Die britische Neobank Revolut hat im vergangenen Jahr massiv in Premium-Leistungen investiert. Doch kann Revolut damit tatsächlich mit den Platzhirschen rund um American Express mithalten?
In Deutschland hat sich in puncto Kreditkarten zum Meilen sammeln in den vergangenen zwei Jahren einiges getan. Das liegt nicht nur an der neuen Turkish Airlines Kreditkarte, sondern insbesondere an den vielfältigen Entwicklungen rund um das Revolut Girokonto. Gerade rund um Premium-Leistungen sowie die flexible Punktewährung RevPoints hat sich dabei einiges getan. Doch reicht das, um zu einem echten Konkurrenten für die bekannten Anbieter in Deutschland zu werden, gerade rund um das Thema Meilen sammeln?
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Revolut und die Fortschritte beim RevPoints Programm
Dass Revolut auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen versucht, ist nichts Neues. Doch im vergangenen Jahr wurden die Bemühungen, gerade im Reisesegment, stark intensiviert, wie sich nicht zuletzt durch umfangreiche Werbung an Flughäfen zeigt. Spätestens mit der Einführung von RevPoints und einem Ende von Einschränkungen beim kostenlosen Einstiegsprodukt, hat Revolut eine Kampfansage an bestehende Konkurrenten gemacht.
Mit den Points Pockets hat Revolut sogar eine innovative Möglichkeit gefunden, indirekt Meilen mit einem Tagesgeldkonto zu sammeln. Dazu kommt, dass im vergangenen Jahr gleich mehrere neue Transferpartner hinzugekommen sind, was Revolut in puncto Meilen sammeln zu einer interessanten Option gemacht hat. Zumindest quantitativ bewegt man sich so in ähnlichen Sphären wie das Amex Membership Rewards Programm.
Attraktiv erscheint RevPoints dabei besonders, weil das Programm simpel anmutet. Freuen darf man sich bei allen Transferpartnern über einen Tausch von Punkten in Meilen in einem Verhältnis von 1:1. Zudem gibt es sogar die indirekte Möglichkeit, mit den Punkten auch Gutscheine bei Airlines wie der Lufthansa oder easyJet zu kaufen.
Die Schwächen beim Punkte sammeln mit Revolut
Nur deshalb ist Revolut allerdings nicht zwingend die attraktivere Option für diejenigen, die Meilen sammeln möchten. Das liegt daran, dass die kostenlose Variante Revolut Standard nur eine Meile je zehn Euro Umsatz bringt und auch die Plus-Option für 2,99 Euro im Monat kein besseres Verhältnis aufweist. Ernstzunehmend attraktiv sind die günstigen Abos zum Meilen sammeln also bis heute nicht.
Anders sieht es allerdings bei Revolut Ultra aus, denn das Spitzenprodukt der britischen Neobank für 60 Euro im Jahr bringt einen Punkt je Euro Umsatz und damit indirekt auch eine Meile bei einer Vielzahl an Airlines. Ein Pendant zum Amex Turbo-Programm, durch das zumindest für Umsätze bis 40.000 Euro im Jahr 1,5 Punkte je Euro Umsatz möglich sind, fehlt bei Revolut allerdings.
Da bei American Express Kreditkarten die Sammelraten komplett vereinheitlicht sind, dafür aber die Transferverhältnisse zwischen 5:4 und 2:1 schwanken, lässt sich nicht universell sagen, bei welchem Produkt sich mehr Meilen sammeln lassen.
Entsprechend kommt es auf den konkreten Einzelfall an, allerdings ist zumindest bei den günstigeren Modellen wie der American Express Green Card (60 Euro im Jahr / kostenfreie im zweiten Jahr ab 9.000 Euro Umsatz) oder auch der American Express Gold Card (240 Euro im Jahr) die Ratio deutlich attraktiver als bei Revolut Premium oder Revolut Metal.
Revolut Standard
- Kostenfreie Überweisungen in 36 Währungen
- Kostenlose Aufladung mit Kreditkarten möglich
- Kostenlose VISA Debitkreditkarte
- Keine Fremdwährungsgebühren
- Schnelle Kontoeröffnung ohne Schufa-Abfrage
- 1 RevPoint je 10 Euro sammeln
Revolut zwischen Stärken und Schwächen bei Akzeptanz & Liquidität
Das reine Verhältnis beim Punkte sammeln ist allerdings nicht der einzige Aspekt, auf den man bei der Wahl der richtigen Kreditkarte zum Meilen sammeln sollte. Vielmehr ist auch die Akzeptanz ein Thema, das man im Blick haben sollte. So macht es durchaus einen Unterschied, ob man beispielsweise 60 Prozent oder 80 Prozent seiner täglichen Ausgaben mit einer Kreditkarte bezahlen kann.
Hier ergibt sich ein interessanter Umstand, denn in Deutschland gibt Revolut aktuell Visa Karten sowie Mastercard Karten aus. Zwar hat sich in puncto Kreditkartenakzeptanz in Deutschland in den vergangenen Jahren viel getan und American Express hat durchaus stark aufgeholt. Dennoch gilt auch heute noch: Visa und Mastercard haben in der Breite eine größere Akzeptanz als Amex, sodass man mit Revolut insgesamt bei mehr Händlern und damit auch bei mehr Umsätzen vom Meilen sammeln profitieren kann.
