In unserer Rubrik “On This Day In Aviation History” wagen wir einen Blick in die Vergangenheit und beleuchten die Meilensteine der zivilen Luftfahrt-Historie, aber auch die weniger erfreulichen Augenblicke.

Täglich berichten wir von den wichtigsten Nachrichten und neuesten Errungenschaften der zivilen Luftfahrt. Vor allem im vergangenen Jahr hat sich das Treiben am Himmel deutlich verändert. Flugzeuge, die gestern noch als die Zukunft galten, sind morgen bereits verschwunden. Der Airbus A300 leitete wohl damals die heutige Erfolgsgeschichte des europäischen Flugzeugbauers ein. Wir wagen deshalb in der neuen Rubrik “On This Day In Aviation History” einen Blick zurück zu den glorreichen Tagen des ersten Zweistrahlers, welcher am 28. Oktober 1972 zum ersten Mal gen Himmel abhob.

Der 28. Oktober 1972

Der 28. Oktober 1972 war nicht nur für Airbus ein bedeutsamer Tag, sondern auch für die zivile Luftfahrt weltweit. Heute vor 49 Jahren hob erstmals ein zweistrahliges Passagierflugzeug ab, gebaut vom neuen europäischen Flugzeugbauer Airbus, der damals noch nicht der Konzern war, welcher er heute ist. Erst fünf Jahre vor dem Erstflug unterzeichneten die EU-Mitgliedsstaaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihre Absichtserklärung, ein zweistrahliges Flugzeug für etwa 300 Passagiere zu bauen. Bis dato konnte Boeing lediglich drei- und vierstrahlige Flugzeuge in diesem Segment anbieten. Ein Marktvorteil würde sich also bieten können.

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Airbus A300-600

Im Oktober des Jahres 1972 konnte Airbus dann den ersten Erfolg feiern. Der erste Airbus A300B, mit reduzierter Kapazität, konnte erfolgreich den Erstflug absolvieren. Nur circa 1,5 Jahre später, im März 1974, wurde die Zulassung für die Baureihe erteilt. Am 30. Mai 1974 nahm Air France als Erstkunde des Flugzeugs den offiziellen Flugbetrieb mit diesem Modell auf. Was man kaum denkt: Der Airbus A300 wurde in den verschiedenen Varianten bis zum Jahr 2007 noch produziert. Insgesamt 561 Flugzeuge konnten über diesen langen Zeitraum produziert werden. Relativ wenig, vergleicht man die Auflage mit heutigen Produktionszahlen von Flugzeugen aus der Airbus A320-Familie. Der Verkauf lief anfangs auch nur schleppend.

Bereits in der Anfangszeit wurden 16 Whitetails produziert – also Flugzeuge, die keinen festen Abnehmer zum Zeitpunkt der Produktion hatten. Germanair wurde im Jahr 1975 deutscher Erstbetreiber des Modells. Weitere Airlines, darunter die Lufthansa, haben ebenfalls ihre Bestellungen aufgegeben. Zum Verkaufsschlager wurde das Modell jedoch nicht – und 400 Exemplare wollte man verkaufen, um Gewinne aus der Entwicklung ziehen zu können. Das gelang erst ab dem Punkt, als der Airbus A300 in den USA auf Interesse gestoßen ist. Dort stellte Airbus der unabhängigen Fluggesellschaft Eastern Air Lines insgesamt vier Flugzeuge für sechs Monate zur Verfügung – gänzlich kostenfrei.

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Der Airbus A300 gefiel der Airline, und zwar nicht nur, weil dieser deutlich effizienter war als amerikanische Modelle von Boeing, Lockheed und McDonnell Douglas. Eastern Air Lines bestellte über die Zeit insgesamt 32 Modelle. Danach folgten auch Bestellungen von American Airlines, Continental Airlines sowie Pan Am. American Airlines war bereits in den 1960er-Jahren auf der Suche nach einem Zweistrahler, zögerte dennoch bei der Entwicklung des Airbus A300. Später wurde die US-amerikanische Fluggesellschaft zum weltweit größten Betreiber des Flugzeugs. Der Fokus von Airbus auf die USA stellte diesseits des Atlantiks aber noch viel Konfliktpotenzial dar.

