Fliegen mit Baby stellt auch erfahrene Vielflieger vor ganz neue Fragen: Braucht das Baby einen eigenen Sitzplatz? Was kostet das Ticket? Darf der Kinderwagen bis zum Flugzeug mit, und wie kommt man mit Babybrei durch die Sicherheitskontrolle? Mit etwas Vorbereitung wird der Flug für Eltern, Baby und Mitreisende deutlich entspannter.
In diesem Guide haben wir die Erfahrungen unseres Gastautors Sebastian von Flügen mit Lufthansa, Eurowings, Singapore Airlines und Air New Zealand mit den aktuellen Regeln der Airlines zusammengeführt, von der Kurzstrecke bis zur Langstrecke. Diesen Guide haben wir im September 2026 komplett überarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
- Ab wann darf ein Baby fliegen?
- Was kostet ein Flug mit Baby?
- Eigener Sitzplatz oder Baby auf dem Schoß?
- Welche Regeln gelten für Kinderwagen und Gepäck?
- Wie läuft es am Flughafen mit Baby?
- Was ist bei Langstreckenflügen mit Baby wichtig?
- Wie hilft man dem Baby beim Druckausgleich?
- Fazit zum Fliegen mit Baby
Das Wichtigste in Kürze: Babys unter zwei Jahren fliegen auf dem Schoß stark vergünstigt, bei Lufthansa innerdeutsch sogar kostenlos. Kinderwagen oder Kindersitz reisen gratis mit, Babynahrung ist von der 100-Milliliter-Regel ausgenommen. Auf der Langstrecke solltet Ihr früh ein Babybett reservieren.
Ab wann darf ein Baby fliegen?
Eine feste gesetzliche Untergrenze gibt es nicht. Lufthansa und Eurowings nennen auf ihren Websites kein Mindestalter, viele Kinderärzte raten aber dazu, die ersten Lebenswochen abzuwarten. Singapore Airlines etwa befördert Babys regulär ab einem Alter von sieben Tagen. Sprecht vor dem ersten Flug am besten mit Eurem Kinderarzt, vor allem wenn das Baby noch sehr jung ist oder gesundheitliche Probleme hat.
Wichtig ist auch der Reisepass: Den Kinderreisepass gibt es seit dem 1. Januar 2024 nicht mehr. Babys brauchen für Reisen ins Ausland deshalb einen eigenen biometrischen Reisepass oder, innerhalb Europas, einen Personalausweis. Plant für die Beantragung genug Zeit ein, denn Passfotos von Babys sind eine eigene Herausforderung.

Für Reisen in die USA benötigen auch Babys eine eigene ESTA-Genehmigung. Prüft die Einreisebestimmungen Eures Ziels deshalb für jedes Familienmitglied einzeln.
Was kostet ein Flug mit Baby?
Babys unter zwei Jahren reisen ohne eigenen Sitzplatz auf dem Schoß eines Erwachsenen und zahlen dafür deutlich weniger. Bei Lufthansa fliegen Babys innerhalb Deutschlands kostenlos, auf allen anderen Strecken werden 10 Prozent des regulären Tarifs fällig. Pro Erwachsenem darf nur ein Baby auf dem Schoß mitfliegen.
Bei Eurowings zahlt Ihr für ein Baby auf dem Schoß eine Servicepauschale pro Strecke, laut Eurowings derzeit 30 Euro, an anderer Stelle nennt die Airline noch 25 Euro. Kinder von 2 bis 11 Jahren brauchen bei beiden Airlines einen eigenen Sitz. Bei Lufthansa zahlen sie in der Regel 75 Prozent des Erwachsenentarifs, bei Eurowings gibt es 20 Prozent Rabatt, allerdings nicht bei Tickets unter 40 Euro, bei Aktionspreisen und in der BIZclass.
Achtung: Wird Euer Kind während der Reise zwei Jahre alt, braucht es ab dann einen eigenen Sitzplatz. Bei Lufthansa gilt in diesem Fall der Kindertarif für die gesamte Reise, bucht also nicht einfach den Babytarif für Hin- und Rückflug.
Eigener Sitzplatz oder Baby auf dem Schoß?
Ein eigener Sitzplatz kostet mehr, bringt aber viel Komfort und Sicherheit: Das Baby liegt angeschnallt in seiner Babyschale oder seinem Kindersitz, und Ihr habt die Hände frei, etwa zum Essen am Klapptisch. Bei Lufthansa bucht Ihr dafür ein Kinderticket zum Kindertarif, und die Babyschale ist dann Pflicht, sonst reist das Baby trotz bezahltem Sitz auf dem Schoß.
Bei Eurowings bucht Ihr den Sitz für ein Baby über das Callcenter oder am Flughafenschalter, mindestens 24 Stunden vor Abflug. Eurowings nennt dafür einen Preis ab 10 Euro pro Sitzplatz und Strecke. Mit einem Kindersitz muss der Check-in am Schalter erfolgen, Online-Check-in ist dann nicht möglich.

