Lufthansa und die Deutsche Bahn haben bereits den Ausbau ihrer Zusammenarbeit angekündigt – diese sieht vor, dass circa 20 Prozent der Inlandsflüge zukünftig durch die Bahn ersetzt werden.

Fluggäste in Deutschland müssen, um das Angebot der Lufthansa ausgiebig nutzen zu können, zu den Drehkreuzen Frankfurt und München gelangen. Bisher setzt die Fluggesellschaft unzählige Inlandsflüge als Zubringer für ihre Kurz- und Langstrecken ein. Die Kritik an diesen Flügen wird immer größer und auch die Lufthansa hat bereits ihr Interesse verlauten lassen, die Zusammenarbeit mit der Bahn auszubauen. Dies wird nun geschehen: Passagiere der Lufthansa können zukünftig ab ausgewählten Bahnhöfen ICE-Sprinter zu und Fast Lanes an den Flughäfen nutzen. Dafür haben beide Unternehmen am heutigen Donnerstag den entsprechenden Aktionsplan unterschrieben, wie Aero berichtet. Ein Inlandsflugverbot wie in Frankreich lehnen beide gleichzeitig ab.

ICE-Sprinter als Zubringer der Lufthansa

Achtung, Wortspiel: Dass die Lufthansa vermehrt auf die Bahn als Zubringer für ihre Langstreckenflüge ab den Drehkreuzen Frankfurt und München setzt, scheint immer mehr ins Rollen zu kommen. Die Fluggesellschaft hat bereits das Interesse bekundet, mehr Inlandsflüge an die Bahn abgeben zu wollen. Aus Gründen der Umwelt, aber auch, weil die Inlandszubringer meist defizitär sind. Das dürfte sich durch die Corona-Pandemie, und das damit verbundene Ausbleiben von Geschäftsreisenden, nicht geändert haben. Doch wie kann die Deutsche Bahn das bewältigen? Eine Frage, die sich nicht nur eine gesamte Branche und die Politik stellt, sondern auch wir.

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Schon aktuell können Lufthansa-Passagiere alternativ auf die Bahn für den Zubringer von und nach Frankfurt sowie München buchen. Andere Flughäfen wie Düsseldorf und Berlin sind bereits an das Fernbahnnetz der Deutschen Bahn angebunden – die Lufthansa hält auf ausgewählten Strecken Zugabteile für ihre Passagiere reserviert. Die Zusammenarbeit soll nun mit dem neuen Aktionsplan beider Unternehmen intensiviert und für die Passagiere der Lufthansa ausgebaut werden. Die Unterschrift leisteten Lufthansa und Deutsche Bahn am heutigen Donnerstag. Damit sollen idealerweise 4,3 Millionen Passagiere zur Bahn im Inlandsverkehr wechseln, was 18 Prozent des gesamten Fahrgastaufkommens der Bahn im Jahr 2019 entsprechen würde. Gleichzeitig wollen Lufthansa und die Deutsche Bahn ein Zeichen gegen Inlandsflugverbote setzen. Frankreich hat sich bereits auf eine entsprechende Gesetzesvorlage in der Nationalversammlung dazu geeinigt.

Wie der Aktionsplan ebenfalls vorsieht, werden auf ausgewählten Strecken noch schnellere ICE-Verbindungen eingesetzt. Außerdem erhalten Passagiere der Lufthansa durchgehende Tickets, Bahnfahrten inklusive. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember sollen Reisende statt von 17 künftig von 22 Bahnhöfen mit solchen Lufthansa-Tickets den Zug als Zubringer zum Anschlussflug nutzen können. Schon heute werden 134 Zubringerzüge täglich ab dem Frankfurter Flughafen angeboten. Ab Juli wird die Anreise zum Frankfurter Flughafen erstmalig mit Lufthansa Express Rail von Hamburg und München möglich sein, ab Dezember dann auch von Berlin, Bremen und Münster.

