Ausländische Großbanken drängen auf den deutschen Markt, die Willkommensboni erreichen Rekordhöhen und selbst das Bezahlen mit dem iPhone wird offener: Zur Jahresmitte 2026 hat sich auf dem Kredit- und Debitkartenmarkt so viel bewegt wie lange nicht. Eine Zwischenbilanz, wo sich das für Verbraucher wirklich lohnt.
Wie viel Bewegung im Markt steckt, zeigt ein Blick auf die jüngsten Wochen: Mitte Juni 2026 hat die spanische Großbank BBVA ihre erste Kreditkarte in Deutschland vorgestellt – mit fünf Prozent Cashback zum Start. Nur wenige Wochen zuvor ist mit Chase die größte Bank der Welt in Deutschland an den Start gegangen, und mit der französischen bforbank hat eine weitere Direktbank den Weg hierher gewagt. Wer jetzt eine Karte sucht, findet im Kreditkarten-Vergleich so gute Konditionen wie lange nicht – vorausgesetzt, man weiß, worauf es ankommt.
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Neue Spieler auf dem deutschen Kredit- und Debitkartenmarkt
Die auffälligste Entwicklung des ersten Halbjahrs ist der Vorstoß ausländischer Banken. BBVA, nach eigenen Angaben Spaniens größte Bank, war 2025 zunächst mit kostenlosem Konto und Debitkarte gestartet und hat am 18. Juni 2026 nachgelegt: Die erste BBVA-Kreditkarte für Deutschland bietet in den ersten sechs Monaten fünf Prozent Cashback auf Online- und Reisebuchungen – gedeckelt auf 150 Euro – und kommt im nummernlosen Design mit wechselndem Sicherheitscode. Beantragen lässt sie sich allerdings nicht alleinstehend, sondern nur ergänzend zum BBVA-Konto und erst sechs Monate nach dessen Eröffnung. Fast zeitgleich, am 20. Mai 2026, ist mit Chase die US-Tochter von JPMorgan gestartet, vorerst allerdings nur mit einem Tagesgeldkonto und ohne eigene Karte.
Chase verzichtet zum Start bewusst auf Giro- und Kreditkarte, dürfte sein Angebot in den kommenden Jahren aber ausbauen – in den USA ist die Bank mit ihren Sapphire-Kreditkarten eine feste Größe, ein späterer Nachzug ist damit zumindest denkbar. Auch die französische bforbank, eine Tochter von Crédit Agricole, ist inzwischen in Deutschland aktiv. Bei den heimischen Anbietern setzt derweil Trade Republic mit Vollbanklizenz, kostenlosem Girokonto und der spiegelnden Mirror Card weiter Maßstäbe.
So attraktiv diese Angebote sind, so wichtig bleibt der genaue Blick auf den Kartentyp. Fast alle neuen Karten – von Trade Republic über C24 bis zur BBVA-Debitkarte – sind zunächst Debitkarten: praktisch im Alltag, aber bei Mietwagen, Hotelkautionen oder im außereuropäischen Ausland wird gelegentlich noch eine echte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen verlangt. Umso bemerkenswerter ist, dass mit der BBVA-Karte nun auch eine der neuen Auslandsbanken eine vollwertige Kreditkarte nachschiebt.
Neobanken setzen auf Debitkarten und Abomodelle
Ein prägendes Muster bei den Neobanken sind Abomodelle. Klarna hat seine kostenlose Klarna Card in Deutschland um kostenpflichtige Stufen ergänzt – von Plus für 4,99 Euro über Premium für 9,99 Euro bis Max für 14,99 Euro im Monat, jeweils mit Extras wie Metallkarte, höheren Sparzinsen oder mehr Gratis-Abhebungen. Die Basisvariante bleibt eine gebührenfreie Visa-Debitkarte ohne Fremdwährungsgebühr.
Auch die etablierten Neobanken schärfen ihr Profil. N26 baut sein Premium-Angebot weiter aus, während C24 mit gestaffelten Konto- und Cashback-Stufen von 0,05 bis zu einem Prozent auf Kartenumsätze lockt. Das Muster ähnelt sich überall: eine kostenlose Basis, darüber bezahlte Premium-Stufen, die sich erst ab einer gewissen Nutzung wirklich rechnen.
Für Verbraucher ist dieser Verdrängungswettbewerb grundsätzlich eine gute Nachricht: mehr Auswahl, bessere Konditionen, niedrigere Gebühren. Der Preis dafür ist eine gewisse Unübersichtlichkeit – wer die Stufenmodelle nicht durchrechnet, zahlt schnell für Leistungen, die er gar nicht nutzt.
