Während meines Aufenthalts in Japan hatte ich die Gelegenheit, die Bahnverbindung zwischen Kyoto und Tokio mit dem Shinkansen zu testen, dabei habe ich mich für den die schnellste Verbindung mit dem Namen Nozomi mit nur zwei Zwischenhalten und einer Fahrtzeit von zwei Stunden entschieden.

In diesem Bericht werde ich über alle Aspekte berichten, neben dem Komfort im Zug gehe ich auch näher auf den Buchungsprozess selbst ein!

Shinkansen in Japan 2.Klasse – die Buchung

Das Buchen dieser Tickets kann sich als etwas schwierig gestalten, besonders wenn man kein Japanisch kann. Ein Grund dafür ist die Aufteilung der Online-Buchungsportale auf die verschiedenen Tochterunternehmen von Japan Railways (JR), welche jeweils eine Zone bedienen. Fahrten von Tokyo in Richtung Nagoya / Osaka / Kyoto / Hakata mit dem Tokaido-Sanyo-Shinkansen könnt Ihr auf der Website Smart-EX buchen. Für sonstige Fahrten müsst Ihr herausfinden, in welcher Region Euer Fahrtziel liegt, und dann auf der entsprechenden Plattform buchen.

Natürlich kann man die Tickets auch bis zum Abfahrttag einfach am Bahnhof kaufen, dafür gibt es spezielle Schalter an allen Bahnhöfen, wo ein Shinkansen hält. Es kann sein, dass das zuständige Personal nicht sehr gewandt im Gebrauch der englischen Sprache ist, aber verständigen kann man sich nach Angaben meiner Freunde trotzdem irgendwie.

Ich habe mein Ticket auf Smart-EX gebucht und 13.000 Yen (etwa 100 Euro) für eine Fahrt bezahlt. Das sind durchaus übliche Preise, sodass Ihr mit etwa 200 Euro für Hin- und Rückfahrt rechnen solltet. Man kann eine Sitzplatzreservierung hinzubuchen, dies kostet üblicherweise um die fünf Euro extra. Wer sein Ticket online kauft, muss es entweder vor Abreise am Shinkansen-Schalter abholen oder es mit seiner IC-Karte (Suica, Pasmo etc.) verbinden, um zu den Gleisen gelangen zu können. Wer sich überlegt, den Japan Rail Pass für seine Reise zu besorgen, dem sei gesagt, dass Ihr damit nur die Kodama- und Hikari-Züge nutzen könnt, die einige Zwischenhalte mehr haben als die Nozomi-Linie.

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Im Normalfall sind die hinteren Wagen für Passagiere ohne Sitzplatzreservierung

Sobald Ihr Eure Tickets entweder in Papier- oder Digitalform habt, könnt Ihr die Shinkansen-Gleise durch die Ticket Gates betreten. Der Zugang zu den Shinkansen-Gleisen ist in allen Bahnhöfen, in denen ich bisher war, sehr gut ausgeschildert und einfach zu finden. Danach müsst Ihr nur zu den Einstiegen für Eure Wagennummer, falls Ihr eine Sitzplatzreservierung habt, ansonsten stehen auf Eurem Ticket die Wagennummern, in denen es Sitzplätze ohne Reservierung gibt. Neben den Wagennummern sollte dann Non-Reserved oder 自由席 stehen.

Shinkansen in Japan 2.Klasse – Kabine & Sitz

Die Kabine im Zug ist sehr geräumig gestaltet und kommt in einer 2-3 Sitzkonfiguration daher. Dank der größeren Breite im Vergleich zu europäischen Schnellzügen gibt es trotz des zusätzlichen Sitzes pro Reihe mehr als genügend Platz und auch der Gang ist sehr breit, sodass man auch mit Gepäck gut durchkommt.

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Es gibt kein Staufach für großes Gepäck, dieses muss man vor seine Beine stellen, wenn es nicht auf die oberen Gepäckfächer passt. Dank eines Sitzabstandes von 104 Zentimetern ist dies aber auch bei größeren Koffern kein Problem. Notfalls kann man es auch im Gang abstellen, dies wird aber nicht gerne gesehen, daher sollte man dies nur in Ausnahmefällen machen.

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Die Sitze selbst sind etwa 45 Zentimeter breit und sind damit auf Flugzeug-Niveau. Die Sitze bieten einen guten Komfort und die Rückenlehne kann zurückgeklappt werden, sodass man auch längere Fahrten gut übersteht.

