Am Montag sind die vorerst letzten Flugzeuge am Terminal 5 des Berliner Flughafens BER abgefertigt worden. Das Terminal wird aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Eine endgültige Entscheidung folgt zum Ende des Jahres.

Berlin – Die Weltmetropole, die so viele Besucher aus aller Welt anzieht und vom ehemaligen regierenden Bürgermeister Wowereit mit dem Spruch “Arm, aber sexy” geprägt wurde, verfügt mit der Schließung des Flughafens Tegel im vergangenen Jahr und der Integration des Flughafens Schönefeld als Terminal 5 des BER, nur noch über einen internationalen Flughafen. Während der Flughafen Tegel mit großer Zeremonie und vielen Tränen offiziell verabschiedet wurde, schloss der ehemalige Flughafen Schönefeld ganz still und heimlich seine Türen. Ein Blick zurück in die Vergangenheit des ehemaligen Zentralflughafens der DDR und ein kleiner hoffnungsvoller Blick in die Zukunft des Terminals 5.

Ein Abschied ohne Tränen

Die Zeiten, vor allem in Berlin, wandeln sich permanent. Verfügte die Hauptstadt im einen Moment noch über drei Flughäfen, verbleibt im nächsten nur noch ein einziger. Alles ist schnelllebiger geworden und die Alt-Berliner Mentalität “komm’ ich heute nicht, komm’ ich morgen” ist auch schon längst Geschichte. Und so schließt die Stadt mittlerweile im Akkordtempo Flughäfen. Schon vor vielen Jahren, genauer gesagt im Jahr 2008, schloss der ehemalige Hauptstadtflughafen Tempelhof seine Hallen und öffnete dafür seine Tore für die Berliner als Naherholungsgebiet. Im letzten Jahr folgte dann “endlich” die Schließung des Flughafens Tegel. Ich sage endlich, da die Schließung bereits vor vielen Jahren mit der Öffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER vorgesehen war. Die Geschichte kennen wir. Dennoch war es im vergangenen November so weit und der altehrwürdige Flughafen Tegel durfte in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Auch ich feierte den Abschied gebührend vor Ort und verlor die ein oder andere Träne.

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Eröffnung des neuen BER Terminal 5

Zugegeben: Es ist nur ein Flughafen. Aber in einer ehemals geteilten Stadt bedeutete dieser Flughafen umso mehr das Tor zur Welt. Ich selbst erlebte die Zeit nicht mit, dennoch fungierte der Flughafen Tegel bei den meisten meiner Reisen als Startpunkt. Umso mehr Erinnerungen habe ich an diesen Flughafen und desto schwerer fiel mir auch der Abschied. Vielleicht fühlt der Großteil der Berliner so, weshalb der Berliner Flughafen Schönefeld am gestrigen Montag ganz still und heimlich geschlossen wurde. Offiziell existierte der Flughafen mit der Eröffnung des BER sowieso nicht mehr, da er als Terminal 5 in den neuen Flughafen integriert wurde. Der IATA-Code und der Schriftzug auf dem Gebäude und den Schildern der Zufahrtsstraßen verschwand. Dennoch steht noch heute dieses charakteristische Gebäude, welches als Flughafen für die ehemalige DDR eine ähnlich große Rolle gespielt haben dürfte, wie das Pendant im Westteil der Stadt.

Vom Drehkreuz der Interflug zur Low-Cost-Heimat von easyJet und Ryanair

Was viele nicht wissen: Schon vor dem Zweiten Weltkrieg eröffnete der Flugplatz südöstlich von Berlin und fungierte als Areal für die Henschel-Flugzeugwerke. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten sowjetische Truppen den Flugplatz. Nur unwesentlich später nahm die russische Fluggesellschaft Aeroflot den Flugbetrieb auf. Dabei gewann der Flugplatz in Schönefeld eine Sonderstellung unter allen drei Flugplätzen in Berlin. Während die Flugplätze in Tegel und Tempelhof beispielsweise nur von Fluggesellschaften der jeweiligen Alliierten des Sektors angeflogen werden durften, bestand diese Regelung für den Flugplatz Schönefeld nicht, da sich dieser außerhalb der Stadtgrenzen befand. Damit hatte auch die neu gegründete Deutsche Lufthansa die Möglichkeit Schönefeld anzufliegen. Nach Streitigkeiten mit der westdeutschen Lufthansa, musste sie ihren Namen ändern – die Interflug entstand.

