Krisensituation bei den Kranich-Töchtern: Der Lufthansa-Konzern stellte am gestrigen Abend bereits den Flugbetrieb der Lufthansa-Tochter Germanwings ein und auch Swiss, Austrian und Brussels Airlines sollen in den kommenden Monaten massiv schrumpfen. Zudem könnten die Langstreckenverbindungen von Eurowings vorübergehend gestrichen werden, und auch vor Sunexpress liegen aktuell unsichere Zeiten.

Es war schon länger von Überlegungen des Lufthansa-Konzerns die Rede, den Tochterbetrieb Germanwings zu schließen. Drohungen dieser Art seien offenbar im Rahmen des andauernden Streitthemas um die angekündigte Kurzarbeit geäußert worden, wie verschiedene Quellen berichteten. Gestern Abend war es dann so weit: Die Schließung des Flugbetriebes der Lufthansa-Tochter Germanwings wurde offiziell bekannt gegeben. Nach Informationen von Airliners.de sollen nun auch die von Eurowings operierten Langstreckenverbindungen über den ganzen Sommer hinweg ausgesetzt werden, was einen erneuten Aufschrei aufseiten der Gewerkschaften provoziert. Und auch auf die anderen Lufthansa-Töchter Swiss, Sunexpress, Austrian und Brussels Airlines wartet aktuelle eine ungewisse Zukunft. Ein Überblick.

Lufthansa will Eurowings-Langstrecken ab Düsseldorf aussetzen

Im Streit um die Umstrukturierung der Arbeitsverhältnisse auf Kurzarbeit stelle die Lufthansa nach einer Recherche des Airliners neben dem Unternehmen Germanwings nun offenbar auch die von Eurowings operierten Langstreckenverbindungen ab Düsseldorf infrage. Demnach wolle die Lufthansa Eurowings vorerst auf ein AOC verschlanken – also alle verfügbaren Strecken künftig selbstständig operieren, und nicht mehr von einer der Partner-Airlines durchführen lassen. Besagte Eurowings-Langstrecken wurden unter anderem von der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines betrieben – bis jetzt. Nach aktuellem Informationsstand könnte der geplante Sommerflugplan vollständig ausgesetzt werden.

Problematisch sei in dieser Hinsicht besonders die Veränderungen des Flugplanes aufseiten der Lufthansa selbst. Der im Rahmen der globalen Coronakrise stark eingeschränkte Notflugplan wurde erst vor wenigen Tagen verlängert – allerdings nur bis zum 3. Mai 2020. Zwar flottet die Lufthansa nun etliche Flugzeuge früher aus, Flugpersonal und Mitarbeitern der Brussels Airlines wurden nun jedoch eine Verlängerung der Kurzarbeit sogar bis Ende Oktober dieses Jahres angekündigt, wie es laut Informationen aus Gewerkschaftskreisen hieß. Bereits vor der Krise schien die Situation rund um die Eurowings-Langstrecken in Düsseldorf mehr als ungewiss. Betroffene Gewerkschaften hatten in der Vergangenheit bereits auf die Drohungen zur Germanwings-Situation ausgesprochen empört reagiert.

Krisensituation bei Lufthansa und Sunexpress Deutschland

Im Angesicht der Coronakrise stellt die Bedrohung tausender Arbeitsplätze ein äußerst relevantes Risiko dar. Die Gewerkschaften für Piloten und Flugbegleiter sorgen sich nach der Germanwings-Schließung nun auch um das Überleben anderer Partner-Airlines von Eurowings – Brussel Airlines, Austrian Airlines, Swiss und Sunexpress Deutschland. Letztere operierte bis dato ebenfalls einige Eurowings-Langstrecken der Lufthansa. Gerüchten zufolge erwartete das Sunexpress-Flugpersonal ursprünglich einen geregelten Tarifvertrag zur Kurzarbeit – stattdessen wurden “offenbar Aufhebungsverträge zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses” verschickt, wie Airliners berichteten.

In einem offiziellen Statement vonseiten Sunexpress’ werde dieser Darstellung jedoch vehement widersprochen. Aufhebungsverträge für das fliegende Personal seien ausdrücklich nicht verschickt worden, wie eine Sprecherin von Sunexpress offenbar bestätigte. “Tatsächlich befinden wir uns derzeit in konstruktiven Verhandlungen zu einem Tarifvertrag für die Kurzarbeit und sind überzeugt, dass wir hier zeitnah zu einer guten Lösung kommen werden.” Es habe weiterhin oberste Priorität, auch “in dieser schweren Krise alle Mitarbeiter an Bord halten zu können”.

