Besonders unter Flugenthusiasten, aber auch bei immer mehr Reisenden erfreuen sich Flight Tracker einer wachsenden Beliebtheit. Doch wie funktionieren eigentlich die beiden großen Anbieter Flightradar24 und Flightaware? Wir zeigen es Euch in diesem ausführlichen Guide!

Sogenannte “Flight Tracker”-Webseiten, die eine live Flugverfolgung anbieten, sind in der Vergangenheit immer beliebter geworden. Zu den zwei größten Anbietern in diesem Bereich gehören Flightradar24 und Flightaware. In diesem Beitrag wollen wir Euch die beiden Anbieter etwas näher bringen und die Technik dahinter erklären.

Wie sind Flightradar24 und Flightaware entstanden?

Seit dem Vulkanausbruch auf Island im Jahre 2010 stieg das mediale Interesse an Flight Tracker-Webseiten das erste Mal merklich an. Diese Webseiten zeigen live auf einer Weltkarte den weltweiten Flugverkehr an. Der Nutzer bekommt dabei grafisch Informationen wie die Flugnummer, den Flugzeugtyp und die geflogene Route angezeigt. Auch Informationen wie die Fluggeschwindigkeit und Flughöhe können angezeigt werden. Somit war es zum Beispiel möglich die Auswirkungen der Sperrung des Luftraums über Island auf den Flugverkehr in Europa darzustellen.

Flightradar24 Europa
Mit Flight Trackern lässt sich der weltweite Flugverkehr live verfolgen

Auch historische Daten von vergangenen Flügen werden angeboten. Etwa auch nach Flugzeugabstürzen haben bisweilen nicht nur Medien Interesse an diesen Daten. Auch Flugsicherheitsbehörden wie die BEA fragten zum Beispiel nach dem Germanwings Absturz im Jahr 2015 diese Daten an.

Flightaware

Flightaware gingen mit Ihrer Webseite 2005 online und bot somit als erste Webseite eine kostenlose Flugverfolgung von privatem und kommerziellem Flugverkehr an. Mit Büros in Houston und New York stellt Flightaware Daten aus über 125 Ländern zur Verfügung. Neben der Flugverfolgung werden auch noch andere Dienstleistungen, zum Teil gegen Gebühr, angeboten.

Flightaware Flight Tracker
Viele Fluginfos auf einen Blick bei Flightaware

Diese umfassen zum Beispiel Statistiken über Verspätungen an Flughäfen, ein TV-Programm, das entweder alle Flüge eines Flughafens anzeigt oder alle Flüge einer Airline, sowie Wetterdaten. Für Smartphones wird außerdem eine kostenlose App angeboten, mit der Ihr auch unterwegs Zugriff auf alle Live-Daten habt.

Flightradar24

Gegründet im Jahre 2006 war Flightradar24 erst ein Nebenprojekt für eine schwedische Flugvergleichswebseite. Die beiden Gründer installierten dafür Empfänger auf Ihren Dächern, um somit Daten zu sammeln, um diese für die Webseite nutzen zu können. 2009 wurde das Netzwerk dann für die Öffentlichkeit geöffnet. Flightradar24 wurde außerdem dadurch bekannt, dass die benötigten Empfänger kostenfrei verschickt wurden, um so die Reichweite zu vergrößern.

Flightradar24 Live Flight Tracker
Detaillierte Flugverfolgung bei Flightradar24

Über 150.000 Flüge werden pro Tag von Flightradar24 aufgezeichnet und die Webseite verzeichnet über eine Million Zugriffe täglich. Neben einer kostenfreien Version werden auch kostenpflichtige Mitgliedschaften angeboten, mit denen zum Beispiel die Werbung entfernt wird oder das Wetter sowie historische Daten eingesehen werden können. Auch Flightradar24 bietet eine App für Smartphones. Diese gibt es in einer kostenfreien sowie einer kostenpflichtigen Pro-Version. Beide App-Versionen bieten zum Beispiel die Möglichkeit, mithilfe der Handykamera auf ein Flugzeug am Himmel zu zeigen. Automatisch werden einem dann die Flugdaten angezeigt.

Welche Technik nutzen Flight Tracker wie Flightradar24 und Flightaware?