Ein besonderes Merkmal des Shinkansen ist noch zu erwähnen: Man kann die Sitze drehen, sodass eine Reihe der anderen gegenübersteht. Dafür gibt es auf der Gangseite einen Hebel, den man betätigen kann. Das ist besonders für Gruppen interessant, denn so kann man sich viel besser unterhalten und die Fahrt genießen. Achtet aber bitte auf Eure Mitreisenden und dreht die Sitze nur, wenn Ihr die Reihe für Euch habt und seid nicht allzu laut, in Japan ist man bei solchen Themen etwas strikter als in Deutschland.

Shinkansen in Japan 2.Klasse – das Catering

Im Shinkansen gibt es zwar keinen kostenlosen Service, aber einen Bordverkauf. In regelmäßigen Abständen kommt Personal mit einem Trolley vorbei und verkauft Speisen und Getränke. Die Preise sind zwar etwas höher, als wenn Ihr diese am Bahnhof vor der Abfahrt kaufen würdet, wenn Ihr dies aber vergessen habt oder zeitlich nicht geschafft habt, ist dies eine gute Alternative. Ein Bordrestaurant oder ähnliches wie im ICE gibt es dafür nicht.

Shinkansen in Japan 2.Klasse – Fazit

Der Shinkansen ist in Japan ein sehr nützliches Verkehrsmittel und bei kürzeren bis mittleren Reisen im Inland die schnellste Option. Alle größeren Städte sind an das Netz angebunden und es gibt unzählige Fahrten pro Tag, sodass man zeitlich sehr genau planen kann. Der Fahrtkomfort ist auch sehr gut, die Züge sind leise und die Sitze komfortabel. Dafür ist der Preis recht hoch, je nach Distanz sind Preise um 100 Euro für einfache Tickets keine Seltenheit. Wer es etwas luxuriöser haben will, kann das Green Car, die 1. Klasse des Shinkansen, für etwa 40 Euro Aufpreis nutzen. Wichtig ist, die richtige Kategorie zu nutzen, also Hikari, Kodama oder Nozomi. Die schnellste Verbindung hält nur bei den größten Städten, ist dafür aber verdammt schnell. Wer etwas mehr Zeit hat, kann auch die beiden anderen Linien nehmen, welche dann auch bei etwas kleineren Zwischenhalten halten.

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  • So modern sieht der Zug von innen auch nicht aus und das Buchungsprozedere klingt unglaublich stressig und veraltet! Wir reisten gerade 3 Wochen durch Japan auf eigene Faust. Aber mehr als ein paar Semi-Futuristische Bereiche (Shenzhen bietet mehr) und abgewrackte trostlose Infrastruktur wie in Osteuropa haben wir nicht gesehen. Seit den 70ern ging da nicht mehr viel.
    Meist rennt man irgendwelchen willkürlichen Regeln hinterher (Reservierung nur an Ort X oder Telefon (auf japanisch) Y). Und das Essen ist sehr, sehr salzig (wir hatten jeden Tag grosse, dunkle Augenringe davon).
    Vielleicht bringt der neue Kaiser ja etwas Schwung in die Kiste. Wir schauen dann in 10 Jahren nochmal vorbei.

    • Ich habe gerade 3 Wochen Japan hinter mir und habe in Morioka Zugtickets gekauft, dass Englisch vom Personal war nicht perfekt aber wenn man weiß was man möchte klappt es sehr gut. Das mit dem salzigen Essen kann ich nicht nachvollziehen, da das Essen so vielfältig ist und ich wenig Salz esse. Die marode Infrastruktur ist mir nicht aufgefallen, klar ist in Japan alles etwas älter als in China. In China wurde in den letzten 15 bis 20 Jahren vieles neu aufgebaut und es wird ja auch noch gebaut. Ich hatte gut gefüllte 3 Wochen in Japan, mit Natur, Geschichte und Entertainment (z. B. Digital Art Museum in Tokyo). Die Kreuzung in Shibuya zum Beispiel ist zwar voller Menschen aber das macht sie nicht schön, einfach mal zwei Kreuzungen weiter in die Dougen Zaka Straße gehen, die ist viel schöner. Auf Trödelmärkten gehen und schön Souvenirs ergattern, typisch japanische Sachen,selbst gemacht Rasensandalen. Es gibt soviele Unterschiede zu Europa, man muss halt nicht nur auf die großen Dinge schauen.

  • Cooles Review!

    Ich kann allerdings den Railpass nur empfehlen, für nahezu den gleichen Preis 7 Tage lang durch ganz Japan zu fahren und zusätzlich auch manche JR Linien inklusive zu haben, wären mir eine 5-15 Minuten längere Fahrzeit wert.
    Ticketkauf außerdem Super einfach da an den Railpass Schaltern die Mitarbeiter mit Englischkenntnissen sitzen. 😉

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