Das Coronavirus sorgt nicht nur in Europa, sondern weltweit für enorme Verwerfungen am Luftfahrtmarkt. In Malaysia diskutiert der Staat nun darüber, ob die zwei größten Airlines des Landes fusionieren könnten.

Malaysia Airlines und Air Asia werden aktuell in doppelter Hinsicht stark getroffen. Zum einen fällt der rege Inlandsverkehr in Malaysia, einem aus vielen Inseln bestehenden Staat, weg. Zum anderen gibt es nahezu keinen Tourismus und damit auch keine grenzüberschreitenden Flüge mehr. Die Rettung der beiden Airlines ist für den Staat deshalb ein relevantes Thema, wobei eine Fusion sich mehr und mehr als präferierte Option herausstellt, wie Reuters berichtet. Diskutiert wurde über einen solchen Zusammenschluss zwar schon zuvor, doch die ökonomische Krise könnte nun den Ausschlag geben.

Malaysia Airlines kämpft seit Jahren mit Problemen

Wenngleich Malaysia Airlines die deutlich längere Historie hat und auch international bekannt ist, wäre die Fluggesellschaft bei einem Zusammenschluss nur der Junior-Partner. Die Fluggesellschaft mit Sitz in Kuala Lumpur ist in den letzten Jahren immer tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Schon vor dem Schreckensjahr der Fluggesellschaft, als zuerst eine Boeing 777 spurlos verschwunden ist und danach eine weitere Maschine desselben Typs auf einem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur von einer Rakete abgeschossen wurde, ging es in Hinblick auf das finanzielle Ergebnis immer weiter nach unten. Trotz mehrerer Versuche die Airline wieder auf stabile Beine zu bringen, macht sie bis heute Verlust.

Das oneworld-Mitglied hat allerdings in den letzten Jahren viel getan, um das eigene Angebot auf ein gesundes Maß zu schrumpfen. Unter anderem wurden die Airbus A380 aus dem Liniendienst genommen, auf der Langstrecke setzt die Airline nun primär auf Airbus A330 und neue Airbus A350. Auch die Kurzstreckenflotte ist mit Boeing 737 harmonisiert. Mehrere Langstrecken wurden eingestellt, in Europa steuert Malaysia Airlines beispielsweise nur noch London an, dazu kommen zahlreiche Ziele in Asien und Australien. Der staatliche Einfluss ist allerdings weiterhin gegeben, was bislang wohl auch einer kompletten Sanierung oder einem Verkauf der Fluggesellschaft im Weg gestanden hat.

Hauptkonkurrent Air Asia könnte Malaysia Airlines retten

Die Geschichte von Air Asia ist dagegen gar nicht einmal so unterschiedlich. Die in den 90er-Jahren gegründete Fluggesellschaft war ebenfalls in staatlicher Hand, ehe sie für einen symbolischen Preis inklusive Schulden von einem Konglomerat rund um einen früheren Time Warner Manager übernommen wurde. Seit der Übernahme im September 2001 hat die Airline es trotz des schwierigen Marktes nach den Anschlägen in New York geschafft, schnell profitabel zu werden und sich über die Jahre sogar als Marktführer in Malaysia zu etablieren. Gerade die niedrigen Preise für Strecken ab Kuala Lumpur haben gleichzeitig auch den Abstieg von Malaysia Airlines befeuert.

Mittlerweile ist Air Asia in verschiedenen Märkten vertreten und hat unter anderem eine Langstrecken-Tochter (Air Asia X) sowie Gesellschaften in Indonesien, Thailand und Vietnam. Nun könnte gerade Air Asia der Rettungsanker von Malaysia Airlines werden und dies durch die schwierige eigene Situation auch selbst wollen. Mohamed Azmin Ali, Industrieminister von Malaysia, sagte zu einer möglichen Fusion in einem Interview:

That discussion took place even last year, even before this pandemic came. But we need to continue the discussion. We need to see how best we can save those airlines, and it’s not going to be a very simple answer. Things are very bad, the aircraft are not flying. We need to sit down and discuss how to address these issues.