Durch die Fast Lane schnell zum Abflug

Im Detail soll das wie folgt aussehen: Die Strecken von Düsseldorf, Köln, München und Nürnberg zum Drehkreuz in Frankfurt sollen zukünftig mit sogenannten Turbo-ICE-Zügen, auch als ICE Springer bekannt, bedient werden. Zwischen diesen Orten werden einige ICE-Züge für die Lufthansa mit kürzerer Fahrzeit eingesetzt – weitere Zwischenhalte gibt es nicht. Somit wird die Fahrzeit zwischen Köln und München auf unter vier Stunden verkürzt. Zwischen Frankfurt und München sowie Nürnberg fährt dann jeweils zweimal am Tag ein ICE-Sprinter – die Fahrzeit verkürzt sich um eine halbe Stunde. Davon können auch Fahrgäste der Deutschen Bahn profitieren. Für die Passagiere der Lufthansa werden auch weiterhin gewisse Platzkontingente reserviert. Das größte Problem wird nur immer noch das Gepäck sein. Viele Passagiere äußerten zudem Bedenken für den Fall, dass der Anschlussflug aufgrund einer Zugverspätung verpasst werden sollte. Sollte dieser Fall eintreffen, werden Passagiere dank des durchgehenden Tickets automatisch auf die nächstmögliche Verbindung umbuchen.

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Dafür können Passagiere, die mit der Bahn zum Flughafen reisen, künftig dort den Schnelldurchgang (Fast Lane) nutzen. Die Fast Lane ist ein gesonderter Gang durch die Sicherheitskontrolle und sonst nur Passagieren der Business oder First Class sowie mit entsprechendem Status vorbehalten. Damit gelangen Passagiere deutlich schneller und entspannter zum Abfluggate. Aber auch alle bisherigen Vorteile vor Abflug, wie die Meilengutschrift und der Zugang zu den DB-Lounges für Business- und First-Class-Passagiere bleibt erhalten. Fahrgäste in der 1. Klasse erhalten in den Zügen außerdem ein kostenfreies gastronomisches Angebot. Außerdem: Alle Fahrgäste auf den Zubringerzügen zu den Flügen der Lufthansa erhalten auch hier die doppelten Statusmeilen.

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Passagiere können jedoch nicht an allen Flughäfen von diesen Vorteilen Gebrauch machen. Das zweite Lufthansa-Drehkreuz in München ist nicht ans Fernbahnnetz der Deutschen Bahn angebunden und liegt bis zu 50 Minuten mit der S-Bahn vom Stadtzentrum entfernt.

Fazit zu den Plänen der Lufthansa und der Deutschen Bahn

Die Klimadebatte wurde auch während der Corona-Pandemie nicht vergessen. Schön zu sehen, dass zwei Unternehmen, wie die Lufthansa und die Deutsche Bahn, auch in diesen Zeiten an diesem Problem arbeiten und ihre Zusammenarbeit intensivieren werden, wie heute nochmals bestätigt. Ein erster wichtiger Schritt ist getan, in dem das Reisen mit dem Zug für Passagiere der Lufthansa, unter anderem durch schnelle Zugverbindungen und die Nutzung der Fast Lane, deutlich angenehmer wird. Die Zubringerflüge der Lufthansa in Deutschland werden dennoch nicht verschwinden, auch wenn das Ziel beider Unternehmen lautet, knapp 20 Prozent der Passagiere zum Bahnfahren zu bewegen.

Autor

Alexander Fink ist als Content Editor seit Januar 2021 für reisetopia tätig. Zuvor war er als Account Manager in der Industrie beruflich unterwegs und schrieb von seinen Reiseerfahrungen im eigenen Blog. Heute ist er Euer Ansprechpartner für alle Airline- und Kreditkartenthemen.

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  • Da meine Position ja hinreichend bekannt ist (habe direkt das Tablet aus der Hand gelegt und den PC hochgefahren, um zu antworten), lege ich mal direkt den Finger in die Wunde:

    Eine Anreise aus Hamburg oder München nach Frankfurt zu einem Langstreckenflug – wer macht das bei vierstündiger Bahnfahrt?!

