Die derzeitige globale Situation ist beispiellos, insbesondere für den Tourismussektor: Grenzen werden geschlossen und die Menschen vermeiden das Reisen so weit wie möglich. Besonders interessant sind dabei die Auswirkungen dieser Situation auf Fluggesellschaften, die sich schon davor in einer schweren Schieflage befanden.

Hälfte der Finanzhilfen geht an Norwegian

So sollte man meinen, dass jene Fluggesellschaften als erstes aus dem Geschäft ausscheiden würden, jedoch wird vielen dieser Airlines durch die aktuelle Situation tatsächlich geholfen: Alitalia wird “renationalisiert”, die Führung von South African Airways argumentiert, dass die aktuelle Situation dem Unternehmen sogar helfen würde und nun scheint Norwegian eine weitere beachtliche Rettungsleine zu erhalten. Die norwegische Regierung bietet den Fluggesellschaften ihres Landes eine bedingte staatliche Kreditgarantie von umgerechnet rund 500 Millionen Euro an. Davon sollen insgesamt 25 Prozent an den skandinavischen Flag-Carrier SAS, 25 Prozent an die Regionalfluggesellschaft Widerøe und weitere Airlines und mit 50 Prozent gar die Hälfte der gesamten Finanzhilfen an die Günstig-Airline Norwegian gehen.

norwegian boeing 737 800 start

Norwegians CEO, Jacob Schram, hat darauf hingewiesen, dass dieses Paket für das Überleben des Unternehmens entscheidend sei und erklärte dazu:

“Wir waren uns darüber im Klaren, dass wir Liquidität brauchen und wir sind dankbar, dass uns dies nun angeboten wird. Wir müssen uns erst noch mit den Bedingungen vertraut machen, aber wir können garantieren, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um die Anforderungen zu erfüllen.”

Denn Norwegen knüpft an die Hilfen einige Bedingungen, darunter eine Eigenkapitalanforderung von mindestens 8 Prozent, die Norwegian nicht hat. Daher wird die Airline zunächst nicht annähernd an die umgerechnet gut 250 Millionen Euro kommen, die es möglicherweise letztendlich erhalten wird. Vielmehr würde die Finanzierung in drei Stufen erfolgen, mit einigen Anforderungen. Zunächst soll die Airline nur etwa 26 Millionen Euro erhalten. Sobald Norwegian eine Reduzierung der Zinsen und Rückzahlungen an die Gläubiger erreicht hat, würden weitere gut 105 Millionen Euro überwiesen. Die verbleibenden etwa 130 Millionen Euro würden der Fluggesellschaft übergeben, sobald der Low-Cost-Carrier seine Zahlungsfähigkeit auf ein zufriedenstellendes Niveau verbessert hat.

Staat weist Airlines Routen zu

Offensichtlich erkennt die Regierung an, dass Norwegian vor dieser globalen Pandemie bereits finanzielle Herausforderungen hatte, so dass ein Großteil dieser Finanzierung davon abhängt, dass Aktionäre und Kreditgeber zur Lebensfähigkeit der Airline beitragen sollen. Die norwegische Regierung verlangt auch, dass die Fluggesellschaften eine bestimmte Anzahl von Flügen innerhalb Norwegens anbieten, um ihren Teil der Finanzierung zu erhalten. Der Staat würde den Fluggesellschaften entsprechende Routen zuweisen. Dabei ist allerdings noch nicht klar, wie genau das im Detail aussehen würde.

Fazit zur Staatshilfe für Norwegian

Teilweise bekommt man tatsächlich den Eindruck, dass die aktuelle internationale Krise so manch einer angeschlagenen Fluggesellschaft vielleicht sogar helfen könnte, greifen doch mehr und mehr Staaten ihren bedrohten Airlines unter die Arme. Im Falle von Norwegian sind diese Hilfen zwar an strikte Forderungen geknüpft, jedoch ergibt sich für den Low-Cost-Carrier hierbei eine große Chance, die besonders nach der Krise einen Neuanfang bedeutet könnte.

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Max saß irgendwann häufiger in einem Flugzeug als in einer Straßenbahn, und kam so nicht umhin sich immer mehr mit den Themen rund um das Sammeln von Meilen, sowie den besten Flug- und Reisedeals zu beschäftigen. Auf reisetopia teilt er mit euch die neusten Deals und wichtigsten Tipps!

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  • Es mag eine Chance auf einen Neuanfang sein. Aber wenn Unternehmen und Airlines, die ohnehin schon schwer angeknackst bis scheintot sind (Stichwort Vapiano), nun nach Staatshilfe rufen und sie bekommen, ist das aus meiner Sicht fragwürdig. Grobe Managementfehler der Vergangenheit sollten nicht dazu führen, dass der Steuerzahler in die Pflicht genommen wird.

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