Billigflieger-Gigant Ryanair kämpft seit Bestehen – als Billigflieger – um sein Image bei der eigenen Kundschaft. Machten die Iren gemeinhin oft den Eindruck, das öffentliche Ansehen sei ihnen relativ egal, versucht man doch immer wieder mit Verbesserungen in bedürftigen Bereichen – also quasi in allen – die teils schwierige Kundschaft zu besänftigen.

Konkurrent EasyJet hat es mit EasyJet Plus vorgemacht und nun möchte man mit dem Start eines eigenen Vielfliegerprogramms die eigenen Stammkunden stärker an Ryanair binden. Somit sollen zukünftig nicht nur die häufig extrem günstigen Tickets der Budgetairline ein Argument für die Iren sein. Allerdings ist hier große Vorsicht geboten, da sich die Vorteile auf dem zweiten Blick stark in Grenzen halten.

Das Ryanair Vielfliegerprogramm das Geld kostet

“Ryanair wäre nicht Ryanair, wenn…” dazu würde jedem wohl etwas einfallen, so auch in diesem Fall: Ryanair wäre nicht Ryanair, wenn das neue Vielfliegerprogramm nicht Geld kosten würde. Und zwar verlangt der Billigflieger ganze 199 Euro pro Jahr für das neue Ryanair Choice genannte Vielfliegerprogramm. Für diesen jährlichen Fixbetrag bietet Ryanair den zahlenden Stammkunden Vorzüge wie garantiert reservierte Plätze, Fast-Track und Priority Boarding.

Ryanair Kabine Boeing 737

Ob bei den “garantiert reservierten” Sitzplätzen auch zum Beispiel Sitze am Notausgang mit mehr Beinfreiheit inbegriffen sind, ist bis dato nicht bekannt. Knapp 200 Euro im Jahr für diese drei Leistungen sind auf jeden Fall sportlich, denn weitere Vorteile bietet Ryanair Choice für selbsternannte Vielflieger nicht und zudem können keine Meilen mit dem hauseigenen Vielfliegerprogramm gesammelt werden. Wie Ihr über einen kleinen Umweg dennoch Meilen bei Ryanair und Easyjet sammeln könnt, haben wir Euch in diesem Artikel ausführlich erklärt. Ob sich dies allerdings lohnt, darf man hinterfragen.

Viele Verbesserungen geplant

Neben dem geplanten hauseigenen Vielfliegerprogramm, plant Ryanair auch noch einige weitere Verbesserungen, um die eigene Kundschaft zu befrieden. Ryanair führt dabei folgende Punkte auf, um das Kundenerlebnis zu verbessern:

  • Findet Ihr innerhalb von drei Stunden einen günstigeren Preis (wobei nicht klar ist, ob damit Preise bei Ryanair selbst oder bei allen Airlines gemeint sind), erhaltet Ihr die Differenz, sowie einen 5 Euro MyRyanair-Gutschein gutgeschrieben
  • Sollte Ryanair das angepeilte Ziel von 90 Prozent Pünktlichkeit der Flüge nicht erreichen (ausgenommen davon sind die häufigen Verspätungen verursacht durch die Flugsicherheit), gibt es 5 Prozent Rabatt auf Flugbuchungen im Folgemonat
  • Mit den im April eintreffenden neuen Boeing 737 Max 8 (quasi eigens für Ryanair entwickelt) versprechen die Iren neue Kabinen, mehr Beinfreiheit, mehr Sitze (warum auch immer das ein Vorteil für den Passagier sein soll) und die umweltfreundlichsten Flugzeuge (ob im Vergleich zur eigenen Flotte oder generell, ist nicht bekannt)
  • Beim sogenannten “Customer Care Charter” verspricht Ryanair künftig im Falle von EU261 Schadensfällen (Fluggastrechten) eine Bearbeitung innerhalb von zehn Tagen und einen “24/7 Support”
  • Buchungsänderungen können zukünftig innerhalb von 48 Stunden kostenlos vorgenommen werden, statt der üblichen 24 Stunden
  • Ryanair möchte innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett kunststofffrei fliegen und ein eigenes Klimaschutzprogramm starten
  • Im digitalen Bereich verspricht der Billigflieger Verbesserungen in Form eines neuen Flugpreisfinders, die Einführung von Sporttickets, einen maßgeschneiderten Reiseführer und eine schnellere App

