Die Lufthansa folgt anderen Airlines und bietet zudem ebenfalls einen Business Class Light Tarif an – mit im Marktvergleich erstaunlich fairen Bedingungen, allerdings auch einem unnötigen Ärgernis.
Machen wir uns nichts vor: Die Einführung eines Business Class Light Tarfis ist im Grunde nichts anderes, als eine versteckte Preiserhöhung. Bei der Lufthansa Group hat der neue günstigste Tarif Light einfach den bisherigen Basic-Tarif beim Preis abgelöst, Letzterer kostet dafür 35 Euro (Premium Economy) beziehungsweise 55 Euro (Business Class) pro Richtung mehr. Doch immerhin gibt es an der Einführung des Business Class Light Tarifs bei der Lufthansa auch Positives, hätte es doch viel schlimmer kommen können.
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Vergleichsweise faire Regelung bei Umbuchung & Freigepäck
Bei Light Tarifen in der Business Class haben die globalen Airlines jeweils ihren ganz eigenen Weg gefunden – in einer Branche, in der man sich sonst stark aneinander orientiert, eine Seltenheit. Wenngleich ein direkter Vergleich damit schwieriger wird, zeigt sich an gleich mehreren Punkten, dass die Lufthansa Group einen vergleichsweise fairen Business Class Light Tarif bietet.
Das beginnt etwa beim Freigepäck, das beim Business Class Light Tarif mit einem Gepäckstück von 32 Kilogramm weiterhin recht großzügig enthalten ist. Bei Air France-KLM sind beispielsweise nur 23 Kilogramm enthalten, bei Finnair muss man sogar komplett auf Aufgabegepäck verzichten, wenn man die günstigste Tarifklasse bucht.
Ähnlich sieht es bei den Umbuchungsbedingungen aus. Zwar sind Stornierungen beim Business Class Light Tarif der Lufthansa Group generell nicht möglich, Umbuchungen bleiben allerdings mit einer Gebühr von 500 Euro zuzüglich Tarifdifferenz möglich, was nicht unbedingt zu erwarten war.
Dieses Muster zeigt gut, dass die Lufthansa bei der Einführung des Business Class Light Tarifs einen sehr konkreten Blick auf die Konkurrenz geworfen hat und die Bedingungen zumindest nicht schlechter macht als bei den meisten Wettbewerbern.
Die große Überraschung mit dem Lounge-Zugang beim Light-Tarif
Am deutlichsten wird das bei einem Vorteil, den man so möglicherweise nicht als Inklusivleistung beim Light Tarif erwartet hätte. Während fast alle anderen Airlines sich entschieden haben, im neuen niedrigsten Tarif der Business Class den Lounge-Zugang zu streichen, rüttelt die Lufthansa nicht an diesem Vorteil.
Auch bei der Buchung des Light-Tarifs dürfen Passagiere nicht nur die Lufthansa Lounges, sondern auch Vertragslounges von Partnern nutzen. Hier ist die Regelung der Lufthansa Group deutlich weniger restriktiv als bei der Konkurrenz. Ob Air France, Finnair oder Qatar Airways – Zugang zur Lounge mit einem Ticket im Light-Tarif gibt es bei den Konkurrenten durch die Bank nicht.
Beim sonstigen Erlebnis am Flughafen und Boarding bleibt dabei generell alles gleich, was den Light-Tarif zumindest verhältnismäßig fair macht. Anders als etwa bei einigen Konkurrenten, gibt es auch bei Security Fast Lane oder dem Priority Boarding keine Differenzierung. Dasselbe gilt auch für das Erlebnis an Bord.
Das führt insgesamt dazu, dass der neue Lufthansa Business Class Light Tarif beim tatsächlichen Flugerlebnis im Grunde keine Unterschiede zu den anderen Tarifen aufweist. Auch hier haben andere Airlines angesetzt, ist etwa bei Finnair das sonst inkludierte WLAN an Bord im Light-Tarif nicht enthalten.
Das unnötige Ärgernis für Statuskunden der Lufthansa Group
So sehr die Einführung einer versteckten Preiserhöhung durch einen neuen Tarif immer ein Ärgernis ist, erscheinen fast alle Änderungen der Lufthansa Group gegenüber der Konkurrenz moderat. Das gilt auch für die Sitzplatzreservierungen, die allerdings gerade beim Allegris-Produkt ohnehin schon großenteils kostenpflichtig sind.
Neu kosten nun auch die Classic Sitze (in der neuen Allegris- beziehungsweise Senses-Produktfamilie die “schlechtesten” und einzigen kostenfreien Sitze) eine Gebühr für die Reservierung. Mit Preisen von 80 bis 120 Euro je nach Strecke, bewegt man sich aber auch hier in einem Bereich, den man so von der Konkurrenz kennt.
Ein Eigentor hat sich die Lufthansa allerdings bei den treuesten Kunden geschossen. Anstatt diesen die Gebühr für die Sitzplatzreservierung zu erlassen, wie es auch Konkurrenten wie Air France tun, soll diese bei der Buchung im Light-Tarif vollständig anfallen. Besonders drastisch dürften die Folgen hiervon bei Allegris-Buchungen sein.
Hier dürfen etwa Senatoren aktuell nicht nur Classic Sitze, sondern alle Sitze außer den Suiten ohne Aufpreis schon bei der Buchung auswählen. Wer den Light-Tarif bucht, muss dann stattdessen die volle Gebühr für den Sitzplatz bezahlen, was bei den besseren Sitzen ein Betrag über 200 Euro sein kann. Eine unnötige Bestrafung der Kunden, bei denen man eigentlich in den vergangenen Monaten ansetzen wollte.
Maß und Mitte trotz versteckter Preiserhöhung
Dass man sich gerade hier selbst im Weg steht, passt zwar ins Bild. Dennoch ist die Entwicklung schade, denn ansonsten hat die Lufthansa Group mit dem Business Class Light Tarif tatsächlich Maß und Mitte bewiesen, wenngleich die versteckte Preiserhöhung gleichzeitig sicherlich frech ist. Dass die Einstiegspreise für den Light-Tarif zu einem späteren Zeitpunkt sinken, erwartet zudem wohl niemand.
Gegenüber allen Konkurrenten ist die neue Tarifklasse, die auch dort bei der Einführung auch keine Preisreduktion mit sich gebracht hat, weniger restriktiv und gibt einem als Passagier zumindest großenteils weiterhin das Gefühl, ein “normales” Business Class Ticket gebucht zu haben. Zumindest das darf man als Trostpflaster des neuen Tarifs sehen, dessen Einführung nach dem Vorgehen der Konkurrenz nur noch eine Frage der Zeit war.
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