Aktuell befinden wir uns in einer immensen Krise, weshalb sich immer mehr die Frage stellt: sollte man aktuell eine Kreditkarte beantragen?

Zum Ende der kürzlichen Amex Platinum Aktion stellte sich die Frage, ob sich während der aktuell laufenden Krise die Beantragung einer solchen Kreditkarte überhaupt lohnt. Nun gilt diese Frage aber natürlich nicht nur für einen so spezielle Kreditkarte wie die Amex Platinum, sondern kann natürlich auch deutlich allgemeiner gefasst werden.

Kann man Kreditkarten aktuell überhaupt beantragen?

Obwohl es auf den ersten Blick ironisch klingt, ist diese Frage gar nicht so abwegig. Schließlich war es bis vor einiger Zeit noch nötig für jede Eröffnung einer Kreditkarte eine Identifizierung per Post-Ident zu machen. In Zeiten physischer Distanzierung keine besonders kluge Idee. Glücklicherweise ist es bei den meisten Anbietern und Banken mittlerweile möglich eine Identifikation online zu unternehmen. Egal ob Kreditkarte oder Girokonto, Ihr könnt die Eröffnung komplett vom Sofa übernehmen.

Für eine kostenlose Reisekreditkarte gibt es keinen schlechten Zeitpunkt

Schaffen wir uns für die Beantwortung dieser Frage die einfachen Aspekte aus dem Weg. Nämlich die kostenlosen Kreditkarten. Diese sind auf Reisen eine gute und wichtige Ergänzung, schließlich ist das Bezahlen in Fremdwährungen mit den besten Meilenkreditkarten wie den Amex Kreditkarten oder auch den Miles & More Kreditkarten wegen hoher Gebühren gänzlich unattraktiv. Deshalb empfiehlt es sich, ebenfalls eine Karte im Geldbeutel zu haben, die kostenlose Zahlungen und Abhebungen möglich macht.

Für diese Kreditkarten gibt es eigentlich keinen falschen Zeitpunkt, unabhängig von einer Krise wie der aktuellen, schließlich kosten die Karten sowieso nichts. Dazu kommt, dass Transaktionen wie Bargeldabhebungen (wenn auch nicht zu empfehlen) in der aktuellen Situation mit vielen Ausgaben für Einkäufe nicht noch extra kosten sollten. Deshalb ergibt es auch in der Coronakrise Sinn sich nach einer guten kostenlosen Reisekreditkarte auszustatten, die dann auf Reisen in der Zukunft ein gutes Werkzeug sein kann.

Unsere Empfehlung ist dabei grundsätzlich die Hanseatic Bank GenialCard, da diese nicht wie andere Kandidaten eine komplizierte Abrechnung über Überweisungen oder Teilzahlungen mit hohen Zinsen hat, sondern einfach per Lastschrifteinzug Euren Saldo einzieht. Dazu bietet die Karte weltweit kostenlose Zahlungen und kostenlose Bargeldabhebungen, die nie schaden können. Wenn Euch die Abrechnung einer solchen Karte nicht stört, kann auch die Barclaycard Visa eine Alternative sein, diese bietet nämlich aktuell attraktive 50 Euro Startguthaben.

Bei Premium Kreditkarten mit Jahresgebühr muss man abwägen

Dass es bei einer kostenlosen Kreditkarte relativ egal ist, ob man diese jetzt in der Krise beantragt oder sonst irgendwann, sollte relativ klar sein. Schließlich fallen keine Kosten an, die man über die Nutzung, etwa auf Reisen wieder reinholen muss. Anders sieht das bei Kreditkarten aus, die Geld kosten und dafür ein gewisses Leistungsversprechen machen. In der Regel besteht ein wesentlicher Teil dieser Leistungen aus Vorteilen auf Reisen, die natürlich aktuell nicht genutzt werden können.

