In der Luftfahrt wird nach einem strikten Zeitplan gearbeitet, dabei wird an vielen Flughäfen jedem Flugzeug ein gewisses Zeitfenster für die Nutzung der Start-/Landebahn, der sogenannte Slot, zugewiesen. Welche Arten von Slots es gibt, wie sie funktionieren und was bei einer Verspätung passiert, erfahrt Ihr in diesem Artikel der reisetopia Basics!

Welche Arten von Slots gibt es?

Zunächst müssen wir in zwei Arten von Slots unterteilen, welche zur Regelung des Flugverkehrs zum Einsatz kommen. Dies sind zum einen die Flughafen Slots, zum anderen die Airway Slots. Hier erklären wir, was es mit den jeweiligen Slots auf sich hat und was ihr jeweiliges Ziel ist.

Flughafen Slot

In stark ausgelasteten Flughäfen müssen Abflüge und Ankunft extrem gut koordiniert und geplant werden, damit das Maximum an Flugbewegungen herausgeholt werden kann. An sogenannten “koordinierten Flughäfen”, welche nah an ihrer Kapazitätsgrenze operieren, werden dafür von dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die nutzbare Zeit jeder Start-/Landebahn in kleine Zeitfenster eingeteilt, welche einem Start oder einer Landung entsprechen. Meistens werden sogenannte Slotpaare vergeben, also ein Slot für die Landung und ein dazu passender Slot für den Start. In Deutschland gehören Frankurt, München, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf zu den koordinierten Flughäfen, genauso wie die meisten anderen größeren Flughäfen auf der Welt.

Lufthansa Airbus A319 slot gepäck landung

Ein Flughafen Slot ist auch für den Flugplan einer Airline von großer Bedeutung, da man ohne Start-/Landerechte natürlich auch keinen Flug durchführen kann. Diese werden von staatlich koordinierten Flughafenkoordinatoren jedes Jahr nach einem bestimmten System vergeben, in Europa kommt dabei eine EU-Verordnung zum Einsatz, weltweit gibt es aber auch Guidelines von der IATA. Airlines können Ihre Wünsche in ihrem Heimatland etwas bevorzugt abgeben, letztendlich wird aber in einer internationalen Konferenz der IATA darüber abgestimmt.

Wichtig bei der Vergabe ist das sogenannte “Großvaterprinzip”, wonach eine Airline einen Slot für das jeweils nächste Jahr behalten darf, wenn sie diesen mehr als 80 Prozent in dem Jahr genutzt hat. Diese bezeichnet man auch als historische Slots, und besonders bei begehrten Flughäfen gibt es oft “Geisterflüge”, welche lediglich zur Erhaltung eines Slotrechts betrieben werden und keinerlei Passagiere transportieren. Solch ein Beispiel gibt es zum Beispiel in London Heathrow, einem der teuersten Flughäfen in puncto Start-/Landegebühren. British Airways betreibt hier beispielsweise Flüge zu mehreren Städten, für die teilweise keine Tickets verkauft werden, und mit einer minimalen Crew geflogen werden. Da die Landerechte so teuer sind, lohnt es sich eher, einen leeren Flug zu betreiben, als die Rechte aufzugeben und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu erwerben.

British Airways Airbus A319 anflug slot

Die Neuvergabe erfolgt nach der Verteilung aller historischen Slots, hier werden dann sämtliche nicht genutzten Landerechte, zum Beispiel von eingestellten Flugverbindungen, ungenügender Nutzung oder neu geschaffene Slots aus dem Ausbau des Flughafens unter den Interessenten verteilt. Hierbei gibt es eine Regel, dass 50 Prozent der Slots an Neubewerber, also Airlines ohne bisherige Präsenz an diesem Flughafen vergeben werden muss. In Deutschland ist ein Handel mit Slots unter den Airlines zur Zeit noch nicht erlaubt, in den USA wird diese Methode aber praktiziert, und bei wichtigen Flughäfen und einem guten Zeitfenster kann eine Auktion durchaus mehrere Millionen Dollar einbringen. Hierzulande ist lediglich ein Tausch von Slots im Verhältnis 1:1 oder eine Übertragung an eine verbundene Airline erlaubt, jedoch muss diese von dem Koordinator  abgenickt werden.

Airway Slot

Ein Airway Slot ist im Gegensatz zum Flughafen Slot nicht durchgängig im Einsatz, sondern wird nur im Falle einer Kapazitätsbegrenzung im Luftraum eingesetzt, zum Beispiel bei schlechtem Wetter oder einem Problem bei der Flugsicherung, wodurch weniger Flugzeuge überwacht werden können. Da aber die Anzahl der geplanten Flüge natürlich nicht magisch sinkt, muss der Flugplan als Folge in die Länge gestreckt werden, wodurch es zu Verspätungen kommt. Jedem Flug wird dann von Eurocontrol, der Flugsicherungsbehörde Europas, ein Airway Slot mit einem Zeitfenster von 15 Minuten zugewiesen, in welchem das Flugzeug abheben darf.