Die Schwierigkeiten der EU in a Nutshell

Der Airbus A300 war nicht das erste Flugzeug, welches in europäischer Gemeinschaftsarbeit entwickelt und produziert werden sollte. Bereits im Vorfeld unterzeichneten Frankreich und Großbritannien eine Absichtserklärung zum Bau eines Überschallflugzeugs, woraus später die Concorde resultierte. Produktionsstätten waren in beiden Ländern vorhanden, eine Zusammenarbeit jedoch nicht. So hatten zwar sowohl Frankreich als auch Großbritannien ihre jeweiligen Aufgaben, nur wurden die Ergebnisse daraus nicht zusammengestellt.

Beide Seiten konnten sich nicht leiden und das Gefühl kam auf, dass man gegeneinander arbeiten würde. Erst nach dem ersten Testflug kamen beide Seiten zusammen, indem man die Wertschätzung füreinander ausgesprochen hat. Später wurde die Concorde zum Meisterwerk der Ingenieurskunst, welches viele Hürden zu überwinden hatte. Hürden, die auch Airbus nehmen musste.

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Cockpit des Airbus A300

Auch der Airbus A300 wurde in europäischer Gemeinschaftsarbeit gefertigt. In Großbritannien sollten dafür die Triebwerke von Rolls-Royce und die Tragflächen von Hawker-Siddeley entwickelt und gefertigt werden. Um in den USA jedoch überzeugen zu können, entschied man sich für Triebwerke des amerikanischen Herstellers General Electric. Somit verblieb lediglich die Herstellung der Tragflächen in britischer Hand und das auch noch bei einem Privatunternehmen, während an anderen Komponenten des Flugzeugs staatliche Unternehmen anderer EU-Länder beteiligt waren.

Dieser Konflikt ging sogar fast so weit, dass sich die britische Regierung aus dem Projekt zurückziehen wollte. Heute ist klar, dass dies nicht mehr der Fall ist. Der Airbus A300 sowie der Konzern selbst wurden zum Erfolgsprojekt. Heute muss sich der europäische Flugzeugbauer dafür jedoch anhören, dass die Produktion der Flugzeuge nicht nachhaltig sei. Die einzelnen Komponenten werden Europa- und teils sogar weltweit gefertigt und müssen danach aufwändig transportiert werden. Dies sei nach Ansicht von verschiedenen Umweltorganisationen nicht mehr zeitgemäß.

Fehler, aus denen man lernt

Der Airbus A300 war nur der Startschuss für die heute so erfolgreiche Arbeit von Airbus. Damit konnte der Flugzeugbauer sogar zum weltweiten größten Hersteller von zivilen Flugzeugen avancieren. Der Weg dahin war steinig – der Airbus A300 leistete dafür aber Pionierarbeit. Große Fehler konnten nicht festgestellt werden. Dazu füllte der Airbus A300 eine Nische, die bis heute nicht mehr bedient wurde. Trotz der Größe und Kapazität des Flugzeugs, galt der Airbus A300 lediglich als Kurz- und Mittelstreckenflugzeug im kontinentalen Einsatz. Das lag auch daran, dass zur damaligen Zeit keine Zulassungen für Ozeanüberquerungen von zweistrahligen Flugzeugen erteilt wurden. Dennoch konnte dies dem Erfolg des Airbus A300 nicht im Wege stehen. Die hiesigen Fluggesellschaften setzten das Flugzeug erfolgreich zwischen großen Drehkreuzen ein, wo naturgemäß die Nachfrage von Umsteigepassagieren sowie Geschäftsreisenden groß war.

Um die Lücke im Transatlantikverkehr füllen zu können, entwickelte Airbus daraufhin den Nachfolger namens Airbus A310. Dieses Flugzeug konnte mit deutlich mehr Reichweite auch endlich den Langstreckenverkehr aufnehmen. Circa zehn Jahre später nahm das erste Exemplar den offiziellen Betrieb auf. Im Laufe der Jahre wurden 255 Flugzeuge gefertigt. Hierbei wurde auch erstmals mit Spanien als weiteres EU-Mitglied gearbeitet. Sowohl der Airbus A300 als auch der A310 kamen mit wichtigen Neuerungen, die selbst die heutige Zeit noch prägen. Rumpf und Triebwerke waren innovativ und sind noch heute die Grundlage beim Bau weiterer zweistrahliger Flugzeuge.

