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Review: Scharffs Schlossweinstube Heidelberg

Die erste Ausgabe des reisetopia Restaurantführers nimmt Euch mit auf das weltbekannte und beliebte Schloss Heidelberg. Heute stellen wir Euch das Restaurant Scharffs Schlossweinstube vor, das sich direkt im Schlosshof befindet.

Scharffs Schlossweinstube – Lage und Ambiente

Das Schloss Heidelberg zählte im Jahr 2015 1,15 Millionen Besucher und war damit unter den Sehenswürdigkeiten Spitzenreiter in Baden-Württemberg. Das Restaurant Scharffs Schlossweinstube liegt damit direkt an einem der touristischen Hotspots in Deutschland. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, der kann schon hier eine kleine Besonderheit erleben. Mit der Zahnradbahn geht es vom Kornmarkt in der Heidelberger Altstadt eine Station den Berg hinauf zum Heidelberger Schloss. Von dort sind es dann noch etwa drei Minuten Fußweg bis zum Restaurant. Wer gut zu Fuß ist, der kann auch den Berg über verschiedene Fußwege erklimmen. Von einer Anreise mit dem Auto würde ich eher abraten. Parken rund ums Schloss ist nur eingeschränkt möglich und, da das Restaurant selbst keine ausgewiesenen Parkplätze hat, nicht sehr ratsam.

Scharffs Schlossweinstube

Man betritt das Restaurant über eine lange Treppe und befindet sich dann in einem Vorraum mit der Getränkeausgabe und dem Zugang zur Küche. Von dort gehen mehrere Räume in verschiedener Größe ab, die alle zum Schlosshof ausgerichtet sind. Die Einrichtung greift die Umgebung sehr schön auf. Vom Holzboden und den Gemälden an der Wand bis hin zu den Kachelöfen und den Lampen – alles vermittelt auf angenehme Weise historisches Ambiente. Durch die Abteilung in mehrere kleinere Räume kommt zudem eine recht gemütliche Atmosphäre auf. Einziges Manko in Sachen Ambiente: Der erste Raum, in dem sich auch mein Tisch befand, grenzt direkt an den Eingangsbereich und den Durchgang zur Küche. Hier ist der Geräuschpegel von außen also etwas höher als in den anderen Räumen.

Amuse bouche und Aperitif

Bei meinem Besuch habe ich drei verschiedene amuse bouches serviert bekommen. Noch bevor ich die Karte bekommen hatte, gab es eine mit Sepiatinte gefärbte Waffel gefüllt mit Ziegenkäse getoppt mit Knoblauchkresse und gelbe Bete auf Pumpernickel. Sehr außergewöhnlich war zudem der auf dem Strohbett servierte essbare Stein mit Quark. Dahinter versteckte sich eine gefärbte Kartoffel. Einfach aber sehr originell. Nachdem ich mein viergängiges Menü gewählt hatte, gab es noch ein Bohnenpotpourri aus dunklen und hellen Bohnen auf Auberginencreme, Mangogelee und dazu ausgelassenen Schweinebauch und eine konfierte Tomate. Als Aperitif wurde mir ein alkoholfreier Apfelseko serviert. Alles in allem ein sehr gelungener Einstieg mit sehr fein abgestimmten Geschmacksrichtungen, verbunden mit der sehr interessanten Komponente des essbaren Steins.

Scharffs Schlossweinstube

Der erste Gang: Brunnenkresse-Schaumsuppe mit Flusskrebsen

Als ersten Gang habe ich mir die Brunnenkresse-Schaumsuppe mit Flusskrebsen ausgesucht. Die Suppe wurde am Tisch aufgegossen. Neben den Flusskrebsen befanden sich im Teller noch ein mit Flusskrebs-Farce gefüllter Crêpe und ein Champagnergelee. Beeindruckt hat mich zunächst das satte Grün der Suppe. Aber auch geschmacklich hat der Gang gänzlich überzeugt. Der Brunnenkresse war deutlich herauszuschmecken, ohne das Gericht unangenehm zu dominieren. Die Flusskrebse waren sehr zart und das Champagnergelee gab dem Ganzen einen geschmacklichen Kick.

Scharffs Schlossweinstube

Der zweite Gang: Poelierter Wels mit Variationen von Avocado

Im zweiten Gang gab es poelierten (hellbraun gedünsteten) Wels mit einer gebratenen Avocado-Spalte, Avocado-Schaum und Avocado-Mouse. Dazu gab es Tomatenespuma, einmal warm und einmal geeist. Dieser Gang hat mich letztlich am Meisten begeistert. Nicht nur war der Fisch perfekt gegart. Auch das Spiel mit den verschiedenen Texturen und dazu noch die Gegensätze der Temperaturen sind perfekt gelungen.

