Der Triebwerksbauer Rolls-Royce hat jüngst Ermüdungsrisse in den Triebwerken einiger Airbus A350 entdeckt. Dabei kommen Erinnerungen an die großen Probleme mit den Dreamliner-Triebwerken des selben Herstellers hoch, doch diese sieht das Unternehmen als ungerechtfertigt an.

Rolls-Royce versucht, Investoren und Betreiber des Airbus A350 hinsichtlich der Auswirkungen der jüngsten Probleme zu beruhigen, welche die Trent-Triebwerksfamilie betrifft. Während die Betreiber der mit dem TRENT 1000 ausgestatteten Boeing 787 mehrere Jahre lang in der Misere steckten und Rolls-Royce aufgrund mehrerer Probleme mit diesem Triebwerk seine Finanzen und seinen Ruf in Mitleidenschaft gezogen hatte, konzentriert sich das jüngste Problem auf den TRENT XWB-84 für den Airbus A350-900.

Rolls-Royce sieht keine Verbindung mit Dreamliner-Triebwerken

Rolls-Royce erklärte, dass Ermüdungsrisse in den Schaufeln des “Zwischendruckverdichters” (IPC) der ersten Stufe bei bestimmten XWB-84-Triebwerken mit höherem Taktzyklus entdeckt wurden. Der Antriebsspezialist hat jedoch schnell eine Verbindung zwischen diesem Problem und denjenigen am Trent 1000 auszuschließen.

Philippine Airlines A350
Foto: Emanuel Fernandez

Während Rolls-Royce weiter erklärte, dass es noch zu früh sei, um die Ursache für die geringere Haltbarkeit zu identifizieren, ist Frank Haselbach, Chefingenieur für die Sparte der großen Triebwerke, “ziemlich überzeugt”, dass die Probleme nicht miteinander zusammenhängen. Haselbach sagt, das Problem sei bei Routineinspektionen von “High-Life”-Motoren – solchen mit 2.300 bis 3.400 Zyklen, die seit vier bis fünf Jahren in Betrieb sind – im Rahmen ihrer ersten Werksbesuche entdeckt worden. Normalerweise würde man erwarten, dass das Bauteil eine doppelt so lange Lebensdauer hat.

Rolls Royce Trent XWB 84
Bild: Rolls-Royce

Etwa 100 der insgesamt 800 Exemplare fallen in diese Risikokategorie, und die Ermüdungsrisse wurden bei etwa einem Fünftel der betroffenen Motoren festgestellt, sagt Haselbach. In jedem Fall waren ein oder zwei Schaufeln gerissen. “Es ist etwas, das wir nicht erwartet hatten, aber es ist definitiv von viel kleinerem Charakter als noch vor ein paar Jahren”, sagt Haselbach mit Blick auf die problematischen Dreamliner-Triebwerke. “Es passiert später und ist viel weniger schwerwiegend” und führte weiter aus:

“Wir sind recht froh, dass wir das Problem gefunden haben, bevor es uns gefunden hat.”

Frank Haselbach, Chefingenieur bei Rolls-Royce

Ein kleinerer Pool von 25 Triebwerken mit “geringerer Lebensdauer” wurde ebenfalls untersucht, wobei keine Probleme festgestellt wurden. Haselbach betont, dass die unterschiedliche Architektur auf dem Trent XWB-97 für den A350-1000 bedeutet, dass es bei der Variante mit höherer Schubleistung “nicht passieren kann”. Weiter würde er die Ingenieure des Herstellers drängen, die Ursache “diesseits von Weihnachten” ermittelt zu haben. Jedoch würde es wohl “ein paar Jahre dauern”, sollten die IPC-Schaufeln neu konstruiert werden müssen, wovon zurzeit nicht auszugehen sei.

Auf die Zyklen kommt es an

Die Triebwerks-Betreiber wurden in einem Ende letzter Woche herausgegebenen Service-Bulletin über die Notwendigkeit eines verschärften Inspektionssystems informiert. Dieses schreibt vor, dass Triebwerke mit über 2.300 Zyklen innerhalb der nächsten 50 Zyklen – dann alle 200 Zyklen – geprüft werden sollten. Exemplare mit niedrigeren Zyklen müssen einmal inspiziert werden, bevor sie 2.300 Zyklen erreichen, dann ebenfalls alle 200 Zyklen. Laut Haselbach dauert dieser Prozess 30 bis 60 Minuten und kann ohne Ausbau des Motors abgeschlossen werden. Eine Lufttüchtigkeitsanweisung der Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union wird am 12. August folgen.

Angesichts des begrenzten Umfangs der zusätzlichen Arbeiten, die voraussichtlich bei bestehenden Werkstattbesuchen erforderlich sein werden, um diesen Verschleiß zu beheben, zusammen mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Ersatztriebwerken, gehen wir nicht davon aus, dass dieses Problem erhebliche Störungen bei den Kunden oder erhebliche jährliche Materialkosten verursachen wird.

Rolls-Royce-Statement

Rolls-Royce rechnet nicht mit einer Wiederholung der weit verbreiteten Probleme, die die Betreiber von mit dem Trent 1000 ausgerüsteten Boeing 787 Dreamlinern erfahren haben, eine Situation, die erst Anfang dieses Jahres endgültig gelöst wurde.

Fazit zu den Triebwerksproblemen bei einigen A350

Rolls-Royce kann sich wohl glücklich schätzen, dass der Triebwerkshersteller das nun entdeckte Problem der A350-Triebwerke früh genug entdecken konnte. Dessen ist sich auch das Unternehmen selbst bewusst, weswegen es nun früh die Betreiber informieren konnte und die notwendigen Checks quasi ‘nebenher’ erledigen will und Dank der Corona-Krise wohl auch kann. Demnach dürfte eine lange Misere, wie es bei den Dreamliner-Triebwerken der Fall war, glücklicherweise ausbleiben.

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  • Allein die Tatsache, daß die permanenten Probleme der Dreamliner Triebwerke komplett verschwiegen wurden, ist ein Skandal. Ich habe in Addis Ababa mehrere B787 von Ethiopian Airlines ohne Triebwerke herumstehen sehen…da wurde das Problem offenbar. Rolls Royce ist kein bischen verantwortungsvoller mit Problemen umgegangen als Boeing mit der unfliegbaren lebensgefährlichen B737MAX. Nur die Geldgier zählt.

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