Ab nächstem Jahr soll für Reisen nach Europa ein Online-Programm kommen, bei welchem Einreisende eine Befreiung der Visumpflicht beantragen können.

Europa plant ab 2023 stärkere Grenzkontrollen für Reisende aus dem Ausland. Das neue Online-Programm, namens ETIAS, soll nach US-Vorbild eine Befreiung von der Visumpflicht für ausländische Besucher bringen, die nach Europa einreisen möchten, wie executivetraveller.com berichtet.

Was ist ETIAS im Konkreten

Es gibt viele Arten von Reisen. Wer auf Reisen ist, kommt stets irgendwie anders zurück. Manch einer fliegt zu einem wichtigen Business-Meeting, der Nächste, um die Großeltern zu besuchen und wieder jemand anderes reist um die Welt, um entlegene Orte zu erkunden. Egal wie man reist, man muss sich stets mit den örtlichen Einreisebestimmungen auseinandersetzen und diese berücksichtigen, andernfalls kann es bei der Grenzkontrolle oder bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen zu Problemen kommen. Europa hat sich nun für kommendes Jahr eine neue Strategie überlegt. Die EU erklärt, sie wolle die Grenzen sicherer machen. Da jüngste Sicherheitsbedenken bezüglich Terrorismus und Flüchtlingskrisen ein verbessertes Grenzmanagement fordern. Bereits seit 2016 läuft daher ein gesetzliches Verfahren, welches ETIAS durchlaufen muss, um dann 2023 einsatzbereit zu sein. Bereits in der Vergangenheit sollte es in abgewandelter Form in der EU implementiert werden, reisetopia berichtete darüber.

ETIAS Europe
Das ETIAS-Programm tritt ab 2023 zur Einreise in EU-Länder in Kraft

Ab 2023 soll es nun für Geschäftsreisende, Touristen und all jene, die für medizinische Behandlungen oder zum Transit einreisen und alle, die ohne vorheriges Visum in den europäischen Schengen-Raum einreisen möchten, ein sogenanntes Reiseinformations- und -genehmigungssystems, kurz ETIAS, geben. Da es in der Zukunft verstärkte Grenzkontrollen geben soll, können sich Reisende mit dem ETIAS-Programm online eine Befreiung von der Visumpflicht holen. Dieses Programm soll angelehnt sein an das amerikanische Vorbild zur Einreise in die USA, welches unter dem Namen ESTA-Programm bekannt ist. Wenn man ohne vorheriges Visum nach Amerika einreisen möchte, muss man sich, wie auch dann in Zukunft beim ETIAS-Programm, zunächst eine Genehmigung einholen, um einreisen zu dürfen. Dieses Online-Verfahren soll die Wartezeit verkürzen und gleichzeitig die von der EU geäußerten Sicherheitsbedenken besser berücksichtigen. Nach einer ETIAS-Genehmigung kann es für drei Jahre oder bis zum Ablauf des Reisepasses verwendet werden, je nachdem, was zuerst eintritt.

Für welche Länder wird ETIAS benötigt?

Insgesamt wird es 26 Länder in Europa geben, die als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme eine ETIAS-Autorisierung benötigen. Es wird unter anderem für die EU-Länder Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn gelten.

Dazu gehören auch Länder, die Teil des erweiterten Europäischen Wirtschaftsraums innerhalb des Schengen-Raums sind, aber selbst nicht zur Europäischen Union gehören, wie zum Beispiel Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Irland ist zwar Teil der Europäischen Union, nimmt aber nicht am Schengen-Raum Abkommen teil. Deswegen wird dort kein ETIAS erforderlich sein. Es wird außerdem nicht bei der Einreise in das Vereinigte Königreich, nach Bulgarien, Rumänien, Kroatien und Zypern benötigt. Diese Länder sind nicht Teil des Schengen-Raums und haben ihre eigenen Vorschriften bezüglich Genehmigungen bei einem Visum.

Fazit zur Einführung vom ETIAS-Programm

Der Hauptgrund für die Einführung der ETIAS-Genehmigung ab 2023 wird von der EU mit sicherheitsbezogenen Gründen argumentiert. Mit dem erhöhten Risiko durch weltweit Reisende will die EU sichere Reisen in die Mitgliedstaaten gewährleisten. Die Einreise ohne vorheriges Visum soll daher, nach amerikanischen ESTA-Programm-Vorbild, vereinfacht ermöglicht werden, da kein Ganz zum Konsulat und Co. mehr nötig ist. Aber aufgepasst, für all jene, die aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder wegen eines Aufenthalts, länger als 90 Tage im Land, im Voraus ein Visum benötigen, entfällt die ETIAS-Regelung. Für diejenigen, die kein vorab vereinbartes Visum haben und ansonsten ohne Visum in den Schengen-Raum einreisen können, wird das ETIAS obligatorisch. Es wird demnach 2023 spannend zu erleben, wie die Reisenden das neue System annehmen werden und ob es zu Verwirrung beim Ausfüllen kommen wird. Es bleibt zu hoffen, dass das System den gewünschten Zweck der EU erfüllt und die Einreise zudem auch ein bisschen vereinfacht und nicht komplizierter macht.

Autorin

Die gebürtige Berlinerin hat ihre Zwanziger im schönen Wien verbracht. Dort studierte sie Tourismusmanagement und startete regelmäßig zum Reisen in die weite Welt hinaus. Zurück in der Heimat schreibt sie nun für reisetopia.de und hält euch über die Reise-Branche auf dem Laufenden.

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  • Vorteil: man zeigt US-Amerikanern und Kanadiern, dass man sie ebenfalls schikanieren kann

    Nachteil: man gestaltet die Einreise für Touristen und Geschäftsreisende komplizierter, was IMMER von Nachteil ist

    Sicherheitsbedenken? Am Non-EU-Schalter am Flughafen wird m. W. n. eh ein Datenabgleich gemacht und bei schweren Jungs blinkt der rot. ETIAS mag für den Bundespolizisten eine Arbeitserleichterung sein, mehr Sicherheit bietet es allerdings nicht. Und wenn die EU den Trend fortsetzt, hat es sich früher oder später erledigt mit der unkomplizierten Einreise in weite Teile der Welt. Dann heißt es Pseudo-Online-Visa für alle.

  • “…bei welchem Einreisende eine Befreiung der Visumpflicht beantragen können…”

    eben nicht.
    Wer von der Visumpflicht befreit ist, der muss diese Einreiseanmeldung machen, analog wie es für USA oder Australien erforderlich ist (er dürfte natürlich freiwillig ein Visum beantragen, aber wer macht das schon). Wer der Visumpflicht unterliegt muss dieses weiterhin ganz normal beantragen.

    “Die Einreise ohne vorheriges Visum soll daher … vereinfacht ermöglicht werden, da kein Ganz zum Konsulat und Co. mehr nötig ist”
    Wer kein Visum braucht musste auch vorher nicht zur Botschaft / Konsulat. Diese Einreiseanmeldung soll vielmehr die Grundlage dafür schaffen, dass man man schengenweit eine Übersicht darüber hat, wer einreisen möchte.

    Und dass UK oben noch bei den Non Schengenstaaten aufgeführt ist lässt mal wieder auf die unvollständige Aktualisierung eines alten Artikels schließen…

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