Nicht jeder Autositz ist im Flugzeug erlaubt. Lufthansa verlangt, dass sich das Rückhaltesystem allein mit dem Beckengurt des Flugzeugsitzes befestigen lässt, ISOFIX-Systeme funktionieren an Bord nicht. Eurowings akzeptiert unter anderem Sitze nach ECE R44-03 oder neuer, ECE R129 und mit TÜV-Zulassung für Flugzeuge. Die Babyschale kommt am besten auf den Fensterplatz, in der ersten Reihe und an Notausgängen ist sie nicht erlaubt.

Reist das Baby auf dem Schoß, bekommt Ihr von der Crew einen sogenannten Loop-Gurt, der am Gurt des Erwachsenen befestigt wird. Bei Eurowings ist er Pflicht. Sebastians Tipp aus der Praxis: Lasst das Modell Eurer Babyschale vorab telefonisch in der Buchung hinterlegen, dann geht es am Check-in schneller.

Eine Alternative für Paare mit Baby ist die Business Class auf Europaflügen. Dort bleibt der Mittelsitz frei, auf dem die Babyschale Platz findet, sofern in der Reihe niemand anderes sitzt. Zwei Business-Class-Tickets sind manchmal kaum teurer als drei Economy-Sitze.
Welche Regeln gelten für Kinderwagen und Gepäck?
Bei Lufthansa haben Babys ein eigenes Freigepäck von einem Koffer bis 23 Kilogramm, außer in den günstigsten Tarifen Economy Basic auf Kurz- und Mittelstrecke und Economy Light. Zusätzlich reist pro Kind ein Gegenstand wie Kinderwagen, Buggy oder Kindersitz kostenlos mit. Einen kleinen Buggy könnt Ihr meist am Gate abgeben und bekommt ihn direkt an der Flugzeugtür zurück, an einigen Flughäfen wie Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart oder London Heathrow ist das bei Lufthansa aber nicht möglich.
Eurowings ist hier großzügiger: Babys haben unabhängig vom Tarif einen Koffer bis 23 Kilogramm frei, und pro Kind bis 11 Jahre dürfen zwei Gegenstände kostenlos mit, etwa Kinderwagen, Kindersitz, Reisebett oder Trage. Wer im BASIC-Tarif mit Baby auf dem Schoß reist, darf zwei kleine Handgepäckstücke mitnehmen. Elektrische Kinderwagen sind bei Lufthansa übrigens nicht erlaubt.
reisetopia Tipp: Nehmt den Kinderwagen oder Buggy möglichst bis zum Gate mit und lasst Euch am Check-in ein Label für die Übergabe am Flugzeug geben. So hat das Baby beim Warten einen vertrauten Platz, und Ihr habt die Hände frei. Eine Schutzhülle hält den Buggy im Frachtraum sauber und trocken.
Wie läuft es am Flughafen mit Baby?
Viele Flughäfen haben eigene Check-in-Schalter und Sicherheitsspuren für Familien, Lufthansa bietet in Frankfurt, Hamburg und München zudem spezielle Gepäckautomaten für Familien. Mit Babyschale oder Kindersitz führt der Weg aber meist ohnehin an den Schalter, weil das Personal den Sitz für die Kabine freigeben muss. Plant deshalb mehr Zeit ein als sonst.
An der Sicherheitskontrolle gilt: Babynahrung, die Ihr während der Reise braucht, ist von der 100-Milliliter-Regel ausgenommen. Legt Milch, Brei und Wasser für das Baby separat vor, sie werden gesondert kontrolliert. An einigen Flughäfen mit neuen CT-Scannern, etwa in München, sind an diesen Spuren inzwischen ohnehin größere Flüssigkeitsmengen erlaubt.

