werden also, zumindest vorerst, nach dem alten Prinzip berechnet. Wichtig ist zudem der Hinweis, dass die Gutschrift nach dem neuen System für Flüge mit allen meilenberechtigten Airlines gilt. Das heißt konkret: Auch wenn Ihr ein United oder Singapore Airlines Ticket über die Lufthansa bucht, erfolgt die Gutschrift der Meilen nach dem neuen System.

Thai Airways Boeing 777
Die neue Gutschrift gilt auch für Flüge mit Partner-Airlines

Relevant ist darüber hinaus, dass die Gutschrift unabhängig vom Buchungskanal gilt. Ihr erhaltet Meilen nach der neuen Berechnungsgrundlage sowohl bei einer Buchung direkt bei einer Lufthansa Group Airline als auch bei Buchung über ein Online- oder Firmenreisebüro. Dafür muss das Ticket allerdings eine 220 (Lufthansa), 724 (SWISS), 257 (Austrian Airlines), 082 (Brussels Airlines) Ticketnummer haben oder von Eurowings ausgestellt werden. Wird das Ticket von einer anderen Airline, zum Beispiel United oder Singapore Airlines, ausgestellt, gilt weiterhin die Vergabe von Meilen nach altem System. Das gilt sowohl für Flüge mit Miles & More Airlines als auch mit Partnerfluggesellschaften.

Miles and More wird umsatzbasiert – das alte System

Bis dato funktioniert die Meilengutschrift bei Miles and More nach einem nicht ganz einfachen Konzept. Die Anzahl der geflogenen Entfernungsmeilen wird mit einem Faktor multipliziert, der zwischen 0,25 und 3,0 liegt. Es werden also zwischen 25 Prozent und 300 Prozent der Entfernungsmeilen bei Miles and More gutgeschrieben. Die Gutschrift funktioniert dabei wie folgt:

  • First Class (Buchungsklassen A, F): 300 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Business Class (Buchungsklassen C, D, J): 200 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Business Class (Buchungsklasse Z): 150 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Business Class (Buchungsklasse P): 100 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Premium Economy Class (Buchungsklassen E, G): 150 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Premium Economy Class (Buchungsklasse N): 100 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Economy Class (Buchungsklassen B, Y): 150 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Economy Class (Buchungsklassen H, M, U): 100 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Economy Class Buchungsklassen Q, S, V, W): 50 Prozent der Entfernungsmeilen
  • Economy Class (Buchungsklassen K, L, T): 25 Prozent der Entfernungsmeilen

Bislang werden sowohl Status- als auch Prämienmeilen nach diesem Muster vergeben. Leider ist davon auszugehen, dass die Veränderung auf ein umsatzbasiertes System den meisten von Euch eher weniger als mehr Meilen einbringen wird.

Miles and More wird umsatzbasiert – konkrete Gutschrift (Kurzstrecke)

Dadurch, dass Miles and More umsatzbasiert wird, sinkt die Mielengutschrift besonders für diejenigen, die hauptsächlich günstige Tickets buchen. Wer beispielsweise einen günstigen Hin- und Rückflug von München nach Berlin in der Buchungsklasse K für 100 Euro bucht, erhielt bislang diese Gutschrift:

  • 125 Prämienmeilen pro Weg (= 250 Prämienmeilen insgesamt) ohne Status

In Zukunft werden die Meilen anhand des Ticketpreis plus von der Airline erhobenen Zuschlägen errechnet. Relevant sind dabei die folgenden Komponenten zur Berechnung:

  • Ticketpreis: 12 Euro
  • Nationaler Zuschlag: 10 Euro

Alle anderen im Ticket enthaltenen Bestandteile sind Gebühren und Steuern, die nicht von der Airline erhoben werden. In diesem Fall würdet Ihr je nach Status also entweder 88 Meilen für den Hin- und Rückflug (ohne Status) oder 132 Meilen (Frequent Traveller, Senator, HON Circle) erhalten. Ihr würdet nach dem neuen System also sowohl mit als auch ohne Status nur ein Drittel der alten Meilengutschrift erhalten.

Lufthansa Star Alliance
Bei innerdeutschen Flügen erhaltet Ihr in billigen Buchungsklassen kaum mehr Meilen

Handelt es sich jedoch um ein teureres kurzfristiges Ticket, zum Beispiel einen kurzfristigen Hin- und Rückflug nach Berlin für 335 Euro im Tarif Economy Classic mit Gepäck, erhaltet Ihr bislang die folgenden Meilengutschrift:

  • 250/500 Prämienmeilen pro Weg (= 750 Prämienmeilen insgesamt) ohne Status

Nach dem neuen System werden die folgenden Ticketbestandteile zur Berechnung herangezogen:

  • Ticketpreis: 193 Euro
  • Nationaler Zuschlag: 65 Euro

Auf dieser Grundlage wird dann die Meilengutschrift berechnet, die in diesem Fall also bei 1.032 Prämienmeilen ohne Status und 1.548 Meilen mit Status liegt. Ihr erhaltet entsprechend dank dem neuen System bei teureren Tickets mehr Meilen als bisher und bei günstigeren deutlich weniger.

