In den letzten Tagen und Wochen haben wir Euch schon durch etliche Lesergeschichten einen Einblick in die jüngsten Reise- und Urlaubserfahrungen unserer Leser in Coronazeiten geben können. Steph und ihr Mann erzählten von der Rückreise aus Kolumbien, Alex und Dana von ihrem Dubai Urlaub, Sebastian von seiner Strandung in Australien und Zoltan von seiner Indien Rückreise dank Meilen.

In diesem Teil erzählen Eric und seine Frau, wie sich ihre Uruguay-Reise plötzlich um 360 Grad wendete und sie schnellstmöglich zurück nach Deutschland flogen.

Auch Ihr habt eine Reise-Geschichte zur aktuellen Situation parat? Schickt uns die Geschichte an [email protected] und wir veröffentlichen auch Eure Geschichte! Alle Details gibt es auch noch einmal hier.


Rundreise durch Uruguay – wie eine Rückreise insgesamt 52 Stunden dauern kann

“Eine 3-wöchige Rundreise durch Uruguay inkl. Business Class Flug, das wäre doch was”, so dachten meine Frau und ich noch Mitte 2019. Grundlage hierfür war noch ein altes Meilenkontingent aus US-Airways Zeiten, denn damals gab es noch bis zu 100 Prozent Bonus auf den Kauf von Meilen. Da US-Airways in der Zwischenzeit von American Airlines (AA) aufgekauft und somit in die Oneworld Allianz überging, bot sich ein Flug mit Iberia von Hamburg (HAM) via Madrid (MAD) nach Montevideo (MVD) an.
Unser Hinflug startete am 7. März um 15:50 Uhr mit IB3271, Ankunft in MAD um 18:50 Uhr, Weiterflug nach MVD um 23:55 Uhr mit IB6011, so hatten wir ausgiebig Zeit, sowohl die Neptuno Lounge (dank American Express Platinum Card) als auch die VIP-Lounge von Iberia genau zu erkunden. Unser Lounge-Fazit: die Neptuno Lounge macht einen ordentlichen Eindruck, allerdings wirkten einige Sitze doch sehr gebraucht und verschlissen. Die Iberia VIP-Lounge ist dagegen sehr zu empfehlen. Da gab es nichts zu meckern.

Leser-Story: Uruguay
Rund 13 Stunden Flugzeit von MAD nach MVD

Nach einem angenehmen fast 13 Stunden Flug mit Iberia in einem A330-200, wir hatten explizit die Sitze 3G und 3E reserviert, da diese sich in der Mitte befinden und zum Kuscheln ideal sind (einige nennen diese auch „Honeymoon“ Sitze), sind wir glücklich, sicher und zufrieden in MVD (Montevideo) gelandet (ein kleiner,  sehr moderner Flughafen).

Leser-Story: Uruguay
Sitzplätze 3G und 3E im Iberia A330, für Paare ideal

Die Einreisemodalitäten erfolgten rein elektronisch – man musste lediglich seinen Reisepass am Security-Automaten eigenständig scannen und schwups war man auch schon durch, sehr fortschrittlich und für ein südamerikanisches Land außergewöhnlich digital.

Unbeschwerter Start der Reise

Nun konnte unsere Reise durch Uruguay beginnen. Zunächst verbrachten wir 3 Nächte in Montevideo, insbesondere die Altstadt haben wir genau unter die Lupe genommen und freudig erkundet. Uns fiel sofort auf, dass fast jeder ein Mate-Trinker ist, zur Ausrüstung zählen eine Tasche mit einer Thermoskanne und ein Holz- oder Metallbecher mit dem typischen Metallröhrchen, welches deutlich erkennbar aus dem Becher ragt.

Nach dem sehr schönen und interessanten Aufenthalt in der Hauptstadt reisten wir mittels Mietwagen knapp 200 km weiter nach Westen zur kulturell sehr eindrucksvollen Stadt Colonia de Sacramento, gelegen wie Montevideo ebenfalls, am Rio de la Plata. Auf der anderen Flussseite befindet sich übrigens Buenos Aires, zu sehen ist die argentinische Hauptstadt aber nicht. Zwei Nächte blieben wir in Colonia de Sacramento, was vollkommen ausreichte.

uruguay
Die berühmten Finger in Punta del Este, im Hintergrund braut sich eine Sturmfront an, symbolisch für die Corona-Krise

Unser nächstes Ziel: Punta del Este, schön ist die Stadt sicherlich nicht, zu viele Hotelbauten, aber ich wollte unbedingt die berühmten Finger, welche aus dem Sand herausragen fotografieren.

