Bei reisetopia berichten wir tagtäglich über die wichtigsten Geschehnisse aus der Reisebranche, stellen die exklusivsten Luxushotels vor und berichten viel über eigene Erlebnisse – meist mit einem Hotel-, Airline- oder Lounge-Bezug. Weniger in den Fokus rücken dabei die Destinationen selbst – und das, obwohl es so viel zu erzählen gibt, was nicht in Reiseführern steht!

In dieser Kolumne betrachtet daher jeweils ein reisetopia Autor eine neue Destination aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Ganz ungefiltert – ganz real. Sei es, die Enttäuschung über den Strand voller Plastikmüll, die Warteschlangen vor den beliebtesten Fotospots oder die überraschenden Begegnungen an Orten, von denen man nicht viel erwartet hat. Heute spricht Tobi ganz ungefiltert über seine Erfahrungen in Thailand.

Überforderung in Bangkok

Als Südostasien-Liebhaber stand Thailand schon immer ganz weit oben auf meiner Bucket List. Nach einigen Reisen nach Singapur sowie Indonesien war ich gespannt, was Thailand zu bieten hat. Voller Vorfreude aber mit gemischten Erwartungen ging es im August 2019 für drei Wochen mit dem Rucksack nach Thailand. Ich wollte möglichst viel entdecken und mich nicht länger an einem einzelnen Ort aufhalten. Hätte ich damals gewusst, dass es bis dato die letzte richtige Auslandsreise sein wird, wäre ich wohl besser noch weitere Wochen vor Ort geblieben.

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Nach einer unbeschwerten Anreise in der Qatar Airways Business Class tauchte ich ins Abenteuer Bangkok ein – und das geht schon direkt am Flughafen los. Mein “erstes Mal” Thailand begann in einem Hotel, das wohl inoffiziell auf der falschen Seite des Flusses Chao Phraya lag. Die Anbindung war sehr schlecht, sodass ich ein Taxi vom Flughafen wählte, welches in Südostasien eine sehr günstige Fortbewegungsmethode ist. Aufgrund anfänglicher Sprachbarrieren konnten wir uns mit Händen und Füßen darauf verständigen, dass der ältere Herr die schnellstmögliche Route zum Hotel wählt. Schnellstmöglich bedeutete dann rund 80 Minuten, denn der Verkehr in Bangkok ist mit Nichts auf der Welt zu vergleichen. Nie zuvor habe ich ein größeres Durcheinander gesehen als in Thailands Hauptstadt.

Bangkok Ungefiltert 2

In Bangkok fühlte ich mich tatsächlich unwohl. Das lag weniger an den klimatischen Bedingungen, an die ich mich erstmal wieder gewöhnen musste, sondern viel mehr an der durchgängigen Hektik. Gefühlt ist alles in Bangkok laut, schrill und schnell. Sei es der Verkehr an Land oder auf dem Fluss, die Straßenhändler oder der ohrenbetäubende Lärm an der Khan San Road. Apropos Fluss – eine Fahrt mit den Wassertaxis ist dennoch ein absolutes Muss.

Bangkok Ungefiltert

Ein Urlaubsparadies ist Bangkok nicht, das erwartet man von einer Millionenstadt auch nicht. Vielleicht vergleiche ich unbewusst Bangkok auch zu sehr mit meiner Lieblingsstadt Singapur. Versteht mich nicht falsch – Bangkok ist vielseitig und hat neben unzähligen Tempelanlagen wie dem Wat Arun oder dem Wat Pho eine Vielzahl an interessanten Orten zu bieten. Leider habe ich es nicht geschafft, die schwimmenden Märkte in Damnoen Saduat oder den Flugzeugfriedhof zu besuchen.

Chiang Mai als Wohlfühloase

Nach drei aufregenden Tagen in Bangkok fuhr ich nach Chiang Mai. Chiang Mai ist die größte Stadt im Norden Thailands und hat in ihrer Umgebung etliches zu bieten. Chiang Mai befindet sich etwa eine Flugstunde oder rund 14 Zugstunden nördlich von Bangkok. Ich wählte nicht ganz freiwillig die Fahrt mit dem Nachtzug – im Nachhinein war es jedoch ein aufregendes Erlebnis. In Chiang Mai angekommen bezog ich eine Unterkunft im historischen Stadtkern der Stadt, das eine Vielzahl sehenswerter Tempel- und Gartenanlagen beherbergt. Der älteste Tempel ist der Wat Chiang Man. 1297 wurde der Wat Chiang Man als erster Tempel der Stadt erbaut und befand sich nur wenige Meter von meiner Unterkunft entfernt.