DKB Visa Card Automatenentgelte Ausland
Die nächste Fernreise per Kreditkarte abzusichern, lohnt sich wahrscheinlich nicht

Es sollte selbstverständlich sein, dass man aktuell keine der verschiedenen Kreditkarten mit Versicherungen beantragen muss, um geschützt zu sein. Wenn man für diesen Zweck eine Karte beantragen möchte, sollte man dies definitiv auf eine Zeit mit mehr Reisen vertagen.

Meilenkreditkarten lohnen sich in den meisten Fällen auch in der Krise

Wie im Artikel bezogen auf die Amex Platinum schon erwähnt, sind Meilenkreditkarten bei dieser Frage ein wenig ein Paradoxon. Auf den ersten Blick sollte man meinen, dass eine reisebezogene Kreditkarte, was alle Meilenkreditkarten ja natürlich sind, aktuell ganz unten auf der Prioritätenliste stehen sollten. Allerdings ist exakt das Gegenteil der Fall, denn jetzt gerade ist der wohl beste Zeitraum, um das eigene Meilenkonto ordentlich aufzufüllen. Es ist absolut richtig, dass man die Meilen zwar heute sammelt, einlösen kann man diese aber wann immer man möchte.

Dazu kommt, dass aktuell der Großteil der Ausgaben, die man überhaupt noch tätigt, für Einkäufe gelten. Gerade bei diesen kann man eine Menge Meilen sammeln, wenn man es richtig anstellt. Ein wichtiger Teil ist dabei das Nutzen der richtigen Kreditkarte für die maximale Ausbeute.

Nun kann man die aktuelle Ruhe der Coronakrise ein wenig als das stille Meilen sammeln vor dem anstehenden “Reisesturm” sehen. Wie Moritz in seinem Artikel zum Thema auch schon angemerkt hat, wird bei einem Comeback von Reisen wahrscheinlich derjenige stark im Vorteil sein, der genügend Meilen auf dem Konto hat. Das ist begründet dadurch, dass durch die Krise die Airlines zu Anfang wahrscheinlich viele Sitzplätze für Prämien verfügbar machen werden und zudem attraktive Promotionen anbieten werden. Dies kann man natürlich bestmöglich ausnutzen, wenn man die Krise dafür genutzt hat, das eigene Meilenkonto zu füllen!

Jahresgebühr der Kreditkarte vs. generierter Wert durch Meilen oder Vorteile

Um für sich selbst zu entscheiden, ob sich die Beantragung einer Kreditkarte zum Meilen sammeln lohnt, muss man eigentlich nichts anderes machen, als auch außerhalb der Krise: nämlich rational beleuchten, ob sich das Investment für die Karte später lohnt. Leider gibt es in Deutschland fast keine Meilenkreditkarte, die man kostenlos nutzen kann, einzige Ausnahme sind die beiden Payback Kreditkarten. Deshalb muss grundsätzlich die Jahresgebühr der Karte (für die ganz genauen heruntergerechnet auf den Monat) gegen die gesammelten Werte (ergo Meilen) kalkuliert werden.

Besorgt Ihr Euch beispielsweise die Amex Gold Card, die aktuell mit einem soliden Bonus von 20.000 Punkten zu haben ist, müsst Ihr jeden Monat 12 Euro Gebühr wieder “reinholen”. Legt man einen Wert von einem Cent je Amex Punkt zugrunde, würdet Ihr bei einem Umsatz von 1.200 Euro pro Monat durch die gesammelten Punkte “Gewinn” machen (1.200 € Umsatz x 0,01€/Punkt = 12€). Nutzt Ihr den Punkte-Bonus durch das Amex Turbo Programm schaut Ihr sogar auf nur 800 Euro Umsatz, weil diese Euch die 12 Euro zurück verdienen! Tatsächlich ist die Gold Card hier aber kein besonders gutes Beispiel, denn in der aktuellen Lage ist eher die Green Card die bessere Wahl. Schließlich ist diese ab nur 4.000 Euro Umsatz kostenlos und bietet dieselben Vorteile zum Meilen sammeln, allerdings mit geringerem Bonus.

