Die Zahlen der täglich gemeldeten Neuinfektionen in Indien scheinen gerade zu explodieren. Immer mehr Länder reagieren darauf und verhängen drastische Reisewarnungen – so nun auch Großbritannien und Kanada

Eine neue Virus-Mutante des Corona-Virus sorgt momentan weltweit für Aufsehen und in Indien für einen explosionsartigen Anstieg der Neuinfektionen. Aus Vorsicht vor dieser Mutante verhängen mehrere Länder weltweit strikte Reisehinweise für das Land, wie die Tagesschau berichtet. Grund dafür soll eine sogenannte Doppel-Mutante sein. Nun reagieren auch Großbritannien und Kanada mit weiteren Einschränken. Das Auswärtige Amt hat bereits zuvor reagiert und eine Empfehlung für alle Deutschen in Indien veröffentlicht.

300.000 Neuinfektionen am Tag

Neuester Corona-Hotspot scheint Indien zu sein. Mittlerweile liegt die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei weit über 300.000. Bereits in den vergangenen Tagen lag die Zahl bei über 200.000 Neuinfektionen am Tag. Die Tendenz verheißt nichts Gutes. Auch Experten sind bereits in Sorge wegen möglicher Auswirkungen auch hierzulande. Schuld daran soll eine sogenannte Doppel-Mutante des Corona-Virus sein. Auch wenn die Bezeichnung vermeintlich negativ zu werten ist, handelt es sich hierbei um nichts Außergewöhnliches, wie bereits der Virologe Dr. Christian Drosten klarstellte. Der Indische Rat für Medizinische Forschung hat die grassierenden Varianten in Indien mittlerweile im Blick und verweist auf die britische Virus-Mutante. Auch, wenn über die mögliche Doppel-Mutante nur wenig bekannt ist, ergreifen erste Länder weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Selbst vollständig geimpfte Reisende sollten alle Reisen nach Indien vermeiden.

Statement des CDC

Allen voran haben die USA im Namen des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) Empfehlungen abgegeben und warnen selbst vollständig geimpfte Personen vor Reisen nach Indien. Auch andere Länder haben Maßnahmen zum Schutz vor der möglichen neuen Virus-Mutante ergriffen. So auch Singapur und Hongkong. Reisende aus Indien müssen sich nun in Singapur für drei Wochen statt bisher zwei Wochen in Quarantäne begeben. Hongkong hingegen hat ein zweiwöchiges Landeverbot für Flüge aus Indien verhängt. Nun zieht auch Kanada nach und verhängt ein Flugverbot für alle Flüge von und nach Indien und Pakistan. Das Verbot soll zunächst für 30 Tage gelten – ausgenommen sind Frachtflüge.

Auch in Europa reagieren erste Länder. Großbritannien hat Indien auf die sogenannte Travel Ban List gesetzt, nachdem bereits erste Infektionen mit dem neuen Virus auf der Insel nachgewiesen werden konnte. Der Flugverkehr wird aber anders als in Kanada nicht ausgesetzt. Touristische Reisen sind derzeitig von und nach Großbritannien untersagt. Reisende aus Indien müssen sich in Pflichtquarantäne im zugewiesenen Quarantäne-Hotel begeben.

Indien hat internationales Flugverbot verhängt

Dabei hat Indien selbst schon früh auf die Ausbreitung des Corona-Virus vor einem Jahr reagiert und einen internationalen Flugstopp verhängt, welcher bis Ende April zuletzt verlängert wurde. Dies bedeutet, dass Indien aufgrund der Coronavirus-Pandemie seit über einem Jahr keine kommerziellen Linienflüge mehr zulässt. Reguläre Passagierflüge sind seit dem 25. März 2020 nicht mehr erlaubt. Ausnahmen gelten lediglich für Frachtflüge und Flüge, die speziell von der Generaldirektion Indiens genehmigt wurden. Indien hat mit über 18 Ländern, darunter Deutschland, die USA, Großbritannien, Frankreich, Bangladesch, die Malediven und einige Länder in Westasien, „Travel Bubble“-Vereinbarungen getroffen, um das Reisen für Menschen zu erleichtern. Flüge, die im Rahmen dieser Bubble-Vereinbarungen durchgeführt werden, werden auch weiterhin durchgeführt. 

