Reisen auf Kreuzfahrtschiffen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, obwohl Kreuzfahrten weiterhin in vielerlei Hinsicht sehr bedenklich bleiben, allen voran wegen der Umweltbelastung von Kreuzfahrten. Dazu kommen soziale Aspekten wie die Arbeitszeiten der Crew und auch die Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung rund um die Kreuzfahrthäfen.

Abgasfahne auf hoher See

Zur Zeit ist hinsichtlich der Nachhaltigkeit kein Kreuzfahrtschiff empfehlenswert, aber die verschiedenen Kreuzfahrtschiffe belasten unterschiedlich stark die Umwelt. Sofern Ihr dennoch nicht auf eine Kreuzfahrt verzichten wollt, möchten wir Euch in diesem Artikel zeigen, wie Ihr Euren eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst gering haltet und ein generelles Bewusstsein für die Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe schaffen.

Die Umweltbelastung von Kreuzfahrten als Schattenseite – die aktuelle Situation

Fast alle Kreuzfahrtschiffe fahren auch heute noch mit giftigem Schweröl, obwohl dessen Umweltrisiken bekannt und auch immer mehr erforscht sind. Schweröl ist der Rückstand des Destillationsprozesses von Rohöl zu Kerosin, Benzin und Diesel. Sprichwörtlich handelt es sich dabei um ein Abfallprodukt der Raffinerieindustrie, das an Land teuer entsorgt werden müsste, auf hoher See auf Grund viel zu niedriger Regularien aber weiterhin verbrannt werden darf. Deshalb ist Schweröl der günstigste nutzbare Treibstoff für Reedereien. Um nicht Wettbewerbsvorteile zu verlieren, werden die Reedereien wohl kaum von sich aus etwas verbessern, weshalb mehr Druck durch die Politik und vor allem die Konsumenten auf die Reedereien ausgeübt werden sollte. Das globale Ausmaß der Luftverschmutzung in der Schiffahrt ist noch weitaus größer als gedacht, denn die Schweröl-Verbrennung durch die weltweit etwa 350 Kreuzfahrtschiffe beträgt nur ein Bruchteil in der gesamten Schiffahrt. Hinzukommen Fähren und tausende Containerschiffe, die oftmals mit 2-Takt-Motoren ausgestattet sind.

Fähre mit schwarzer Abgaswolke in Helsinki
Nicht nur Kreuzfahrtschiffe, sondern auch Fähren und tausende Containerschiffe tragen zur Luftverschmutzung bei

Auch wenn 350 Kreuzfahrtschiffe in Relation zu 10.000 Containerschiffen gering erscheinen mögen, sollte man bedenken, dass bereits ein mittleres Kreuzfahrtschiff mit 3.000 Urlaubern und etwa 90.000 Brutto-Registertonnen (ein Maß zur Vergleichbarkeit der Größe von Schiffen) pro Tag etwa 150 Tonnen Treibstoff (Schiffsdiesel im Hafen und Schweröl auf See) verbraucht. An einem Seetag bei Höchstgeschwindigkeit von etwa 21,5 Knoten steigt der Schwerölverbrauch sogar auf 240 Tonnen pro Tag, was die Umweltbelastung von Kreuzfahrten verdeutlichen sollte. Letzteres entspricht bei einer zurückgelegten Tagesstrecke von 960 Kilometern einem Verbrauch von 25 t/100km und damit 8,33 l/100km pro Passagier. Zum Vergleich: Moderne Verkehrsflugzeuge verbrauchen etwa 3 l/100km pro Passagier. Damit ist ein Kreuzfahrtschiff bei rein energetischer Betrachtung deutlich ineffizienter, auch vor dem Hintergrund, dass die Energiedichte von Schweröl etwas höher als die von Kerosin ist.