Oman Air Business Class Airbus A330 Sitz 7
Die Meilen für den Business Class Flug in den nächsten Urlaub könnten in der Krise gesammelt werden

Ein Argument, was in Bezug auf Meilen gerne gebracht wird und auch hier erwähnt werden sollte, ist, dass man das Insolvenzrisiko der Meilenprogramme nicht vergessen sollte. Schließlich blicken wir potenziell auf Monate ohne Fernreisen, was für Unternehmen wie Lufthansa nicht gerade rosige Aussichten sind. Allerdings muss man bedenken, dass die Lufthansa schon jetzt staatliche Unterstützung zugesagt bekommen hat und wahrscheinlich bei einem Engpass so gerettet wird. Miles & More als Teil des Konzerns könnte aber ja trotzdem verschwinden, oder? Natürlich ist das grundsätzlich möglich, allerdings zählt Miles & More schon seit Langem zu den profitabelsten Sparten des Konzerns und ist zudem in einer Zeit nach der Krise ein sehr wertvolles Mittel, um Kunden zu aktivieren. Ein Ende des Programms ist daher eher unwahrscheinlich.

Ähnlich sieht es bei Amex aus, denn mit den flexiblen Punkten des Kreditkartenanbieters habt Ihr eine Art Versicherung gegenüber den Insolvenzen von gleich 12 Meilenprogrammen. Statt Eure Meilen bei SAS Eurobonus, Delta SkyMiles oder Cathay Pacific AsiaMiles zu halten, habt Ihr einfach Amex Punkte und könnt diese nach der Krise bei der Airline einlösen, die für Euch am besten passt. Auch in dieser Hinsicht ist das Risiko also gering, auch weil Amex selbst nicht ganz so abhängig vom Tourismus ist.

Fazit zur Beantragung von Kreditkarten während der Coronakrise

Die Coronakrise wirbelt beim Thema Reisen einiges durcheinander. Was Kreditkarten, ob für Reisen oder auch nicht angeht, sieht die Sache allerdings nicht ganz so schlimm aus. Natürlich solltet Ihr, wie eigentlich immer, eine Kalkulation aufstellen, ob es sich lohnt, eine bestimmte Karte zu beantragen. Oftmals lohnt sich die Beantragung, gerade bei Meilenkreditkarten aber auch, wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint.

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Autor

Seit dem ersten Flug in der Business Class ist Jan besessen von Meilen & Punkten. Als Flug- und Reiseverrückter genießt er dabei den Weg ans Ziel mindestens genau so wie die schlussendliche Destination. Auf reisetopia gibt er Euch wichtige Tipps und hält Euch über aktuelle Deals auf dem Laufenden!

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  • Hallo,

    ich muss Euch da leider etwas widersprechen!
    Egal ob Premium oder kostenlos: wichtigstes Kriterium ist die eigene Solvenz und in der Regel ein sicherer Arbeitsplatz. Wenn etwas davon nicht gegeben ist, etwa aufgrund der Krise, sollte man keine Kreditkarte beantragen.

    Die Amex Kulanzaktion ist toll. Schlimm finde ich immer nur, wenn die Meilen in den Vordergrund gestellt werden. Vergisst man den individuellen tatsächlichen Nutzen stellt sich echt die Frage, ob diese nur ein Meilenkaufen ist.

    Grüße

    • Hi Jörg, es steht außer Frage, dass man eine Kreditkarte nicht beantragen sollte, um dann die (oft teure) Kreditfunktionen exzessiv zu nutzen (wie es in den USA oft gemacht wird). Wer allerdings einfach ein zusätzliches Zahlungsmittel sucht und etwa vom kontaktlosen Bezahlen oder vom Punkte / Meilen sammeln profitieren möchte, für den ist die Beantragung aktuell durchaus sinnvoll.

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