Chiang Mai Tempel
Chiang Mai

Die Tempelanlagen sind alle fußläufig im Zentrum der Stadt zu erreichen. Sie gelten als Ort der Ruhe und des Friedens. Friedlich bestaunen Einheimische sowie Touristen die prunkvollen Tempelanlagen.

Chiang Mai Ungefiltert

In der Umgebung befinden sich weitere wunderschöne Tempelanlagen sowie Nationalsparks, die versteckte Wasserfälle beherbergen. Die Straße führt schnurstracks in die Berge, hier macht das Fahren richtig viel Spaß. Obacht – Fahren ohne internationalen Führerschein kostet Euch 500 Thailändische Baht.

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Wasserfall Chiang Mai

Der Wat Phrathat Doi Kam gilt dabei als einer der wichtigsten Tempel des Landes.

Tempel Chiang Mai
Goldener Tempel Chiang Mai
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Der Norden Thailands ist für seine Elefanten bekannt. Mein größter Wunsch war es frei lebende Elefanten zu “besuchen” – fernab dieser unsäglichen Elefanten-Parks, zu denen Massen an Touristen strömen. Hier müssen Elefanten Kunststücke aufführen und gut genährte Menschen von A nach B tragen. Aufgrund dubioser Angebote sogenannter Touristenführer habe ich mir lediglich einen einzigen Elefanten angeschaut. Meine persönliche und eindringliche Bitte an unsere Leser – sucht keine dieser Elefanten-Parks auf, wo die Tiere gequält werden oder in Ketten gelegt sind.

Chiang Mai Elefant

In besonders positiver Erinnerung sind mir die Nachtmärkte geblieben. Die sind zwar leicht touristisch angehaucht, aber besonders das Street Food hat es mir nachhaltig angetan. Hier werden wirklich die bestmöglichen Leckereien angeboten!

Tatsächlich habe ich Chiang Mai nicht sonderlich touristisch in Erinnerung habe ich mich vom ersten Moment an so richtig wohlgefühlt. Der technologische Fortschritt erhält aber auch im Norden Thailands immer mehr Einzug, sodass außerhalb der historischen Altstadt immer mehr Shopping Malls gebaut werden.

Inselhopping und ein wenig Luxus

Nach erholsamen Tagen mit vielen neuen Eindrücken konnte ich es kaum erwarten, endlich an den Strand zu fliegen. Mit Bangkok Airways flog ich über Bangkok nach Koh Samui, wo ich für zwei Nächte das einzigartige Conrad Koh Samui gebucht hatte. Ein ausführliches Review zu diesem Hotel haben wir bereits, also erspare ich Euch die Einzelheiten. Ein kurzer Aufenthalt in einem derartigen Luxushotel bringt viele Vorteile mit sich, jedoch auch einige wenige Nachteile. Ich wollte meine Zeit auf dem Hotelgelände ausgiebig zum Entspannen nutzen und meine Seele am Pool oder am Strand baumeln lassen.

Conrad Koh Samui Villa Terrace 6

Das gelang mir auch in vollsten Zügen. Dafür konnte ich von der Insel nur wenig entdecken. Bis auf eine (Kletter)-Tour zu einem Wasserfall habe ich leider nicht viel von der Insel gesehen.

Koh Samui

Das wahre Paradies konnte ich auf der Nachbarinsel Koh Phangan vorfinden. Koh Phangan, Heimat der berühmt-berüchtigten Full Moon sowie Half Moon Partys, bietet dem Entdeckerherz so einiges. Flache, weiße Sandstrände, die im Gegensatz zu Bali frei von Müll sind, atemberaubende Küstenstraßen, wildlebende und teilweise richtig angriffslustige Affen, Nachtmärkte sowie erstklassige Viewpoints.