Man habe auch mit möglichen internationalen Investoren für Malaysia Airlines gesprochen, doch ein solches Investment erscheine durch die Entwicklungen eher unwahrscheinlich, heißt es von Azmin Ali. Vor der Krise hatten unter anderem auch die Golden Skies Venture Group sowie Japan Airlines angedeutet, Malaysia Airlines übernehmen zu wollen. Ob das Interesse der beiden Unternehmen noch vorhanden ist, bleibt aktuell offen. Japan Airlines ist bereits Teilhaber der Airline.

Fusion erscheint wegen homogenen Streckennetz sinnvoll

Dass eine Fusion der beiden Fluggesellschaften sinnvoll sein kann, ergibt sich recht schnell. Besonders ab dem Hub in Kuala Lumpur fliegen beide Fluggesellschaften sehr ähnliche Strecken. Während Air Asia nahezu das gesamte Kurzstreckennetz von Malaysia Airlines abdeckt, fliegt Air Asia auf nahezu allen Verbindungen, welche die ehemals größere Airline auf der Mittelstrecke bedient – dies gilt etwa für die wichtigen Routen nach Sydney und Tokio, aber auch zahlreiche weitere Verbindungen. Denkbar wären dabei sogar verschiedene Szenarien, bei der möglicherweise beide Fluglinien erhalten bleiben könnten.

Air Asia könnte die Kurzstrecken ab Kuala Lumpur übernehmen, während Malaysia Airlines sich komplett auf Langstrecken sowie ausgewählte Kurz- und Mittelstrecken mit klarem Fokus auf Geschäftskunden konzentriert. Möglich erscheint aber auch, dass Malaysia Airlines mehr oder weniger komplett verschwindet und das Geschäftsmodell von Air Asia sich durchsetzt. Die Kostenvorteile auf der Kurz- und Mittelstrecke erscheinen enorm und auch auf den Mittelstrecken nach Australien und Asien gewinnt die Airline immer mehr Marktanteile. Zwar gibt es keine echte Business Class, aber Air Asia X bietet sogar flache Betten in der Premium-Klasse.

Die Flotten beider Airlines passen zumindest in einer Hinsicht zusammen: Air Asia X hat genauso wie Malaysia Airlines eine reine Airbus-Flotte auf der Langstrecke, bestellt sind neben weiteren Airbus A330 auch noch mehr als Airbus A350. Auf der Kurzstrecke setzt Malaysia Airlines zwar auf Boeing 737, allerdings erscheint die Abnahme einer Bestellung neuer Boeing 737 MAX immer unwahrscheinlicher. Air Asia hat dagegen mehr als 300 Airbus A320 für sich und alle Töchter bestellt. Eine gemeinsame Airline könnte also mittelfristig auf eine reine Airbus-Flotte umstellen und auf Kurzstrecken auf Airbus A320 sowie Airbus A321 setzen und auf der Mittel- und Langstrecke auf Airbus A330 und Airbus A350.

Fazit zu einer möglichen Fusion von Air Asia & Malaysia Airlines

Während es langsam ein wenig Hoffnung für den Luftverkehr in Asien gibt – Air Asia möchte am 29. April wieder reguläre Flüge aufnehmen – erscheint eine Fusion der beiden großen Airlines in Malaysia wahrscheinlich. Gerade mit den schweren Folgen der Krise, ist der finanzielle Druck für beide Fluggesellschaften noch einmal größer, sich zusammenzusetzen. Eine Fusion erscheint dabei auch durchaus sinnvoll, zumal Malaysia Airlines nur wenige andere Perspektiven hat, um mittelfristig wieder Erträge zu erzielen.

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Autor

Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels auf der ganzen Welt. Mittlerweile konnte er über 500 verschiedene Hotels testen und dabei mehr als 100 Städte auf allen Kontinenten kennenlernen. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen besonderen Erlebnissen teilhaben!

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