Deutsche Bank übernimmt die Miles & More Kreditkarte – mit besseren Leistungen
Die wohl größte Nachricht für Vielflieger betrifft kein völlig neues Produkt, sondern einen Herausgeberwechsel: Seit dem 1. Oktober 2025 wird die Lufthansa Miles & More Kreditkarte nicht mehr von der DKB, sondern von der Deutschen Bank herausgegeben. Zur Jahresmitte 2026 ist die Migration der Bestandskunden weitgehend abgeschlossen – ein guter Zeitpunkt für eine Zwischenbewertung.
An den Preisen hat sich dabei nichts geändert: Die Blue Card kostet weiterhin 5,50 Euro, die Gold Card 11,50 Euro im Monat. Gesammelt wird mit einer Meile je zwei Euro Umsatz bei den Privatkarten und einer Meile je Euro bei den Business-Karten. Neu sind unter anderem die Integration ins Miles & More Banking, für die Gold-Karten der Marriott Bonvoy Silver Status sowie fünfmal jährlich ein Gigabyte kostenloses Datenvolumen über Flexiroam. Zuletzt kam mit einer Wolt+-Mitgliedschaft ein weiterer Vorteil für die Miles & More Kreditkarte hinzu.
Besonders interessant für die zweite Jahreshälfte ist die Guthabenverzinsung von 2,1 Prozent, die die Deutsche Bank noch bis zum 30. November 2026 auf Guthaben der Kreditkarte gewährt. Der Wechselbonus von bis zu 4.000 Meilen und 40 Punkten für Neukunden ist zwar Ende April ausgelaufen – unterm Strich bleibt aber festzuhalten: kein neues Produkt, aber eines, das durch den Wechsel spürbar an Attraktivität gewonnen hat.
American Express setzt auf ein zuletzt aktualisiertes Produktportfolio
Bei American Express liegt die eigentliche Neuerung des Jahres weniger im Produkt als in der Bonusstrategie – und die hat sich im ersten Halbjahr 2026 verfestigt. Statt zeitlich befristeter Aktionsfenster koppelt Amex die Willkommensboni bei Karten wie der American Express Platinum Card oder der American Express Gold Card inzwischen dauerhaft an den Umsatz in den ersten sechs Monaten und ruft dabei Rekordhöhen auf, die faktisch zum Dauerangebot geworden sind.
Konkret winken bei der Platinum Card bis zu 85.000, bei der Gold Card bis zu 50.000 und bei der Green Card 10.000 Membership Rewards Punkte. Für Selbstständige sticht die Business Platinum mit bis zu 200.000 Punkten heraus – der höchste Willkommensbonus, den Amex in Deutschland je aufgerufen hat. Voraussetzung ist jeweils ein Mindestumsatz sowie, dass man dieselbe Karte in den vergangenen 18 Monaten nicht besessen hat.
Amex Kreditkarten beantragen
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An den Gebühren hat sich hingegen nichts geändert: Die Platinum Card kostet weiterhin 720 Euro, die Gold Card 240 Euro und die Green Card 60 Euro im Jahr. Die Kehrseite der umsatzabhängigen Boni: Wer den Mindestumsatz nicht erreicht, lässt einen großen Teil des Werts liegen. Für alle, die die Boni realistisch ausschöpfen und die Guthaben clever einsetzen, bleiben die Karten zur Jahresmitte hingegen so lohnend wie selten.
Intensiver Wettbewerb bei kostenlosen Kreditkarten setzt sich fort
Auch abseits der Premium- und Meilenkarten bleibt der Markt in Bewegung, wenngleich weniger spektakulär. Die etablierten kostenlosen Karten wie die Hanseatic Bank GenialCard oder die awa7 Visa sind ihrem Konzept treu geblieben: keine Jahresgebühr, gebührenfreie Zahlungen im Ausland – solide Dauerläufer, an denen sich die Neulinge messen lassen müssen.
Bank Norwegian Visa Kreditkarte
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Eine wichtige Änderung betrifft die frühere Barclays Visa: Nach der Übernahme des Barclays-Privatkundengeschäfts durch die BAWAG firmiert sie inzwischen als easybank Visa. Attraktiv sind die zuletzt erhöhten Neukundenboni – zeitweise gab es ein Startguthaben von 75 Euro. Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Wer den offenen Betrag vollständig per monatlicher Lastschrift ausgleicht, zahlt zwei Euro je Vorgang, womit die Karte nicht mehr uneingeschränkt kostenlos ist – ein Detail, das im Vergleich leicht übersehen wird.
