Eurowings Discover wagt einen alternativen Weg, um die Passagiere beim Thema Nachhaltigkeit in die Pflicht zu nehmen. Wer seinen Flug kompensiert, kann einen weiteren Flug gewinnen.

Anreiz oder Widerspruch? Die Lufthansa Group verfolgt das Ziel, bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Ohne Mithilfe der Passagiere wird das nicht gelingen. Um sie daher zur Kompensation ihrer Reise zu bewegen, wird der Gewinn einer weiteren Reise mit der neuen Lufthansa-Tochter in Aussicht gestellt, wie FVW berichtet. Das versteckt sich hinter der Idee.

Der Hauptgewinn: Klimaneutralität?

Rubbellose und Partystimmung bei der Landung: jeder, der bereits Ryanair geflogen ist, kennt dieses tägliche Prozedere. Die Einnahmen durch die Lose sollen an wohltätige Zwecke gespendet werden, die Ryanair wiederum nicht offenlegt. Dennoch ist dieser Teil der Bordunterhaltung Vorbild genug, damit die neue Lufthansa-Tochter Eurowings Discover ebenfalls eine Lotterie an Bord einführt – zumindest zu Testzwecken. Anders als bei Ryanair sollen die Einnahmen aber zur Kompensation der CO2-Emissionen genutzt werden. Grund dafür ist, dass die Airline beim Thema Klimaschutz auch die Passagiere in die Pflicht nehmen will. Diese haben bei der Buchung bereits die Möglichkeit, mit einem Klick und einem geringen Aufpreis ihre CO2-Emissionen zu kompensieren. Diese Option wird aktuell aber nur von etwa einem Prozent der Passagiere der Lufthansa genutzt.

21 02 Eurowings Discover Crew 3149 Cropped

Eurowings Discover will umdenken und das Thema spielerisch angehen. Mit einer Lotterie sollen die Passagiere an Bord zur Kompensation motiviert werden. Bisher ist die neue Airline nur auf der Langstrecke unterwegs. Diese Flüge können für 15,50 Euro kompensiert werden, ab sofort und testweise auch an Bord. Wer seinen Flug in der Luft kompensiert, nimmt automatisch an einer Verlosung teil. Zu gewinnen: Ein weiterer Flug mit der Airline und zwar in der Premium Economy. Die gewonnenen Flüge werden zwar von Eurowings Discover selbst vollständig kompensiert, dennoch ist der Gewinn mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 durchaus etwas widersprüchlich.

Eurowings Discover35

Der Versuch soll noch bis April 2022 laufen. Erst dann will Eurowings Discover Bilanz ziehen. Sollte das Projekt Anklang gefunden haben, könnten weitere Airlines der Lufthansa Group nachziehen. Die Lufthansa Group verfolgt das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen zu halbieren und bis 2050 sogar auf null runterzufahren. Der Konzern-Chef Carsten Spohr erklärte jüngst, dass die eigenen Bemühungen allein durch neue Flugzeuge, den Einsatz von nachhaltigem Kraftstoffen (SAF) und optimierten Flugrouten nicht ausreichend sein wird.

Fazit zur Lotterie

Die Lufthansa verfolgt ein klares Ziel: Bis 2050 will der Konzern die Klimaneutralität erreicht haben. Bereits jetzt können Passagiere dabei mithelfen und ihren Flug bei der Buchung kompensieren. Diese Möglichkeit wird bisher aber nur von einem sehr kleinen Anteil der Passagiere genutzt. Um die Motivation zu steigern, können Passagiere auch an Bord ihren Flug kompensieren und dabei automatisch an einem Gewinnspiel teilnehmen. Dabei können sie einen weiteren Flug mit der Airline gewinnen.

Autor

Seit Alex zum ersten Mal im Alter von 3 Jahren geflogen ist, wollte er das Flugzeug eigentlich nicht mehr verlassen. Bis heute riss seine Faszination fürs Fliegen nicht ab, weshalb er sich entschlossen hat, Euch an seinen Erfahrungen und Tipps teilhaben zu lassen.

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  • An welcher Stelle ist verbindlich nachvollziehbar veröffentlicht, welcher Empfänger jeweils welchen Prozentsatz dieser 15,50 erhält und was mit dem Anteil dann jeweils konkret geschieht?

      • Nunja, leider sind die Angaben dort alles andere als konkret.

        Zunächst landet man bei einer LH Tochter, der Lufthansa Innovation Hub GmbH, und findet folgende Aussage: “Compensaid leitet die Beiträge abzüglich der Verwaltungs- bzw. Transaktionskosten an die jeweiligen Projekte weiter.” Über die Höhe keinerlei Angabe.

        Entscheidet man sich nicht dafür, der LH “Biosprit” zu kaufen, sondern weltweite Projekte zu unterstützen, geht es weiter zur schweizer Firma myclimate, die ebenfalls wieder Kosten berechnet. Allerdings wird hier zumindest angegeben, dass diese Kosten max. 20% betragen.

        Alles in allem dürfte also ein nicht unerheblicher Teil der gezahlten Kompensationssummen nicht vor Ort ankommen.

      • Vielen Dank für die Nichtveröffentlichung meiner Antwort.

        War wohl doch zu kritisch darzulegen, wie sich LH mit ihrem “Umweltprojekt” in die eigene Tasche wirtschaftet…

      • Hey Mike, das stimmt so nicht. Da es Wochenende ist, arbeitet der Autor (Alex) gerade nicht und kann somit nicht antworten. Ich habe deine Aussage also extra für ihn offen gelassen, da er sich mit dem Sachverhalt genauer beschäftigt hat und ggf. noch Stellung dazu beziehen kann. Viele Grüße!

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