London Heathrow Airport Flugzeuge lhr slot

Solch ein Slot hat dabei stets höhere Priorität als ein Flughafen Slot und überschreibt diesen. Airlines können aber ein anderes Zeitfenster beantragen, falls beispielsweise ein früherer Abflug möglich ist. Sollte man das gegebene Zeitfenster nicht einhalten können, muss man auf den nächsten freien Slot warten, was durchaus auch mal eine Stunde Wartezeit bedeuten kann. Dabei spielt nicht nur der Zustand am Abflugsort eine Rolle, sondern auch die Situation am geplanten Ankunftsort. Nehmen wir als Beispiel einen Flug von Frankfurt nach Paris: Obwohl das Wetter in Frankfurt sehr gut ist, wartet die Maschine am Gate auf einen Airway Slot. Grund dafür ist eine verminderte Kapazität in Paris aufgrund von schlechtem Wetter, wo alle ankommenden Flugzeuge zur Zeit eine Warteschleife fliegen müssen. Es ist sowohl für die Flugsicherung als auch für die Airline deutlich effizienter, ein Flugzeug am Boden warten zu lassen, anstatt es in eine absehbar schlechte Situation zu schicken, wo es in der Luft kreisen muss, dabei Treibstoff verbraucht und von der Flugsicherung kontrolliert werden muss.

Welchen Einfluss hat ein Slot auf Passagiere?

Auch hier muss man zwischen Airport Slot und Airway Slot unterscheiden, denn wie Ihr bereits gesehen habt, erfüllen die beiden Arten komplett unterschiedliche Zwecke. Der Airport Slot ist maßgeblich für Airlines für die Flugplanung an koordinierten Flughäfen, hat jedoch keinen Einfluss auf Euren Flug mehr, denn ein Airport Slot kann während einer Saison (Sommersaison oder Wintersaison) nicht verändert werden, deshalb verändern sich auch die geplanten Flugzeiten von Linienflügen nicht.

Ein Airway Slot hingegen hat in den meisten Fällen recht große Auswirkungen auf Passagiere, da dieser meist erst kurzfristig bekanntgegeben wird und zu kleineren oder größeren Verspätungen führt. Oft kommt es auch vor, dass die CTOT (Calculated Take-Off Time, übersetzt “berechnete Abflugszeit”) nicht eingehalten kann, sodass der Pilot auf einen neuen Slot warten muss. Wenn das an einem großen Flughafen mit viel Verkehr passiert, und dann noch ein limitierender Faktor wie schlechtes Wetter oder Beschränkungen des ATC (Flugsicherung) hinzukommen, kann das auch zu einer mehrstündigen Verspätung führen.

Interessant in dem Zusammenhang ist natürlich, ob dann ein Anspruch auf Entschädigung nach der EU-Verordnung EU261/2004 besteht. Die Antwort darauf ist etwas kompliziert, denn obwohl ein verpasster Slot gerne als Beschränkung der Flugsicherung und damit als außergewöhnlicher Umstand abgestempelt wird, ist dies nicht in allen Fällen die Wahrheit. Für die vergebene Slotzeit kann die Airline zunächst nichts, falls sie diesen Slot jedoch aufgrund von einem verhinderbaren Fehler verpasst, wie zum Beispiel einem technischen Problem, hat dies die Airline zu verantworten. Allerdings entsteht die Verspätung oft aus einer Kombination aus mehreren Aspekten, von denen nicht alle der Airline zuzuschreiben sind, deshalb ist es nicht möglich, eine pauschale Antwort zu diesem Thema zu geben. Es kommt immer auf den einzelnen Fall und die verschiedenen Gründe an, die zur letztendlichen Verspätung geführt haben.

Fazit zum Slot in der Luftfahrt

Das System mit den Slots ist extrem kompliziert und natürlich wollen die Airlines die besten Slots an Flughäfen für sich, wodurch es immer zu Streitereien hinter den Kulissen kommt. Für Euch als Passagier ermöglichen diese aber erst die vielen Flugverbindungen an einem Tag, welche ohne diese strikte Koordination aller Flüge gar nicht möglich wäre. Und auch wenn Verspätungen durch einen Airway Slot ärgerlich sind, solltet Ihr im Hinterkopf behalten, dass dies alles passiert, um Unfälle durch Überlastung des Luftraums zu verhindern.

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