Scharffs Schlossweinstube

Der dritte Gang: Irisches Black Angus Rind

Der nächste Gang bestand aus irischem Black Angus Rind mit einem kräftigen Jus, Blumenkohl, getoastetem Ciabatta und Tauberhaser Mayonnaise. Der Blumenkohl war in verschiedenen Varianten zubereitet: Ganz klassische Röschen, Blumenkohlcreme geröstet und gespickelt. Während das Drumherum sehr lecker war, war ich mit der Hauptkomponente des Gangs, dem Fleisch, nicht ganz zufrieden. In einem der Stücke hatte sich nämlich leider eine kleine Sehne versteckt. Da diese von außen aber wohl nicht sichtbar war, kann man dem Küchenpersonal hier kaum einen Vorwurf machen.

Scharffs Schlossweinstube

Der vierte Gang: Beerentraum mit Schokolade

Das Dessert bestand aus verschiedenen Beeren, einem Erdbeersorbet und dunkler Schokolade. Auch wenn ich nach den Angaben in der Karte etwas anderes erwartet hatte, bildete der Gang einen sehr schönen Abschluss das Menüs. Die Beeren waren sehr lecker angemacht. Ihre Säure und die Schokolade ergänzten sich perfekt. Dazu war das Erdbeersorbet sehr geschmackvoll und frisch.

Scharffs Schlossweinstube

Scharffs Schlossweinstube – Service

Der Service in Scharffs Schlossweinstube war gut, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Alle Mitarbeiter waren sehr freundlich und äußerst kompetent. Abstriche gibt es leider, da ich gleich zu Beginn fast fünf Minuten im Eingangsbereich alleine gelassen wurde bis eine Mitarbeiterin kam, um mich zu meinem Tisch zu führen. Während des Essens waren alle Mitarbeiter sehr aufmerksam. Allerdings waren mir persönlich die Pausen zwischen den Gängen teilweise ein wenig zu lange. Bestes Beispiel hierfür war das Dessert. Die Frage, ob ich eine kleine Pause bis zum Dessert wünschen würde hatte ich verneint. Dennoch musste ich fast zehn Minuten warten, bis es serviert wurde. Auch die Tatsache, dass ich über 20 Minuten auf die Rechnung gewartet habe, führt leider zu Abzügen in diesem Bereich. Hierüber halfen aber die süßen Aufmerksamkeiten zur Rechnung ein wenig hinweg.

Scharffs Schlossweinstube

Scharffs Schlossweinstube – Menüs

Scharffs Schlossweinstube hat im Wesentlichen zwei Menüs im Angebot. Das Menü “Liselotte” gibt es als 3-, 4-, oder 5-Gang-Menü. Die Preise liegen hier bei 79 Euro für drei, 95 Euro für vier und 110 Euro für fünf Gänge. Das Menü “Karl Theodor” wird mit fünf bis acht Gängen serviert und liegt preislich bei 110 Euro (5 Gänge), 125 Euro (6 Gänge), 135 Euro (7 Gänge) und 145 Euro (8 Gänge). Darüber hinaus wird immer zur Schlossbeleuchtung ein spezielles Menü angeboten. Hier inbegriffen ist das Menü mit Weinbegleitung, Aperitif, Wasser, Kaffee und Feuerwerks-Champagner. Darüber hinaus gibt es über das Jahr verteilt verschiedene Events wie etwa die Fürstentafel im Heidelberger Schlossgarten oder das Menü zu den Schlossfestspielen.

Scharffs Schlossweinstube – Fazit

Scharffs Schlossweinstube zeichnet sich durch ihre sehr prominente Lage und sehr feine Küche aus. Zu Recht ist das Restaurant vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Bei meinem Besuch waren im Bereich Service leichte Abstriche zu machen. Betrachtet man das Preis-/Leistungsverhältnis muss man, im Vergleich zu anderen Ein-Sterne-Restaurants im Raum Heidelberg/Mannheim, feststellen, dass man auch im Ein-Sterne-Bereich durchaus günstiger essen kann. Vom Gast wird in Scharffs Schlossweinstube eben auch die Lage mit bezahlt. Alles in allem habe ich meinen Besuch aber sehr genossen.

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Jan

Jan liebt gutes Essen und tolle Hotels. Deshalb berichtet er hier auf reisetopia über Restaurants in Europa sowie Hotels aus dem Netzwerk von Starwood!

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