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Die Interflug baute den Flughafen Schönefeld zum Zentralflughafen der ehemaligen DDR aus. Das heute noch vorhandene Terminal stand aber nicht seit Beginn an da. Ein Gebäude, welches sich jedoch schon länger auf dem Flugplatz befindet, ist die Generalsvilla auf dem Vorfeld. Dieses Gebäude wurde zu damaligen Zeiten für den Empfang hochrangiger Staatsgäste, wie Fidel Castro, benutzt. Heute befindet sich die Bundespolizei im Gebäude und verwendet die Villa als Unterkunft für Asylbewerber, die auf ihre Abschiebung warten.

Doch ähnlich wie Tegel das Tor zur Welt für die Westberliner galt, verfolgte die Regierung der DDR einen ähnlichen Plan mit dem Flughafen Schönefeld. Die Interflug baute sukzessiv das Streckennetz in einem Land aus, welches nicht gerade für Reisefreiheit stand. Im Gegenteil: Nur Privilegierten war das Reisen vorbehalten. Dafür konnte man auf ein durchaus interessantes Streckennetz zurückgreifen, welches mit russischen Flugzeugen vom Typ Tupolev und Iljushin, hauptsächlich in Richtung östlicher Staaten gleicher Ideologie, bedient wurde. Das Interesse war aber auch auf der anderen Seite der Mauer groß und viele Westberliner wählten den Weg über die Staatsgrenze, um möglichst günstig in den Urlaub zu kommen. Das war für die Regierung der DDR wenig problematisch, da diese Reisenden wertvolle Devisen ins Land brachten. Schnell wurde die Millionenmarke geknackt. Kurz vor dem Mauerfall fertigte der Flughafen sogar über drei Millionen Passagiere ab. Die Interflug bediente insgesamt 53 Ziele.

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Mit dem Fall der Mauer änderte sich die Stellung des Flughafens drastisch. Die Interflug kämpfte ums Überleben und schaffte sich erstmals Flugzeuge eines westlichen Flugzeugbauers an. Die Airbus A300 konnten die Fluglinie jedoch nicht retten. Die Treuhandanstalt veräußerte die letzten Reste der Fluglinie – die Airbus A300 gingen übrigens im Anschluss an die Bundesregierung und die Luftwaffe.

Besuch von der Concorde

Doch der Flughafen erlebte nochmal eine Renaissance und war maßgeblich an den Tourismusboom Berlins verantwortlich. Erstmals flogen Billigfluglinien wie easyJet und Ryanair Ziele von Deutschland aus an. Beide Fluggesellschaften machten Berlin-Schönefeld zu ihrem Drehkreuz. Nach der Jahrtausendwende folgte auch die Billigflugtochter Germanwings und eröffnete das neue Terminal M. Lange blieb die Fluggesellschaft nicht vor Ort. Auch easyJet wechselte mit der Insolvenz von Air Berlin nach Tegel, gab dafür aber nicht das Drehkreuz Schönefeld auf.

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Auch weitere internationale Fluglinien nahmen den Betrieb nach dem Mauerfall nach Berlin-Schönefeld auf. Die kanadischen Fluglinien Air Transat und Canada 3000 flogen von Schönefeld aus nach Kanada. Die Strecken überlebten jedoch nicht lange. Gleiches galt auch für die Verbindung von United Airlines nach Washington. Die Langstreckenverbindungen hielten generell nie lang in Berlin. Auch heute sieht das, abgesehen von der Corona-Pandemie, nicht anders aus.

Dafür besuchte ein einmaliger Gast den Flughafen Schönefeld – die Concorde. Mit einem Sonderflug im Jahr 1999 stattete das Überschallflugzeug auch Berlin einen Besuch ab. Die 3.600 meterlange Startbahn war dafür gut geeignet, zumindest besser als die Gegebenheiten in Berlin-Tegel. Ich selbst kann mich auch noch erinnern. Auf der Wiese der nordwestlichen Seite des Flughafens wurde sogar ein kleines Volksfest veranstaltet. Die Concorde dabei live zu erleben war absolut besonders, so heute aber leider nicht mehr möglich.

Ein Abschied für immer?