Dieser Umstand mag für den einen oder anderen durchaus reizvoll sein, doch auch einen Nachteil gibt es bei Revolut aktuell noch: Es handelt sich um eine Debit- und keine Kreditkarte. Das bedeutet konkret, dass es auf Reisen insoweit zu Problemen kommen kann, als die Karte nicht immer für Garantien, etwa im Hotel oder bei Mietwagenanbietern, genutzt werden kann. Mit einer American Express Karte oder auch der neuen Miles & More Kreditkarte dürfte einem das nicht passieren.
Ebenfalls zu erwähnen ist der Fakt, dass der Kreditrahmen bei American Express auch zusätzliche Liquidität bringt, was auch ein Vorteil sein kann. Wer die gewonnene Liquidität etwa temporär auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto parkt, der gewinnt im Jahr sicherlich den einen oder anderen Euro gegenüber einer Karte, bei der jeder Umsatz direkt vom Guthaben abgebucht wird.
Sieger bei den Gebühren und Verlierer bei Neukundenboni
Bei der Kartenwahl spielen aber natürlich auch noch weitere Faktoren eine zentrale Rolle. Dazu gehören etwa der Kundenservice, bei dem Revolut bislang wenig rühmlich abschneidet, oder die Gebührenstruktur. Bei Letzterer schneidet Revolut gegenüber American Express besser ab, gibt es doch keine Fremdwährungsgebühren und auch Abhebungen sind je nach Kartentyp sogar unbegrenzt kostenfrei möglich.
Interessant ist das unter anderem auch mit Blick darauf, dass man so bei Umsätzen in Fremdwährungen mit Revolut zu deutlich attraktiveren Konditionen Meilen sammeln kann als mit American Express. Für diejenigen, die gerne nach Großbritannien, in die USA oder auch nach Thailand reisen, kann das durchaus ein Argument sein. Von ähnlichen Vorzügen profitiert man im Übrigen auch, wenn man sich für die Eurowings Kreditkarte Premium entscheidet.
Gegenteilig sind die hohen American Express Willkommensboni etwas, das man bei Revolut in dieser Form vermisst. Während American Express Kreditkarten mit oftmals relevanten fünfstelligen Boni anbietet, die teilweise alleine schon für ein Business Class Ticket auf der Langstrecke reichen, sind es bei Revolut maximal ein paar tausend Punkte oder kleine Geldprämien.
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Attraktive Zusatzleistungen ohne klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz
Beim Thema Kartenleistungen gibt es natürlich auch umfangreiche Unterschiede, die sich je nach konkretem Modell sowohl bei Revolut als auch bei American Express massiv unterscheiden. Bei den günstigeren Produkten sind meist keine relevanten Zusatzleistungen außer dem Bonusprogramm und einfachen Versicherungen enthalten.
In der mittleren Kategorie konkurriert etwa Revolut Metal mit der American Express Gold Card mit einem haptisch ähnlichen Erlebnis und vergleichbaren Versicherungen. Die Miles & More Kreditkarte ist im Verhältnis ein Stück günstiger, kann aber nur bei den Versicherungen, nicht der Haptik mithalten.
Keineswegs einfach ist auch ein Vergleich zwischen Revolut Ultra und der Amex Platinum. Während Letztere durch Guthaben für Restaurants oder Reisen begeistert, sind bei Revolut Ultra diverse interessante Abos inkludiert. Die Versicherungen sind jeweils auf einem hervorragenden Niveau, wenngleich nicht 1:1 vergleichbar.
Auch beim Lounge-Zugang gibt es Unterschiede, wobei der Vorteil hier klar bei American Express liegt, denn hier ist ein Gast inkludiert. Dazu kommt: Amex bietet bei der Platinum eine kostenfreie Zusatzkarte, Revolut nicht. Für Paare kann alleine das als finales Entscheidungskriterium dienen.
Die spannenden nächsten Schritte von Revolut
Blickt man auf den heutigen Stand, dürfte für diejenigen mit einem Fokus auf das Meilen sammeln mit Kreditkarte und Zusatzleistungen von Kreditkarten meist American Express die Nase gegenüber Revolut vorn haben – spätestens dann, wenn die Neukundenboni und die Partnerkarte eine relevante Rolle spielen.
Doch schon jetzt kann es Fälle geben, in denen eine Revolut Kreditkarte im individuellen Fall eine veritable Alternative zu bestehenden Karten zum Meilen sammeln auf dem deutschen Markt ist. Verstärken könnte sich das, weil Revolut Gerüchten zufolge bald eine echte Kreditkarte vorstellen könnte. Sollten zudem auch weitere RevPoints-Verbesserungen folgen, könnte Revolut Stück für Stück noch konkurrenzfähiger werden.
Einfach wird es für Revolut trotz der spannenden nächsten Schritte, die in den kommenden Monaten und Jahren folgen dürften, allerdings nicht werden. Wie sehr sich American Express bereits auf die Konkurrenz eingestellt hat, zeigt sich etwa an den hohen Neukundenboni, die aktuell angeboten werden.
Erwartbar ist auch, dass die Deutsche Bank in den kommenden Monaten stärker die Miles & More Kreditkarte ins Schaufenster stellen wird. Denkbar sind hier etwa attraktive Neukundenaktionen. Neue Konkurrenten gibt es zudem, etwa mit Blick auf den Start der Klarna Premium Abonnements mit Cashback-Funktion in Deutschland.
Man darf entsprechend gespannt sein, was Revolut, aber auch die bestehenden Konkurrenten sich in den kommenden Monaten überlegen werden. Viel Bewegung ist allemal zu erwarten, was aus Kundensicht in der Regel eine gute Nachricht ist!
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