In einem Punkt ist sich Lufthansa-Group-Chef Carsten Spohr gewissermaßen sicher: Die Corona-Pandemie hat einen nachhaltigen Rückgang des Luftverkehrs zur Folge, was unter anderem auch durch den Rückgang an Geschäftskunden auszumachen ist.

Wie gerade aktuell überall in den Medien verstärkt diskutiert wird, leidet die Reisebranche stark unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Der dadurch bedingte Nachfragerückgang betrifft natürlich auch einige Fluggesellschaften, wie die Swiss, die aktuell insbesondere durch das Ausbleiben der Geschäftsreisenden mit großen Verlusten zu kämpfen hat. Härtere Konsequenzen werden auf die bisher erfolgreiche Schweizer Fluggesellschaft zukommen, die durch den Wegfall großer Konzerne wie Nestlé als wichtigen Geschäftskunden, einer großen Herausforderung gestellt sind, wie die Handelszeitung berichtet.

Dauerhafte Veränderungen in der Luftfahrtindustrie

Leere Flugzeuge, gestrichene Flüge, als auch das zeitweilige Einreiseverbot einiger Länder animierten zahlreiche Unternehmer ihre Mitarbeiter auf Video-Konferenzen umzustellen, die aufgrund der fortschreitenden modernen Technik eine gute Alternative für die Geschäftsreisen darstellen. Messen, Konferenzen oder Schulungen müssten aufgrund der weltweiten Pandemie nach neuen Richtlinien und Standards zur Gewährleistung des Gesundheitsschutzes ausgerichtet werden – ein Aufwand, der aus Sicht der Unternehmen heutzutage einfacher und digital gelöst werden kann. Auch Carsten Spohr äußert sich zu diesen Veränderungen.

Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum im Luftverkehr noch dynamischer von Geschäftsreisenden hin zu Privatkunden verlagert.

Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group
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Diese Veränderungen im Geschäftsreiseverkehr sind allerdings eine Problematik, mit der unter anderem auch die Airline Swiss konfrontiert wird, da die Geschäftskunden mit ihren Business-Class Buchungen mit die lukrativsten Kunden der Fluggesellschaft sind.

Auch Yvonne Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Luftverkehrsmanagement, äußert sich im Handelsblatt.ch kritisch zu den Auswirkungen der Pandemie.

Ich denke, eine gewisse Delle wird sicherlich entstehen, weil viele Firmen merken, dass sie mit Videokonferenzen viel Geld sparen können. Bestimmte Dienstreisen werden auf den Prüfstand gestellt. Und das wird vielleicht einen nachhaltig negativen Effekt auf Geschäftsreisen haben.

Yvonne Ziegler, Professorin für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Luftverkehrsmanagement

Gewinneinbrüche bis zu 40 Prozent durch Entfall der Geschäftsreisen

Basierend auf Informationen des Welttouristikforums WTTC kann die Swiss ihren Nachfragerückgang in Folge der Corona-Pandemie in den folgenden Jahren nur schwer kompensieren, und somit die hervorragend angestiegene Nachfrage nach Geschäftsreisen im Jahr 2019 auch innerhalb der folgenden fünf Jahre nicht erzielen. In den vergangenen Jahren wurden ca. 42 Prozent der Einnahmen bei Lufthansa allein von Geschäftsreisenden finanziert, bei der Swiss sind es schätzungsweise noch mehr. Das WTTC rechnet mit einem Einbruch von ungefähr 14 Prozent aller Geschäftsreisen, was für die Lufthansa Group allgemein einen Gewinnrückgang von insgesamt bis zu 40 Prozent bedeuten würde. Demzufolge dürfte die Swiss mit noch heftigeren Rückschlägen konfrontiert werden, was die Fluggesellschaft veranlassen könnte, über Kabinen-Umbauten nachzudenken – weg von einem starken Fokus auf die Business & First Class.

Hinzu kommt, dass die Swiss ein Viertel der Flotte in den letzten ein bis zwei Jahren erst einige Langstrecken-Flieger mit einer neuen First- und Business-Class an Board ausgestattet hat, was in der gegenwärtigen Zeit und aufgrund des Rückgangs der Geschäftsreisenden kein allzu gutes Investment gewesen sein könnte.

Fazit zur schwierigen Zukunft für die Swiss

Dass die gegenwärtige globale Corona-Krise besondere Auswirkungen für die Luftfahrtindustrie verursacht, haben zahlreiche Airlines, wie die Swiss zu spüren bekommen. Als kompetenter Partner für Geschäftsreisen mit ihrem First und Business-Class Angeboten an Bord leidet die Schweizer Tochtergesellschaft der Lufthansa besonders stark an dem Ausbleiben der Geschäftsreisenden. Eine zusätzlich erschwerende Problematik entsteht durch die neue Sichtweise und Verhaltensänderungen der Unternehmen und Mitarbeiter zum Thema Geschäftsreisen. Man kann gespannt sein, wie sich die Situation der Swiss entwickelt.

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Autorin

Seitdem Karolin als Schülerin an einem Austauschprogramm in Frankreich teilgenommen hat, wächst täglich ihre Begeisterung für das Reisen und Entdecken neuer Länder und ihre Leidenschaft für die französische Sprache.

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  • Ich stimme den beiden Aussagen vollumfänglich zu.

    Wenn man sieht, wie viele Flüge derzeit verzichtbar sind und was mittels Videokonferenzen machbar ist, werden die Geschäftsreisen in Zukunft deutlich weniger werden. In nächster Zeit werden etliche Reiserichtlinien überdacht und angepasst werden; kaum einer wird für ein zweistündiges Meeting morgens von Berlin nach München und abends zurückfliegen. Das wird den Geschäftsreisenden gewiss nicht schmecken, weil da etliche Privilegien verloren gehen.

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