Die Debatte um Klimaschutz und Flugverkehr ist dieser Tage nicht nur in Deutschland ein großes Thema. Auch in unserem Nachbarland, den Niederlanden macht man sich Gedanken um einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema Fliegen. Aus diesem Grund ersetzt die niederländische Airline KLM ab 2020 eine ihrer Ultrakurzstrecken durch eine Zugverbindung.

KLM engagiert sich für nachhaltigeren Flugverkehr

Die niederländische Airline setzt sich bereits sehr längerer Zeit für einen verantwortungsbewussteren Umgang mit dem Thema Fliegen ein. Gemeinsam mit einer Universität arbeitet man an einem neuen Flugzeugmodell und auch bei der Produktion von Bio-Kerosin engagiert sich KLM bereits stark.

Anfang Juli startete die Airline schließlich eine neue große Werbekampagne. Die dem Thema Nachhaltigkeit gewidmete Kampagne trägt den Namen “Fly Responsibly”. Passend zum Namen ruft sie die Menschen dazu auf, bewusst darauf zu achten, ob jede einzelne Flugreise wirklich notwendig ist. Dazu schlägt die Airline auch gleich mehreren Alternativen zum Flugzeug vor. Für kürzere Strecken wird der Zug angepriesen, für regelmäßige Meetings schlägt KLM den Einsatz von Videokonferenzen vor.

KLM Embraer 175

Die Reaktionen auf die Kampagne sind laut Aussage von KLM gemischt. Es habe aber deutlich mehr positive als negative Reaktionen gegeben, wird KLM-CEO Pieter Elbers zitiert. Zwar gebe es weiterhin zahlreiche Kunden, die nicht auf das Fliegen verzichten wollen, doch könne man einen deutlichen Anstieg der Passagiere verzeichnen, die ihre Flugreise kompensieren. Dazu bietet KLM ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm an, zu dessen Gunsten Passagiere im Laufe der Buchung einen gewissen Geldbetrag zum Ticketpreis hinzuaddieren können. Auch bei Geschäftskunden gewinne dieses Konzept immer mehr Zuspruch, so Elbers.

Kurzstrecken sind immer wieder Streitpunkt bei KLM

Natürlich gab es in diesem Zusammenhang aber auch negative Reaktionen. Abseits der üblichen Gegner dieser Diskussion warfen einige Kunden KLM vor, Kurzstreckenflüge auf Dauer abschaffen zu wollen, um mehr Slots für Langstreckenflüge am Flughafen Schiphol zur Verfügung zu haben. Diese Vorwürfe weist Elbers allerdings zurück. Die Überprüfung von Slots gehöre zwar zum täglichen Geschäft der Airline. Mit der Kampagne wolle man Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und gegenüber der Natur zeigen.

Die Kurzstrecken der Airline sind ohnehin schon seit längerer Zeit ein großer Streitpunkt. Insbesondere die Ultrakurzstrecken der Airline stehen dabei immer wieder in der Kritik. Gerade die Verbindung zwischen Amsterdam und Brüssel wird dabei besonders oft ins Visier genommen. Tatsächlich liegen die beiden Hauptstädte nur etwa 173 Kilometer voneinander entfernt. KLM bedient die Verbindung bisher fünf Mal täglich. Allein 2018 bedeutete das 3.446 Flüge der Airline zwischen Amsterdam und Brüssel, die insgesamt rund 277.000 Passagiere beförderten.

Züge könnten Flugzeuge zwischen Amsterdam und Brüssel ersetzen

Bei den meisten der Passagiere handelt es sich um Umsteigepassiere, die entweder in Amsterdam oder Brüssel umsteigen. Rund 80 Prozent aller Kunden, die zwischen den beiden Städten reisen, entscheiden sich dabei für einen Flug. Die restlichen 20 Prozent entscheiden sich für die Thalys-Schnellverbindung, die Brüssel und Amsterdam in rund 90 Minuten verbindet. Geht es nach KLM-CEO Elbers, könnte diese Zahl deutlich höher liegen. “Wenn die Zugverbindungen besser wären, würden wir morgen aufhören nach Brüssel zu fliegen”, sagte Elbers kürzlich im Interview mit aero.de.

Thalys

Dabei geht es Elbers zum einen um die Fahrtzeit, die man weiter reduzieren möchte, indem die Züge weniger oft halten. Doch auch das Thema Ticket, Boardkarte und einfache Gepäckbeförderung spiele hier eine Rolle. KLM sei aber bereits in Verhandlungen mit Regierungen und den Bahnunternehmen, um einen gemeinsamen Plan zu entwickeln. Dass ein solches Konzept funktionieren kann, zeigt sich bei der Konzernschwester Air France. Die französische Airline setzt schon jetzt auf integrierte Zugverbindungen zwischen den Flughäfen in Brüssel und Paris (CDG), obwohl diese deutlich weiter auseinanderliegen als Amsterdam und Brüssel.

Ein erstes Ergebnis scheint indes schon erkennbar. Mit dem Sommerflugplan 2020, also ab dem 29. März 2020 will KLM auf einen täglichen Flug nach Brüssel verzichten. Stattdessen soll die Kapazität mit einem Thalys-Zug abgebildet werden. Damit wolle man nicht nur seinen eigenen Bestrebungen Tribut zollen, sondern die Verbindung soll auch eine Möglichkeit sein, weitere Erfahrungen im Zusammenhang mit Air&Rail zu sammeln. Die restlichen vier täglichen Verbindungen zwischen Amsterdam und Brüssel bleiben vorerst unverändert.

Fazit zum Wegfall eines Amsterdam–Brüssel Umlaufs

Ab dem Sommer 2020 gibt es eine tägliche KLM Verbindung zwischen Amsterdam und Brüssel weniger. Das kündigte die niederländische Airline vor wenigen Tagen an. Stattdessen will man die Kapazität mit Schnellzügen abbilden, die zwischen den Flughäfen verkehren. KLM will damit ein Stück Weg in Richtung nachhaltiger Flugverkehr gehen. Zwar bleiben die vier restlichen Verbindungen zwischen den Hauptstädten bestehen, doch auf lange Sicht arbeitet man an einer Lösung, auf der Strecke gänzlich auf Flüge verzichten zu können. Erwartungsgemäß waren die Reaktionen auf diese Ankündigung eher gemischt, doch KLM scheint sich seiner Sache sicher zu sein.

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  • Was soll man dazu sagen? Eine Fluggesellschaft zeigt ihren potentiellen Kunden Alternativen zum Fliegen auf … Dahinter kann doch wirklich nur, wie vermutet, der Geschäftsgedanke stehen, durch den Erhalt freier Slots neue Langstreckenverbindungen zu etablieren, die gewiss gewinnbringender sind.

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