Die aktuelle politische Situation wird für Fluggesellschaften immer mehr zum Risiko – besonders stark betroffen sein dürften davon die Lufthansa und ihre europäischen Konkurrenten.

In den vergangenen Wochen wurde die Wirtschaft von diversen Ankündigungen rund um Zölle geschockt. Um Fluggesellschaften oder die Reiseindustrie ging es dabei zwar nicht vornehmlich, doch die Sekundäreffekte scheinen die Airlines immer mehr zu treffen, denn die Nachfrage nach Flügen auf den wichtigen Transatlantikstrecken scheint mehr und mehr einzubrechen. Für Airlines wie die Lufthansa wäre das ein Desaster.

Kurzfristige und mittelfristige Nachfrage betroffen

Wenngleich sich noch kein komplettes Bild zeichnen lässt, zeigt sich in den vergangenen Wochen ein immer stärker skizzierter Trump-Effekt, wenn es um die Nachfrage nach Reisen geht. Die kurzfristige Nachfrage auf Strecken zwischen Kanada und den USA ist etwa laut einer Erhebung um mehr als 70 Prozent eingebrochen, was wohl auf die feindselige Stimmung der US-Regierung gegenüber den Nachbarn zurückzuführen ist.

United Airlines Boeing 767 400
In Nordamerika zeigt sich der Rückgang der Nachfrage schon jetzt deutlich

Ganz so stark sind die Effekte auf den Strecken über den Atlantik zwar nicht, doch auch hier zeigen sich die Folgen der Trump-Politik immer stärker. In den vergangenen Tagen haben mehrere Airlines, darunter Marktführer Delta, vor einer rückläufigen Nachfrage gewarnt. Dass die Lufthansa und Swiss ihr Flugangebot nach Nordamerika in den kommenden Monaten vorsorglich bereits reduziert haben, dürfte ebenfalls kein Zufall sein.

Interessant ist dabei insbesondere, dass es wohl nicht rein um den Effekt geht, dass Europäer wegen der komplexen Stimmungslage nicht mehr in die USA reisen. Eine Warnung seitens Virgin Atlantic mit Blick auf die Entwicklung der Nachfrage deutet darauf hin, dass vornehmlich auch die Nachfrage aus den USA in Richtung Europa zurückgeht. Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group, und Ben Smith, in selber Position bei Air France-KLM tätig, wollen einen solchen Effekt zwar bisher nicht bestätigen. Die Entwicklung des Lufthansa-Flugplans spricht allerdings eine andere Sprache.

Wirtschaftlicher Abschwung und feindselige Rhetorik

Überraschen dürfte voraussichtlich ein Rückgang der Nachfrage in beiden Richtungen nicht sein. Manch ein Europäer wird seine Urlaubspläne überdenken, wenn die Rhetorik gegenüber einem ganzen Kontinent feindselig wird. Gleichzeitig wird auch der eine oder andere amerikanische Tourist sich überlegen, nach Europa zu reisen, wenn die Stimmung gegenüber dem “alten Kontinent” so negativ ist.

Delta Air Lines Boeing 767
Im Sommer bauen auch US-Airlines ihr Europa-Angebot deutlich aus

Doch für die Fluggesellschaften dürften zwei andere Faktoren noch viel wichtiger sein als die negative Rhetorik. Zum einen ist da das problematische Investitionsklima, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in anderen Wirtschaftsregionen scheinen so unsicher wie nie. Kommen Zölle oder kommen sie nicht? Wie wird die Zusammenarbeit der Kontinente in Zukunft überhaupt aussehen?

Dies kombiniert mit dem Fakt, dass die Wirtschaft sich generell teilweise im Abschwung befindet und auch die Fundamentaldaten aus den Vereinigten Staaten nicht mehr so positiv sind wie in den vergangenen Jahren, blicken auch Unternehmen immer genauer auf Investitionen und Kosten. Geschäftsreisen über den Atlantik dürfen in dieser Gemengelage deutlich zurückgehen – mit dramatischen Folgen für Fluggesellschaften.

Fatale Situation im wichtigsten Langstreckenmarkt

Die aktuellen Entwicklungen rund um die Nachfrage auf den transatlantischen Strecken dürften dabei insbesondere für die europäischen Airlines dramatisch werden. Schon seit Jahrzehnten ist für die Lufthansa Group, aber auch für British Airways oder Air France-KLM der Markt über den Transatlantik der mit Abstand wichtigste. Gerade die Sommersaison ist hier entscheidend dafür, ob am Ende des Jahres eine schwarze oder rote Zahl in der Bilanz steht.