Miles and More wird umsatzbasiert – konkrete Gutschrift (Langstrecke)

Noch gravierender sind die Änderungen bei günstigen Tickets auf der Langstrecke. Dafür blicken wir zuerst auf Economy Class Flüge mit der Lufthansa. Ab Amsterdam könnt Ihr Hin- und Rückflüge an die Westküste der USA aktuell für 270 Euro hin und zurück buchen. Die Meilengutschrift nach dem alten System liegt dabei bei 25 Prozent der Entfernungsmeilen, wodurch Ihr etwa 2.800 Prämienmeilen für den Hin- und Rückflug erhaltet. Nach dem neuen System wäre die Berechnungsgrundlage (Ticketpreis + internationaler Zuschlag) eine Summe von 115 Euro, wodurch Ihr für einen Hin- und Rückflug nur noch 460 Meilen (ohne Status) beziehungsweise 690 Meilen (mit Status) erhalten würdet.

Den Lufthansa Senator Status günstig zu erreichen ist möglich
Auf der Langstrecke gibt es in Zukunft deutlich weniger Meilen

Auch ein Blick auf die  Swiss Business Class Angebote die es im Dezember ab Paris gab, ist dahingehend interessant. Für 1.199 Euro konntet Ihr dabei einen Hin- und Rückflug nach Hongkong buchen und erhaltet dafür eine Meilengutschrift von 100 Prozent der Entfernungsmeilen. Konkret bekommt Ihr für einen Hin- und Rückflug also etwa 14.000 Meilen für einen Hin- und Rückflug. Nach dem neuen System läge die Berechnungsgrundlage dagegen bei 1.050 Euro pro Person. Ihr erhaltet in diesem Fall also nur noch eine Meilengutschrift von 4.200 Meilen (ohne Status) beziehungsweise 6.300 Meilen (mit Status) und damit im schlimmsten Fall nur ein Drittel der bisherigen Gutschrift.

Swiss Business Class Airbus A330 Sitz
Auch bei Business Class Angeboten gibt es zukünftig weniger Meilen

Ähnlich katastrophal fällt die Meilengutschrift zukünftig bei günstigen First Class Tickets aus. Dafür ziehen wir die aktuellen Angebote der Swiss First Class ab Zürich heran. Für einen Preis von 3.869 Euro könnt Ihr einen Hin- und Rückflug nach Hong Kong buchen und erhaltet dafür 300 Prozent der Entfernungsmeilen. Konkret lag die Meilengutschrift nach dem alten System bei etwa 34.600 Meilen. Die Berechnungsgrundlage sind dagegen nach dem neuen System etwa 3780 Euro. Ohne Status erhaltet Ihr demnach 15.000 Meilen, mit Status 22.500 Meilen. Die Gutschrift sinkt demnach ohne Status auf weniger als die Hälfte und auch mit Status würdet Ihr insgesamt mehr als 12.000 Meilen weniger erhalten.

Miles and More wird umsatzbasiert – ähnliche Modelle

Die Vorbilder in Bezug auf umsatzbasierte Meilenvergabe bei Vielfliegerprogrammen sind die US-Airlines, die dieses System schon seit mehreren Jahren in Betrieb haben. Auch hier handelt es sich bei der umsatzbasierten Meilenvergabe nur um Prämienmeilen, während Statusmeilen weiterhin entsprechend der geflogenen Meilen vergeben werden. Prämienmeilen werden allerdings pro US-Dollar Umsatz vergeben, wobei hier nicht der gesamte Ticketpreis zählt, sondern nur die Bestandteile, die nicht als Steuern & Gebühren von der Fluggesellschaft weitergegeben werden. Neben dem Base Fare werden also auch die Treibstoffzuschläge oder andere Zuschläge der Airline für die Meilenvergabe berücksichtigt.

Anschließend wird dieser Betrag je nach Status mit einem Faktor multipliziert, der die gesamte Meilengutschrift ergibt:

  • Kein Status: 5 Meilen pro US-Dollar
  • Silber Status: 7 Meilen pro US-Dollar
  • Gold Status: 8 Meilen pro US-Dollar
  • Platinum Status: 9 Meilen pro US-Dollar
  • 1k Status: 11 Meilen pro Euro pro US-Dollar

Dieses Beispiel von United MileagePlus ist sehr ähnlich dem neun System der Lufthansa, wenngleich Statusinhaber deutlich überproportional profitieren. Air France / KLM Flying Blue hatte erst vor kurzem grundlegende Änderungen am Programm bekannt gegeben, die ebenfalls eine Umstellung auf umsatzbasierte Meilenvergabe beinhalten. Diese treten zum 1. April in Kraft und verfolgen ein ähnliches System, wie es auch die Lufthansa einführen wird.

