Der Nahost Konflikt wirkt sich weiter auf den internationalen Flugverkehr aus, auch wegen der erhöhten Kerosinpreise. Wir geben Euch einen Überblick darüber, welche Airlines Flüge streichen oder die Preise erhöhen.
Gab es bisher vor allem Flugstreichungen wegen der Sicherheitslage im Nahen Osten, wirken sich mittlerweile auch die gestiegenen Kerosinpreise auf die Flugpläne aus. Mehrere Fluggesellschaften greifen deshalb seit März auf Flugstreichungen oder Preiserhöhungen zurück, wie die Airlines mitteilten. Nun gibt es weitere Änderungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehrere Fluggesellschaften streichen Flüge oder erhöhen ihre Ticketpreise
- Grund sind die erhöhten Kerosinpreise
- Auch europäische Airlines wie Lufthansa und Air France-KLM sind betroffen
- EU-Kommission gibt Update zu Fluggastrechten bei Erstattung von Ticketpreisen
12. Mai 2026: EU-Kommission gibt Richtlinien-Updates
Die EU-Kommission hat klargestellt, dass die Preise für Flugtickets von den Fluggesellschaften nicht nachträglich wegen steigender Treibstoffkosten geändert werden dürfen. Darüber berichtete unter anderem das Handelsblatt. Die Airlines müssen den endgültigen Ticketpreis inklusive aller unvermeidbaren und vorhersehbaren Kostenbestandteile bereits bei der Buchung vollständig anzeigen. Dabei bezieht sich die EU auf die Verordnung 1008/2008 zur transparenten Preisgestaltung von Flugtickets.
Genauso wenig dürfen Fluggesellschaften entsprechende Klauseln in ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen einbauen, die etwaige Treibstoffzuschläge erlauben könnten. Diese seien laut der EU-Kommission nicht mit geltendem EU-Recht vereinbar und somit auch nicht durchsetzungsfähig.
Weiterhin hat die Europäische Kommission klarere Richtlinien zur Erstattungsfähigkeit bei Flugausfällen in Zusammenhang mit Kerosinpreisen und Kerosinmangel festgelegt. Im Falle von hohen Kerosinkosten gelten die EU-Fluggastrechte unverändert. Das bedeutet: Passagiere, deren Flug ausfällt, behalten auch bei hohen Treibstoffpreisen das Recht auf eine Erstattung durch die Fluggesellschaft.
Kann das Flugzeug allerdings aufgrund von Kerosinmangel nicht abheben, kann dies laut der EU-Kommission einen außergewöhnlichen Umstand darstellen. In einem solchen Falle ist die Erstattung des Ticketpreises nicht gesichert, da die Fluggesellschaften möglicherweise von ihren Zahlungspflichten befreit werden.
Lufthansa Group erhöht Treibstoffzuschläge
Durch die Erhöhung der Kerosinpreise und die Schließung der Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels fließen, haben mehrere Fluggesellschaften ihre Preise erhöht. Eine davon ist die Lufthansa Group. Die Treibstoffzuschläge der deutschen Airline können Passagiere im schlimmsten Fall rund 1.000 Euro kosten – das wäre bei Award Flights in der First Class der Fall.
Die Höhe der Treibstoffzuschläge hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Länge der Strecke, der Reiserichtung, aber auch von der Reiseklasse. Die höheren Klassen sind hier am stärksten betroffen. Waren im März noch vor allem die Flüge von und nach Nordamerika betroffen, erstrecken sich die Zuschläge nun auch über andere Regionen. Auf den Routen nach Südamerika und Südafrika sind die Zuschläge teils um 50 Prozent gestiegen.
Die Lufthansa Group erklärte am 16. April 2026 in einer Pressemitteilung, sie würde Kapazitäts- und Flottenmaßnahmen aufgrund der gestiegenen Kerosinkosten vorziehen. Dazu gehören die sofortige Einstellung der Lufthansa CityLine und ab dem Winter auch die Reduzierung von Angeboten auf den Kurz- und Mittelstrecken. Zum Ende des Sommers soll die Ausflottung der letzten vier Airbus 340-600 Jets und die Stilllegung von zwei Boeing 747-400 Jets erfolgen. Laut einer neuen Pressemeldung erwartet die Lufthansa Group zusätzliche Kosten von rund 1,7 Milliarden Euro für Kerosin, soll allerdings rund 80 Prozent ihres Treibstoffbedarfs abgesichert haben.
Am 11. Mai 2026 hatte Austrian Airlines CEO Anette Mann zudem angekündigt, dass die österreichische Lufthansa-Tochter ebenfalls eine Erhöhung der Ticketpreise vornehmen werde.
Weitere Airlines erhöhen Preise
Doch die Lufthansa ist nicht die einzige Fluggesellschaft, die ihre Preise wegen der erhöhten Kerosinpreise erhöht hat. Auch weitere Airlines, sowohl in Europa, als auch in Asien, ziehen mit.
Air France – KLM
Die französisch-niederländische Fluggesellschaft war eine der Ersten, die ihre Flugpreise erhöht hatte. Mitte April wurde bereits angekündigt, dass es einen Zuschlag von bis zu 100 Euro auf Langstrecken geben würde.
Wer nach Kanada, in die USA oder nach Mexiko reisen möchte, muss mit rund 70 Euro Abgaben rechnen, für Kurz- und Mittelstreckenflüge werden rund 10 Euro pro Hin-und Rückflug fällig. Am 17. April 2026 berichtete Aerotelegraph, dass die Fluggesellschaft im Mai 2026 circa 80 Hin- und Rückflüge aus dem europäischen Programm streicht. Während der Feiertage im Mai soll der Flugplan aber stabil bleiben.
