Nachdem sich die Gesundheitsminister der Bundesländer in Deutschland auf eine Quarantänepflicht für Reiserückkehrer geeinigt hatten, wurde nun die Dauer der Quarantäne festgelegt, bei der man sich vorerst auf zehn Tage einigte.

Nachdem in Deutschland Anfang August bundesweit kostenlose Coronatests eingeführt wurden, werden diese nun wieder abgeschafft und die Quarantänepflicht ab Oktober erneut eingeführt. Bislang mussten Rückkehrer aus Risikogebieten für 14 Tage in Quarantäne, die sie nur durch Vorlage eines negativen Testergebnisses umgehen konnten. Nun ändern sich diese Regeln deutlich und ernten nicht wenig Kritik, wie unter anderem airliners.de bekannt gaben.

Quarantäne von vierzehn auf zehn Tage verkürzt

Nachdem wir bereits darüber berichteten, dass statt der Testpflicht wieder eine Quarantänepflicht kommen wird, gab der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in einer Pressemitteilung vergangenen Freitag bekannt, dass die Dauer der Quarantäne von 14 Tagen auf zehn Tage verkürzt wird.

Weiterhin soll man die Quarantänepflicht nicht so einfach mit einem negativen Test übergehen sollen. So wird aktuell in der Politik über eine weitere Kürzung auf fünf Tage Quarantäne bei Vorlage eines negativen Covid-Tests diskutiert.

Ich halte es für sehr sinnvoll, die Quarantänezeit auf fünf Tage zu begrenzen. Wir wissen, dass die allermeisten Menschen fünf Tage nach Beginn der Symptome nicht mehr ansteckend sind, auch wenn der PCR-Test noch ein positives Ergebnis ausweist.

Karl Lauterbach, SPD-Abgeordneter
bluttest covid 19
Foto: Emirates

Experten und Branchenvertreter kritisieren indes den Wegfall der Testpflicht scharf. Die Initiative “Wir testen” ist gegen die Kehrtwende der Teststrategie, denn sie sieht in der Testpflicht den “unerlässlichen Kampf gegen eine zweite Welle”.

Spahn wirbt für Ferien im eigenen Land

Die kommende zehntägige Quarantänepflicht wird sicherlich nicht bei allen auf Begeisterung treffen. So wird es bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet (sofern dies nicht erst während der Reise als Risikogebiet deklariert wurde) während der Quarantäne keine Lohnfortzahlung geben, sofern man nicht arbeiten kann. Wie das mit der Home Office Regelung ist, wird bei jedem Unternehmen individuell einstellen. Eine entsprechende Verkürzung der Quarantäne würde so auch auf mehr Akzeptanz in der Bevölkerung treffen, ist sich die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Christine Aschenberg-Dugnus sicher. Jens Spahn fordert in dem Zusammenhang auch die Bürger dazu auf, bei den kommenden Herbst und Winterferien auf Reisen ins Ausland zu verzichten, wie der Stern zitiert:

Wir haben beim Winterurlaub in Ischgl und im Sommerurlaub gesehen, dass zumindest bestimmte Arten von Reisen und Urlauben Risiken mit sich bringen und Infektionen mit zurück nach Deutschland bringen kann. Vielleicht schaffen wir es ja auch alle zusammen, mal für den Herbsturlaub und vielleicht auch gleich für den Weihnachtsurlaub, nicht so weit wegzufahren, sondern einfach mal die Schönheit Deutschlands zu genießen.

Jens Spahn, Gesundheitsminister

Gerade im Hinblick auf die gestiegenen Fallzahlen durch die Reiserückkehrer aus den Sommerferien und die wieder zunehmende Anzahl von Risikogebieten sind doch viele Bürger verunsichert. Für viele sind deshalb flexible Stornierungsmöglichkeiten bei den Hotels wichtig, wie eine Umfrage bei unseren Lesern deutlich machte. Außerdem macht Spahn deutlich, dass ein Ende der Pandemie nicht in Sicht sei. Er rechnet aber damit, dass man in sechs Monaten noch besser mit der Pandemie umgehen könne als im Moment und das bis dahin wohl auch die Möglichkeit von Schnelltests bestehen soll.

