Flughäfen sind besonders hart von der Coronakrise betroffen, vor allem die kleineren Regionalflughäfen. So sind diese nicht nur auf finanzielle Mittel angewiesen, sie kommen den Steuerzahlern auch teuer zu stehen und das schon vor der Krise.

Ohne jeden Zweifel – die Tourismus und die Luftfahrtbranche haben in diesem Jahr besonders stark zu kämpfen und erleben gerade das schlimmste Jahr der Gegenwartsgeschichte. Einem 90-prozentigen Passagierrückgang stehen hunderte Millionen Euro Verluste gegenüber. Sogar die großen internationalen Drehkreuze Frankfurt und München sind auf Hilfen angewiesen. Noch schlimmer ergeht es den kleinen Regionalflughäfen, einigen davon droht jetzt die Schließung, andere rechneten sich schon vor der Coronakrise nicht. Wie die Tagesschau berichtete, kosteten die Regionalflughäfen dem deutschen Steuerzahler in diesem Jahr alleine rund 650 Euro pro Passagier.

Finanzielle Lücken werden mit Steuergeldern ausgeglichen

Regionalflughäfen werden von vielen sowohl positiv als auch negativ gesehen. Für Reisende aus dem Umland bedeutet dies eine schnellere Anfahrt und mit dem Charterflug nonstop zum Ziel. Für einige Anwohner dürfte der Fluglärm, gerade zu Ferienzeiten, ein großes Ärgernis sein. Auch wenn so ein Flughafen viele Arbeitsplätze schafft, können diese bei weitem nicht mit den Einnahmen finanziert werden. Alleine im Jahr 2018 flossen 100 Millionen Euro an Steuergeldern in Deutschlands Regionalflughäfen. Das bestätigte der Sprecher des Bunds Deutscher Steuerzahler, Matthias Warneke, gegenüber der Tagesschau. Zu den Regionalflughäfen zählen unter anderem Kassel, Paderborn-Lippstadt, Leipzig-Halle, Erfurt-Weimar, Frankfurt-Hahn, Rostock-Laage sowie der Flughafen Bremen und Münster-Osnabrück.

Regionalflughafen Terminal Kassel-Calden
Terminal Kassel Airport

Die Coronakrise setzt dem nur noch einen drauf, wobei hier besonders die Flughäfen von finanziellen Zuschüssen abhängig sind, die auch vor der Krise kaum Gewinne einflogen. Einer von ihnen ist der Regionalflughafen Kassel. Dieser bekam auch von der gemeinsamen Umweltstudie des BUND und des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) eine rote Karte. Nach dieser Studie sind gleich sieben Regionalflughäfen mit einer roten Karte versehen worden, denen eine sofortige Schließung nahegelegt wird. Kassel zumindest kostete den deutschen Steuerzahler allein in diesem Jahr rund 650 Euro pro Passagiere. Wobei man sich von diesem Geld schon selbst ein Hin- und Rückflugticket zu einem Urlaubsziel kaufen könnte.

Paderborn-Lippstadt und Erfurt ebenfalls mit Zuschüssen

Nach Angaben der Tagesschau waren für Kassel in diesem Jahr 650.000 Passagiere geplant. Jedoch waren es im letzten Jahr alleine nur 120.000 Passagiere und 2020? Aufgrund der Coronakrise fertigte der Flughafen von Januar bis Oktober nur rund 27.000 Passagiere ab. Insgesamt 18 Millionen Euro bekam alleine dieser Flughafen in diesem Jahr an Steuergeldern, was gerechnet an den 27.000 Passagieren rund 650 Euro pro Passagier für die Steuerzahler bedeutet.