Bei den kostenlosen Debit-Alternativen bleibt die C24-Karte einen Blick wert: In der kostenlosen Smart-Variante gibt es 0,05 Prozent Cashback und vier Gratis-Abhebungen pro Monat, in den bezahlten Stufen steigt der Cashback auf bis zu ein Prozent. Auch die TF Bank Mastercard Gold hält sich als gebührenfreie Reisekreditkarte im Rennen.
easybank Visa
ehemals Barclays Visa
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- Kostenloser Kredit bis zu 2 Monate
- Flexible Rückzahlung möglich
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Große Gebühren-Umbrüche bei den bewährten Gratis-Karten hat es zur Jahresmitte nicht gegeben. Der Wettbewerb spielt sich hier weniger über den Preis als über Zusatzleistungen, Cashback und die Frage ab, ob man eine echte Kreditkarte oder eine Debitkarte in der Hand hält.
Rekorde auch bei Aktionen für Girokonten mit Debitkarten
Wie eng Karten- und Kontowelt inzwischen verzahnt sind, zeigt sich an den Neukundenprämien für Girokonten, die im ersten Halbjahr 2026 neue Höchststände erreicht haben. 200 Euro sind dabei fast zum neuen Normalwert geworden – ein Niveau, das vor wenigen Jahren noch als Ausreißer galt.
ING Girokonto
- Kostenloses Konto bei aktivem Geldeingang
- Kostenlose Visa Debitkarte inklusive
- Kostenlos Bargeld abheben in Euro
- Tagesgeldkonto mit attraktiver Verzinsung
- Schnelle Kontoeröffnung per App oder Video-Ident
Den Spitzenwert markierte comdirect mit zeitweise bis zu 250 Euro Prämie. ING zog im Rahmen der „Lieblingsbank-Wochen” nach und verdoppelte den Standardbonus von 100 auf 200 Euro, und auch die Berliner Volksbank rief 200 Euro auf. Bedingung ist fast überall ein regelmäßiger Geldeingang und eine aktive Nutzung über mehrere Monate.
Für Wechselwillige ist das eine gute Ausgangslage – vorausgesetzt, man lässt sich nicht allein von der Prämie leiten, sondern achtet auf die dauerhaften Konditionen. Denn eine einmalige Prämie ist schnell aufgebraucht, ein dauerhaft kostenloses und gut ausgestattetes Konto zahlt sich über Jahre aus.
Fazit zur Jahresmitte: Der Wettbewerb zahlt sich für Verbraucher aus
Fasst man das erste Halbjahr zusammen, war es für Verbraucher überwiegend erfreulich: mehr Anbieter, bessere Leistungen zu gleichen Preisen und Rekordboni auf breiter Front. Auch beim Bezahlen tut sich etwas – so ermöglichen die Volksbanken seit Ende 2025 als erste Bankengruppe Europas dank des EU Digital Markets Act das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard auf dem iPhone ganz ohne Apple Pay.
Für die zweite Jahreshälfte deutet wenig auf eine Trendwende hin: der anhaltende Druck der Neobanken, der weitere Vorstoß der Auslandsbanken und die Aussicht auf neue Bonusaktionen dürften den Wettbewerb eher noch verschärfen. Das europäische Bezahlsystem Wero kommt am Ladentisch zwar erst 2027, der Trend zu mehr Auswahl bleibt aber ungebrochen. Gleichzeitig lohnt der kritische Blick aufs Kleingedruckte, etwa wenn N26 ab September 2026 den kostenlosen Wertpapierhandel beendet und damit zeigt, dass auch vermeintliche Gratis-Modelle in Bewegung bleiben.
Unterm Strich bringt 2026 zur Jahresmitte zwar keine Revolution, aber viele spürbare Verbesserungen – von der aufgewerteten Miles & More Kreditkarte über dauerhafte Amex-Rekordboni bis zu Rekordprämien bei den Girokonten. Wer Karten und Konten clever kombiniert und die Bedingungen im Blick behält, profitiert von diesem Wettbewerb so stark wie selten zuvor. Die spannendere Frage ist damit weniger, ob sich der Markt verbessert – sondern ob man selbst das passende Angebot herausgreift.
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