Fazit zu der zehntägigen Quarantänepflicht

Die aktuelle Lage der Coronakrise hat sich innerhalb Europas in den letzten Wochen wieder verschärft. Immer mehr Länder sind von RKI und vom Auswärtigen Amt wieder als Risikogebiete eingestuft worden, nachdem dort der kritische Wert von mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern überschritten wurde. Die kostenlosen Testmöglichkeiten wurden bereits abgeschafft und mit der erneuten Einführung der Quarantäne versucht man die Labore wieder zu entlasten. Dass die Quarantänepflicht dem Tourismus wieder schaden wir steht außer Frage. Spannend bleibt es, ob die verkürzte Quarantäne von fünf Tagen wirklich kommen soll, denn dies wäre immerhin ein kleiner Lichtblick für die Branche.

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Autorin

Seit sie 4 Jahre alt ist, reist Julia um die Welt und besucht gerne exotische Orte und weiße Strände. Am liebsten entspannt sie irgendwo am Strand in der Sonne oder genießt beim Windsurfen die Grenzenlosigkeit des Meeres. Nebenbei studiert sie in Berlin Tourismusmanagement. Bei reisetopia möchte sie ihre Erlebnisse gerne mit Euch teilen!

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  • Als nicht in Deutschland wohnhafter möchte ich anmerken, dass auch in meiner neuen Wahlheimat die gleiche Diskussion geführt wird. Schuld an steigenden Coronazahlen sind angeblich die ´Reiserückkehrer´ und die Lösung ist Abschottung und Reisebeschränkungen.
    Kann es denn wirklich sein, dass in jedem Land immer die jeweils aus anderen Ländern Einreisenden (z.B. ´die aus Deutschland´…) das Problem sind?
    Oder sollte man sich nicht vielmehr die Frage stellen, ob das Problem nicht eher die Leute selbst sind, die, wo auch immer, feiern gehen, sich unvorsichtig verhalten und damit an ihrem Aufenthaltsort das Virus verbreiten und es dann auch mit nach Hause nehmen?
    Im Übrigen ist dies wahrscheinlich auch nur eine kleine Minderheit der Reisenden.
    Wie wäre es, wenn man den Begriff ´Reseirückkehrer´ durch ´Partygänger´ ersetzt?
    Das wäre wahrscheinlich treffender im Hinblick auf das eigentliche Problem, würde aber zu gänzlich anderen Lösungsansätzen als Reisebeschränkungen führen.

    • Da bin ich völlig Deiner Meinung und wundere mich täglich, warum von der breiten Masse anscheinend die völlig absurden Gedankengänge die Spahn hier verbreitet, einfach so kritiklos hingenommen und anscheinend oft auch noch für bare Münze genommen werden.

      U.a. aus solchen Aussagen resultierend, hat man teilweise den Eindruck, man müsse sich rechtfertigen, wie man in der momentanen Zeit eine Reise ins außereuropäische Ausland unternehmen könne, was natürlich völliger Unsinn ist!

      Das Wort “Reiserückkehrer” hätte für mich das Potenzial zum Unwort des Jahres, da es ja wie Du schon sagt, überhaupt gar nichts zum Risikoverhalten des Reisenden aussagt. Sehr interessant finde ich, daß das in Deinem Land anscheinend ähnlich läuft wie in Deutschland, mit der Angst vor “dem Ausland”. Interessant bei solch verwunderlichen Gedankengängen ist, daß hier die Infektionsgefahr immer nur bis zu den nationalen Grenzen gesehen wird.

      Das Verhalten von einigen Politikern zeigt seit März leider, in welchem gegenseitigen Vertrauenszustand sich die einzelnen (EU) Staaten scheinbar befinden, was ich persönlich sehr schade finde.

      Möglicherweise möchte Spahn ja schon mal üben um zum Wirtschaftsminister aufzusteigen? Mit seinem fragwürdigen Ratschlag Deutschland nicht zu verlassen, würde er zumindest verhindern, daß Urlauber Geld im Ausland ausgeben und könnte so eine Stärkung der Binnenwirtschaft erreichen. Das Problem, welches er anscheinend nicht sieht, daß diese Urlauber sich dann möglicherweise in deutschen Skigebieten, Weihnachtsmärkten und Karnevalsveranstaltungen durch die daraus resultierende noch größere Menschenmasse infizieren könnten, wäre ja dann nicht im Resort eines Wirtschaftsministers zu lösen…..