Flughafen Paderborn Lippstadt
Flughafen Paderborn Lippstadt

Aber auch in Erfurt und Paderborn-Lippstadt sieht die Lage nicht besser aus. Letzterer meldete bereits Insolvenz an, bleibt aber vorerst in Betrieb. Die 27.000 Passagiere am Flughafen Erfurt in diesem Jahr haben den Steuerzahler somit effektiv 145 Euro pro Fluggast gekostet. In Paderborn fiel der Zuschuss mit 50 Euro pro Passagier zwar auf den ersten Blick relativ gering aus, aber immerhin frequentierten in diesem Jahr knapp 91.800 Passagiere an diesem Flughafen und die Zuschüsse sind zehnmal so hoch.

Zwei bis drei Millionen Passagiere braucht es, um einen Flughafen wirtschaftlich zu betreiben.

Eric Heymann, Analyst Deutsche Bank

Diese gab es an den Regionalflughäfen auch schon vor Corona nicht und in den kommenden Jahren rechnet man erst recht nicht mit solchen Zahlen. Darum fordern viele eine bundesweite Reform des Regionalflughafennetzes. Zu diesem Schluss kommt auch die bereits erwähnte Umweltstudie von BUND und dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Einzig die Flughäfen Memmingen und Bremen erhielten anhand der Studie positive Bewertungen. Die restlichen Flughäfen, darunter auch Kassel, Paderborn und Erfurt sind wirtschaftlich und ökologisch nicht tragbar. Von den insgesamt 14 deutschen Regionalflughäfen, können lediglich drei nach Angaben der Studie einen verkehrspolitischen Nutzen vorweisen, da sie die ihre jeweilige Region sinnvoll mit dem internationalen Flugverkehr anbinden würden.

Weiteres Hilfspaket geplant

Etwas anders denkt in diesem Thema auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Seiner Aussage zufolge, hat auch ein Flughafen der bereits rote Zahlen schreibt, eine “strukturpolitische Bedeutung”. Gemeinsam mit dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) soll es demnach ein weiteres Hilfspaket von insgesamt einer Milliarde Euro geben, bereits angekündigte Pakete sind in der Summe bereits berücksichtigt. Vielen geht dieser Schritt aber nicht tiefgreifend genug, sie fordern ein landesweites neues Standortkonzept, bei dem es weniger regionale und mehr wirtschaftlich wertvolle Flughäfen gibt. So auch die Meinung von Matthias Warneke, Sprecher des Bundes der Steuerzahler.

Doch das viele Geld soll nicht allein vom Bund kommen. Dieser will nur die eine Hälfte tragen, da er ebenso an den Flughäfen Berlin, Köln/Bonn und München beteiligt ist, wie die jeweiligen Länder. Das restliche Geld soll von den jeweiligen Ländern dazukommen. Wieviele Regionalflughäfen am Ende eine Zukunft haben und die Krise überstehen, wird sich wohl erst zeigen.

Fazit zur Finanzierung der Regionalflughäfen mit Steuergeldern

Regionalflughäfen sind Fluch und Segen zugleich. Für die einen bedeuten sie Reisefreiheit, eine schnellere Anbindung und ein Arbeitsplatz, für die anderen Lärm und viel Geld. Doch die Bundesregierung und viele Kommunen sehen in ihnen noch immer einen treibenden regionalen Wirtschaftsfaktor, auch wenn dieser dem Steuerzahler effektiv pro Passagier allein in diesem Jahr mehrere hundert Euro und insgesamt somit mehrere Millionen Euro gekostet hat. Letztendlich wird sich das Schicksal der kleinen Flughäfen wohl aus der Coronakrise abzeichnen. Wer darf offen bleiben und wer muss am Ende schließen!

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Autorin

Seit sie 4 Jahre alt ist, reist Julia um die Welt und besucht gerne exotische Orte und weiße Strände. Am liebsten entspannt sie irgendwo am Strand in der Sonne oder genießt beim Windsurfen die Grenzenlosigkeit des Meeres. Nebenbei studiert sie in Berlin Tourismusmanagement. Bei reisetopia möchte sie ihre Erlebnisse gerne mit Euch teilen!

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