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Koh Phangan wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich touristisch. Auf den zweiten Blick finden sich jedoch typische Touristen-Dörfer samt Massage-Salons oder Beerpong-Bars wieder. So beispielsweise im Dorf Haad Rin im Süden der Insel. Hier befinden sich jedoch auch kilometerlange Sandstrände, die zum Verweilen einladen. Ihr solltet Euch jedoch vor den Haad Rins schützen – Haad Rins sind nicht etwa die Bewohner, sondern kleine Sandfliegen oder Wassermücken, die Euer Bestes wollen. In dem Fall Euer Blut.

Die Abendstunden solltet Ihr auf dem Nachtmarkt von Thong Sala, der Hauptstadt der Insel, verbringen. Neben richtig leckeren Speisen kommt Ihr bei kühlen Getränken sogar ganz einfach ins Gespräch mit Einheimischen.

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In unmittelbarer Nähe zu Koh Phangan befindet sich im Übrigen der Nationalpark Mu Ko Ang Thong. Den Nationalpark erreicht Ihr mit einem Speedboot nach ungefähr 60 Minuten. Ich habe vor Ort eine geführte Tour gebucht. Schnorcheln, Kayak fahren, tolle Aussichtspunkte und ein leckeres Essen. Was sich sehr touristisch anhört, sollte sich als eine der schönsten Momente der gesamten Reise herausstellen. Der Nationalpark wurde von sehr wenigen Booten angefahren. Es scheint so, als würde die Regierung den Zutritt auf eine gewisse Anzahl an Personen regulieren, was dem Erhalt der Natur durchaus dienlich ist.

Nach fünf wunderschönen Tagen zog es mich für drei Tage auf die Nachbarinsel Koh Tao. Koh Tao ist deutlich kleiner als Koh Phangan. Entsprechend weniger hat die Insel zu bieten. Was mir auch hier positiv auffiel – die Insel ist sehr sauber. Müll findet sich – wenn überhaupt – in den Häfen wider, die Strände, die Straßen und auch die Natur sind wenig von Müll belastet.

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Einer dieser wunderschönen Strecken ist die sogenannte Sharks Bay. Diese Bucht trägt ihren Namen nicht umsonst. An diesem flachen Strand konnte ich in die Unterwasserwelt abtauchen. Neben farbenfrohen Fischen konnte ich unter anderem Drückerfische erblicken, die in der Paarungszeit sogar richtig aggressiv gegenüber Tauchern werden können. Das Highlight sollten mehrere Schwarzspitzen-Riffhaie darstellen, die ausgewachsen bis zu zwei Meter lang werden können. Fortan kann ich behaupten, dass ich mit Haien getaucht bin.

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In der Sharks Bay wartete noch ein weiteres Highlight – ein Fels, von dem man in das Meer springen konnte. Aus rund acht Metern konnte ich ins Wasser springen – mit drei betrunkenen Neuseeländern – mein Zustand spielt dabei keine Rolle. Ein Singha Bier kostet übrigens nur rund 1,50 Euro. Allgemein ist das Preisniveau für hochwertiges Streetfood, gesunde Smoothies und weniger gesundes Bier sehr niedrig.

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Wenngleich ich nur drei Tage auf Koh Tao war, haben wir die Tage irgendwie gereicht. Ich habe mich von Anfang an nicht so richtig wohlgefühlt. Es kann daran liegen, dass meine Pension nahe der Party-Hochburgen und Pub Crawls lag. Liegt es also am mangelnden Schlaf, dass ich mich dort nicht so richtig wohlgefühlt habe? Ich glaube, dass ich höhere Erwartungen an die Insel hatte. Erinnerungen an Bangkok kamen hoch. Die Erwartungen an diese Metropole waren viel höher, als ich es in wenigen Tagen erlebt habe. Ich muss mir die Frage stellen, ob wenige Tage vor Ort ausreichen, um sich ein richtiges Bild von einer Insel oder einer Stadt zu machen.