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Airbus A310 von Air Transat

Zwei weitere erfolgreiche Exemplare kommen ebenfalls aus dem Hause Airbus! Der Airbus A330 sowie A350 sind ebenfalls echte Verkaufsschlager. Schon jetzt wurden vom Airbus A330 über 1.500 Exemplare verkauft, vom Airbus A350 sind es knapp 500 weitere Modelle. Das liegt auch daran, dass die Produktion heutzutage deutlich effizienter läuft. Gelernt hat man dabei aus vorherigen Entwicklungen und Produktionen. Der Airbus A300 hat dabei wichtige Arbeit geleistet. Ähnlich sieht es auch beim Airbus A380 aus, welcher zwar eines der beliebtesten Flugzeuge unter Passagieren sein dürfte, aber jederzeit hinter seinen Erwartungen blieb. Die damaligen Prognosen von Airbus lagen falsch, zudem liefen die Entwicklungs- und Produktionsprozesse nicht optimal. Dennoch nennt Airbus den A380 als eines der wichtigsten Modelle in der Historie, da die vielen Fehler zum Lernen wichtig waren. Erstmals kamen alle beteiligten EU-Mitglieder bei der Entwicklung des Airbus A380 zusammen. Auch deshalb, so sagt man selbst, sei der Airbus A350 so erfolgreich geworden.

Ein Erfolgsgarant

Vor dem Erstflug nannte Airbus zwei Zahlen. So musste man mindestens 350 Flugzeuge verkaufen, um Gewinne aus der Entwicklung ziehen zu können. Darüber hinaus wollte man aber sogar 400 Flugzeuge in den verschiedenen Varianten verkaufen. Und davon gab es viele. So konnten insgesamt 561 bestellte Flugzeuge auch ausgeliefert werden. Online sind dabei sogar noch Zahlen zu finden, dass 221 Exemplare des Airbus A300 noch immer in Betrieb sein sollen. Mehrheitlich werden dies wohl Frachtflugzeuge sein. DHL betreibt noch immer eine große Flotte. Auch UPS und FedEx nutzen den Airbus A300 als Frachtflugzeug noch immer.

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Die erste Produktionslinie des Airbus A300B

Darüber hinaus gab es aber eine Vielzahl an Airlines, die den Airbus A300 im Passagierverkehr eingesetzt haben. Wer noch heute mit dem Airbus A300 fliegen möchte, muss eine Reise in den Iran planen. Dort setzen noch diverse Airlines wie Iran Air und Mahan Air das Modell ein. Insgesamt sollen sich so 15 Flugzeuge im Passagiereinsatz befinden, darunter die aktuell ältesten noch aktiven Airbus A300-Flugzeuge.

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Ein Airbus A300-600F von UPS

Neben den US-Airlines American Airlines, Continental Airlines, Eastern Air Lines sowie Pan Am und Air France und Lufthansa in Europa gehörten noch eine Vielzahl weiterer Fluggesellschaften zu den Betreibern des Airbus A300:

  • Aerocondor Colombia
  • Afriqiyah Airway
  • Air Inter
  • China Airlines
  • China Eastern Airlines
  • Egypt Air
  • Garuda Indonesia
  • Indian Airlines
  • Japan Air System
  • Korean Air
  • Kuwait Airways
  • Malaysia Airlines
  • Pakistan International Airlines
  • Philippine Airlines
  • Singapore Airlines
  • Thai Airways
  • Trans Australia Airlines

Weitere Airlines haben den Airbus A300 ebenfalls betrieben oder tun dies noch immer.

Ein ganz besonderer Platz in der Geschichte

Der Airbus A300 ist und bleibt ein ganz besonderes Flugzeug der modernen Luftfahrt. Ein ganzes Zeitalter konnte das Flugzeug vor allem in Europa prägen und läutete damit auch den Erfolg des Airbus A320, aber auch besondere Flugzeuge wie den Airbus A380 ein. Heute gehört das Flugzeug jedoch nicht mehr zu den alltäglich gesehenen Gästen an den großen internationalen Flughäfen. Ganz im Gegenteil – dennoch ist das Flugzeug als Frachter unterwegs. Damit gebührt diesem Flugzeug alle Ehre – der Airbus A300 hat einen Platz in der Rubrik “On This Day In Aviation History” verdient.

Autor

Alexander Fink ist als Content Editor seit Januar 2021 für reisetopia tätig. Zuvor war er als Account Manager in der Industrie beruflich unterwegs und schrieb von seinen Reiseerfahrungen im eigenen Blog. Heute ist er Euer Ansprechpartner für alle Airline- und Kreditkartenthemen.

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  • “Der 28. Oktober 1972 war nicht nur für Airbus ein bedeutsamer Tag, sondern auch für die zivile Luftfahrt weltweit. Heute vor 50 Jahren hob erstmals …”
    Ihr seit der Zeit vorraus – zumindest nach meiner Mathematik 🙂

    Aber nichtsdestotrotz immer wieder interessant solche Rückblicke zu lesen.

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