Uruguay
Da haben wir noch gelacht, das verging uns später ganz schnell

Weiter ging die Fahrt immer an der schönen Atlantikküste nordwärts entlang zur Stadt La Paloma, ein noch verschlafenes Städtchen, das sicherlich noch Potenzial hat sich touristisch weiterzuentwickeln. Interessant und sehr für einen Besuch zu empfehlen ist die naheliegende Lagune de Rocha, noch weitestgehend unberührt, ein kleiner Geheimtipp.

Die dunkle Corona-Wolke kam immer näher

Bis zu diesem Tag – es war der 16. März 2020 – verlief alles glatt, doch dann kamen die ersten dunklen Corona Wolken. Ich bekam von meiner Schwester die nachfolgende Nachricht:

„Die uruguayische Regierung hat beschlossen, dass ab Freitag, 20. März, 00.00 Uhr alle Flüge von Europa nach Uruguay eingestellt werden. … Dies bedeutet gleichzeitig, dass das Land ab dem 20.03.2020 nicht mehr verlassen werden kann. Soweit möglich, buchen Sie Ihre Flüge auf einen früheren Zeitpunkt um. Die Fluggesellschaften bieten größtenteils kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten. Nutzen Sie diese!“

Oh Schreck, wir hatten unseren Rückflug erst für den 24. März 2020 geplant, da hat uns die Corona-Krise doch tatsächlich am Ende der Welt eingeholt, damit hatten wir nicht im Entferntesten gerechnet. Mit dieser Einschätzung waren wir nicht allein, siehe all diejenigen, die noch immer in fremden Ländern festsitzen.

la palma uruguay
Unsere Unterkunft in La Paloma, direkt am Atlantik

Nun war schnelles Handeln notwendig, d.h. zuallererst sich mit Iberia in Verbindung setzen. Wir kamen sogar telefonisch durch, doch Iberia sagte, wir müssten uns mit American Airlines (AA) in Verbindung setzen, da der Flug ein Prämienflug sei und über AA gebucht wurde. Also schnell die AA-Hotline anrufen, nach 1 Stunde und 10 Minuten in der Warteschleife hatten wir tatsächlich eine freundliche Ansprechpartnerin in der Leitung, doch leider konnte sie uns keinen früheren Rückflug anbieten, da es keine Verfügbarkeiten gäbe, alles restlos ausgebucht, auch nicht über Buenos Aires.

Eigeninitiative beim Rückflug

Was also tun? Spekulieren und hoffen, dass die deutsche Botschaft in Uruguay uns hilft und wenn überhaupt, wann würde dies erfolgen? Sollten wir wirklich mehrere Tage/Wochen oder gar Monate in Uruguay festsitzen müssen?

Nein, das wollten wir bestimmt nicht und so entschlossen wir uns selbst die Initiative zu ergreifen und in Eigenregie zwei Rückflüge von MVD nach HAM zu kaufen. Zum Glück hatten wir in unserer Unterkunft in La Paloma eine gute und performante WLAN-Verbindung. Jeder von uns hat sein Smartphone herausgeholt und individuell nach verfügbaren Rückflügen geschaut. Genutzt haben wir dabei das Flug-Portal „Momondo“. Auf den ersten Blick gab es tatsächlich noch ausreichende Verbindungen, meist mit Iberia oder LATAM, doch als wir final buchen wollten, kam immer der Hinweis, dass es keine freien Plätze mehr gibt. So sind wir nacheinander alle weiteren Flug-Angebote durchgegangen und tatsächlich, beim Sechsten Versuch haben wir eine Verbindung von Montevideo (MVD) über Sao Paulo (GRU) nach Barcelona (BCN) und dann weiter nach Hamburg (HAM) gefunden und auch gleich gebucht. 1.249 € pro Person in verschiedenen Klassen (Premium Eco, Business und Eco). Mit der Buchungsbestätigung kam die erste Überraschung: die sehr speziellen Flug- und Wartezeiten:

Fluginformationen unserer Rückflüge am 18. und 19. März 2020:

VonNachAbflugAnkunftFlugAirline/Class
Montevideo (MVD)Sao Paulo (GRU)03:1505:45LA8031LATAM/Premium-Eco
Sao Paulo (GRU)Barcelona (BCN)18:1009:20LA8114LATAM/Business
Barcelona (BCN)Hamburg (HAM)17:1520:05EW7521Eurowings/Eco

Na gut, die frühe Abflugzeit in MVD und die langen Wartezeiten in GRU und BCN waren nicht ideal, aber wir waren mehr als froh überhaupt noch Plätze ergattert zu haben. Vermutlich aufgrund dieser Flugzeiten waren diese überhaupt verfügbar.

