Das Lufthansa-Rettungspaket kommt mit einigen scharfen Bedingungen daher. Zu einer sind nun weitere Details ans Licht gekommen: Demnach muss die Lufthansa in den nächsten drei Jahren mindestens 80 neue emissionsarme Flugzeuge übernehmen.

Leicht hat es die Lufthansa dieser Tage nicht und auch für Beobachter wird immer weniger klar, was eigentlich aktuell Sache ist. Noch vor wenigen Tagen wurde erst eine Einigung rund um das Rettungspaket verkündet, dann wurde klar, dass die EU-Kommission das Paket nur bei einem Slot-Verzicht billigen würde. Der Aufsichtsrat entschied sich in der Folge, das Paket vorerst abzulehnen. Eine Einigung wird nun frühestens nach Pfingsten erwartet. Währenddessen allerdings werden neue Details zur Einigung zwischen Bund und Management der Lufthansa bekannt, unter anderem in Hinblick auf die Abnahme von Airbus-Maschinen.

Einigung zwingt Lufthansa zur emissionsarmen Flottenerneuerung

Schon vor mehr als einer Woche ging es darum, dass die Lufthansa zur Abnahme von bereits bestellten Airbus-Jets gezwungen werden soll, wenn das Unternehmen die Hilfen annehme. Im Sinne der Einigung war bereits davon auszugehen, dass es einen Kompromiss geben könnte. Wie airliners.de in Bezug auf die Nachrichtenagentur AFP nun berichtet, scheint eine Einigung bei der Übernahme von 80 Flugzeugen gefunden worden zu sein. Über diese Marke hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU aufgeklärt. Im Zeitraum von 2021 bis 2023 sollen demnach 80 “neue Flugzeuge mit emissionsreduzierender Technologie” angeschafft werden müssen.

Lufthansa A320

All diese Maschinen zur Flottenerneuerung stammen dabei sicherlich aus bestehenden Orders. Unklar ist allerdings, ob die Lufthansa auch einen Teil der existierenden Bestellungen storniert, denn der Wert von 80 Jets in den Jahren 2021, 2022 und 2023 klingt nicht weit weg vom ursprünglichen Plan. Offen hat die Lufthansa Group momentan Bestellungen für noch einen Airbus A220, 120 Jets aus der Airbus A320-Familie sowie 27 Langstrecken-Jets vom Typ Airbus A350. Darüber hinaus gibt es noch je 20 Bestellungen für Boeing 777X sowie Boeing 787. Dadurch, dass die Bestellungen teilweise erst nach 2023 zur Flotte hinzustoßen würden, könnte die Lufthansa am Ende tatsächlich fast alle bestellten Jets übernehmen.

Lufthansa möchte die Flotte eigentlich drastisch reduzieren

Unklar bleibt, ob die Aussage von Altmaier so zu deuten ist, dass nur diese Maschinen abgenommen werden müssen und alle Bestellungen für die Zeit danach storniert werden dürfen. Das nämlich würde bedeuten, dass möglicherweise die gesamte Order von 40 neuen Maschinen bei Boeing wegfallen würde und zudem auch noch knapp ein Drittel aller offenen Bestellungen bei Airbus wegfallen würden. Möglich erscheint dies im Sinne eines Kompromisses durchaus, wenngleich auch denkbar ist, dass nur die Boeing-Bestellung wegfällt und man sich bei Airbus darauf einigt, bestimmte Bestellungen schlichtweg noch einige Jahre aufzuschieben.

Generell hat die Lufthansa mit der entsprechenden Einigung deshalb ein Problem, weil sie die Flotte eigentlich deutlich verkleinern wollte. In den nächsten Jahren rechnet die deutsche Fluggesellschaft mit einer Abnahme der Nachfrage und damit hunderten weniger Jets in der Flotte. Zahlreiche Maschinen in Lufthansa-Lackierung werden vermutlich nie wieder nach Frankfurt und München zurückkehren. Garantiert gilt das bereits für einige Airbus A320, Airbus A340 sowie Airbus A380. Möglich erscheint allerdings bei einer langsam Erholung auch, dass beispielsweise der Airbus A340-600 generell nicht mehr in die Flotte zurückkehrt. Wenn die Lufthansa Group nun auch noch  80 neue Jets in den nächsten Jahren abnehmen muss, werden ältere Maschinen wohl noch schneller in die Rente geschickt und mit einer großen Wahrscheinlichkeit nie wieder für die Lufthansa fliegen.

Fazit zur gezwungenen Flottenerneuerung der Lufthansa

Eine Umweltkomponente war für die Lufthansa-Rettung zwingend erforderlich, schon weil die EU-Kommission eine solche für staatliche Hilfen vorsieht. Wohl auch deshalb zwingt die Bundesregierung die Airline bei Annahme der Hilfen zu einer Flottenerneuerung. Scheinbar müssen allerdings nicht mehr alle offenen Bestellungen bei Airbus, einer weiteren Beteiligung des deutschen Staates, übernommen werden. Dennoch wird durch die starke Erneuerung der Flotte trotz der Krise klar, dass viele ältere Jets wohl nie wieder für die Lufthansa fliegen werden.

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