Vor gut einem Jahr habe ich an dieser Stelle ein Plädoyer für eine Senkung des Mindestumsatzes bei American Express® geschrieben. Inzwischen hat Amex genau diesen Schritt gewagt – und gleich doppelt clever gelöst.

Über die Jahre haben sich die American Express Kreditkarten zur wohl beliebtesten Option zum Meilensammeln entwickelt, auch dank hoher Neukundenboni in Form von Membership Rewards® Punkten. Lange war der Weg zu diesem Bonus für viele jedoch schlicht zu sportlich. Mit der Einführung eines gestaffelten Mindestumsatzes zum Anfang des Jahres hat American Express genau hier nachjustiert. Höchste Zeit für eine Einordnung: Reicht der Schritt – oder ist noch Luft nach oben?

Vom 13.000-Euro-Brocken zum gestaffelten Bonus

Beginnen wir mit einem Blick auf die Fakten – und darauf, was sich konkret verändert hat. Die alte Regel: Lange gab es den Neukundenbonus nur nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Für den vollen Bonus der American Express Platinum Card brauchte es satte 13.000 Euro Umsatz in sechs Monaten, bei der Gold Card 6.000 Euro – wer diese Marke knapp verpasste, ging komplett leer aus.

Der neue Status quo: Der Bonus ist jetzt gestaffelt. Bei der Platinum Card gibt es schon ab 6.000 Euro Umsatz einen ersten Teilbonus von 40.000 Punkten, den vollen Bonus von bis zu 85.000 Punkten dann ab insgesamt 10.000 Euro – jeweils in den ersten sechs Monaten.

Erster Teilbonus ab 6.000 Euro bei der Platinum Card

Auch bei der Gold Card gilt das neue Prinzip: Einen ersten Teil des Bonus sichert man sich bereits ab 3.000 Euro Umsatz, den vollen Willkommensbonus von bis zu 50.000 Punkten ab insgesamt 5.000 Euro in sechs Monaten. Wer also nur die Einstiegshürde nehmen möchte, kommt heute mit deutlich weniger Umsatz ans Ziel als noch vor einem Jahr.

Der eigentliche Clou steckt dabei weniger in den niedrigeren Zahlen als im Prinzip dahinter: Früher war der Bonus ein Alles-oder-nichts-Geschäft – wer die Zielmarke knapp verfehlte, bekam gar nichts. Heute wird jeder Schritt belohnt, der erste Teilbonus ist also schon gesichert, selbst wenn der volle Umsatz am Ende nicht zusammenkommt. Das nimmt dem Sammeln genau den Druck, der viele bisher abgeschreckt hat.

Schon an diesen Zahlen zeigt sich, wie sinnvoll der Schritt ist. Denn Ausgaben von mehr als 2.000 Euro im Monat über ein halbes Jahr sind für einen durchschnittlichen Haushalt kaum zu stemmen – vor allem, weil sich die größten Posten wie Miete, Hypothek, Nebenkosten oder die Kfz-Finanzierung in der Regel nicht mit Kreditkarte zahlen lassen – auch wenn es für Miete und Nebenkosten inzwischen Umwege gibt.

Warum die Senkung genau zur richtigen Zeit kommt

Dass gerade die American Express Platinum Card in den vergangenen Jahren in immer mehr Gesellschaftsschichten zum Trend geworden ist, passte nie zu einer Einstiegshürde, die nur eine kleine Zielgruppe nehmen kann. Schon statistisch gesehen gibt es nicht viele Haushalte mit einem frei verfügbaren Einkommen von mehr als 2.000 Euro im Monat – realistisch bräuchte es dafür mindestens 5.000 Euro netto.

Auch die Gold Card aus Metall bringt einen gestaffelten Bonus

Hinzu kommt das Timing: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist bestenfalls herausfordernd, die Sparquote der Haushalte entsprechend hoch. In solchen Phasen geben selbst diejenigen, die es sich leisten könnten, ihr Geld zurückhaltender aus. Ein niedrigerer Einstieg in den Bonus ist daher genau das richtige Signal zur richtigen Zeit.

