Seit November 2019 laufen die Verhandlungen über die Übernahme der spanischen Fluggesellschaft Air Europa durch die Iberia-Mutter International Airlines Group (IAG). Nun hat der derzeitige Eigentümer beschlossen, die Flotte zu reduzieren.

Fast ein Jahr ist es her, dass der spanische Luftfahrtkonzern IAG ankündigte, die ebenfalls spanische Fluglinie zu übernehmen. Seitdem scheiterte der ursprüngliche Deal aufgrund der Corona-Krise, die seit Anfang des Jahres den weltweiten Flugverkehr fast komplett stoppte und den ursprünglichen Wert von Air Europa deutlich minderte. Inmitten der Verhandlungen über den Kauf der Airline muss Air Europa nun seine aktuelle Flugzeugflotte um fast ein Fünftel verkleinern. Die Maßnahme ist notwendig, um die Existenz der Airline zu sichern. Diese wäre besonders bedroht, sollte der Deal mit der IAG erneut scheitern, wie aerotelegraph berichtet.

Jedes fünfte Flugzeug wird gestrichen

Der Grund für die drastische Verkleinerung des Flugzeugparks ist ein zu erwartender Jahresverlust von rund 380 Millionen Euro. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist der weltweite Flugverkehr drastisch gesunken. Air Europa leidet besonders unter der Krise, denn die Spanier fokussieren sich vor allem auf Flugstrecken nach Nord-, Mittel- und Südamerika. Diese Reiseziele sind für den europäischen Markt noch stärker von den Auswirkungen des Virus betroffen als andere Regionen. Dies liegt an Einreisebeschränkungen sowie besonders hohen Fallzahlen.

Derzeit zählt die Flotte 66 Flugzeuge, darunter die hauptsächlich geleasten Flugzeugmodelle ATR 72, Embraer E195, Boeing 737-800, Boeing 787 und Airbus A330. Welche Modelle aussortiert werden, gab der Chef der Airline, Javier Hidalgo, noch nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um bis zu 14 Flugzeuge handelt.

Air Europa Boeing 787 Dreamliner

Aktuell ist Hidalgo im Gespräch mit Boeing über die weitere Vorgehensweise. Es war noch eine Lieferung von 25 Maschinen des amerikanischen Flugzeugherstellers für die Spanier geplant, die nun jedoch nicht mehr benötigt werden.

Übernahme durch IAG

Die Flottenreduzierung findet inmitten der Verhandlungen mit IAG statt. IAG kündigte vor der Krise an, Air Europa zu kaufen. Der Kauf galt als besonders interessant, da IAG Madrid als europäischen Hub weiter ausbauen will. Der geplante Käufer hat seinen Sitz in der spanischen Hauptstadt und besitzt unter anderem bereits die spanische Fluglinie Iberia. Für IAG scheint die geplante Verkleinerung aber in die Karten zu spielen: Auch IAG ist gerade dabei, die Flotten ihrer Airlines wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu minimieren. 

Aber nicht nur die Flotten werden bei IAG aktuell minimiert, so werden auch immer mehr Leute im Zuge der Krise entlassen. So war zum Beispiel schon Ende April klar, dass bei British Airways beispielsweise 12.000 Jobs in Gefahr sind. Genaue Zahlen sind zwar nicht bekannt, jedoch rechnet man bei IAG insgesamt mit mehreren tausend Stellenstreichungen und Entlassungen bis Ende des Jahres.

Fazit zu der Flottenreduzierung der Air Europa

Die Maßnahmen von Air Europa, ihren Flugzeugpark zu verkleinern, sind auf die Krise am Markt durch die Coronapandemie zurückzuführen. Damit sind sie nicht die erste Airline, die diesen Schritt gehen muss. Auch IAG selbst, die seit November letzten Jahres plant, Air Europa zu kaufen, streicht derzeit Flugzeuge aus den Flotten ihrer Airlines, zu denen unter anderem Iberia und British Airways gehören. Nur so haben Fluglinien die Chance, die Krise zu überstehen. Ob die Flottenreduzierung die Rettung für die spanische Airline ist und ob und welche Auswirkungen die Maßnahme auf den geplanten Kauf durch IAG haben wird, bleibt abzuwarten.

Autorin

Auslandsaufenthalte in den USA und Spanien, diverse Europa- und Nordamerikareisen und eine Ausbildung im Tourismus machten Clara zu der Weltenbummlerin, die sie heute ist. Mittlerweile studiert sie Journalismus und kann, wenn sie bei reisetopia über das Reisen schreibt, ihre beiden Leidenschaften vereinen.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.