Beim Boarding dürfen Familien meist zuerst einsteigen: Lufthansa bietet Pre-Boarding für Familien mit Kindern unter fünf Jahren, Eurowings für Familien mit Babys unter zwei Jahren. Bei Lufthansa bekommen Kinder von 2 bis 11 Jahren beim Check-in kostenlos einen Sitzplatz zugewiesen, die Airline bemüht sich, sie neben einen Erwachsenen zu setzen. Wer sicher zusammensitzen will, reserviert vorab.
Was ist bei Langstreckenflügen mit Baby wichtig?
Auf der Langstrecke ist das Babybett, das sogenannte Bassinet, der wichtigste Komfortgewinn. Es wird vor den Sitzen der ersten Reihe einer Kabine an der Wand befestigt. Bei Lufthansa gibt es Babybetten auf der gesamten Langstreckenflotte für Babys bis acht Monate, 11 Kilogramm und 67 Zentimeter. Sie sind kostenlos, aber nur begrenzt verfügbar, reserviert sie deshalb so früh wie möglich über das Service Center.

Andere Airlines haben eigene Grenzen. Bei Singapore Airlines etwa dürfen Babys bis 14 Kilogramm ins Bassinet, die Plätze werden in Economy und Premium Economy nach Reihenfolge der Anfrage vergeben. Sebastians Erfahrung: Selbst wenn das Baby nicht darin schläft, ist das Babybett eine willkommene Ablagefläche.

Bei der Reiseplanung lohnt es sich, möglichst wenige Umstiege einzuplanen. Sebastian ist mit Baby von München über Stockholm, Moskau und Singapur nach Neuseeland geflogen und rät heute zu direkteren Verbindungen: Jeder Umstieg bedeutet mehr Stress, mehr Risiko für das Gepäck und oft verschiedene Klimazonen. Nachtflüge mit Abflug am Abend passen dagegen meist gut zum Schlafrhythmus des Kindes.
Bestellt bei der Buchung, wenn möglich, ein Babymenü oder Kinderessen, das spart Gewicht im Handgepäck. Vertrautes Essen und ein paar kleine Spielsachen solltet Ihr trotzdem dabeihaben, falls das Bordessen nicht ankommt. Lufthansa bietet an Bord zudem babytaugliches Wasser und wärmt Fläschchen auf.

Wer Meilen gesammelt hat, kann sie für Familien besonders sinnvoll einsetzen: Direktflüge und Premiumklassen sind mit Baby oft den Aufpreis wert, und ein Prämienflug macht sie bezahlbar. Wie Ihr Meilen für Flüge einsetzt, erklären wir im Guide zum Meilen einlösen bei Miles & More.
Wie hilft man dem Baby beim Druckausgleich?
Beim Start und vor allem beim Sinkflug ändert sich der Druck in der Kabine, was bei Babys zu Ohrenschmerzen führen kann. Schlucken hilft beim Druckausgleich: Gebt Eurem Baby beim Start und im Landeanflug die Brust, das Fläschchen oder den Schnuller. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät, das Kind im Sinkflug möglichst nicht schlafen zu lassen, weil es dann weniger schluckt.
Ist das Baby erkältet, können abschwellende Nasentropfen helfen, die Lufthansa etwa 30 Minuten vor dem Abflug und vor der Landung empfiehlt. Klärt vorher mit dem Kinderarzt ab, welche Tropfen für Euer Kind geeignet sind.
Fazit zum Fliegen mit Baby
Fliegen mit Baby ist mit etwas Planung gut machbar. Auf der Kurzstrecke reicht oft der günstige Babytarif auf dem Schoß, wer mehr Komfort und Sicherheit möchte, bucht einen eigenen Sitz mit zugelassener Babyschale. Kinderwagen, Kindersitz und Babynahrung dürfen bei Lufthansa und Eurowings problemlos mit.
Auf der Langstrecke solltet Ihr früh ein Babybett reservieren, direkte Verbindungen und Nachtflüge bevorzugen und ausreichend Zeit am Flughafen einplanen. Denkt rechtzeitig an den eigenen Reisepass für das Baby. Dann steht dem ersten gemeinsamen Flug nichts im Weg.