Kreuzfahrtschiff mit weißgelblichem Rauch
Auch wenn Schiffsabgase weiß-gelblich sind, enthalten diese neben CO2 extrem hohe Konzentrationen an Stickoxiden (NOx), Schwefeldioxid (SO2), Russ, ultrafeinen Partikeln und metallischen Verunreinigungen

Die meisten Kreuzfahrtschiffe verfügen über keine weitreichenden Maßnahmen zur Reduktion des Schadstoffausstoßes. In der Regel kommen weder Katalysatoren, die in jedem PKW vor langer Zeit zur Pflicht geworden sind, noch Partikelfilter zum Einsatz. Als eine Maßnahme gegen Schwefeloxide verfügen Neubauten neuerdings oft über Abgasentschwefelungsanlagen oder Reedereien rüsten ihre Schiffsflotte damit nach. Dabei kommen zwei verschiedene Prinzipien zur Anwendung. Bei der trockenen Entschwefelung bindet Kalkgranulat die Schwefelverbindungen wobei Wasser freigesetzt wird. Jedoch wird das zweite Prinzip der nassen Entschwefelung, der sogenannte Scrubber häufiger angewendet, bei dem die Schwefelverbindungen mit Meerwasser aus dem Abgas herausgewaschen werden. Dabei wird dann allerdings Meerwasser verunreinigt und die Versäuerung der Ozeane beschleunigt.

Die Umweltbelastung von Kreuzfahrten als Schattenseite – die Gefahren

Die Motoren der Kreuzfahrtschiffe tragen durch ihre hohen CO2-Emissionen nicht nur zur Klimaerwärmung bei, sondern verschmutzen (wie alle Verbrennungsmotoren) unsere Atemluft durch Stickoxide und Feinstaub. Daher sind nicht nur die Hafenbevölkerung, sondern auch Menschen die weiter weg von den Küstengebieten wohnen und nicht zuletzt die Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff selbst gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Aus gesundheitlichen Gründen rate ich daher niemandem auf dem Sportplatz zu trainieren, da dieser auf den meisten Schiffen direkt hinter und nur etwas unterhalb des Schornsteins liegt.

Zu den Luftschadstoffen kommt hinzu, dass Schiffe nicht nur durch Grauwasser, sondern auch durch Ballastwasser, Ölverunreinigungen und durch Chemikalien im Schiffsanstrich das maritime Ökosystem belasten. Ähnliches gilt auch für die Entsorgung eines Schiffes nach der Außerdienststellung. Zur Zeit wird ein großer Teil der Schiffe in Alang (Indien) unter menschenverachtenden und fragwürdigen Bedingungen abgewrackt. So wurden in den letzten Jahren ganze Strandabschnitte verseucht. Auch hier sollten Konsumenten und die Politik Druck ausüben, den eine fachgerechte Entsorgung ist möglich wie das Beispiel der auf Grund gelaufenen Costa Concordia zeigt. Diese wurde schließlich in der italienischen Hafenstadt Genua abgewrackt, sodass eine Recyclingquote von mindestens 80 Prozent garantiert wurde.

Die Umweltbelastung von Kreuzfahrten als Schattenseite – NABU Kreuzfahrt-Ranking 2017

Einmal im Jahr erstellt der NABU ein Ranking zur Umweltbelastung der aktuell in Europa fahrenden Kreuzfahrtschiffe. Dabei wird die Umweltbelastung von Kreuzfahrten anhand der realisierten Maßnahmen zur Verringerung der Luftschadstoffe abgeschätzt. Zu den Maßnahmen kann der (partielle) “Verzicht auf Schweröl, die Installation eines Rußpartikelfilters oder Stickoxid-Katalysators sowie die Verwendung von Landstrom” (NABU) gehören. Auch wenn dieses Ranking auf eher qualitativen Bewertungskriterien beruht, zeigt es dennoch welche Kreuzfahrtschiffe tendenziell einen geringeren Schadstoffausstoß aufweisen.

NABU Kreuzfahrtranking 2017
NABU Kreuzfahrtranking 2017 © NABU

Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Preis einer Kreuzfahrt und der Umweltbelastung. Luxuskreuzfahrtschiffe sind genauso schmutzig wie Schiffe für den Massenmarkt. Deutsche Anbieter wie Aida Cruises, Tui Cruises und Hapag Llyod Cruises scheinen ihrer Konkurrenz in Sachen Nachhaltigkeit einen kleinen Schritt voraus zu sein. Auch wenn die Reedereien vollständig auf Schiffsdiesel umstellen oder die obigen genannten Maßnahmen implementieren, bleiben ihre Schiffe immer noch zu dreckig, wenn auch deutlich sauberer.