Lufthansa Airbus A350 Airplane At Munich Airport
Für die Lufthansa sind die Strecken in die USA besonders bedeutend

Nicht umsonst bieten alle drei großen europäischen Airline-Gruppen einen Großteil ihrer Langstreckenverbindungen über den Nordatlantik und dabei vornehmlich in die USA an. Je nach Airline und Verbindung gehen sogar mehr als 70 Prozent des Langstreckenangebots in die USA. Brechen hier auf einmal sowohl die Auslastung als auch die durchschnittlichen Preise ein, dürfte das Geschäftsmodell einiger Airlines in Wanken geraten.

Das gilt umso mehr, als die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, etwa für Flughafengebühren, aber auch für Personal und andere Kosten. Noch fataler könnte für die Airlines zudem werden, wenn die Nachfrage aus den USA einbricht, denn hier werden im Verhältnis zum Abflug in Europa deutlich höhere Preise bezahlt. Fallen diese besonders hohen Ticketeinnahmen in den nächsten Monaten in Teilen weg, könnten einige Strecken und in Verbindung damit auch Weiterflüge innerhalb Europas sowie in andere Weltregionen schnell defizitär werden.

Keine Alternativen mehr für eine Verschiebung

Dass man aus den Führungsebenen von Air France, British Airways oder Lufthansa noch wenig zum Rückgang der Nachfrage über den Atlantik hört, dürfte der Beruhigung dienen. Denn wirkliche Alternativen bleiben den Konzernlenkern in der aktuellen Situation nicht. Zum einen ist die Sommersaison auf dem transatlantischen Markt besonders wichtig. Zum anderen sind die Probleme auch in einem anderen relevanten Markt der vergangenen zwei Jahrzehnte groß.

SWISS A350 900 Sonderlackierung SWISS Wanderlust
Auch die meisten Lufthansa-Töchter steuern primär Nordamerika an

Auf den Routen nach China hat etwa die vormals besonders starke Lufthansa einen Großteil ihres Angebots aufgegeben, weil durch die Sperrung des russischen Luftraums kaum konkurrenzfähige Flüge angeboten werden können. Die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und China ist zudem längst nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit, sodass die Nachfrage auch hier wohl so schnell nicht zurückkehren wird.

Ein Ausbau des Angebots nach Indien oder Südostasien ist ansonsten vermutlich nur in Maßen möglich, dasselbe gilt für Verbindungen nach Südamerika oder Afrika. Keine dieser Weltregionen bringt zudem auch nur im Ansatz vergleichbare durchschnittliche Erträge wie die Verbindungen nach Nordamerika. Es steht im Grunde fest: Eine Alternative zu den besonders wichtigen Strecken in die USA gibt es eigentlich nicht.

Kaum ein Hoffnungsschimmer für die europäischen Airlines

Viel Grund zur Hoffnung gibt es aktuell entsprechend nicht. Einzig eine Veränderung der Politik und auch der Stimmung zwischen den beiden Kontinenten könnte dazu führen, dass die Nachfrage wieder zurückkehrt. Aktuell ist insbesondere die kurzfristige Nachfrage von den Entwicklungen betroffen. Das deutet darauf hin, dass positive Veränderungen auch schnell wieder einen positiven Trend hervorrufen könnten.

SU2C American Airlines
Positive Veränderungen dürften nur eine Politikänderung in den USA bringen

Ob dies allerdings wirklich realistisch ist, darf man infrage stellen. Ein “Deal”, ganz im Sinne des Politikstils von Donald Trump, wäre allerdings wohl nicht nur für die europäischen Fluggesellschaften, sondern auch für die amerikanische und die US-Wirtschaft insgesamt von großer Relevanz. Genau darauf darf man hoffen, dürfte doch insbesondere der innenpolitische Druck eine entscheidende Rolle für die Administration spielen.

Gleichwohl müssen die Fluggesellschaften für das Jahr 2025 wohl deutlich konservativer planen als ursprünglich gedacht. Die Nordamerika-Bonanza der vergangenen Jahre mit konstant steigendem Angebot und immer höheren Preisen scheint allemal vorbei zu sein. Ob nun die große Depression folgt, wird sich in den kommenden Wochen und spätestens bei einem Blick auf die Ergebnisse der Airlines im zweiten Quartal zeigen.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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  • Vielleicht braucht sich die ach so “Hype” Lufthansa ja bald über ihre Geschäfte in den USA auch einfach keine Gedanken mehr zu machen!?!
    Zumindest dann, wenn die LH ihre inzwischen in den Staaten illegale, krampfhafte “Genderei und Wokeness” nicht endlich auf den Prüfstand, des normalen “Menschenverstandes” der Allgemeinheit stellt!

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