Miles and More wird umsatzbasiert – Fazit

Dass Lufthansa Miles and More umsatzbasiert wird, ist ein gravierende Einschnitt. Gerade bei billigen Tickets sinkt die Meilengutschrift für Buchungen ab dem 12. März gravierend. Teilweise erhaltet Ihr nur noch ein Drittel der bisherigen Meilen für Eure Flüge. Sofern Ihr jedoch immer mit teureren Tickets, also beispielsweise bei kurzfristiger Buchung, unterwegs seid, könnten die Änderungen auch positiv sein. Insgesamt werden sich die meisten Passagiere aber wohl auf sinkende Gutschriften einstellen müssen. Da dieses System für Buchungen ab Morgen gilt, solltet Ihr bei günstigen Flügen noch überlegen, ob Ihr diese nicht bereits heute schon bucht, um noch vom alten System der Meilenberechnung zu profitieren.

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Seit dem ersten Flug in der Business Class ist Jan besessen von Meilen & Punkten. Als Flug- und Reiseverrückter genießt er dabei den Weg ans Ziel mindestens genau so wie die schlussendliche Destination. Auf reisetopia gibt er Euch wichtige Tipps und hält Euch über aktuelle Deals auf dem Laufenden!

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    • Hey Rene, das Problem ist uns (leider) bekannt. Wir haben da technisch noch keine Lösung gefunden, um die Darstellung über unser Theme besser hinzukriegen. Wir arbeiten aber dran 🙂

  • Damit lohnt sich das Programm eigentlich gar nicht mehr für nicht Geschäftsreisende, wenn man das mal aus der Statusbrille betrachtet. Selbst wenn ich könnte, würde ich niemals 25.000,- € bei der Lufthansa ausgeben. Da gibt es viel bessere Alternativen. 5. (diskussionswürdiger) Stern hin oder her.

    • Bitte bedenken, dass die Regelungen vorerst nur für Prämienmeilen gelten. Dennoch hast du aber natürlich recht: Für Privatreisende ist das Programm durch die Änderungen signifikant weniger interessant, weil gerade auch “günstige” First und Business Class Tarife sowie natürlich jegliche günstigen Economy Class Tarife mit Vorausbuchung signifikant weniger Meilen bringen.

  • Bin gespannt auf die Regeln für Status-/HON-meilen…ansonsten auf die Statistik wie viele SEN/HON es 2020 weniger geben wird 😉

    und die Prämienmeile scheint ja damit “wertvoller” zu werden…auf eine Änderung in der Einlösungstabelle können wir aber wohl leider nicht hoffen?!

    • Bislang gelten die Neuerungen ja nur für Prämienmeilen, ob sich an den Statusmeilen etwas ändert wird, werden wir wohl erst in einiger Zeit erfahren. Genauso wird es natürlich wirklich spannend, ob auch die Einlösetabelle irgendwann angepasst wird. “Positiv” würde ich aber bezweifeln. Eigentlich wird es immer eher schlechter 😉

  • Danke für die Zusammenfassung – war aber auch irgendwo zu erwarten. Carsten Spohr und seine Meckies bekommen einen schönen Bonus, wenn der Aktienkurs der LH weiter steigt. Und den gibt es sicher nicht, wenn das Meilenprogramm attraktiver wird und “MEHR” für den Euro oder die Flugmeile bietet, sondern nur dann, wenn die Kosten sinken. Ich finde die Veränderungen auch sch***e, aber überraschend kommt das nicht.

    • Die Frage ist halt immer, ob eine Änderung dem Programm (und damit auch dem Aktionär) am Ende wirklich mehr Geld bringt. Scheinbar ist man bei LH aber der Meinung, dass genau das passieren wird…

  • Überraschend ist das nicht. Es war abzusehen die Leistungen im Lufthansa Konzern werden mit den div. Übernahmen schlechter oder teurer und sind für die Kunden mit Sicherheit nie von Vorteil. Einer der Gründe warum ich, wenn immer möglich, arabische Fluglinien vor Lufthansa Linien wähle. Teils auch als Protest gegen dieses “Lufthansa Monopol”.

  • Hallo Leute,

    bei so einer Anwendung der Meilenvergabe werde ich diesem Treueprogramm den Rücken kehren, zumal es in anderen Programmen schneller geht einen entsprechenden Status zu erreichen. Ich werde mir im Februar noch mal 3000 Meilen erfliegen und mir dann noch was aus dem World Shop gönnen und dann ist zig. Zum Glück gibt es deutlich bessere Alternativen.

  • Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich die Meilengutschrift in direkter Abhängigkeit vom Ticketpreis nachvollziehen. Allerdings erscheinen mir die 4 bis 6 Meilen pro Euro als deutlich zu wenig, wie auch Eure Beispielrechnungen zeigen. Bei konsequenter Anwendung des neuen Verfahrens müssen dann ja auch die m&m-Prämientickets mit dem Anteil der erhobenen Kerosinzuschläge meilenfähig sein.

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