Ungewisse Zukunft für Eurowings

Der Lufthansa-Konzern arbeitet bereits seit vergangenem Jahr und der damaligen Übernahme der Eurowings-Verantwortung an einer Umstrukturierung der Operation von touristischen Langstrecken. Es sei ohnehin geplant gewesen, bis zum Jahr 2022 das gänzliche Langstreckengeschäft in eine Einheit zu verbinden. Und auch Eurowings selbst hatte bereits in der Vergangenheit Ankündigungen gemacht, die aktuell auf drei Betriebe verteilte Flotte künftig in nur einem zu bündeln.

Trotz jüngster Verbesserungen hatte Eurowings in den vergangenen beiden Jahren erhebliche Verluste verzeichnet. Im Jahr 2018 waren nach Airliners-Informationen über 230 Millionen Euro verloren worden, vergangenes Jahr immerhin 166 Millionen. Neben der Kernmarke Eurowings selbst werden auch Germanwings, Brussels Airlines und teilweise Sunexpress zum Eurowings-Geschäftsfeld hinzugezählt – und bilden damit das große Sorgenkind der Lufthansa-Mutter.

Austrian und Brussels Airlines sollen radikal verkleinert werden

Das Management der Lufthansa rechne offenbar auch nach einem Abklingen der Coronakrise nicht mit einer baldigen Regulierung des Flugbetriebes, die an die Zeiten vor der Krise anknüpfen könnte. Demnach seien von der aktuellen Umstrukturierung aller Tochter-Airlines massiv betroffen, wie der Konzern am gestrigen Dienstag (7. April 2020) erklärte. So sollen auch die bereits laufenden Umstrukturierungsprozesse bei Austrian und Brussels Airlines weiter verschärft werden. In Österreich und Belgien arbeite man offenbar bereits unter Hochdruck an der Reduzierung der Flotten.

Auf österreichischer Seite müsse man offenbar auch mit der Streichung von Arbeitsplätzen rechnen, wie aus Informationen einer gesonderten Mitteilung hervorgeht. “Unser Ziel bleibt es, so viele Flugverbindungen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten”, wird der Kopf der Austrian Airlines, Alexis von Hoensbroech, zitiert. Das für die Luftfahrt bedeutende Drehkreuz am Wiener Flughafen solle jedoch unter jeglichen Umständen beibehalten werden. “Was immer nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen, werden wir tun”, hieß es vonseiten der österreichischen Chefetage.

Weitere Reduzierungen auch in der Schweiz

Selbst die Schweizer Vorzeige-Tochter Swiss muss offenbar mit drastischen Reduzierungen rechnen. Bereits in der vergangenen Woche hatte man zwei ältere Airbus A319 etwas früher als ursprünglich geplant ausgeflottet. Im Zuge weiterer Maßnahmen dieser Art solle auch die Fluggesellschaft Swiss bei einem Abklingen der Krise deutlich verkleinert worden sein. Zudem wolle man die Auslieferung von bereits bestellten Maschinen für die Kurz- und Mittelstrecken dahin gehend verzögern, dass die Flottengröße deutlich reduziert werde.

Fazit zur Krisensituation bei Lufthansas Töchter

In Krisensituationen wie der aktuellen steht außer Frage, dass der Luftfahrtbetrieb ganz grundsätzlich hohe Verluste hinnehmen müssen wird. Zudem machen Kommunikationsschwierigkeiten und die andauernde Verbreitung von Gerüchten und Fehlinformationen die Lage nicht übersichtlicher. Die Sicherung tausender Arbeitsplätze sollte in jedem Fall oberste Priorität haben. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die Situation besonders rund um Eurowings nun direkt nach der Germanwings-Schließung entwickeln wird. Wir hoffen für das Flugpersonal und sämtliche Mitarbeiter der Mutter- wie Tochterfirmen natürlich nur das Allerbeste und eine baldige Abwendung der aktuellen Krisensituation!

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Autorin

Lilli ist am liebsten in den Wolken - und das nicht nur mit ihrem Kopf. Schon als Kind tourte sie mit einer Tanzgruppe durch Europa, heute ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Wenn sie sich nicht gerade mit ihrem Studium in Berlin beschäftigt, sitzt sie irgendwo auf der Welt hinter ihrem Laptop und berichtet für Euch über die angesagtesten Travel News rund um den Globus - direkt hier auf reisetopia.de!

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