Zur Bestimmung der Flugdaten werden hauptsächlich zwei Verfahren beziehungsweise Methoden angewandt. Gemeint sind das Multilaterationsverfahren (kurz MLAT) und Daten, die über das “automatic dependent surveillance-broadcast” (kurz ADS-B) übermittelt werden.

Multilateration (MLAT)

Lateration oder Trilateration ist ein Messverfahren zur Positionsbestimmung eines Punktes mithilfe von Entfernungs- und Abstandsmessungen zu drei Punkten. Werden für diese Positionbestimmung GPS Satelliten benutzt und gibt es Daten von drei unterschiedlichen Empfängern, redet man von einer Multilateration. Stark vereinfacht gesagt wird dabei die Position eines Flugzeugs dadurch bestimmt, dass die Entfernung zu mehr als zwei Empfängern zu unterschiedlichen Zeiten gemessen wird. Aus diesen Daten kann dann die Geschwindigkeit und genaue Position hochgerechnet werden. Dieses Verfahren wird für Flugzeuge genutzt, die noch keine ADS-B Daten senden oder in Umgebungen mit wenigen ADS-B Empfängern unterwegs sind.

Automatic dependent surveillance-broadcast (ADS-B)

Flightradar24 und Flightaware nutzen für Ihren Service primär ADS-B Daten. Noch sind nicht alle Flugzeuge mit einem ADS-B Transponder ausgerüstet. Laut Schätzungen von Flightradar24 sind momentan 70 Prozent aller kommerziellen Flugzeuge weltweit mit einem Transponder ausgestattet. In allen neu hergestellten Flugzeugen wird mittlerweile ein ADS-B Transponder installiert. Folgende Informationen werden über das ADS-B Signal sekündlich auf der Frequenz 1090 MHz ausgesendet:

  • geographische Koordinaten
  • Flugnummer
  • Flugzeugtyp
  • Zeitsignal
  • Geschwindigkeit
  • Flughöhe
  • geplante Flugrichtung

Ein ADS-B Signal kann von jeder Person, vollkommen legal, empfangen werden. Durch die hohe Frequenz von 1090 MHz ist die Reichweite des Signals auf 250-400 Kilometer beschränkt. Somit ist es zum Beispiel sehr schwer, ADS-B Daten über den Ozeanen zu empfangen.

Wie erhalte ich einen Empfänger von Flightradar24 und Flightaware?

Durch die Restriktionen der Reichweite des ADS-B Signal sind Anbieter darauf angewiesen, so viele Empfänger wie möglich weltweit in Betrieb zu nehmen. Dies geschieht zum einen dadurch, dass der Anbieter diese selber aufbaut, oder durch Privatpersonen. Entweder Ihr baut Euch einen Empfänger in Eigenregie und stellt die empfangenen Daten den Anbietern zur Verfügung oder Ihr bewerbt Euch um ein kostenloses “Kit”. Dieses “Kit” enthält eine Antenne, einen Empfänger und einen kleinen Computer, der nur noch mit dem Internet und Strom verbunden werden muss, um die Daten an den Anbieter zu senden. Auf der Seite von Flightradar24 oder Flightaware könnt Ihr Euch für so ein “Kit” bewerben. Solltet Ihr nicht angenommen werden, könnt Ihr aber wie erwähnt auch einen Empfänger ganz leicht selber bauen. Für alle Betriebssysteme gibt es dafür von den Anbietern Software und für den Raspberry Pi sogar ein voll konfiguriertes Betriebssystem-Image.

Es gibt übrigens eine Gegenleistung für das zur Verfügung stellen Eurer empfangenen Daten. Solange Ihr Daten an Flightradar24 sendet, erhaltet Ihr eine kostenfreie Business Subscription, die normalerweise 49,99 US-Dollar im Monat kostet. Bei Flightaware erhaltet Ihr für Eure Daten einen Enterprise Account kostenfrei. Dieser schlägt sonst mit 89,99 US-Dollar im Monat zu Buche.

Fazit zu Flightradar24 und Flightaware

Flight Tracker erfreuen sich unter Reisenden und besonders unter Luftfahrt-Enthusiasten einer großen Beliebtheit. Kein Wunder, lassen sich doch sehr simpel und detailliert alle möglichen Informationen zu den unzähligen kommerziellen Flügen weltweit sammeln und einsehen. Dabei bieten auch die kostenlosen Varianten der beiden großen Anbieter schon viele Details zu den Flügen weltweit. Wer noch mehr Infos und Funktionen wünscht, kommt um die Premium-Abos nicht herum. Auch die Technik hinter dem Flight Trackern ist nicht nur spannend, man kann sogar selbst Teil haben.