Am 22. Februar fertigte der ehemalige Flughafen Schönefeld und heutige Terminal 5 die letzten Flugzeuge und Passagiere ab. Die Zahl der Passagiere ist durch die Corona-Pandemie drastisch eingebrochen. Die Billigfluggesellschaft easyJet war mit der Eröffnung des BER gänzlich ins neue Terminal 1 umgezogen. Nun wird auch Ryanair folgen.

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Ursprünglich war vorgesehen, dass der Terminal 5 weiterhin eine wichtige Rolle des Flughafens spielen soll. Vor der Pandemie waren circa 35 Millionen Passagiere geplant. Die Unterstützung des alten Flughafens war also dringend nötig. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, ist bereits ein drittes Terminal geplant und kann nach Bedarf gebaut werden. Sobald dieser fertiggestellt werden sollte, war die Schließung des Terminals 5 vorgesehen. Dieser Schritt wurde nun vorgezogen, auch wenn die Flughafengesellschaft FBB sich vorbehält, den Terminal 5 bei Bedarf wieder ans Netz zu bringen.

Fazit zur (temporären) Schließung des Terminals 5 – ehemaliger Flughafen Schönefeld

Viele empfinden das Gebäude des ehemaligen Flughafens Schönefeld und heutigen Terminals 5 des BER als nicht mehr zeitgemäß. Sie haben durchaus recht. Das schönste Gebäude ist es in der Tat nicht und vielleicht auch nie gewesen. Das schmälert aber nicht die historische Bedeutung dieses Gebäudes und den Verdienst des Flughafens für die Stadt und die Region. In seinen Spitzenzeiten fertigte der Flughafen Schönefeld über elf Millionen Passagiere ab. Auch wenn der Flughafen selbst für mich nicht die große Rolle gespielt hat, habe ich viele Erinnerungen an den Flughafen. Mein Opa fuhr fast wöchentlich mit mir nach der Schule zum Flughafen, um die Flugzeuge auf der Besucherplattform zu beobachten. Den Weg dahin und die immer gleichen Flugzeuge könnte ich heute noch im Schlaf aufsagen. Deshalb ist es schade, dass der Flughafen still und heimlich seine Türen geschlossen hat, wenn auch nur temporär. Ich glaube jedoch nicht, dass der Bedarf in diesem und im folgenden Jahr so schnell wieder steigen wird, dass der Terminal 5 für den Betrieb benötigt werden würde.

Autor

Seit Alex zum ersten Mal im Alter von 3 Jahren geflogen ist, wollte er das Flugzeug eigentlich nicht mehr verlassen. Bis heute riss seine Faszination fürs Fliegen nicht ab, weshalb er sich entschlossen hat, Euch an seinen Erfahrungen und Tipps teilhaben zu lassen.

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  • Ganz so privelegiert wie im Artikel suggeriert war das Fliegen in der DDR nun auch wieder nicht. In dem Rahmen wo man hindurfte, konnte man das Flugzeug nehmen und ich kann mich selbst noch an meine drei Flüge mit der Interflug in den 80-igern erinnern (Berlin-Prag und retour). Naja, die drei Airbus-Flugzeuge kamen auch schon vor dem Mauerfall zur “Intersturz”. Übrigens ausgerüstet mit Zusatztanks damit die “problematische” Zwischenlandung in Gander auf den Kuba-Flügen entfallen konnte und dort nicht überraschenderweise beim Weiterflug manchmal ein Platz leer blieb.

    Hieß es aber beim Bau vom BER nicht lange Zeit, dass der Bund das heutige Terminal 5 übernehmen wollte und dort eine Abfertigung für Merkel & Co. eingerichtet werden sollte?

    • Hallo Micha, danke für das ausführliche Feedback. Zu privilegiert gehört aber auch der Fakt, dass das Reisen von den Ausreisebeschränkungen abgesehen natürlich auch finanziell eine Hürde war. Wie aber durchaus noch generell zu dieser Zeit. Das stimmt natürlich mit den Airbus-Flugzeugen der Interflug und war mir auch bewusst, habe ich nur nicht so detailliert im Beitrag formuliert.

      Das kann tatsächlich sein. Meiner Meinung nach wurde dafür aber ein neues Regierungs-Terminal erbaut, was auch längerfristig verwendet werden soll.

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