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Die letzten Tage des Urlaubs verbrachte ich erneut auf Koh Samui – die Insel, von der ich noch gar nichts gesehen habe. Meine Unterkunft befand sich am Crystal Bay Beach, im Osten der Insel. An der Crystal Bay befinden sich Felsformationen, die mich an die Seychellen erinnern. Mit dem Roller besichtigte ich etliche Viewpoints, Strände und lokale Sehenswürdigkeiten, die mir allesamt sehr gefallen haben. Der Gesamteindruck der Insel ist jedoch weniger positiv als der von Koh Phangan. Koh Samui ist wirklich sehr auf den Tourismus ausgelegt. Sei es um die Regionen am Chaweng Beach oder am Lamai Beach. Hier säumen sich die Beach Clubs und die Bässe donnern bis spät in die Nacht hinein. Party-Urlauber kommen hier sicherlich auf ihre Kosten, Ruhesuchende eher weniger. Vor meiner Abreise nach Stockholm verbrachte ich noch eine weitere Nacht in Bangkok, im Conrad Bangkok.

Fazit zu meiner Thailand-Reise

Gerne und oft schaue ich mir die Urlaubsbilder an – ich schwelge förmlich in Nostalgie. Thailand – so vielseitig wie ich es erwartet habe. Bangkok, die Stadt, die mich geschafft hat. Chiang Mai, die Oase im Norden Thailands. Die drei Inseln, die meiner Meinung nach unterschiedlicher nicht sein können bleiben mir in positiver Erinnerung. Ich hatte das Glück, dass ich mich meistens fernab der typischen Touristen-Hotspots aufgehalten habe, wenngleich ich mir wohl eingestehen muss, dass ich von dem wahren Thailand nur wenig gesehen habe. Aber was ist das wahre Thailand?

Autor

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  • Also Bangkok hat mich auch umgehauen – aber im positiven Sinne: Menschmassen, Lärm, Gerüche, Geräusche, Autos, Roller etc. Würde da jederzeit gerne wieder hin.

    Ich kann aber auch gut nachvollziehen, dass es dir im geordneten, sauberen (und kleinerem) Singapur besser gefiel.

    Taxi ist günstig und es wurde in meinem Fall auch immer brav über Taximeter abgerechnet. Darüber hinaus ist die Innenstadt/Altstadt von Bangkok eh nicht so gut mit den ÖPNVs zu erreichen und die unterschiedlichen Verkehrsmittel greifen schlecht ineinander. Wer zu zweit reist, zahlt mit dem Taxi sogar meist weniger, so dass sich die Frage nicht stellt, mit viel Gepäck nach einem Langstreckenflug schon mal gar nicht.

    In Kuala Lumpur waren die Erfahrungen mit dem Taxi genauso gut; hier wurde am Flughafen ein nach der Nennung meines Hotels ein Fixpreis ausgemacht und bezahlt.

    • Hallo Marcel,

      da sieht man wieder, wie unterschiedlich doch Geschmäcker sein können. Wenngleich ich mich selbst gerne als leicht chaotisch bezeichne und es das Abenteuer liebe, war mir Bangkok wohl einfach eine Spur zu groß, zu laut, zu hektisch.
      Ich wage zu behaupten, dass man Bangkok mit Singapur grundsätzlich nicht vergleichen kann bzw. sollte – ich es unterbewusst jedoch häufig getan habe. Dieses Empfinden passt deshalb ideal in diesen Artikel rein, da es wirklich “ungefiltert” ist. Deine Schilderungen zum ÖPNV kann ich nur bestätigen, wenngleich ich den oberirdischen BTS richtig gut finde – liegt wohl auch daran, dass er mich positiv an Singapur erinnert! 😀
      Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar,
      Tobi

    • Guten Abend Dieter,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich habe nirgends behauptet, dass ich viel und das wahre Thailand kennengelernt habe. Ich glaube, dass das in drei Wochen auch nicht möglich ist. Langjährige Thailand-Urlauber, Leser mit thailändischem Partner/in sind mir da weit voraus. Ich schildere mein persönlichen Eindrücke, ohne den Anspruch zu haben, dass jemand diese Auffassungen teilt. Im Gegenteil: es scheint so, als wärest du deutlich erfahrener im Bereich Thailand. Sei so lieb und lass mir doch ein paar Insider-Tipps zukommen, sodass ich meiner nächsten Urlaubsgeschichte auch deinen Geschmack treffe.
      Liebe Grüße,
      Tobi

    • Ist doch schoen , das es solche menschen noch gibt.
      Ich wuensche mir nur einen teil dieser bluemeranten wahrnehmung zu haben um es ansatzweise noch ‘ ertragen’ .

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