Die Deutsche Bahn legt der GDL ein Angebot vor, das erstmals eine verkürzte Arbeitszeit in Betracht zieht. Die DB will an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Auch wenn sich das Chaos auf der Schiene aufgrund des Winter-Einbruchs etwas gelegt hat, ist das Chaos hinter den Kulissen nicht weniger präsent. Immer noch verhandeln die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn (DB) über Tarife für Mitarbeiter. Jetzt macht die Bahn ein Angebot, wie unter anderem die Tagesschau berichtet. Gibt es Grund zur Hoffnung auf Besserung?

Verbesserung im Tarifkonflikt?

Seit November hält der Streit über Tarife der Bahn-Mitarbeiter schon an – immer wieder untermalt von Streik-Phasen oder Drohungen. Jetzt möchte sich die Bahn wieder mit der GDL an einen Verhandlungstisch setzen und legt dafür ein neues Angebot vor. Inhalt dieses Angebots ist eine Lohnerhöhung in drei Schritten für alle Mitarbeiter, aber primär auch ein Arbeitszeit-Wahlmodell – volles Gehalt bei einer Stunde weniger Arbeit oder Vollzeitbeschäftigung und 2,7 Prozent mehr Lohn. Bedingung für die Wahlmöglichkeit zwischen beidem ist, dass genügend Personal zur Verfügung steht, ansonsten greift lediglich die Lohnerhöhung. Zudem könnten sich Mitarbeiter für dieses Modell erst ab Jahresbeginn 2026 entscheiden. Das ist noch eine Weile hin und schließt bisher zudem bislang nicht alle Beschäftigten-Gruppen mit ein.

Personalvorstand der Deutschen Bahn, Martin Seiler

Der Vorschlag der Bahn bezieht das Zugpersonal sowie die Lokführer mit ein – außen vor bleiben Fahrdienstleister. Für die sieht sich die GDL gleichermaßen zuständig. Die große Vorlaufzeit des Angebots rechtfertigt Martin Seiler mit dem Fachkräftemangel – man müsse erst sicherstellen können, dass genügend Mitarbeiter eingestellt wurden. Für zukünftige Tarifverträge stellt sich die Bahn eine Laufzeit von 32 Monaten vor.

Es gibt nun absolut keinen Grund mehr, sich Gesprächen zu verweigern. Die GDL muss sich ihrer Verantwortung stellen und mehr Verhandlungen wagen.

Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn

Das aktuelle Angebot ist die Antwort auf die Forderungen des GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky. Denn er hatte erneut Streik-Drohungen ausgesprochen, sollte die Bahn keinen Vorschlag zur Arbeitszeitverkürzung bei gleichbleibendem Lohn liefern. Der DB-Personalvorstand Martin Seiler möchte mit dem Tarif-Angebot einer weiteren Eskalation entgegenwirken. Auch Markus Söder (CSU) hatte die Streiks der GDL bereits scharf kritisiert, Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) forderte die Bahn und die GDL zuvor auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Zwischen Forderung und Machbarkeit

Die Forderungen der GDL sind seit November konstant: eine 35-Stunden-Woche für Schichtarbeiter bei voller Gehaltszahlung – sprich 555 Euro mehr im Monat. Dazu eine steuerfreie Inflationsprämie in Höhe von 3.000 Euro. Anhand des vorgelegten Angebots wird sichtbar, dass sich die Bahn durchaus auf die GDL zubewegen kann, auch wenn dies vorher abgestritten wurde. Die DB hatte die Forderungen für unrealistisch erklärt und weniger Arbeitszeit einem höheren Bedarf an Personal gleichgesetzt. Die GDL sah in attraktiveren Arbeitsbedingungen der Bahn das Potenzial, in Zukunft mehr Mitarbeiter zu werben.

Seit November halten die Tarifkonflikte an und Streik steht immer wieder im Raum

In der Vergangenheit hatte die Bahn bei Verhandlungen bereits Lohnerhöhung von 11 Prozent sowie eine Inflationsausgleichsprämie von 2.850 Euro in den Raum gestellt. Von Arbeitsverkürzung war bisher nicht die Rede gewesen. Erneut verhandelt werden könnte am Donnerstag, dazu hat sich die Gewerkschaft aber bislang nicht geäußert.

Fazit zum neuen Tarif-Angebot der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn möchte wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren und den Tarifkonflikt mit der GDL beenden. Dafür wurde ein Angebot vorgelegt, was erstmals eine verkürzte Arbeitszeit in Betracht zieht. Ab 2026 sollen Mitarbeiter die Wahlmöglichkeit haben: volles Gehalt bei einer Stunde weniger Arbeit oder Vollzeitbeschäftigung und 2.7 Prozent mehr Lohn. Allerdings müssen dafür erst die personellen Kapazitäten geschaffen werden. Es bleibt fraglich, ob sich die Gewerkschaft auf dieses Angebot einlassen wird. Sollte es erneut zu keiner Einigung kommen, könnten Reisenden in nächster Zeit weitere Streiks drohen.

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Autor

Wenn Ricarda auf Reisen ist, fühlt sie sich am lebendigsten. Infiziert vom Reisefieber wurde sie im Jugendalter durch ein Auslandsjahr in den USA. Egal ob mit dem Van, Backpack, Boot oder im Hotel: Sie ist immer bereit für ein neues Abenteuer, gerne auch mit viel Adrenalin. Nach ihrem Journalismus-Studium kann sie bei reisetopia ihre beiden Leidenschaften voll ausleben und versorgt Euch mit spannenden News.

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