    Die vierköpfige Familie mit dem vielen Gepäck schon mal gar nicht! Und auch das Paar bzw. der Alleinreisende werden das vielleicht mal ausprobieren, dann aber wohl wie bisher mit Zubringerflug reisen; sollte das in Deutschland nicht mehr möglich sein – immerhin sind ab Herbst die Grünen Teil der Regierung (kann ich auch ohne meine Glaskugel sagen, die ist nämlich runtergefallen)- reisen die halt über LHR/AMS/CDG etc. LH hat das Nachsehen und BA/KL/AF freut’s. Außerdem muss auch an outbound-Fluggäste gedacht, also ausländische ankommende Passagiere; der Amerikaner fährt sicher keine vier Stunden Zug zu seinem Endziel in Deutschland – schon gar nicht nach einem zehnstündigen Transatlantikflug. .

    DUS-FRA wäre ja von der Fahrzeit noch in Ordnung, ich will nicht nur in die Suppe spucken.

  • Folgende Punkte sind für mich da immer noch ungeklärt:
    – Entschädigung nach Fluggastrechte-VO bei Verspätung der Bahn? Was ist, wenn man den Zug trotz pünktlicher Ankunft des Fluges wegen verzögerter Gepäckausgabe (oder wer bringt es wo durch den Zoll?) verpasst?
    – Loungezugang am Bahnhof?
    – Verpflegung im Zug für First-/BusinessClassReisende?
    – Handling des Aufgabegepäcks vom Ausgangsbahnhof sowohl hin als auch zurück?
    – Sitzplatzgarantie? Nicht zu vergessen auch auf der Rückreise bei Ankunftsverspätung des Fluges!
    Nach / von FRA könnte ich mir die ganze Sache dann schon vorstellen. Bezüglich MUC und der dorthin notwendigen Fahrt mit der S-Bahn sieht das schon anders aus…

    • Hallo Mike, Deine Fragen sind bereits im Beitrag beantwortet worden. Es sind durchgängige Tickets, insofern bearbeitet die Lufthansa das Ticket entsprechend bei Verspätungen. DB-Loungezugang gibt es für alle Passagiere der Business und First Class, kostenfreie Verpflegung in der 1. Klasse. Aufgabegepäck muss noch selbst bis zum Flug übernommen werden. Die Züge werden aber mit extra Gepäckfächern ausgestattet. Kostenfreie Sitzplätze in eigenen LH-Abteilen in den Zügen gibt es ebenfalls.

      • Leider sind da mehr Fragen offen als beantwortet wurden.

        Ein durchgehendes Ticket ist noch lange keine Garantie, dass einem die entsprechenden Entschädigungsleistungen etc. zustehen. Denn in der VO geht es ausschließlich um Flugreisen, von “Anschlußbahnfahrten” steht da nichts. Zudem müsste dann als “ausführendes Unternehmen” die Bahn die 600€ zahlen.

        Eigene LH-Abteile sind nicht gleichbedeutend mit Sitzplatzreservierung. Wenn voll dann voll. Und wer dann kapazitätsbedingt trotz 1. Klasse-Ticket in der 2. Klasse platznehmen muss (Downgrade, Ausgleichsanspruch?) wird sicherlich keine kostenfreie Verpflegung erhalten.

        Wer die DB Lounges kennt weiss, dass der LH Kunde hier vom Regen in die Traufe kommt. Wenn er denn überhaupt einen Sitzplatz ergattert. Somit dürfte der Loungezugang wohl nur selten realistisch sein.

        Und schließlich wünsche ich all denen viel Spaß, die ihre p.P. bis zu 4x32kg Aufgabegepäck + 2x Handgepäck + ggf. Sondergepäck selber in den Zug verfrachten dürfen, das ganze am besten noch bei einem 2minütigen Unterwegshalt… Nein, ohne Personal, das sich durchgehend ums Gepäck kümmert, wird das nicht funktionieren.

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