Seabourn Pride in La Spezia mit großer Abgasfahne
Sogar Ultra-Luxuskreuzfahrtschiffe sind Drecksschleudern und nicht mit Abgasbehandlungssystemen ausgestattet

Langfristig müssen deshalb alternative Treibstoffe Einzug in die Schiffahrt finden. So kommen bereits 2018 die ersten LNG-Kreuzfahrtschiffe auf den Markt, die deutlich weniger Partikel, Stickoxide und Schwefeloxide emittieren. Die Umweltbelastung von Kreuzfahrten könnte dadurch abnehmen.

Wie kann ich meinen ökologischen Fußabdruck gering halten?

Sofern Ihr dennoch nicht auf eine Urlaubsreise auf See verzichten wollt, gibt es einige Tipps mit denen Ihr Euren ökologischen Fußabdruck möglichst gering haltet. Mit diesen Empfehlungen möchte ich Euch kein schlechtes Gewissen machen. Wichtig ist mir, dass ich niemanden in seinem Reisevorhaben einschränken möchte, denn jeder darf selbstverständlich frei entscheiden, welche Maßnahmen er oder sie für vertretbar hält und umsetzt. Die Reihenfolge gibt keine Prioritäten wieder.

  1. CO2 kompensieren: Genauso wie für Flugreisen lassen sich die CO2 Emissionen auch für Kreuzfahrten kompensieren. Am einfachsten könnt Ihr dies über atmosfair machen. atmosfair vermeidet CO2-Emissionen durch verschieden Klimaprojekte. Bedenkt dabei bitte, dass damit die Umweltbelastung von Kreuzfahrten nicht vollständig kompensiert wird, da die Schiffe weiterhin gesundheitsschädliche Luftschadstoffe ausstoßen.
  2. Gezielt LNG-Schiffe buchen: Noch besser als Kreuzfahrtschiffe mit Scrubbern, Partikelfiltern und Katalysatoren sind wie bereits erwähnt LNG-Schiffe. In den nächsten Jahren kommen neue Schiffe mit LNG-Antrieb auf den Markt. Den Anfang macht Ende 2018 die AIDAnova, die Ihr bereits jetzt buchen könnt. In 2019 kommt ein LNG-Neubau für Costa Kreuzfahrten und ab 2020 folgen weitere Neubauten für Carnival Cruises, P&O Cruises, MSC Kreuzfahrten, Royal Caribbean und Compagnie du Ponant. Letztere möchte ein Expeditionskreuzfahrtschiff für 270 Passagiere in Dienst stellen, um damit arktische Gewässer zu befahren. Außerdem verändert Ihr damit die Nachfrage ein Stück weit und baut Druck auf die restlichen Reedereien auf.
  3. Slow Cruising: Mit der Routenauswahl habt Ihr einen großen Einfluss auf Euren gesamten Schadstoffausstoß. Der Slow Cruising Ansatz beinhaltet kürzere Fahrtstrecken und längere Liegezeiten. Allerdings findet dieser tendenziell auf kleineren Schiffen Anwendung. Dennoch könnt Ihr Routen mit möglichst keinen Seetagen wählen.
  4. Fluganreise vermeiden: Muss es wirklich immer eine Fernreise sein? Nein, zwar sind die Flugpreise zur Zeit oftmals sehr verlockend, aber vor allem im Sommer bieten sich die deutschen Häfen (Bremerhaven, Hamburg, Kiel, Warnemünde) an, um eine Kreuzfahrt durch die Nord-und Ostsee zu unternehmen. Ihr spart Euch nicht nur die Strapazen durch einen langen Flug, sondern spart auch eine Menge CO2.
  5. Das zweite Preisschild: Hier ist vielmehr die Politik gefragt. Mit einem zweiten Preisschild ließen sich die Umweltkosten einer Kreuzfahrt oder ganz allgemein eines Produktes ausweisen und somit im Konsumenten das Bewusstsein für die tatsächlichen Kosten seines Handelns schaffen. Umweltkosten sind Kosten die die gesamte Gesellschaft trägt. Damit belastet sich jeder gegenseitig mit Kosten und vor allem Menschen in Entwicklungsländern tragen Umweltkosten für die sie gar nicht verantwortlich sind.

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Autor

Julian hat sich 2010 vom Kreuzfahrtfieber anstecken lassen und geht mehrmals im Jahr auf Kreuzfahrt. Dabei konnte er 11 Schiffe von 5 verschiedenen Reedereien testen und hat schon mehr als 50 Häfen angesteuert. Auf reisetopia berichtet er von seinen besten Erlebnissen und gibt euch Tipps & Anregungen rund um Schiffe.

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