Frohen Mutes doch noch ausreisen zu können, aber traurig und enttäuscht unseren schönen Uruguay-Trip vorzeitig beenden zu müssen, begannen wir sofort unsere Koffer zu packen. Unser Rückflug sollte am Mittwoch, den 18. März um 03:15 Uhr in der früh starten. La Paloma liegt ca. 3 Autostunden vom Flughafen in Montevideo entfernt. Die Abgabe des Mietwagens (Alamo) konnte aber nur zwischen 9 Uhr und 18 Uhr erfolgen, einfach den Schlüssel abgeben war nicht möglich (daher Augen auf bei der Auswahl des Mietwagenanbieters!). Dementsprechend mussten wir, um rechtzeitig am Flughafen den Mietwagen zurückzugeben, unsere Rückreise bereits am Dienstag, dem 17. März gegen 14 Uhr antreten. Die Rückfahrt zum Flughafen erfolgte ohne Probleme, sodass wir den Mietwagen pünktlich abgeben konnten, nur eben leider viel zu früh. Unsere Hoffnung, die Koffer direkt aufgeben zu können, wurde uns vom anwesenden LATAM Mitarbeiter schnell und unfreundlich genommen. Check-In war erst 3 Stunden vor Abflug möglich und somit hatten wir ganze 6 Stunden Zeit den Flughafen von Montevideo von oben bis unten genau anzuschauen. Aufgrund von Corona war entsprechend wenig los, alle Geschäfte hatten geschlossen, lediglich McDonalds hatte noch geöffnet, immerhin gut für einen Kaffee mit Burger & Pommes.

Rückflug nach Deutschland – der dann doch etwas länger dauerte

Gegen Mitternacht war es dann so weit, wir konnten endlich einchecken und unsere Koffer abgeben. Anschließend ab durch die Security, das ging sehr schnell, da nur wenige Reisende unterwegs waren. Wir hatten von MVD nach GRU die Premium Eco Class gebucht und gingen davon aus, in den Genuss eines Lounge Besuches vor Abflug zu kommen. Doch zu früh gefreut, der Eintritt in die Lounge war nicht erlaubt, man hätte für 70 US-Dollar Zugang erhalten können. Glücklicherweise sind wir im Besitz der Amex Platinum Card, die den Priority Pass inkludiert und plötzlich öffnete sich der Eingang zur „Aeropuerto VIP Club Partidas“ Lounge, eine Wohltat nach 6 Stunden Wartezeit im leeren Flughafenterminal. Diese Lounge hat zum Glück noch geöffnet, in anderen Flughäfen sollte es bereits anders sein, dazu später mehr.

Die Lounge in MVD ist sehr zu empfehlen, wir konnten es uns auf den Sesseln gemütlich machen und sogar etwas schlafen, wir waren bereits seit 10 Stunden unterwegs und es standen ja noch zwei Nachtflüge (MVD -> GRU und GRU -> BCN) an.

airport lounge montevideo
Aeropuerto VIP Club Partidas, sehr angenehm, nicht viel los um Mitternacht

Unser erster Flug LA8031 von MVD nach GRU mit einem A321 war pünktlich, unspektakulär mit der klassischen bzw. europäischen Business Sitzordnung, d.h. der Mittelplatz war frei. Kurz vor 6 Uhr morgens sind wir in GRU (Sao Paulo) gelandet. Die Passkontrolle war diesmal etwas intensiver, es wurde der Gesundheitszustand bei einigen Passagieren kontrolliert, bei uns nicht.

latam lounge
Eingang zur LATAM-Lounge, sehr empfehlenswert

Wir konnten anschließend direkt zur LATAM Lounge gehen, die glücklicherweise geöffnet hatte und wirklich sehr zu empfehlen ist. Eine sehr gute Auswahl an Getränken und Essensvarianten und das Beste für uns, ein Ruhebereich, in dem wir gute 4 Stunden wirklich schlafen konnten. Vorher konnten wir sogar noch duschen, herrlich.

latam vip ounge
LATAM-VIP-Lounge in GRU, Terminal 3: gegen 7 Uhr morgens noch nicht viel los, alles sehr sauber und somit nach unsrer Meinung eine sehr gute Lounge inkl. hervorragender Duschen

Nun galt es trotzdem noch insgesamt 12 Stunden totzuschlagen, gelandet sind wir um 6 Uhr morgens, unser Weiterflug nach BCN ging ja erst um 18:10 Uhr. Da liegt es nahe, sich die benachbarten Lounges genauer anzuschauen, Zugang hatten wir ja durch unseren Priority Pass. Zuerst einen Blick in die American Express Lounge, diese macht einen ordentlichen Eindruck, die Qualität der Speisen und Getränke reicht nicht an das hohe Niveau der LATAM-Lounge heran, kann sich aber dennoch sehen lassen.

