Reisen mit einer Körpergröße von über zwei Metern – ein unpassenderes Hobby hätte ich mir kaum aussuchen können. Lange Flüge, Bahn- und Busfahrten und auch Hotelbetten sind so meist alles andere als ein Vergnügen.

Wieso auch Flüge in der Business Class nur bedingt die Lösung sind und wieso ich trotzdem Spaß am Reisen finde, erzähle ich Euch hier. Flüge in der Economy Class sind für mich in vielerlei Hinsicht schon grenzwertig. Enge Sitze, kurze Sitzfläche und Knie am Vordersitz sorgen für bedingt angenehme Stunden in der Blechröhre. Teilweise lässt sich der Tisch nicht ausklappen, in kleinen Regionaljets kann ich nicht nicht einmal aufrecht stehen.

Dennoch bin ich selbst auf der Langstrecke hin und wieder sogar in der Economy unterwegs. Wieso eigentlich? Ein Sitz in der Business Class ist einem in der Eco zweifelsohne immer erhaben. Auch ich sitze natürlich lieber vor dem Vorhang als dahinter – mit einer Ausnahme.

Erste Wahl Notausgang

Bei Kurzstreckenflügen in Europa käme ich nie auf die Idee die Business Class zu buchen. Diese besteht bekannterweise bei allen großen Airlines in Europa aus den gleichen Sitzen wie hinten, nur mit geblocktem Mittelsitz. Problematisch ist für mich aber viel mehr der Platz nach vorne, weshalb ich in aller Regel immer einen Platz am Notausgang buche. Essen kann man sowieso in der Lounge und auch auf den Getränkeservice während eines Kurzstreckenfluges kann ich durchaus verzichten.

Swiss Airbus A220 Notausgang

Das geht natürlich ins Geld: Bei nahezu allen Airlines fallen saftige Gebühren für diese Plätze an, nur im Einzelfall sind diese von den eigenen Statusinhaberm kostenfrei buchbar. Als Star Alliance Gold Inhaber blicke ich bei Lufthansa beispielsweise in die Röhre – hier fällt dennoch die volle Reservierungsgebühr an (meist 30 Euro pro Flug) an. Einzig Eurowings hat sich in dieser Hinsicht als vergleichsweise positiv erwiesen: Da die Plätze am Notausgang (und generell im Smart Bereich mit mehr Beinfreiheit) immer einen Aufpreis kosten, auch beim Online-Check-In, wird dieser Sitzbereich in der Regel als letztes voll.

Das hat den Vorteil, dass man wenn man lange genug mit dem Check-In wartet, man kostenfrei einen Platz dort buchen kann, da zwischenzeitlich alle kostenfreien Plätze bereits gewählt wurden. Die Eurowings BIZclass (auf der Kurzstrecke) erweist sich übrigens auch in anderer Hinsicht als witzlos: Sollte der Flieger überbucht sein, werden Passagiere mit Standby Bordkarten gerne auch einfach auf die freien Mittelsitze im BIZclass Bereich gesetzt. Der Vorteil des freien Mittelsitzes fällt für die Premium-Passagiere damit komplett weg.

Schlaflos in der Business

Um zurück zum eigentlichen Thema zu kommen: Fast alle Business Class Produkte auf der Langstrecke bieten bekanntermaßen ein flaches Bett. Nur ist die Liegefläche für meine Bedürfnisse schlichtweg zu kurz und es gibt auch meist keinen Weg, um die Beine anderweitig (beispielsweise als Überhang im Gang) zu platzieren. Seitenschläfer mit Hang zur Embryonalstellung haben hier klar den Vorteil, dass auch etwas zu kurze Betten noch halbwegs passen. Wer aber partout nur auf dem Bauch oder Rücken schläft, wird mit der zu kurzen Liegefläche ernsthafte Probleme haben.

Die neue Business Class bei Thai Airways bietet beispielsweise nur eine Liegefläche von 188 Zentimetern Länge. Für Menschen über 1,90 Meter wird der Flug in der Business Class damit nicht den erhofften Schlafkomfort bringen. Mit über 2 Metern ist an flaches Liegen sowieso nicht mehr zu denken, hier wird die Business Class zur Premium Economy. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass solche kurze Liegeflächen zwar bei einigen Airlines vorherrschen, dennoch aber nicht der Durchschnitt sind. Üblich sind im Mittel wohl etwas weniger als 195 cm. Für 95 Prozent der Reisenden natürlich vollkommen ausreichend. Ich würde ein solch kurzes Bett aber soweit möglich immer vermeiden.

So reist es sich auch mit zwei Metern komfortabel

Zwei Meter Bettlänge haben sich für mich als machbar rausgestellt. Airlines wie Qatar Airways oder Swiss sind damit eine Option, besser sind Airlines mit außergewöhnlich langen Betten in der Business Class. Cathay Pacific bietet zum Beispiel besonders in der ersten Reihe ein beeindruckendes Bett mit annähernd 2,10 Metern. Insgesamt schränkt dies die Auswahl der Airlines für Langstreckenflüge in der Business Class für mich aber deutlich ein.

Qatar Airways B787 Sitz

Natürlich kann man anführen, dass eine Business Class mit kürzerem Bett immer noch ein tolles Erlebnis sei. Das ist natürlich richtig, für mich zählt aber primär der Schlafkomfort. Catering, Service und Co. sind zweifelsohne sehr nett, ich bin aber nicht bereit den Aufpreis für ein Business Class Ticket nur für Letzteres zu zahlen. Daher bin ich hin und wieder auch in der Economy Class unterwegs. Flüge an die Ostküste Nordamerikas sind für mich in der Economy am Notausgang durchaus aushaltbar, lediglich der Schlaf fehlt natürlich auf dem Rückflug. Dafür sind die Tickets natürlich auch bedeutend günstiger. Einen Flug in der British Airways Business Class beispielsweise wäre hier aus meiner Sicht keinen marktüblichen Aufpreis wert.

Fazit zum Fliegen mit über zwei Metern

Eine hohe Körpergröße ist wohl in kaum einem anderen Bereich ein so großes Problem wie beim Fliegen. Bei reisetopia muss ich mir deshalb auch hin und wieder Häme gefallen lassen, wenn ich behaupte, nicht Business Class fliegen zu “können”. In der Realität bringt das flache Bett mir dort aber einfach nichts, denn nur bei einigen Airlines reist man mit über zwei Metern auch wirklich komfortabel. Sonst tut es eben teilweise auch die Economy Class – oder wenn man Glück hat auch einmal geniale Produkte wie die Thai First Class!

Wer von Euch kämpft mit ähnlichen Problemen und stößt beim Fliegen mit einer Körpergröße von über zwei Metern auf echte Probleme?

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Autor

Severin ist seit ein paar Jahren in der Vielfliegerszene aktiv. Angefangen mit regelmäßigen Daytrips nach ganz Europa hat es ihn immer weiter in die Welt getrieben. Auf reisetopia teilt Severin besonders seine Tipps, um günstig durch Europa zu fliegen!

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