Wie ich selbst hautnah feststellen durfte, ist Fliegen in Belize, einem der kleinsten aber dennoch schönsten Länder Mittelamerikas, eine absolut außergewöhnliche Erfahrung. Ich selbst kann nur sagen, dass bislang kein Linienflug in meinem Reise-Leben so ungewöhnlich, aber gleichzeitig aufregend war, wie meine Erfahrung an Bord von Tropic Air und Maya Island Air.

Keine Sicherheitskontrolle und Bordkarten ohne Namen

Die Tatsache, dass ich mein Ticket direkt am Flughafen einen Tag vor dem Abflug kaufte, sollte schon gut zeigen, dass die Strukturen von Linienflügen innerhalb von Belize keineswegs mit denen von “normalen” Linienflügen zu vergleichen sind. Dafür spricht auch, dass man nur etwa 30 Minuten vor dem Abflug am Flughafen sein muss und dort eine Bordkarte erhält, die einem Ticket für eine Achterbahn ähnelt. Kein Name, keine Flugnummer, nur eine Plastikkarte mit der Farbe des jeweiligen Fluges, die gleichzeitig auch noch für Werbung genutzt wird.

Bordkarte Tropic Air
Bordkarte für meinen Flug mit Boarding-Gruppe “Rot”

Der Ablauf ist hier denkbar einfach: Jeder mit einem bestimmten Flug (die Ziele können unterschiedlich sein, denn es werden meist mehrere Inseln und Flughäfen angeflogen) bekommt die selbe Farbe. Wird die Farbe ausgerufen, begibt man sich einfach zum Boarding und steigt in das Flugzeug.

Tropic Air Boarding

Interessant ist dabei, dass es bei meinem Flug von San Pedro auf Ambergris Caye über Caye Caulker, Belize City und Belmopan keine Sicherheitskontrolle gab. Es wurde einfach die Bordkarte kontrolliert und gezeigt, welches Flugzeug das richtige ist. Anschließend bestieg die ganz Gruppe das Flugzeug – frei nach dem Motto “Such dir einen Platz aus”.

Maya Island Air Boarding

Die Sicherheitsbedenken in der Luftfahrt scheinen auch nicht ganz so hoch zu sein, wie es ansonsten der Fall ist, man setzt hier eher auf das Vertrauen zwischen den einzelnen Reisenden! Ich fühlte mich eigentlich nicht unwohl, der Gedanke daran, dass ich einfach alles was mir so einfällt hätte mit an Bord nehmen können, sorgte allerdings dennoch für ein mulmiges Gefühl, vor allem wenn man an die strengen Sicherheitskontrollen denkt, die an modernen Flughäfen ansonsten durchgeführt werden.

Paradiesische Ausblicke über Land und Meer

Der eigentliche Grund, warum man einen Flug innerhalb von Belize unternehmen sollte, ist allerdings nicht das unterhaltsame Drumherum, sondern der Ausblick, den man aus dem Flugzeug genießt. Vor allem, wenn es auf eine der zahlreichen Inseln geht, kann man sich hier auf paradiesische Kulissen verlassen, die man ansonsten nur von Postkarten kennt.

Tropic Air Ausblick

Maya Island Air Aussicht 3Maya Island Air Aussicht 2Maya Island Air Aussicht

Durch die vergleichsweise niedrige Flughöhe kann man hier die gesamte Schönheit der Natur bewundern und bei Start und Landung sogar wenn man Glück hat Meerestiere durch das kristallklare Wasser erspähen.

Sitz 1A direkt neben dem Piloten

Auf 1A zu sitzen bedeutet bei einem Linienflug normalerweise vorne links am Fenster zu sitzen. Bei Flügen in Belize sitzt man zwar auch vorne, allerdings ganz vorne, nämlich direkt neben dem Piloten. Was nach einer unmöglichen Situation oder einer unglaublichen Ausnahme klingt, ist hier tatsächlich die Regel, denn wenn genügend Sitzplätze gebucht sind, muss der letzte Passagier auf dem Sitzplatz des Co-Piloten Platz nehmen. Das liegt daran, dass auf so gut wie allen kurzen Flügen nur ein Pilot eingesetzt wird und der Platz sowieso frei ist.

