Was haben La Compagnie, zukünftig vielleicht auch Arabesque, jetBlue, TAP Air Portugal und Scandinavian Airlines gemeinsam? Sie alle wollen an Bord des Airbus A321 (in seinen sämtlichen Langstreckenvarianten) mit einem vollwertigen Business Class Produkt ein komfortables Reisen ermöglichen.

Wir gehen der Frage auf den Grund, ob Boutique-Airlines wie La Compagnie oder bald auch Arabesque eine Gefahr für renommierte Fluggesellschaften wie beispielsweise Air France und Emirates sein können. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage, ob zukünftig auch weitere große Fluggesellschaften auf Schmalrumpfflugzeuge, wie den Airbus A321(X)LR, setzen werden. Ich nehme vorweg, American Airlines hat eine große Bestellung über 50 Airbus A321XLR aufgegeben.

Die relativen Vorteile einer Boutique-Airline

Welche Vorteile bieten Boutique-Airlines? Um diese Frage zu beantworten, sollten wir uns zunächst mit La Compagnie und Arabesque beschäftigen. Über die arabische Boutique-Airline aus Dubai haben wir in den vergangenen Tagen einiges gelesen, wenn auch viel Spekulatives. In den Vereinigten Arabischen Emiraten plant ein Unternehmen bereits im kommenden Jahr ausschließlich Langstreckenflüge durchzuführen. Dabei fallen jedoch zwei Details direkt ins Auge. Arabesque möchte die ersten Flüge jeweils mit dem Airbus A321neo, in welcher Variante ist indes noch nicht bekannt, durchführen. Darüber hinaus möchte die Fluggesellschaft ausschließlich Business Class Sitzplätze an Bord des Airbus A321 verbauen. Ein Konzept, mit dem die französische Fluggesellschaft La Compagnie ebenfalls operiert, wenn auch nur auf wenigen Strecken, wie beispielsweise von Paris nach New York.

La Compagnie Airbus A321 Business Class

Bei der französischen Fluggesellschaft befinden sich insgesamt 76 Business Class Sitze an Bord des Airbus A321neo, die sich über 19 Reihen in einer 2-2-Konfiguration verteilen. Ein Konzept, auf das eventuell auch Arabesque zurückgreifen wird. Doch welchen Vorteil bieten Boutique-Airlines gegenüber herkömmlichen Fluggesellschaften, die auf ein mehrklassiges Konzept zurückgreifen?

Eine Boutique-Airline bietet grundsätzlich allen Fluggästen die gleichen Vorteile, da sie per se alle Business Class Reisende sind – deshalb aber auch einige Nachteile. Beginnen wir beim Flughafen. Bei La Compagnie darf jeder Fluggast vor dem Flug eine Lounge betreten. Ein schöner Vorteil, der jedoch wirklich jedem Gast gewährt wird. Entsprechend voll kann es in der Lounge werden. Darüber hinaus befinden sich per se nur Gäste an Bord, die sich einen solchen Flug leisten können. Ein Trugschluss, wer nun denken mag, dass es dadurch gesitteter an Bord zugehen mag, die Annahme liegt jedoch nahe. Bei herkömmlichen Fluggesellschaften ist die Klientel durchaus unterschiedlich – entsprechend laut kann es auch zugehen, denkt man an die Menschenmasse, die beispielsweise in der Economy Class Platz nehmen darf. Das Gefühl einer gewissen Exklusivität ist bei La Compagnie durchaus gegeben – selbiges gilt aber auch für jede andere Business Class.

Fliegen Boutique-Airlines renommierten Fluggesellschaften den Rang ab?

Eine Frage, die ich persönlich mit einem klaren “Nein” beantworten möchte. Wie komme ich zu dieser Annahme? Zunächst möchte ich einen ökologischen Aspekt ansprechen, der sowohl positive als auch negative Argumente mit sich bringt. Ja, auf einer Strecke, wie beispielsweise Paris nach New York, sind die CO₂-Emissionen bei einem A320 nicht so hoch wie beispielsweise bei einer Boeing 777-300ER oder einem Airbus A350, die ebenfalls auf dieser Strecke zum Einsatz kommen. Doch wie verhält es sich mit den CO₂-Emissionen pro Kopf? Bei La Compagnie werden die CO₂-Emissionen mit 1.044 Kilogramm CO₂ angegeben, bei einem Economy Class Ticket beläuft sich dieser Wert zwischen 350 und 430 Kilogramm, je nach Flugzeugtyp. Bei einem Business Class Ticket fallen jedoch über 1.500 Kilogramm CO₂ pro Kopf an. Ein klarer Punktgewinn für die Boutique-Airline.