Fazit zu Ryanairs Verbesserungsplänen

Um den rund 200 Euro im Jahr für das eigene Vielfliegerprogramm Ryanair Choice gerecht zu werden, sollte man tatsächlich ein eingefleischter Ryanair-Vielflieger sein und selbst dann, ist es doch sehr fraglich, ob sich der Preis für diese drei nicht allzu sehr ins Gewicht fallenden Vorteile lohnt.

Die weiteren geplanten Verbesserungsmaßnahmen sind vor allem mehr Schein als Sein, da Ryanair beim Verspätungsversprechen zum Beispiel einfach die Preise im Folgemonat um fünf Prozent anheben könnte und darauf dann den “großzügigen” Rabatt von wiederum fünf Prozent gewähren könnte. Auch die Best-Preis-Garantie dürfte wenig Vorteile bieten, wo die Preise beim Billigflieger in der Regel nur den Weg nach oben, denn nach unten kennen.

Allerdings sind unter anderem mit dem “Customer Care Charter” und auch dem Bestreben nach mehr Umweltfreundlichkeit nicht zu verachtende positive Aspekte in den Plänen vertreten, bei denen eine erfolgreiche Umsetzung aber erst noch abgewartet werden sollte.

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Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

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  • Könnte es sein, dass die Ankündigung von Ryanair einfach nicht vollständig ist?

    “Sitzplatz” und “Priority” sind normalerweise ja verbunden mit der Option einen Handgepäckkoffer mit in die Kabine nehmen zu dürfen – und kostet normalerweise 8 Euro pro Strecke.

    Sitzplatz dann nochmal zusätzlich mindestens 3 Euro.

    “Fast Track”, kostet normalerweise 7,99.

    Sprich: FALLS dort das Handgepäck mit drin sein sollte, hast du pro Strecke einen Gegenwert von 19 Euro, die Kosten bei 6. Returnflug also überkompensiert.

    Alles andere scheint mir wenig Sinn zu machen, ist aber natürlich reine Spekulation.

    Aber vielleicht könnte Reisetopia da bei Ryanair mal nachhaken und um Klarstellung bitten. Scheint auch sonst keiner der Journalisten-Kollegen gemacht zu haben, im Netz finde ich rein die Übernahme der Ryanair-Ankündigung.

    Und ja – vielerorts gibt es im innereuropäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehr eben keine Alternative.

    • Leider ist Ryanair in solchen Dingen nicht besonders hilfreich, auch nicht die Pressestelle. Ich glaube, dass wir dahingehend einfach abwarten müssen. Ich halte die Option mit dem inkludierten Handgepäck auch für realistisch, dennoch wären auch 6 Hin- und Rückflüge durchaus noch viel, aber klar, an manchen Airports fehlt es eben auch an Alternativen.

    • Das geht allerdings erst dann auf, wenn die Sitze auch gefüllt sind (was bei Ryanair tatsächlich auch der Fall ist). Dazu kommt natürlich, dass Ryanair eher weniger als mehr Sprit tankt, was aus Umweltperspektive sicherlich auch hilfreich ist, wenngleich aus Sicherheitsperspektive fraglich. Ob mehr Sitze zwingend günstigere Angebote bedeuten, mag ich an der Stelle allerdings anzweifeln. Weltweit werden mehr Sitze eingebaut und der Fußraum reduziert, keineswegs überall wird es deswegen auch billiger. Zwar sinken die Kosten pro Passagier, das muss sich aber eben nicht zwingend in den Ticketpreisen zeigen.

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