Erst gestern hat die EU-Kommission die Verschärfung der Slotregeln zum Winterflugplan angekündigt. Nach Ansicht der Lufthansa sind diese nicht realisierbar und plant deshalb mit Leerflügen.

Die Passagierzahlen in den Sommermonaten steigen wieder an. Deutsche Flughäfen dürfen zum Teil pro Tag wieder mehr als 50.000 Passagiere abfertigen. Grund zum Durchatmen gibt es aber noch lange nicht. Dementsprechend bereitet die Ankündigung der EU-Kommission, die Nutzungspflicht von Slots zum Winter zu verschärfen, vor allem bei der Lufthansa wieder Kopfzerbrechen. Wie aero berichtet, sieht die Airline im Falle der Umsetzung nicht von Leerflügen ab. Gegenwind zum Vorhaben kommt aber nicht aus allen Lagern.

Kontroverse Verschärfung

Gestern berichteten wir bereits, dass die EU-Kommission die Verschärfung der Slotregeln zum kommenden Winterflugplan anstrebt. Aktuell beträgt die Nutzungspflicht aller Slots lediglich 25 Prozent – vor der Corona-Pandemie waren Airlines dazu angehalten, ihre Slots zu 80 Prozent zu nutzen. Laut aktuellen Plänen geht es um die Erhöhung der Nutzungspflicht von 25 auf 50 Prozent zum Winterflugplan zwischen November 2021 und April 2022. Trotz steigender Passagierzahlen auch für die Lufthansa ein kaum realisierbarer Wert. Dementsprechend keimt das Thema Leerflüge bereits wieder auf. Eine Sprecherin der Lufthansa teilte mit:

Da der Luftverkehr sich nach wie vor nicht normalisiert hat, sind auch für den Winterflugplan weitergehende Ausnahmeregelungen für die Slotvergabe nötig. Die Ankündigung der EU Kommission von 50 Prozent reicht nicht aus. Die verabschiedete Regelung birgt die Gefahr, dass Airlines mit leeren Flugzeugen fliegen müssen, nur um ihre Slots zu sichern.

Statement gegenüber aero.de

Der IATA-Generaldirektor Willie Walsh äußerte sich ebenfalls zum Vorhaben der Europäischen Union und wirft Ihr vor, “jeden Bezug zur Realität verloren” zu haben. Die Verschärfung der Nutzungspflicht würde eine gewisse Ironie mit sich bringen, da erst kürzlich das neue Klimapaket “Fit for 55” vorgestellt wurde. Das Thema Klima spielt auch bei der Lufthansa eine Rolle. So fügte die Sprecherin der Airline an, dass die verschärften Pflichten Klima und Airlines schaden würden. Dabei verweist sie auf andere Länder, die hier pragmatischer vorgehen würden.

Ryanair und Co. befürworten Verschärfung

Schon Anfang des Jahres waren Leerflüge ein großes Thema bis in die Chefetage des Konzerns. Schon damals sah Airline-Chef Carsten Spohr keinen anderen Ausweg, und zog daher in Erwägung 9-Euro-Tarife für Flüge anzubieten, sollte Lufthansa umweltschädliche Leerflüge durchführen müssen, um ihre Slots zu bewahren. Immerhin würden die günstigen Tarife vielleicht den ein oder anderen Passagier mehr an Bord holen, anstatt leer zu fliegen. Der Vorstandschef der Lufthansa Gruppe sieht sich verpflichtet, Geisterflüge wahrzunehmen, sofern die “Use it or lose it”- Regel wieder in Kraft treten wird.

Lufthansa Slots

Gegenwind erhält die EU-Kommission jedoch nicht aus allen Lagern. Vor allem die Low-Cost-Carrier Ryanair und Wizzair plädieren bereits seit geraumer Zeit für eine Rückkehr zu den alten Regeln. Zudem begrüßt auch die Airportlobby das Vorhaben. Der Chef des Flughafenverbands ACI Europe befürwortet die Verschärfung und bezeichnet diese als gelungenen Zwischenschritt zurück zur ursprünglichen Regelung. Nach Sicht des Verbands solle spätestens im Winterflugplan 2022/2023 die 80/20-Regelung wieder gelten.

Fazit zu den Ankündigungen

Die EU-Kommission möchte zum kommenden Winterflugplan die im Rahmen der Corona-Pandemie gelockerten Slotregeln wieder verschärfen. Die Nutzungspflicht soll von 25 auf 50 Prozent angehoben werden. Während einige wenige Fluggesellschaften und Verbände diesen Schritt begrüßen, kann die Lufthansa und der Airline-Verband IATA diese Maßnahme nicht nachvollziehen. Die aktuellen Passagierzahlen würden diese Maßnahme noch nicht vorgeben. Leerflüge drohen damit auch bei der Lufthansa. Dies würde aber im Gegensatz zum jüngsten Klimapaket der Europäischen Union stehen. Eine endgültige Entscheidung dürfte wohl noch zu erwarten sein.

Autor

Seit Alex zum ersten Mal im Alter von 3 Jahren geflogen ist, wollte er das Flugzeug eigentlich nicht mehr verlassen. Bis heute riss seine Faszination fürs Fliegen nicht ab, weshalb er sich entschlossen hat, Euch an seinen Erfahrungen und Tipps teilhaben zu lassen.

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  • Betrifft halt Airlines wie LH stärker wie Ryanair … solange die schwachsinnigen Reisebeschränkungen in diesem Maße erhalten bleiben ist das alles Problematisch.
    Lösung ist ganz einfach: Reisebeschränkungen viel weiter runter fahren … ich halte ein Selbdttest vor Abflug für ausreichend (für ungeimpfte) … alle anderen Einschränkungen sind unverhältnismäßig !

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