(Alle CO₂-Angaben habe ich bei Google Flights entnommen)

Es folgt der wirtschaftliche Aspekt. Kann sich die Masse ein Ticket bei einer Boutique-Airline leisten? Infolgedessen: Wie hoch ist die Auslastung bei einer Boutique-Airline? Ein Hin- und Rückflug zwischen Paris und New York kostet bei La Compagnie knapp 5.000 Euro.

La Comapgnie Ticket
Die Kosten für ein Ticket bei La Compagnie sind vergleichsweise hoch

Ein vergleichbares Business Class Ticket kostet bei Air France derzeit 4.200 Euro. Ein Economy Class Ticket kostet indes bei United beispielsweise nur 480 Euro. Air France verlangt immerhin 600 Euro, wobei American Airlines mit 550 Euro die goldene Mitte einnimmt. Jetzt folgt meine Frage an Euch: Was würdet Ihr eher buchen? Das günstigere Business Class Ticket von Air France, das nochmals teurere “Business Class Ticket” von La Compagnie oder ein Economy Class Ticket, welches wiederum nur schwer mit einem Business Class Ticket zu vergleichen ist. Meine Prognose: nur wenige von Euch würden aus rationalen Gründen das La Compagnie Ticket buchen.

Was rechtfertigt diesen hohen Preis – gerade im Vergleich zu Business Class Tickets von herkömmlichen Fluggesellschaften. Meiner Meinung nach – nichts. Zunächst erfolgt keinerlei Trennung am Flughafen. Jeder Passagier wird gleich behandelt, das ist ja per se auch richtig so, aber als Business Class Passagier möchte man vielleicht auch die Vorzüge wie das Priority Boarding oder dergleichen genießen. Der Service an Bord? Der muss schon exquisit sein, um einen Aufpreis von weiteren 800 Euro zu rechtfertigen. Die Exklusivität an Bord? Wie exklusiv ist das Flugerlebnis, wenn zum einen alle “gleich” sind und zum anderen es nur eine große durchgängige Kabine gibt? Da lobe ich mir persönlich die kleineren privaten Business Class Kabinen, wie beispielsweise bei Austrian Airlines.

Sind es die Flugzeiten? Nein. Die Strecke zwischen Paris und New York (wohl gemerkt in Richtung der beiden größten Flughäfen New Yorks) ist derart frequentiert, dass sich aus den Flugzeiten keinerlei Vorteile ergeben. Darüber hinaus lassen sich bei Boutique-Airlines keinerlei Meilen sammeln oder von Statusvorteilen profitieren. Ein Faktor, der bei Vielfliegern eine untergeordnete Rolle spielen mag.

Emirates Business Class Airbus A380 Dubai Sitzplatz

Immerhin: ein Flugzeug ist maximal mit 76 Passagieren belegt. Hier ist ein stressfreieres Boarding geboten. Ein Gedrängel wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Ein lästiges Wettrennen um das “Rucksack-Verstaue” sollte damit auch entfallen.

Darüber hinaus stelle ich das All Business Class Konzept in Frage. Bei La Compagnie sind 76 Sitzplätze verbaut – ein Muster, auf das auch Arabesque zurückgreifen könnte. Welche Vorteile bieten 76 Sitzplätze, speziell mit der lokalen Verortung Arabesques. Dubai. Eine Airline wie Emirates, die über den Airbus A380 und die Boeing 777-300ER verfügt, bietet in den Flugzeugtypen bis zu 76 Business Class Sitzplätze, quasi ein vollständigen “A321neo”, an. Darüber hinaus kommen noch Economy Class sowie First Class Sitze. Seit neuestem auch Premium Economy Sitze, diese jedoch nur in einigen wenigen Airbus A380. Mit diesem Angebot können jene Fluggesellschaften eine breitere Masse an potenziellen Kunden ansprechen, als es Boutique-Airlines können.

Schmalrumpfflugzeuge mit vollwertiger Business Class – ein neuer Trend?