amex lounge
American Express Lounge, nach unserer Meinung etwas steril, insgesamt ok

Weiter zur Star Alliance Lounge, die mit einem schicken Eingangsschild zu einem Besuch einlädt.

star alliance lounge GRU
Schickes Eingangsschild der Star Alliance Lounge in GRU, Terminal 3
amex lounge
Star Alliance Lounge in GRU, Terminal 3, angenehme Atmosphäre, viele Leute bereits mit Mundmasken versehen

Nach rund 12 Stunden Aufenthalt in GRU ging es dann endlich um 18:10 Uhr pünktlich weiter, die Business Class war lediglich zu 50 Prozent belegt, sodass wir uns vom Mittelplatz ans Fenster/Gang in der ersten Reihe verzogen haben. Es war leider ein alter Flieger (B767) mit der klassischen 2-2-2 Bestuhlung.

LATAM Business Class
Die Business Class von LATAM (ex. TAM) in einem B767-Flugzeug
nachtflug
Nachtflug von GRU nach BCN, Flugzeit etwas mehr als 11 Stunden
Sicherheitskontrollen GRU
Leere Sicherheitskontrollen, so etwas habe ich vorher noch nie gesehen

Nachdem wir in BCN gelandet waren, kam die böse Überraschung, ähnlich wie in MVD mussten wir bis zur Abgabe der Koffer. Diese mussten wir nämlich in BCN wieder entgegennehmen, warten bis der Check-In Schalter geöffnet hatte, Wartezeit rund 5 Stunden, ohne die Möglichkeit einen Kaffee oder sonst irgendetwas zu kaufen. Unsere mitgebrachte Verpflegung musste daher erst mal ausreichen.

Terminal 2 BCN
Terminal 2 in BCN, alle Geschäfte geschlossen und kaum ein Mensch zu sehen, surreal und beängstigend

Auch diese lange Wartezeit haben wir letztendlich hinter uns gebracht, umso mehr haben wir uns gefreut, dass der Eurowings Flug tatsächlich stattfand, pünktlich um 17:15 Uhr ging es dann endlich mit 26 Passagieren in Richtung HAM. Wir haben uns noch nie so gefreut einen Eurowings Flug anzutreten, um letztendlich nach 2,5 Tagen Reisezeit erschöpft aber glücklich wieder in Hamburg zu landen.

Fazit unserer Reise

Wie so viele Reisende haben auch wir niemals gedacht, dass uns die Corona-Krise in der weiten Ferne einholt und uns zwingt, unseren Urlaub vorzeitig abzubrechen und in Eigenregie neue Rückflüge zu buchen. Gestartet sind wir in Uruguay (La Paloma) am 17. März gegen 14 Uhr, angekommen sind wir schließlich in Hamburg am 19. März gegen 22 Uhr, gesamte Reisezeit = 52 Stunden!

Auch wenn die Rückreise sehr lang war und insbesondere die Wartezeiten an den Flughäfen MVD (9 Stunden), GRU (12 Stunden), BCN (7 Stunden) uns ewig vorkamen, sind wir immer noch glücklich, das Land rechtzeitig verlassen zu haben und heil und gesund in der Heimat angekommen zu sein. Was für ein Trip! Schade um das Land Uruguay, denn es ist wirklich ein interessantes, schönes und sicheres Reiseland, welches wir gern weiter erkundet hätten.


Wir danken Eric für diese tolle und ausführliche Geschichte. Auch wenn er und seine Frau die Rückflüge selbst bezahlen musste, hatten beide in diesem Fall wohl noch Glück. Diesen Trip werden die beiden wahrscheinlich nicht so schnell wieder vergessen! 

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Autorin

Seit Lena ihren ersten Langstreckenflug bestritt, ist das Thema Reisen nicht mehr aus ihrem Alltag wegzudenken. Sie liebt es neue Länder zu erkunden und dabei ebenso die besten und außergewöhnlichsten Unterkünfte zu testen. Bei reisetopia nimmt sie Euch mit auf ihre Reisen und teilt neben ihren eigenen Tipps & Erfahrungen auch die neusten Deals.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.

  • Guter Bericht, uns hat es auch am 17.3. In Rio erwischt, wir sind schnell zum Airport mit Taxi und haben abendlichen LH Flug nach Frankfurt für € 4.400 in der Premier Eco erreicht. Eigentlich wollten wir in Rio ein MSC Schiff mit Ziel Rom besteigen. Nun denn, wir waren froh wieder daheim zu sein.

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