Von den Streichungen betroffen sind vor allem stark beflogene Strecken wie beispielsweise von Amsterdam nach London oder Düsseldorf. Insgesamt sollen in den nächsten Monaten ganze 160 Flüge bei KLM gestrichen werden. Im Bericht zum ersten Quartal gab die Fluggesellschaft nun außerdem bekannt, dass 2026 Treibstoff-Mehrkosten von über zwei Milliarden Euro drohen könnten, die Gesamtkosten würden auf mehr als acht Milliarden Euro ansteigen.
Cathay Pacific
Auch die Fluggesellschaft aus Hongkong, Cathay Pacific, hat ihre Preise erhöht. Seit dem 18. März 2026 sind die Treibstoffzuschläge auf rund das Doppelte angestiegen. Laut Aviation.Direct wurden die Zuschläge am 1. April 2026 noch einmal um rund 34 Prozent erhöht.
Bei der Hongkonger Fluggesellschaft ist vor allem die Langstrecke betroffen, unter anderem die Strecken von Hongkong nach Europa oder Nordamerika.
Lufthansa Group, SAS und Cathay Pacific streichen Flüge
Die schwedische Fluggesellschaft SAS ging Mitte März 2026 noch einen Schritt weiter und hat im April 2026 rund 1.000 Flüge gestrichen, das berichtete airliners.de. Bereits im März soll die Airline einige hundert Flüge gestrichen und ihre Preise erhöht haben. Genauere Informationen dazu liegen noch nicht vor.
Auch Cathay Pacific zog nach. Wie airliners berichtete, plant die Hongkonger Fluggesellschaft, vom 16. Mai bis zum 30. Juni 2026 rund zwei Prozent ihrer Flüge zu streichen. Betroffen sein sollen vor allem die Regionalstrecken sowie einzelne Flüge nach Australien, Südafrika und Südasien.
Und auch die Lufthansa Group streicht nun Flüge. Bis Oktober 2026 sollen rund 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen werden, um Kerosin zu sparen. Die ersten 120 Flugstreichungen, mit Wirkung bis Ende Mai, wurden bereits umgesetzt. Betroffen sind die Strecken von Frankfurt nach Bydgoszcz, Rzeszow und Stavanger. Zudem werden laut einem Bericht der Berliner Zeitung ab Juni jeweils ein täglicher Flug von Dresden und Leipzig der Lufthansa nach Frankfurt gestrichen
Zehn Verbindungen sollen über andere Hubs konsolidiert werden: Heringsdorf, Cork, Danzig, Ljubljana, Rijeka, Sibiu, Stuttgart, Trondheim, Tivat und Breslau. Die geplante Konsolidierung des Europanetzes soll über die sechs Drehkreuze der Lufthansa Group in Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom erfolgen.
Mögliche Kerosinlieferung aus Israel
Momentan verfügt die deutsche Flugbranche über ausreichend Kerosin, laut dem Tagesspiegel gibt es aber schon erste Lösungsansätze, falls sich das ändern sollte. Unter anderem soll Israel angeboten haben, Kerosin an Deutschland zu liefern, im Rahmen einer bestehenden Energiepartnerschaft. Die Ministerien beider Länder seien dazu im Austausch. Auch aus den USA könnte es mehr Lieferungen geben, dazu müsste das dort gängige Kerosin auch für Europa zugelassen werden. Momentan muss dieses zuerst noch in einer Raffinerie verarbeitet werden.
Asien Airlines ebenfalls betroffen
Ab Mai 2026 machen sich die gestiegenen Kerosinpreise auch bei Thai Airways bemerkbar. Laut LoyaltyLobby streicht die thailändische Fluggesellschaft seit dem 1. Mai 2026 Flüge im Inland, auf Routen in Asien und Flüge nach Europa. In Deutschland sind die Strecken von und nach Frankfurt sowie von und nach München betroffen. Laut TravelMole sollten sich außerdem die Treibstoffzuschläge auf einigen Routen ab dem 1. Mai um bis auf das Doppelte erhöhen.
Und auch Air India reduziert ihren Flugplan. Die indische Fluggesellschaft streicht laut AeroTime bis Juli 2026 rund 100 Verbindungen zwischen Indien und Europa sowie Nordamerika. In einer Pressemitteilung vom 13. Mai 2026 hat die indische Nationalairline nun mitgeteilt, dass es zwischen Juni und August zudem 2026 zu erheblichen Flugstreichungen und -reduzierungen weltweit kommen wird.
Unter anderem setzt Air India Flüge zwischen Delhi und Chicago sowie Mumbai und New York und Delhi und Newark temporär vollständig aus. Gleiches gilt für Flüge zwischen Delhi und Shanghai sowie Chennai und Singapur. Auch die Flugrouten zwischen Delhi und Malé und Mumbai und Dhaka werden auf unbestimmte Zeit nicht weiter geflogen.
Die stärkste Reduzierung in Europa trifft die Verbindung zwischen Delhi und Paris. Hier werden die Flüge auf die Hälfte reduziert, sodass es nur noch sieben statt 14 wöchentliche Flüge geben wird. Wien und Zürich werden um einen wöchentlichen Flug reduziert. Eine weitere starke Reduzierung gibt es im asiatischen Raum auf der Flugstrecke Delhi – Singapur, die auf 14 statt 24 wöchentliche Flüge reduziert wird. Von Chennai aus werden auf unbestimmte Zeit sogar gar keine Flüge mehr nach Singapur angeboten.
In Zukunft werden mit Sicherheit noch weitere Airlines folgen, die ihre Ticketpreise erhöhen oder bestimmte Strecken streichen, wenn die Kerosinpreise weiterhin steigen.
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