Abgesehen von den beiden Boutique-Airlines nehmen immer mehr Fluggesellschaften Schmalrumpfflugzeuge in ihre Flotten auf, um sie anschließend auf der Langstrecke einsetzen zu können. Bei den Flugzeugen handelt es sich um den Airbus A321neo, den Airbus A321LR sowie zukünftig auch den Airbus A321XLR, die allesamt für die Mittel- und Langstrecke ausgelegt sind. Es scheint, als hätten die Fluggesellschaften aus der Corona-Pandemie gelernt und setzen zukünftig vermehrt auf Flugzeugtypen, die zum einen weniger Passagiere befördern können, als beispielsweise die richtigen Langstreckenflugzeuge wie dem Airbus A330, A340, A350 dem Airbus A380 oder auch sämtliche Langstreckenflugzeuge aus dem Hause Boeing. Darüber hinaus sind die neuesten Flugzeuge der Airbus A321-Serie mit hocheffizienten Triebwerken ausgestattet, die die Treibstoffkosten, gerade bei steigenden Treibstoffpreisen, im Rahmen halten.

Und welche Fluggesellschaften setzen bereits auf jenes Konzept? In Europa sind TAP Air Portugal sowie seit neuestem auch Scandinavian Airlines zu nennen. Beide Fluggesellschaften verbauen in ihre Airbus A321 Sitzplätze, die sich in ein vollständig flaches Bett verwandeln lassen. Damit nehmen die beiden Fluggesellschaften nicht nur in Europa eine Vorreiterrolle ein, sondern setzen auch neue Maßstäbe und erfüllen indes die Anforderungen an ein gutes Langstreckenprodukt. Die irische Fluggesellschaft Aer Lingus hat einen ähnlichen Sitz verbaut, dieser kommt jedoch gar auf der Kurzstrecke, wie etwa zwischen Dublin und London zum Einsatz.

JetBlue Mint Business Class Airbus A321LR
Die Mint Business Class von jetBlue an Bord des Airbus A321LR

Ein Blick auf den “Rest der Welt”. Dieser fällt relativ ernüchternd aus. Einzig American Airlines (mit Abstrichen) und jetBlue verfolgen Mittel- beziehungsweise Langstreckenpläne mit dem Airbus A321. American Airlines setzt diesen Flugzeugtypen auf Transcon-Flügen ein. An Bord befindet sich neben einer Business Class sogar eine vollwertige First Class. Die Billigairlines jetBlue macht indes mit ihrer Mint Business Class, einer vollverschließbaren Suite, an Bord ihrer Airbus A321LR auf sich aufmerksam. Die Airline setzt dieses Produkt unter anderem auf der Strecke zwischen New York und London ein.

Fazit zu der Frage, ob Boutique-Airlines eine ernsthafte Gefahr für “herkömmliche” Airlines darstellen

Meiner Meinung nach haben Boutique-Airlines durchaus eine Daseinsberechtigung, ich persönlich sehe die Vorteile einer solchen Airline gegenüber herkömmlichen Fluggesellschaften nicht in dem Maße an, als dass sich hier eine reale Konkurrenzsituation entwickeln könnte. Ein Austausch mit meinem Arbeitskollegen Alex hat ergeben, dass er meine Ansicht teilt. Doch ich möchte von Euch wissen: Können Boutique-Airlines langfristig eine Gefahr für herkömmliche Fluggesellschaften darstellen?

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  • Sorry, habe meinen vorherigen Kommentar zu früh abgeschickt.

    Was hat dieser nun mit Emirates oder La Compagnie zu tun?

    Nun, dass sich die Schicht an Menschen, die reisen, noch stark verändern wird, egal ob mit herkömmlichen oder Boutique-Airlines.

    Irgendwie lese ich aus dem Artikel, dass La Compagnie nicht exklusiv genug sei. Ich hoffe aber nicht, dass sich jemand bestätigen muss, indem er sieht, wie andere warten müssen und er zuerst ins Flugzeug steigen darf. So zum Thema fehlendes Priority Boarding, weil eben alle Priority sind.

    Die Exklusivität wird sich “von alleine” wieder steigern, darauf wollte ich hinaus. Und sowohl Emirates wie La Compagnie als auch Langstrecke in Schmalrumpfflugzeugen haben ihre Berechtigung und werden ihre Kunden finden.

    • Grüß dich!
      Vielen Dank für deine Kommentare und deine ausführlichen Einschätzungen!
      Ich möchte vor allem auf den Punkt der Exklusivität eingehen. Es soll durchaus Reisende geben, die genau auf diese Vorteile viel Wert und legen und auch deshalb ein teureres Business Class Ticket bezahlen.
      Keine Sorge – ich persönlich gehöre nicht dazu.
      Liebe Grüße,
      Tobi

  • Da wird sich in den nächsten Jahren noch einiges ändern. Zumindest in Europa. Immer weniger Leute werden noch fliegen können. Der Trend, der mit den Billigfliegern kam, dass viele gar mehrmals im Jahr in die Ferien jetten, hat schon zu kehren begonnen. Die Unterschicht ist bereits im Überlebensmodus – siehe die anhaltenden Diskussionen über Energiemangel und rapide steigende Preise für Energie und auch allgemein. Dabei nicht nur aufs eigene Land schauen. Z.B. in den Niederlanden wissen viele nicht mehr, wie sie ihre Gas- und Stromrechnungen noch bezahlen sollen, die Preise dort sind förmlich explodiert. Da ist in den Urlaub fliegen erst mal kein Thema mehr.