Jan Tropic Air

Ihr sitzt in diesem Fall also wirklich direkt neben dem Piloten und schaut dabei zu, wie sich das Steuerhorn bewegt. Der Ausblick ist natürlich auch ziemlich besonders, nicht nur nach draußen, sondern auch auf die zahlreichen Instrumente und Anzeigen. Damit aber nicht genug, denn für mich ging die Erfahrung noch ein Stückchen weiter.

Auf einmal fliegt man selbst

Wenn man jemandem erzählt, dass man auf einem Linienflug kurz mal eben selbst fliegen durfte, wird man völlig zurecht ein Kopfschütteln bekommen. In Belize allerdings ist das möglich, ich habe es selbst erlebt. Da auf dem letzten Stück meines Fluges von Belmopan nach San Ignacio neben mir nur noch ein weiterer Passagier an Bord war, juckte es mir natürlich in den Fingern zu fragen, ob ich einmal kurz das Steuer übernehmen könnte. Etwas unsicher fragte ich den Kapitän, nur um doch etwas verdutzt ein “Sure!” zu hören.

Also ergriff ich das Steuerhorn und durfte das Flugzeug selbst steuern. Der Pilot leitete mich so, dass ich schräg über einen Berg mit einer historischen Maya-Stätte flog und wir diese begutachten konnten – ein unglaubliches Gefühl. Interessant fand ich besonders, wie das Flugzeug auf meine Bewegungen reagierte. Bereits auf kleinere Bewegungen des Steuerhorns folgten mit einer kleinen Gedenksekunde Reaktionen des Fliegers.

Der schwierigste Teil kam allerdings zum Schluss, denn der Pilot fragte mich, ob ich das Flugzeug nicht landen wolle. Challenge accepted, dachte ich und so ging es in Richtung Landebahn. Absolut irre war dabei, dass wir meinem Gefühl nach ewig steil nach unten auf die Bahn zu steuerten und der Pilot mich erst im letzten Moment anwies das Horn nach hinten zu ziehen, um die Schnauze des Fliegers nach oben zu bekommen. Nach diesem Adrenalin-Erlebnis wies er mich noch an, niemandem seinen Namen zu sagen, weshalb ich an dieser Stelle auch darauf verzichte, zu erwähnen auf welchem Flug und mit welcher Airline das passierte – vorne sitzen durfte ich bei beiden Flügen 😉

Jan Flugzeug

Natürlich hatte der Pilot zu jeder Zeit seine Augen auf dem, was ich dort tat und war jederzeit bereit einzugreifen, von daher war bei dem Flug alles sicher.

Fazit zum Erlebnis Fliegen in Belize

Natürlich ist es absolut nicht Gang und Gebe, dass man seinen Linienflug in Belize selbst absolviert, denke ich jedenfalls. Durch einen glücklichen Zufall konnte ich diese wahnwitzige Erfahrung machen, für die ich sehr dankbar bin. Unabhängig davon muss ich aber sagen, dass es absolut lohnenswert ist, einmal eine solche Art der zivilen Luftfahrt kennenzulernen und dabei noch die geniale Natur zu sehen. Wer von Euch also bislang noch nicht genügend Grund gesehen hat nach Belize zu reisen, jetzt sollten alle Zweifel hinfällig sein!

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Autor

Seit dem ersten Flug in der Business Class ist Jan besessen von Meilen & Punkten. Als Flug- und Reiseverrückter genießt er dabei den Weg ans Ziel mindestens genau so wie die schlussendliche Destination. Auf reisetopia gibt er Euch wichtige Tipps und hält Euch über aktuelle Deals auf dem Laufenden!

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