      Als Gesundheitsminister jedoch, könnte er mal die Risikoliste gemeinsam mit dem RKI auf ein realistisches Maß reduzieren, insbesondere das außereuropäische Ausland betreffend.

      Und wenn ihm neben solchen Gedankenspielen und dem Erteilen von Ratschlägen noch Dienstzeit verbleibt, so sollte er sich den wichtigen Dingen im Gesundheitssystem widmen, welche weiterhin ungelöst sind. Klatschen allein war für die Angestellten im Gesundheitsdienst noch keine Lösung, wie wir gesehen haben.

  • Wer sowas einführt, der muss auch ehrlich bleiben und “Risiko Gebiete” objektiv betrachten und nicht politisch motiviert, es gibt ganz viele Länder, wo die Schwelle seit langem unter 50 pro 100 000 liegt und trotzdem steht das Land unter Risiko. Man hat quasi indirekt ein Reiseverbot ausgesprochen, die meisten Länder, die als nicht Risiko Gebiete aufgelistet sind lassen auch keinen rein. Ich sehe schon die Verstaatlichung der Reisebranche. Wer nicht verstanden hat, was hier veranstaltet wird, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • Fazit: die Unfähigkeit unser Politiker die Aufgaben in der Corona-Krise zu bewältigen ist unglaublich! Insbesondere Herr Spahn macht zwar einen netten aber komplett desaströsen Eindruck mit seinem Handeln. Es wird alles vom Chaos und Planlosigkeit geleitet. Der unnötige Aktionismus tut sein Übriges ….. das die Bürger das alles „noch“ so hinnehmen ist komisch!

  • Spahn hat also gesehen, daß der Winterurlaub in Ischgl und der diesjährige Sommerurlaub bei zumindest bestimmten Arten von Reisen das Corona Virus nach Deutschland bringen würde, womit er “bei bestimmten Arten von Reisen” sicher recht hat.

    Daraus folgert er dann jedoch völlig unschlüssig und unrichtig für ALLE Reisenden und ALLE Arten des Reisens, daß wir ALLE im Herbst und Winter “die Schönheit Deutschlands genießen” und keinesfalls ins Ausland reisen sollen.

    In der Vorstellung dieses Menschen, scheint die Welt anscheinend sehr einfach aufgebaut zu sein: Ganz Deutschland gut weil Corona frei?Jegliches Ausland extremst problematisch weil nicht Corona frei?

    Ich wehre mich gegen solche Verallgemeinerungen vehement! Sogar innerhalb Deutschlands gibt es regional große Unterschiede in der Virus Verbreitung.

    Vielleicht sollte er mal mit den betroffenen Menschen in den Bergen reden, die dieses Jahr von Menschenmassen betroffen waren. Will er das Ischgl Problem auf deutsche Weihnachtsmärkte übertragen, ist das wirklich besser als an einsamen Stränden in den Tropen, wo man sich im Winter zudem den ganzen Tag im Freien aufhalten kann.

    Kein Minister sollte sich zu solch vordergründigen Allgemein Aussagen in der Öffentlichkeit hinreissen lassen. Wer einen solchen Posten bekleidet und bei einem Sachverhalt zu wenig Einblick in die regionalen Zusammenhänge hat, sollte sich bei seinen Beratern erkundigen, welche das entsprechende Fachwissen sicher haben, bevor er der Bevölkerung eigenmächtig solch fragwürdige Ratschläge erteilt.

    Im Übrigen wäre es an der Zeit, die fast weltweite Reisewarnung, sowie die fast weltweite RKI Risikoliste mal genau anzuschauen und zu bearbeiten.

    Es bleibt nur zu hoffen, daß die heutige Forderung der Spitzenverbände der Deutschen Wirtschaft an die Bundesregierung zu einem Kurswechsel bei den Reisebeschränkungen führen wird, auch wenn dies bei solchen unausgereiften Äußerungen eher unwahrscheinlich erscheint.

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