    Und die Mittelschicht? Zunächst wird zwar noch geflogen, die Aufenthaltsdauer aber verkürzt. Doch die Entwicklung, dass Fliegen wieder zusehends nur noch Wohlhabenden offen steht, ist deutlich abzusehen. Wenn nun selbst der Ryanair-Boss verkündet, mit dem Preismodell, das seine Airline gross gemacht hat, sei Schluss.

    Wer die Flugpreise vor allem der Netzwerk-Fluggesellschaften diesen Sommer über gesehen hat, dürfte erst mal leer geschluckt haben, selbst wenn er sie noch bezahlen konnte. Ob er es auch noch wollte war bereits die erste Hürde, kein Selbstläufer mehr.

    Zwar sieht es auf den Herbst/Winter wieder besser aus, doch ein allgemein höheres Preisniveau gegenüber sowohl vor als während Corona ist geblieben, auch wenn das nicht auf jede einzelne Verbindung zutreffen muss. Vielflieger dürften aber die Inflation bzw. Entwertung der Meilen und Hotelpunkte in zahlreichen Programmen deutlich zu spüren bekommen haben. Ebenso wurden viele Bezahltarife restriktiver bei den inkludierten Leistungen, ohne dass der Preis sank. Ein verkappter Preisaufschlag.

    Dann kommt noch die gesellschaftliche Dimension hinzu. Was mit “Flugscham” begann, wird noch zunehmen und politisch forciert werden. An vielen Menschen wird nicht spurlos vorbei gehen, wenn sie schief angeschaut statt bewundert werden, wenn sie von ihren Reisen berichten. Der Mensch will Anerkennung, will bewundert, geliebt und nicht in die Ecke bzw. an den Pranger gestellt oder gar ausgeschlossen werden. Von selbst wird er sich dem gesellschaftlich breit Akzeptierten anpassen. Klar wird es auch hier Ausnahmen geben. Ich rede aber von der grossen Masse.

    Man kann bereits sehen, dass die Co2-Kompensationen für Flüge im Steigen begriffen sind. Die (noch fliegenden) Leute haben immer öfter ein schlechtes Gewissen, sind aber noch nicht wirklich zum Verzicht bereit. Also dann wenigstens Ablasshandel 2.0 um das Gewissen zu erleichtern.

    Sollte politisch ein System mit Co2-Budget und/oder Social Scoring (teilweise) eingeführt werden, wird dies immense Auswirkungen auf die Fliegerei haben. Dass eine solche Entwicklung das Ziel von Regierungen sei, behaupten Leute, welche das WEF (Weltwirtschaftsforum) dafür verantwortlich machen. Stichworte: The great reset. Agenda 2030.

    Wahrscheinlich wird nicht einmal die Umstellung auf klimaneutrales Fliegen alle Probleme lösen. Ein, wenn nicht DAS, Grundproblem aus meiner Sicht bleibt die jetzt schon bestehende Überbevölkerung unseres Planeten, die ungebremst weiter geht. Nicht nur verbrauchen mehr Menschen mehr Ressourcen, sondern es nimmt auch der Übertourismus zu, weil es eben nur ein (hier Attraktion einsetzen) gibt. Dem Übertourismus wird mit Angebotsverknappung begegnet (z.B. keine neuen Hotels mehr, maximale Besucheranzahl, Zeitfenster), was die Preise treibt und so zumindest die Unter- und ein Teil der Mittelschicht immer häufiger ausschliesst an diesen Destinationen. Da wird der ein oder andere, wenn er noch reisen will, auf Sekundärdestinationen ausweichen müssen bzw. solche, die noch im Aufbau begriffen sind, was aber auch für authentischere Erlebnisse sorgen kann.

    In diesem Bereich hat das politische Umdenken aber noch nicht begonnen. Ewiges Wachstum, Rentensicherung durch Zuwanderung, Unterstützungsgelder für Kinder als Stichworte. Man macht sich zwar Gedanken, wie 10 Milliarden Menschen ernährt werden können, aber zu wenig, diesen Moment möglichst lange abzuwenden bzw. aufzuschieben.

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