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Das Auswärtige Amt stuft in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut Indien aktuell als Risikogebiet ein. Durchaus möglich, dass mit der Aktualisierung der Liste am heutigen Freitag Indien als Hochinzidenz- oder sogar Virusvariantengebiet neu eingestuft wird. Schon jetzt hat das Auswärtige Amt aber empfohlen, dass sich Deutsche, die sich gegenwärtig in Indien aufhalten, aufgrund der aktuellen Überlastung des indischen Gesundheitssystems wieder zurück nach Deutschland begeben sollten. Derzeitig sei der Zugang zu intensivmedizinischer Versorgung vielerorts sehr stark eingeschränkt. Diese Empfehlung betrifft auch ausdrücklich Reisende, die bereits vollständig gegen Covid-19 geimpft sind. Damit greift das Auswärtige Amt die Empfehlung der USA auf.

Fazit zu den Reisehinweisen für Indien

Die Lage weltweit bleibt angespannt. Schon seit Monaten treten immer wieder Hotspots wegen neuer Virus-Mutanten auf. Das soll nun auch der Fall in Indien sein. Die britische Virus-Mutante und eine mögliche neue Doppel-Mutante sorgen für einen explosionsartigen Anstieg der Infektionszahlen im Land. Kein Wunder. Tagtäglich drängen sich Millionen Menschen an den Verkehrsknotenpunkten und auch bei religiösen oder kulturellen Zusammenkünften wird kein Abstand eingehalten. Interessanterweise warnen viele Länder selbst vollständig geimpfte Personen vor Reisen nach Indien, da die Lage aktuell zu ungewiss vor Ort sei.

Autor

Alexander Fink ist als Content Editor seit Januar 2021 für reisetopia tätig. Zuvor war er als Account Manager in der Industrie beruflich unterwegs und schrieb von seinen Reiseerfahrungen im eigenen Blog. Heute ist er Euer Ansprechpartner für alle Airline- und Kreditkartenthemen.

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    • Das ist in der Tat etwas verschwurbelt geschrieben, von der FR sollte man besseres erwarten können.

      Impfschutz durch Herdenimmunität, so lese ich das, wird erst ab einer hohen Impfquote erreicht. Bei der “ursprünglichen” Variante sprach man, entsprechend deren Ansteckungsrate, von 66% (= 2/3) oder aufgerundet 70 % durchgeimpfter Bevölkerung; sofern jetzt höher ansteckende Varianten sich durchsetzen, tritt der Schutz erst bei entsprechend höherer Durchimpfung ein, weshalb eben für die Impfung auf breiter Basis weiter geworben ist.

      Ich weise darauf hin, dass man inzwischen (nach 1. + 2. Welle) den ursprünglichen Stamm bereits ziemlich gut im Griff hatte (wegen der Nachverfolgung und der weiteren Maßnahmen, nicht wegen der damals noch nicht stattgefundenen Impfung!), jetzt in der 3. Welle haben wir es hauptsächlich mit der “neuen”, höher ansteckenden britischen Variante zu tun.

      Ein weiterer Aspekt, der in dem Artikel angesprochen wurde, ist, dass “wir” Indien und anderen ärmeren Staaten (ja ich weiß, die haben Geld genug für “die Bombe”, aber die sind halt kulturell bedingt schicksalsgläubig, was Krankheiten angeht) bei der dortigen Impfkampagne helfen sollen, da die DORT tobende weitgehend ungebremste Epidemie mit den neuen Stämmen, so sie nicht schnell und wirksam bekämpft wird, Gelegenheit zu neuen, vielleicht noch gefährlicheren (und irgendwann immunen) Mutationen bietet.

      So sind die jetzigen gefürchteten Varianten hauptsächlich dort entstanden, wo es eben (lange) keine wirksamen Gegenmaßnahmen gegeben hat (GB, Brasilien, Indien, Südafrika und sicherlich noch einige jetzt noch nicht relevante Herde).

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