Häufig gestellte Fragen zu Flight Trackern

Sind Flightradar24 und Flightaware kostenlos?   +

Sowohl Flightradar24 als auch Flightaware sind beide kostenlos. Zumindest bis zu einem gewissen Umfang, denn für noch detaillierte Daten und Ansichten, bieten beide Flight Tracker verschiedene kostenpflichtige Premium-Abonnements an.

Wie kann ich Flightradar24 und Flightaware nutzen?   +

Flightradar24 und Flightaware funktionieren beide ähnlich, unterscheiden sich jedoch in den bereitgestellten Infos und in der Darstellung, sowie Handhabung. Beide Flight Tracker bieten sowohl eine Web-Version, als auch je eine App für mobile Endgeräte an, die einfach zu nutzen sind.

Was kosten die Premium-Abos von Flightradar24 und Flightaware?   +

Das günstigste Premium-Abo bei Flightradar24 gibt es bereits ab 1,49 USD im Monat, oder für 9,99 USD im Jahr. Das teuerste schlägt mit einer Gebühr von 49,99 USD monatlich oder 499,99 USD jährlich zu Buche. Bei Flightaware reichen die Preise von 39,95 USD, bis hin zu 129,95 USD im Monat.

Autor

Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

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  • Hi, ich sehe alle meine eigenen Flüge (ich fliege selber) immer nur in der Luft, so ab 2500-4000ft beginnend, also nie ab dem Flugplatz. Das liegt sicher daran, dass der Transponder aktiv von der Flugüberwachung mittels Secundar-Radar abgefragt wird, d.h. ansonsten selber nicht sendet. Wenn das so richtig ist, gibt es eine Möglichkeit der Verbesserung (z.B. am Flugplatz selber ein schwaches Abfragesignal mit geringer Reichweite senden)?

    • Hey Sylvio, danke dir erst einmal für deinen Kommentar! Obwohl es bei uns im Team einige Experten und “Heavy User” in Sachen Flightradar24 gibt, haben wir leider keine wirkliche Idee, was eine mögliche Verbesserung des Problems bringen könnte. Vielleicht kann ja jemand aus der Community, der diesen Kommentar liest, weiterhelfen 🙂 Liebe Grüße

    • Hallo,
      ich habe eine Fachauskunft von Flightradar24 erhalten und mich mit einem wirklich guten Avioniker unterhalten (Porta Air Service, Herr Gauthier). Es ist so, dass Transponder Signale erst gesendet werden, wenn der Transponder von einem Sekundärradar angefragt wird. Dies geschieht halt erst in einer bestimmten Höhe. Da ist man schon etwas zu weit weg vom Flugplatz. An Flughäfen ist das anders, da dort Sekundärradaranlagen stehen.
      Ein Ende könnte das haben, wenn auch wir, wie in den USA schon lange, auch ADS-B out! einbauen würden. Das sendet alle 2 sek bis zu 40 Datensätze. Es kann sogar Wetter empfangen, nur nicht in Deutschland. ADS-B war mal in Gespräch auch in Europa verpflichtend einzurichten. Das System ist nicht mal teuer. Empfänger bekommt man an jeder Ecke. Was nutzen die aber, wenn keiner außer die Großen sendet? Manchmal denke ich wir schießen uns hier wieder back to 1960. Wir bummeln hier mit drei Systemen rum (Transponder, FLARM und ADS-B) und was man wirklich bräuchte ist nicht dabei. Die Amis machen es richtig, alle das günstige ADS-B und fertig.
      LG
      Sylvio
      PS: Ich baue mir jetzt ADS-B out in meinen Flieger ein. Kostet zwar 2.500,00€, aber dann sieht mich “fast” jeder. FLARM mache ich dazu.

      • Hey Sylvio, das klingt ja spannend! Interessant, dass man hierzulande bzw. in Europa noch immer so hinterherhängt. Freut mich sehr, dass man dir bei Flightradar24 so gut weiterhelfen konnte und vielen Dank fürs Teilen dieses Updates. Liebe Grüße 🙂

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