Die Lufthansa verabschiedet sich vom kostenfreien Catering in der Economy Class auf der Kurz- und Mittelstrecke. Die Entscheidung ist umstritten, aber sowohl die Maßnahme als auch der Zeitpunkt sind klug gewählt.

Jemanden etwas wegzunehmen sorgt immer für Schmerzen, das wissen Fluggesellschaften und Vielfliegerprogramme aus langer Erfahrung. Über die Jahre haben sich die meisten Airlines deshalb angewöhnt, jegliche Form der ehrlichen Kommunikation über Bord zu werfen. Verschlechterungen werden immer wieder mit Kundenfeedback begründet, so auch im aktuellen Fall der Catering-Abschaffung. Das ist weder der richtige Weg noch ehrlich. Der Ärger darüber ist berechtigt, der Frust über die Abschaffung dagegen nur im ersten Moment ein Problem – wirklich zeitgemäß ist das kostenfreie Catering an Bord schon lange nicht mehr.

Kostensenkung und zusätzliche Erlöse gleichermaßen

Es werden die wenigsten Kunden gewesen sein, die sich bei der Lufthansa eine Abschaffung von kostenfreien Snacks und Getränken gewünscht haben. Gleichzeitig allerdings ist die Maßnahme mit Blick auf die finanzielle Situation der Lufthansa zweifelsfrei nachvollziehbar. Dabei gilt es über die Krise rund um das Coronavirus hinwegzublicken, denn auf Kurz- und Mittelstrecken verliert die Lufthansa im Großen und Ganzen seit Jahren Geld – nur in Verbindung mit den Langstrecken ist das Angebot rentabel. Deshalb wurde einstmals auch Eurowings ausgebaut – bekanntermaßen mit mäßigem Erfolg. Klar ist über die Jahre geworden: Für ein Getränk und einen Snack sowie andere Zusatzleistungen wie Gepäck zahlen die Passagiere keinen Premium-Aufschlag. Überall dort, wo die Günstigflieger in besonders starken Wettbewerb treten, haben ehemalige Staatsairlines das Catering und die Snacks deshalb in den letzten Jahren über kurz oder lang abgeschafft – British Airways ist hier nur das prominenteste Beispiel.

Auch andere Airlines haben das kostenfreie Catering bereits abgeschafft

Nachvollziehbar ist das in vielerlei Hinsicht, denn die Abschaffung des Catering darf man nicht darauf reduzieren, dass Kosten für ein Sandwich und eine Cola eingespart werden. Dies allein mag nur einen oder zwei Euro kosten – wenn überhaupt. Doch die Logistik der Ladung von größeren Mengen, das zusätzliche Gewicht und auch das teils zusätzlich notwendige Personal – das ist eher die Ausnahme – sind weitere Kostenfaktoren. Schwerer wiegt allerdings, dass durch inkludiertes Catering auch die Möglichkeit wegfällt, dass Passagiere zusätzliches Geld an Bord lassen. Anders als beim inkludierten Catering, ist bei einem Bezahlangebot nicht nur der Prozess der Ausgabe schneller und einfacher, es wird auch weniger geladen. Gleichzeitig kommen noch einige zusätzliche Einnahmen dazu, die bei Billigfliegern seit jeher einer der wichtigsten Aspekte dafür sind, dass die Bilanz am Ende des Jahres positiv aussieht.

Passagiere werden gerade die Snacks nicht wirklich vermissen

Bei allem Ärger über die Abschaffung der Snacks bei allen Lufthansa Group Airlines – vor einigen Jahren bereits bei Brussels Airlines und seit jeher bei Eurowings, neu nun auch bei Austrian, Lufthansa und Swiss – sollte man darüber nachdenken, was wirklich verloren geht. Bei einem Inlandsflug geht es konkret um eine Packung Nüsse, einen kleinen Schokoriegel oder eine andere ungesunde Kleinigkeit. Selbst am Flughafen würde die jeweilige Portionsgröße selten mehr als einen Euro kosten – im Supermarkt einen Bruchteil. Bei etwas längeren Flügen geht es um ein mittelprächtiges Sandwich, das seit Jahren von den Passagieren kritisiert wird. Schmerzhaft sind die Kürzungen eigentlich nur auf ausgewählten Mittelstrecken, bei denen eine “echte” Mahlzeit serviert wurde. Die Qualität ist sicher auch hier streitbar, aber dass man eine warme Mahlzeit ein wenig vermisst, ist gewissermaßen nachvollziehbar.