Die Amex Akzeptanz in Deutschland bleibt ein Thema

Ein weiteres Argument, das für die Senkung spricht: Trotz massiver Fortschritte ist die Kreditkartenakzeptanz in Deutschland noch nicht auf dem Niveau anderer Länder – und American Express wird im Speziellen noch immer etwas seltener akzeptiert als Visa oder Mastercard. Gesetzliche Vorgaben könnten das in den kommenden Jahren zwar verbessern, perfekt ist es aber längst nicht.

Im Alltag wird American Express längst breit akzeptiert

Aus eigener Erfahrung beim Erreichen des Mindestumsatzes für die Gold Card Rosé aus Metall: Von meinen Alltagsausgaben eines Monats, die ich mit Amex bezahlen wollte – vom Bäcker über das Restaurant bis zum Online-Shopping – musste ich für rund ein Drittel auf eine andere Kreditkarte ausweichen. Genau deshalb ist ein niedrigerer Mindestumsatz so wertvoll: Er federt ab, dass man eben nicht überall mit Amex zahlen kann – wie man den Mindestumsatz trotzdem erreicht, zeigen wir in einem eigenen Ratgeber.

Ein guter Schritt – aber noch nicht das Ende

Mit der Staffelung hat American Express im Kern das getan, wofür ich vor einem Jahr plädiert habe: Die Einstiegshürde ist faktisch nahezu halbiert. Wer für einen ersten, attraktiven Teilbonus nur noch 6.000 statt 13.000 Euro umsetzen muss, für den ist die Platinum Card auf einmal eine realistische Option – und genau diese Gruppe ist eine spannende Zielgruppe selbst für die Premium-Kreditkarte.

Noch deutlicher zeigt sich dieser Kurs an einer weiteren Neuerung: Mit der American Express Green Card gibt es inzwischen eine Einsteigerkarte mit einem Willkommensbonus von 10.000 Punkten – und das bei einem vergleichsweise moderaten Mindestumsatz. Wer das Sammeln von Membership Rewards Punkten erst einmal ausprobieren möchte, ohne sich gleich an die Hürden der Gold Card oder Platinum Card zu binden, findet damit einen besonders niedrigschwelligen Einstieg in die Amex-Welt.

Der niedrigere Einstieg macht Gold und Platinum attraktiver

Jeden glücklich machen kann man damit aber sicherlich nicht, denn für den vollen Bonus der Platinum Card sind weiterhin 10.000 Euro fällig – in sechs Monaten noch immer viel Geld.

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass es auch anders geht: In der Schweiz etwa verlangt American Express für den Willkommensbonus bis heute gar keinen Mindestumsatz. In anderen Märkten wie den USA, Großbritannien oder Frankreich gibt es zwar ebenfalls Umsatzhürden, doch die fallen je nach aktueller Aktion sehr unterschiedlich aus und ändern sich regelmäßig – mal niedriger, mal höher als hierzulande. Eine feste Logik gibt es also nicht, und genau das zeigt: Beim Mindestumsatz wäre durchaus noch Bewegung möglich.

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Letztlich bleibt: American Express hat mit der gestaffelten Lösung einen klugen Mittelweg gefunden, der die neue Amex Gold Card aus Metall und die Platinum Card für deutlich mehr Menschen interessant macht – ganz so, wie wir es bei den besten Aktionen der vergangenen Jahre gesehen haben. Noch mehr Kundengruppen könnte man gleichwohl erschließen, wenn das erst der Anfang wäre und auch der volle Bonus künftig leichter erreichbar wird.

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Autor

Moritz hat sich über die Jahre ein enormes Wissen über Finanzprodukte, Loyalitätsprogramme und Luxusreisen angeeignet. Für Luxushotels, First Class Flüge sowie die Details von Kreditkarten, Tagesgeldkonten und mehr ist Moritz genau der richtige Ansprechpartner!

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