Wirklich vermissen wird man das Essen wohl nur auf der Mittelstrecke

Die Abschaffung der selten geliebten Snacks dürfte daher für die meisten Passagiere nicht allzu schwer schwiegen – zumindest wenn der Wirbel um die Ankündigung in einigen Monaten verflogen ist. Wirklich aufgeregt hat sich über das bereits im Sommer durch Corona weg-rationierte Snackangebot niemand, weil es scheinbar niemand wirklich vermisst. Anders sieht das vermutlich bei Getränken aus, denn die meisten Passagiere entscheiden sich an Bord eben nicht für Wasser, sondern für einen Saft, eine Cola oder ein Bier und eine Cola. Hier wird den Passagieren etwas genommen, das sie bislang gerne gewählt haben – wohlgemerkt anders als bei den Snacks selbstgewählt. Ein gewisser Ärger ist hier also durchaus nachvollziehbar, denn die kostenfreien Getränke wird man sicher vermissen – anders als ein paar Kalorien, die man eigentlich nicht haben wollte.

Der perfekte Zeitpunkt für eine banale Negativmeldung

Dass der Lufthansa durch die Anpassung keine Herzen zufliegen würden, hatte der Konzern sicher einkalkuliert. Doch in Zeiten der Coronakrise gibt es auch größere Themen, welche die Deutschen bewegen. Außerhalb der eingefleischten Flieger-Community wird die Meldung also wohl eher als Randbemerkung aufgenommen werden. Seit Monaten geht es nur um den Überlebenskampf der Lufthansa, monatliche Millionenverluste und eine unklare Zukunft der gesamten Reisebranche. Wirklich interessiert zeigt sich die breite Maße der zukünftigen Lufthansa-Passagiere in dieser Gemengelage nicht für einen Schokoriegel oder einen Becher Cola. Aus reiner PR-Perspektive hat die Lufthansa daher alles richtig gemacht, die nach den vielen Sparrunden der letzten Jahre bereits erwartbare Kürzung gerade jetzt anzukündigen, um den Aufschrei möglichst klein zu halten.

Kostenlose Snacks werden bald vergessen sein

Doch selbst unter den eingefleischten Vielfliegern wird der Ärger im wahrsten Sinne des Wortes bald verfliegen. Natürlich gibt es aktuell wieder viele Aussagen, dass man sich als Passagier unter diesen Umständen anders orientieren wird – doch auf den meisten Strecken gibt es gar keinen Konkurrenten, der noch inkludiertes Catering anbietet – oder überhaupt einen Konkurrenten. Wer nun sagt, dass sie oder er unter diesen Umständen eher zu einer Billigfluggesellschaft greifen wird, lügt sich gewissermaßen selbst an. Wegen eines Snacks und Getränks für zwei Euro wird auch bislang niemand 50 Euro mehr bezahlt oder einen zusätzlichen Umstieg in Kauf genommen haben. Ähnlich wie bei der Abschaffung des kostenlosen Gepäcks im günstigsten Tarif wird sich auch bald wieder ein bekanntes Bild zeigen: Nach einigen Monaten ist der Rauch verflogen und die Passagiere gewöhnen sich an den neuen Status Quo – viele negative Folgen dürfte das für die Lufthansa mittelfristig wohl kaum haben.

Fazit zur klugen Abschaffung des Caterings

Muss die Lufthansa durch die Abschaffung des kostenlosen Caterings mit dem üblichen Shitstorm für negative Ankündigungen zurechtkommen? Natürlich und das ist besonders mit Blick auf die unehrliche Kommunikation auch verdient. Dennoch hat die Lufthansa mit Blick auf das Timing alles richtig gemacht, denn der Ärger wird schnell verfliegen und nach der Krise ist die Lufthansa ohne Catering längst der neue Standard, den niemand mehr hinterfragt. Die Lufthansa dürfte so ihre Erträge verbessern und zeigt gleichzeitig auch noch geschickt, dass sie bereit ist zu sparen, um die staatlichen Hilfen zurückzahlen. Die Nachricht mag nicht positiv sein, aber die Lufthansa geht aus unternehmerischer Sicht den richtigen Weg.

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Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels auf der ganzen Welt. Mittlerweile konnte er über 500 verschiedene Hotels testen und dabei mehr als 100 Städte auf allen Kontinenten kennenlernen. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen besonderen Erlebnissen teilhaben!

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